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      <title-group>
        <article-title>Konfliktäre Bezeichnungen in Ereignisgesteuerten Prozessketten - Linguistische Analyse und Vorschlag eines Lösungsansatzes</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Patrick Delfmann</string-name>
          <email>delfmann@ercis.uni-muenster.de</email>
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          <string-name>Sebastian Herwig</string-name>
          <email>herwig@ercis.uni-muenster.de</email>
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          <string-name>Łukasz Lis</string-name>
          <email>lis@ercis.uni-muenster.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>Westfälische Wilhelms-Universität Münster European Research Center for Information Systems (ERCIS) Leonardo-Campus 3</institution>
          ,
          <addr-line>48149 Münster</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>178</fpage>
      <lpage>194</lpage>
      <abstract>
        <p>Eine kritische Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von fachkonzeptionellen Modellen ist ihre Verständlichkeit und Vergleichbarkeit. Modelladressaten müssen in die Lage versetzt werden, den mit den Modellen vermittelten Inhalt eindeutig zu erkennen. Dies impliziert das Vorhandensein eines gemeinsamen Begriffsverständnisses unter den Modellierern. Die Herstellung eines solchen gemeinsamen Begriffsverständnisses stellt für Prozessmodelle im Allgemeinen und Ereignisgesteuerte Prozessketten (EPK) im Speziellen eine besondere Herausforderung dar. Ursache sind Benennungspraktiken in Prozessmodellen, die sich nicht in einfachen Ein-Wort-Bezeichnern, sondern ganzen Satzfragmenten für Aktivitäten, oder im speziellen Fall der EPK auch für Ereignisse, äußern. Der vorliegende Beitrag präsentiert die Ergebnisse einer Bezeichnungsanalyse von 4805 EPKs eines konkreten Modellierungsprojekts, die unter Nutzung expliziter Namenskonventionen erstellt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die reine Existenz solcher Konventionen zur Sicherstellung der Modellverständlichkeit und -vergleichbarkeit von EPKs nicht ausreicht. Als Alternative wird ein linguistischer Ansatz vorgestellt, der die Bezeichnung mit Satzfragmenten explizit berücksichtigt, standardisiert und automatisiert durchsetzt.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>1 Motivation</title>
      <p>Eine notwendige Bedingung für die Nutzbarkeit von fachkonzeptionellen Modellen ist
nicht nur ihre syntaktische Korrektheit, sondern auch ihre semantische Vergleichbarkeit.
Letztere sicherzustellen ist ein äußerst ambitioniertes Unterfangen, wenn die Modelle
von unterschiedlichen Personen entwickelt werden. Dies ist allerdings häufig der Fall,
insbesondere im Rahmen umfänglicher Modellierungsvorhaben. Empirische Studien
zeigen, dass auf diese Weise entwickelte Modelle sich in ihren Bezeichnern erheblich
unterscheiden können, auch dann, wenn sie den gleichen Betrachtungsgegenstand
adressieren [HS06]. In der Folge werden gleiche Sachverhalte von unterschiedlichen
Modelladressaten ggf. unterschiedlich bewertet und umgekehrt. Dieses Phänomen wird
allgemein als Namenskonflikt bezeichnet [BL84]. Im Extremfall können Namenskonflikte
dazu führen, dass Modelle unbrauchbar werden. Zur Vermeidung von Namenskonflikten
ist konsequenterweise ein einheitliches Begriffsverständnis bei der Gestaltung
fachkonzeptioneller Modelle unerlässlich.</p>
      <p>Ziel dieses Beitrags ist es, anhand der Analyse einer umfassenden Modellbasis von 4805
Ereignisgesteuerten Prozessketten (EPK [KNS92]), die im Rahmen eines großen
Modellierungsprojekts entstanden sind, zu zeigen, wie diese sich speziell hinsichtlich ihrer
Benennung darstellen, und in wieweit diese Benennungspraxis Namenskonflikte
begünstigt. Ausgehend von den Ergebnissen wird untersucht, welche Ansätze zur Lösung von
Namenskonflikten existieren, und ob diese sich zur Anwendung auf EPKs eignen.
Hierfür wird zunächst in Abschnitt 2 die verwendete Datenbasis vorgestellt und der
Aufbau der Analyse detailliert erläutert. Die Analyseergebnisse werden bewertet, und es
werden Problembereiche von namenskonfliktauslösenden Bezeichnern identifiziert. In
Abschnitt 3 werden existente Ansätze dahingehend untersucht, ob sie in der Lage sind,
Namenskonflikte in EPKs aufzulösen oder zu verhindern. In Abschnitt 4 wird ein
alternativer Ansatz vorgestellt, der die Besonderheiten der Benennungspraxis in
Prozessmodellen im Allgemeinen und EPKs im Speziellen explizit berücksichtigt. Weiterhin wird
kurz erläutert, wie sich die in Abschnitt 2 identifizierten Probleme vermeiden lassen. Der
Beitrag schließt mit einem Fazit und einem Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf in
Abschnitt 5.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>2 Analyse von Benennungspraktiken in EPKs</title>
      <p>Als Vertreter fachkonzeptioneller Prozessmodellierungssprachen weisen EPKs eine
besondere Herausforderung in Bezug auf die Benennung von Modellelementen auf. Dies
äußert sich darin, dass bei der Benennung von Modellelementen wie bspw.
Prozessfunktionen und -ereignisse weniger einzelne Begriffe als vielmehr ganze Satzphrasen
Verwendung finden. Ausgehend von dieser Annahme wird nachfolgend anhand einer
umfassenden Modellbasis aufgezeigt, wie eine derartige Form der Benennung insbesondere
bei EPKs ausgestaltet ist und welche Implikationen sich hieraus in Bezug auf das
Auftreten von Namenskonflikten abzeichnen. Speziell wird erstens untersucht, wie viele
Wörter im Durschnitt für die Bezeichnung eines Modellelements verwendet werden. Je
mehr Wörter in eine Bezeichnerphrase eingehen, desto größer ist die Gefahr der
Entstehung von Namenskonflikten. Zweitens wird ermittelt, wie die verwendeten Satzphrasen
hinsichtlich ihrer Struktur variieren (z. B. &lt;Verb, Imperativ&gt; &lt;Substantiv, Akkusativ&gt;
vs. &lt;Substantiv, Akkusativ&gt; &lt;Verb, Infinitiv&gt; als Bezeichner für Funktionen). Auch hier
begünstigt eine hohe Variation der Strukturen Namenskonflikte. Der Konflikt
„Rechnung prüfen“ und „Prüfe Rechnung“ lässt sich bspw. nicht ohne weiteres automatisiert
auflösen. Drittens werden die Bezeichner hinsichtlich der verwendeten konkreten Wörter
untersucht. So kann z. B. die synonyme oder homonyme Verwendung von Einzelwörtern
ebenfalls zu Namenskonflikten führen (z. B. „Rechnung“ vs. „Faktura“ oder „Rechnung
(Beleg)“ vs. „Rechnung (Kalkulation)“).</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>2.1 Datenbasis</title>
        <p>Als Grundlage der explorativ angelegten Analyse von Bezeichnungspraktiken in
Prozessmodellen dient eine Modellbasis, die im Rahmen eines umfangreichen, vier Monate
dauernden Modellierungsprojekts einer großen deutschen öffentlichen Einrichtung
entwickelt wurde. Als Zielstellung des Modellierungsprojekts galt es, eine umfassende
Erhebung und Dokumentation des Istzustands der gesamten Prozesslandschaft dieser
Einrichtung durchzuführen. Zu diesem Zweck wurde ein Gruppe von mehr als 50
Modellierern etabliert, welche der Systematisierung der Architektur integrierter
Informationssysteme (ARIS) [Sc00] folgend Modelle der Daten-, Funktions-, Organisations-,
Leistungsund insbesondere Prozesssicht entwickelte. Hierzu wurden Teilbereiche definiert, die
verteilt von einzelnen Modellierern bearbeitet wurden. Als Modellierungsplattform
wurde der ARIS Business Architect verwendet.</p>
        <p>Für die Zwecke der Prozessmodellierung wurden neben der Modellierungstechnik der
Wertschöpfungskettendiagramme maßgeblich EPKs verwendet. Einzelne Prozesse
wurden hierbei auf verschiedenen Abstraktionsebenen modelliert und über Hinterlegungen
miteinander verknüpft.</p>
        <p>Zur Sicherung der Qualität und Vergleichbarkeit der Modelle wurden im Rahmen des
Modellierungsprojekts Namenskonventionen etabliert. Hierzu wurden in einem ersten
Schritt vor der Modellierung sowohl für die Benennung von Modellelementen zu
verwendende Begrifflichkeiten in Form eines Glossars als auch grammatikalische
Benennungsstrukturen spezifiziert. Das Glossar enthielt die im betrachteten
Modellierungsszenario gültigen Bezeichner sowie zur Explikation derer Semantik eine detaillierte
Beschreibung. Die Bezeichner umfassten ausschließlich Fachbegriffe, d. h. die
betriebswirtschaftlich relevanten Objekte wie z. B. „Rechnung“, „Beleg“, „Lager“, „Teil“,
„Baugruppe“ etc. Grammatikalische Bezeichnungsstrukturen, sogenannte
Phrasenstrukturen, wurden mit dem Ziel vorgegeben, eine einheitliche Bezeichnerstruktur auch
hinsichtlich der Satzsyntax sicherzustellen. Für Funktionen in EPKs wurde die
grundlegende Phrasenstruktur &lt;Substantiv, Akkusativ&gt; &lt;Verb, Infinitiv&gt; und für Ereignisse
&lt;Substantiv, Nominativ&gt; &lt;konjugiertes Hilfsverb „sein“&gt; &lt;Verb, Partizip Perfekt&gt;
vorgegeben.</p>
        <p>Die spezifizierten Namenskonventionen wurden allen Modellierern begleitend zum
gesamten Prozess der Modellierung in Form eines textuellen Methodenhandbuchs, d. h. in
nicht formalisierter Dokumentform, zur Verfügung gestellt. Vorgabe war es, die
Konventionen bei der Erstellung sämtlicher Modelle des Projekts einzuhalten.
Weitere Konventionen, die nicht die Benennung von Elementen adressieren, existierten
in Form von grafischen Regeln zur Vereinheitlichung der Anordnung von
Modellelementen relativ zueinander sowie Syntaxkonventionen für die vereinheitlichte
Verwendung von Modellelementtypen. Zu letzteren zählten bspw. eine Beschränkung zulässiger
Ressourcentypen sowie eine Anpassung der Kontrollflusssyntax der EPK, die das
Aussparen von Ereignissen fordert, welche innerhalb des Kontrollflusses zwei Funktionen
direkt verbinden (sog. „Trivialereignisse“).</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>2.2 Vorgehen bei der Analyse</title>
        <p>Die im Rahmen des Modellierungsprojekts entwickelte Modellbasis liegt strukturiert als
eine Modelldatenbank im ARIS Business Architect vor. Unter Verwendung einer
Exportschnittstelle wurden die in den vorliegenden 4805 EPK-Modellen verwendeten
Elementbezeichner von Prozessfunktionen (13935) und -ereignissen (13381) extrahiert und
in strukturierter Form zur weiteren Analyse außerhalb der Modellierungsumgebung
bereitgestellt.</p>
        <p>Zur strukturellen Analyse der Bezeichner einzelner Modellelemente in EPKs wurde das
computerlinguistische Verfahren des Part-of-Speech (POS) Tagging verwendet. Mittels
POS Tagging ist es möglich, konkrete Wörter auf die zugehörige Wortart
zurückzuführen. Exemplarisch kann die Phrase „Rechnung prüfen“ auf die einzelnen Wortarten der
beiden Wörter „Rechnung“ und „prüfen“ und somit auf ihre Struktur &lt;Substantiv&gt;
&lt;Verb&gt; zurückgeführt werden. Im Rahmen der Analyse wurde das
POS-Tagging-System TreeTagger [Sc94] verwendet.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>2.3 Identifizierte Bezeichnungspraxis</title>
        <p>Die Analyse hat u. a. gezeigt, dass zur Bezeichnung von Modellelementen in EPKs
Satzstrukturen mit hauptsächlich 2-7 Wörtern bevorzugt werden (vgl. Abbildung 1).</p>
        <p>Anzahl Wörter pro Bezeichnung
1
2
3
4
5
6 7
Anzahl Wörter
8
9
10
11
12</p>
        <p>Abbildung 1: Bezeichnungsstruktur der analysierten EPKs
Des Weiteren unterscheiden sich die Satzstrukturen selbst erheblich (vgl. Tabelle 1). So
wurden bspw. 1009 Ereignisse von insgesamt 13381 mit Bezeichnungen versehen, die
genau zwei Wörter enthalten. Trotz dieser geringen Komplexität der Bezeichnerphrasen
ergaben sich 22 unterschiedliche Phrasentypen. Je länger sich eine Bezeichnerphrase
gestaltete, umso diverser zeigten sich auch die verwendeten Phrasentypen (bspw.
existierten 34 Ereignisse mit 10-Wort-Bezeichnern und entsprechend 33 unterschiedliche
Phrasentypen). Bezeichnungen von Funktionen verhielten sich ähnlich.
Ereignisse
Funktionen</p>
        <p>Ereignisse
Anzahl unterschiedlicher
Strukturen</p>
        <p>Funktionen
Anzahl unterschiedlicher</p>
        <p>Strukturen
Anzahl
1276
4466
2799
2605
1394
802
355
168
48
18
4
0
4
40
119
286
398
399
273
142
44
18
4
0
Anzahl
Wörter
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12</p>
        <p>Anzahl
26
1009
4271
3091
2555
1291
662
327
107
34
5
3
6
22
144
330
549
566
445
255
97
33
5
3
Summe 13381
2455
13935</p>
        <p>1727</p>
        <p>Tabelle 1: Phrasenstrukturen der analysierten EPKs</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>2.4 Identifizierte Problembereiche</title>
        <p>Die große Anzahl von verwendeten unterschiedlichen Phrasenstrukturen stellt einen
Hinweis auf mögliche Inkonsistenzen in der Bezeichnung der Modellelemente dar. Um
diese vermuteten Probleme zu untersuchen, wurden im zweiten Schritt der Untersuchung
die einzelnen Bezeichnungen manuell analysiert und sechs Problembereiche festgestellt.
Diese werden im Folgenden anhand einiger ausgewählter Beispiele vorgestellt. Es sei
angemerkt, dass die Problembereiche nicht das Ergebnis eines spezifischen
Clusterungsoder Klassifizierungsverfahrens sind, sondern vielmehr den Eindruck widerspiegeln, der
sich den Autoren im Rahmen der Analyse geboten hat.</p>
        <sec id="sec-2-4-1">
          <title>Synonyme</title>
          <p>In vielen Fällen werden Begriffe verwendet, die eine semantische Überschneidung
aufweisen. Darüber hinaus werden durch einen inkonsequenten Einsatz von Abkürzungen
Mehrdeutigkeiten geschaffen, die nur schwer oder gar nicht auflösbar sind. Als Beispiel
können hier folgende drei Ereignisse genannt werden: „Dok erstellt“, „Dokument ist
generiert“ und „Dokumentation ist unvollständig“. Es fällt auf, dass die Abkürzung „Dok“
sowohl zu dem Begriff „Dokument“ als auch „Dokumentation“ aufgelöst werden kann.
Ferner weisen die Begriffe „erstellen“ und „generieren“ eine semantische
Überschneidung auf. Ein weiteres Beispiel liefern die Funktionen „Fakturastorno“ und
„Rechnungsstorno“. Hier werden die synonymen Begriffe „Rechnung“ und „Faktura“ verwendet.
Für die einzelnen Bezeichnungen muss die Frage beantwortet werden, ob die mit
semantischen Überschneidungen behafteten Begriffe tatsächlich das gleiche reale Objekt
adressieren oder ob es sich hier um eine bewusst vorgenommene Unterscheidung
handelt. Vor allem wenn das Modellieren verteilt erfolgt, werden solche Entscheidungen
von den einzelnen Modellierern individuell getroffen, was trotz existierender
Konventionen zu Inkonsistenzen führen kann.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-4-2">
          <title>Metainformationen</title>
          <p>In Bezeichnungen, die in diesen Problembereich fallen, werden Informationen gepflegt,
die keinen Bezug zum faktischen Inhalt des Modellelements haben, sondern Angaben
über das Element selbst und dessen Stellung im Gesamtmodell liefern. Solche
Informationen werden in diesem Kontext als Metainformationen bezeichnet. Als erstes Beispiel
kann das Ereignis „Bescheid erstellt PROZESSENDE“ genannt werden. In diesem Fall
wird eine zusätzlich Angabe gemacht, dass es sich um ein Endereignis des Prozesses
handelt. Diese Angabe hat jedoch mit der tatsächlichen Tätigkeit der Erstellung eines
Bescheids nichts zu tun. Solche nicht-inhaltliche Angaben sind in Bezeichnungen
grundsätzlich unerwünscht und verursachen Probleme bei der Modellanalyse, da sie dort
zwangsweise als inhaltliche Information behandelt werden. Darüber hinaus können bei
einem Modellvergleich zwei Elemente, die die gleiche inhaltliche Bezeichnung tragen,
sich jedoch durch den Zusatz „PROZESSENDE“ unterscheiden, nicht automatisch als
inhaltlich äquivalent gekennzeichnet werden.</p>
          <p>Weitere Beispiele liefern die Funktionen „Buchung von Transportmittel u. Unterkunft
(ausgelöst durch Bestätigung, s.o“ und „Katalogisierung durchführen (Szenario1:
bestehende Orga-Struktur)“. Im ersten Fall werden Metainformationen angegeben, die
unnötigerweise das auslösende Ereignis (Bestätigung) nennen und mit dem Zusatz „s.o“ auf
dessen Position im dargestellten Prozessablauf hinweisen. Diese Metainformationen sind
hier überflüssig, weil sie sich zwangsweise aus dem formalen, durch den Prozessfluss
abgebildeten Teil des Modells bereits ergeben sollten. Im zweiten Fall beinhaltet die
Elementbezeichnung Metainformationen, die vermutlich auf ein im Rahmen des
Modellierungsprojektes diskutiertes Szenario verweisen. In beiden Beispielen betreffen die
besprochenen problematischen Zusätze nicht den faktischen Inhalt des Modellelements.
In einigen Fällen werden solche Metainformationen in einer stark komprimierten Form
durch abgekürzte Zusätze dargestellt. Als Beispiele können hier die Funktion
„XY_AAMittelbedarf Infrastruktur ermitteln_ Mittelverteilung“ oder das Ereignis „Planung_XY
ist durchgeführt“ genannt werden (Anm.: Die Kürzel XY und AA bezeichnen durch die
Autoren anonymisierte vertrauliche Informationen). Im ersten Fall werden durch
vorangestellte Zusätze Hinweise auf relevante Softwaremodule gegeben. Der nachgestellte
Zusatz verweist noch auf die hier wahrgenommene betriebswirtschaftliche Aufgabe oder
den übergeordneten Prozess. Im Fall des Ereignisses wird durch einen nachgestellten
Zusatz der Kontext der Planung weiter konkretisiert. In den beiden Beispielen ergeben
sich die Metainformationen bereits aus der Einbettung der Elemente in den
Modellkontext und müssen nicht zusätzlich im inhaltlichen Teil der Bezeichnung spezifiziert
werden.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-4-3">
          <title>Elementtypverletzung</title>
          <p>Obwohl die EPK eine im Vergleich zu anderen Prozessmodellierungssprachen niedrige
Anzahl von Elementtypen besitzt, weist die hier untersuchte Datenbasis einige
Typverletzungen auf. So kann z. B. das Ereignis „siehe HP GesVers“ genannt werden, dessen
Bezeichnung sicherlich keinen Prozesszustand beschreibt. Stattdessen wird hier
vermutlich auf einen Hauptprozess verwiesen. Des Weiteren zeigt das Beispiel der Funktion
„Internationale Meldung ist zu erstellen“, dass einige Funktionen offensichtlich
Bezeichnungen tragen, die einen eindeutigen Ereignischarakter aufweisen.
Elementtypverletzungen bereiten Probleme beim Modellvergleich, da zwei
Modellelemente, die eigentlich den gleichen faktischen Inhalt adressieren, fälschlicherweise einen
unterschiedlichen Typ besitzen und infolgedessen nicht als äquivalent erkannt werden
können.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-4-4">
          <title>Phrasenstrukturinkonsistenz</title>
          <p>Trotz der Etablierung von Modellierungskonventionen in dem untersuchten
Modellierungsprojekt ist es in der Datenbasis ersichtlich, dass für analoge Inhalte
unterschiedliche Phrasenstrukturen verwendet wurden. Beispielsweise weisen die zwei Funktionen
„Prüfen, ob Beschreibung notwendig ist“ und „Prüfung auf vorhandenen Zugang“
unterschiedliche Strukturen auf, obwohl sie analoge Inhalte der Prüfung einer Tatsache
adressieren. Hingegen wäre es möglich, die verwendeten Phrasenstrukturen zu
vereinheitlichen, ohne sie in ihrer inhaltlichen Ausdrucksstärke zu beschneiden. So kann
beispielsweise die Bezeichnung der zweiten Funktion mit „Prüfen, ob Zugang vorhanden ist“ in
die Struktur der ersten überführt werden. Ein ähnliches Problem rufen die Funktionen
„Übermittlung von XYZ-Informationen an Servicepartner“ und „Individuellen
Entwicklungsplan an Mitarbeiter übermitteln“ hervor. Im ersten Fall wird die Tätigkeit der
Übermittlung durch ein Substantiv, im zweiten Fall durch ein Verb im Infinitiv
dargestellt. Auch hier wäre eine konsequente Verwendung einer Struktur möglich.
Auch bei den Ereignissen ist eine inkonsistente Benutzung analoger Phrasenstrukturen
zu beobachten. Die für resultierende Ereignisse typische Struktur &lt;Substantiv,
Nominativ&gt; &lt;konjugiertes „sein“&gt; &lt;Verb, Partizip Perfekt&gt; (z. B. „Rechnung ist geprüft“) ist in
der Datenbasis 2230-mal vertreten. Gleichzeitig ist jedoch die vollständig äquivalente
Struktur &lt;Substantiv, Nominativ&gt; &lt;Verb, Partizip Perfekt&gt; mit 725 Instanzen ebenfalls
vertreten. Im gleichen Verhältnis befinden sich die Strukturen &lt;Substantiv, Nominativ&gt;
&lt;konjugiertes „sein“&gt; &lt;Adjektiv&gt; (390 Bezeichnungen) und &lt;Substantiv, Nominativ&gt;
&lt;Adjektiv&gt; (133 Bezeichnungen). Solche inkonsistente Phrasenstrukturen erschweren
den Modellvergleich und die Modellanalyse maßgeblich, da aufwändige
Homogenisierungsoperationen durchgeführt werden müssen.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-4-5">
          <title>Aggregierte Bezeichnungen</title>
          <p>In einigen Fällen beschreiben Modellelementbezeichnungen nicht einen konkreten,
abgegrenzten Inhalt, sondern aggregieren gleichzeitig mehrere Inhalte. In dem Fall von
Funktionen werden mehrere Tätigkeiten in einem Element dargestellt. Als Beispiel kann
die Bezeichnung „Bemerkungen einarbeiten und Schlussfassung an Abt X weiterleiten“
genannt werden. Hier werden zwei Aktivitäten in einer Funktion zusammengefasst. Um
den atomaren Charakter der Funktionen zu bewahren, wäre es zweckmäßig, dieses
Element aufzuspalten und durch zwei mit einem Kontrollfluss verbundene Funktionen
darzustellen.</p>
          <p>Das Problem der aggregierten Bezeichnungen ist auch bei den Ereignissen zu
beobachten, wie das Beispiel „Ausl. XYZ zuständig: Einzelner Antrag liegt vor, vorl. VersNr
nicht notwendig“ zeigt. Hier werden sogar drei Zustände (die Zuständigkeit, das
Vorliegen eines Antrags und keine Notwendigkeit einer Nummer) in einem Modellelement
aggregiert. Dabei bietet der EPK-eigene UND-Operator die Möglichkeit, den gleichen
Inhalt durch drei Ereignisse darzustellen. Ein weiteres Beispiel „Arbeitsplatz/Kapazität
iat angelegt/geändert“ demonstriert wiederum das Problem mehrerer aggregierter
Zustände, die jedoch nicht durch eine Konjunktion verbunden sind, sondern eher
Alternativen darstellen. Solche aggregierte Elementbezeichnungen verursachen Schwierigkeiten
beim Modellvergleich, da ein Abstraktionskonflikt entsteht. Dieser kommt zustande,
wenn in zwei Modellen der gleiche faktische Inhalt mit einer unterschiedlichen Anzahl
von Modellelementen repräsentiert wird [Pf08].</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-4-6">
          <title>Eingabefehler</title>
          <p>In der Datenbasis sind außerdem einige fehlerhafte Bezeichnungen zu beobachten, die
vermutlich infolge von Fehlern bei der Eingabe entstanden sind. Als Beispiele können
hier die Ereignisse „Personen, Positionen oder Organisationseinheiten zu einem
Projektteam für e“, „Equipment Ein-, Ausund Umbau“ sowie die bereits erwähnte Funktion
„Arbeitsplatz/Kapazität iat angelegt/geändert“ genannt werden. Im ersten Fall ist die
Bezeichnung offensichtlich nicht vollständig. Beim zweiten Ereignis fehlt ein Leerzeichen,
wodurch ein in der deutschen Sprache nicht existierendes Wort „Ausund“ zustande
kommt. Bei der Funktion wurde das Verb „ist“ falsch geschrieben, infolgedessen
wiederum ein unbekanntes Wort „iat“ entstanden ist. Obwohl solche Eingabefehler oft trivial
sind, stellen sie trotzdem ein ernstes Problem im Rahmen des Modellvergleichs dar.</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-5">
        <title>2.5 Interpretation der Analyseergebnisse</title>
        <p>Die Analyse zeigt, dass die Modelle trotz der zur Verfügung gestellten
Modellierungskonventionen eine ganze Reihe von Benennungsschwächen enthalten. Die Konventionen
wurden auf unterschiedliche Art und Weise und zudem sehr häufig verletzt. Der Grund
hierfür ist sicherlich nicht in böswilliger Absicht zu suchen, sondern vielmehr in dem
Unvermögen, die Konventionen umzusetzen. Letzteres ist wohl auch nicht in
mangelnder Qualifikation der Modellierer begründet, sondern im schlichten Umfang der
Modellierungskonventionen. Unternehmensglossare umfassen meist – so auch im vorliegenden
Fall – mehrere hundert bis über tausend Begriffe. Ohne jegliche methodische
Unterstützung ist die Auffindung eines geeigneten Begriffs in einer solchen Fülle für den
Modellierer erstens äußerst aufwändig, zweitens ermüdend und drittens auch nicht der
Qualifikation eines Modellierers entsprechend fordernd. Es wird vermutet, dass Modellierer
nach einigen solchen Suchvorgängen schlichtweg resignieren und auf die Verwendung
der Konventionen verzichten. Umgekehrt verhält sich das Problem bei
Phrasenstrukturkonventionen. Diese beschränken sich im analysierten Fall auf grundlegende
Phrasenstrukturen wie z. B. in Funktionen &lt;Substantiv, Akkusativ&gt; &lt;Verb, Infinitiv&gt;. In den
meisten Fällen kann diese Phrasenstruktur nicht eingehalten werden, wie z. B. bereits im
Fall der relativ wenig komplexen Bezeichnung „Fehlerhafte Rechnungen aussortieren“.
Freilich ist die Vorgabe sämtlicher erlaubter Phrasenstrukturen schwierig, da nicht die
Strukturen sämtlicher wahrscheinlich genutzter Bezeichner vorhergesehen werden
können. Die Abwesenheit weiterer Phrasenstrukturen führt dann allerdings auch zu einem
willkürlichen Gebrauch (vgl. Problembereich Phrasenstrukturinkonsistenz).
Die erfolgreiche Durchsetzung von Namenskonventionen erfordert offenbar keine
zusätzliche Motivation der Modellierer, sondern deren Entlastung. Für die Realisierung
einer solchen Entlastung wird vorgeschlagen, die Aktivitäten, die zur Einhaltung der
Konventionen notwendig sind, so weit wie möglich zu automatisieren. Der dazu
vorgeschlagene Ansatz unterscheidet sich grundlegend von existenten Ansätzen, die im Folgenden
kurz vorgestellt werden.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>3 Lösungsbeiträge existenter Arbeiten</title>
      <p>In der Vergangenheit ist eine ganze Reihe von Ansätzen entwickelt worden, die das
Problem der mangelnden Vergleichbarkeit von Bezeichnungen in konzeptionellen
Modellen adressieren. Diese lassen sich durch zwei Dimensionen klassifizieren. Die erste
Dimension unterteilt die Ansätze in Ex-ante- und Ex-post-Ansätze: Einerseits werden
Verfahren vorgeschlagen mit dem Ziel, das Auftreten konfliktärer Bezeichner von
vornherein zu verhindern. Andererseits werden existierende Modelle untersucht, konfliktäre
Bezeichner identifiziert und diese durch entsprechende Verfahren aufgelöst. Die zweite
Dimension klassifiziert die Ansätze nach der Struktur der betrachteten Bezeichner. Zum
Einen werden ausschließlich einzelne Wörter als Bezeichner zugelassen, zum Anderen
werden Satzstrukturen, d. h. Phrasen, analysiert.</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Einzelwortbezogene Ex-ante-Ansätze</title>
        <p>Ansätze, deren Ziel es ist, konfliktäre Bezeichner bereits im Vorfeld zu vermeiden,
schlagen sogenannte Namenskonventionen vor. Namenskonventionen werden i. A. in
Form von Glossaren oder auch Ontologien spezifiziert, die die für ein
Modellierungsprojekt oder eine Modellierungsdomäne gültigen Begriffe enthalten. Während der
Modellierung werden diese Vorgaben genutzt, um konventionsgerechte Modelle zu erstellen
und so konfliktäre Bezeichner zu vermeiden. Entsprechende Ansätze werden bspw. von
[Gr04; BDW07] für Prozessmodelle vorgeschlagen.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Phrasenbezogene Ex-ante-Ansätze</title>
        <p>Phrasenbezogene Ex-ante-Ansätze wurden insbesondere in den 1990er Jahren entwickelt
und fordern neben einer Standardisierung der gültigen Domänenbegriffe auch eine
Standardisierung der zur Benennung von einzelnen Modellelementen erlaubten
Satzstrukturen [Ro96; Ku00]. Die gültigen Begriffe werden dabei in sogenannten
Fachbegriffsmodellen [KR98] abgelegt. Die Standardisierung der Satzstrukturen erfolgt durch textuelle
Empfehlung. Ein alternativer Ansatz definiert Geschäftsobjekte sowie Verrichtungen auf
diesen Geschäftsobjekten und führt diese als Anweisungen in Prozessmodellen
zusammen [NZ98].</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Einzelwortbezogene Ex-post-Ansätze</title>
        <p>Frühe Ansätze der 1980er und 1990er Jahre adressieren speziell das Problem der
Datenbankintegration und setzen in einem ersten Schritt bei der Integration der
Datenbankschemata an [BL84; BLN86; BKK91; LB01; RB01]. Diese Ansätze fokussieren
Datenmodellierungssprachen, häufig insbesondere Dialekte des Entity-Relationship-Modells
(ERM [Ch76]). Durch den Vergleich von Bezeichnungen der Schemaelemente werden
Ähnlichkeiten identifiziert, wobei betont wird, dass ein solcher Vergleich ausschließlich
manuell unter Einbeziehung der Schemakonstrukteure erfolgen kann.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>Phrasenbezogene Ex-post-Ansätze</title>
        <p>Phrasenbezogene Ex-post-Ansätze untersuchen nicht einzelne Wörter als Bezeichner von
Modellelementen, sondern sogenannte Konzepte. Konzepte umfassen mehrere
Domänenbegriffe, die üblicherweise in Ontologien [Gr93; Gu98] abgelegt sind und durch
semantische Beziehungen verbunden sind. So kann bspw. der Begriff „Rechnung“ mit dem
Begriff „prüfen“ in Beziehung gesetzt werden, so dass bereits in der Ontologie
ausgedrückt ist, dass Rechnungen geprüft werden können. Über diese Konzepte werden die
Ähnlichkeitsbeziehungen zwischen Modellen hergestellt [Hö07; EKO07; Sa07].</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-5">
        <title>Abgrenzung des vorliegenden Ansatzes</title>
        <p>Grundsätzlich lassen sich alle vorgestellten Ansätze zur Herstellung der Vergleichbarkeit
konzeptioneller Modelle anwenden. Speziell für EPKs stoßen jedoch die
einzelwortbezogenen Ansätze an ihre Grenzen, da konfliktäre Bezeichner in Form von Satzstrukturen
auf diese Weise kaum erkannt werden können. Die hier vorgestellten
einzelwortbezogenen Ex-ante-Ansätze wurden zwar für Prozessmodelle entwickelt, betrachten jedoch
innerhalb der Satzstrukturen der Bezeichner ausschließlich einzelne Begriffe.
Phrasenbezogene Ansätze scheinen hier geeigneter, da sie die Bezeichnungspraktiken
von EPKs explizit berücksichtigen können. Ex-post-Ansätze sind in der Lage,
aufgetretene Namenskonflikte durch Gegenüberstellung der Modelle und Analyse ihrer
Bezeichnungsstrukturen aufzulösen. Den Autoren erscheint die vorherige Vermeidung von
Namenskonflikten allerdings zielführender, da dies eine aufwändige Analyse der
fertiggestellten Modelle obsolet macht (freilich ist eine vorherige Vermeidung von
Namenskonflikten nur dann möglich, wenn nicht bereits Modelle existieren). Die aufgeführten
phrasenbezogenen Ex-ante-Ansätze bieten daher aus Sicht der Autoren eine
vielversprechende Grundlage für die Formulierung eines Ansatzes zur Vermeidung von
Namenskonflikten in EPKs. Die Ansätze von [Ro96; Ku00] erlauben die Formulierung von
Phrasenstrukturen einerseits und Begriffskonventionen andererseits. Es fehlt allerdings
eine Formalisierung, die für eine automatisierte Durchsetzung von Namenskonventionen
notwendig ist. Letztere ist für den Erfolg von Namenskonventionen kritisch, wie die
Analyse in Abschnitt 2 zeigt. Der Ansatz von [NZ98] ist formalisiert, betrachtet jedoch
die Ausgestaltung der Bezeichnerphrasen sehr eingeschränkt auf wenige vorgegebene
Fälle.</p>
        <p>Der vorliegende Ansatz ist durch
• die explizite Berücksichtigung von Satzfragmenten als Modellelementbezeichner,
• seine Formalisierung und
• die hierdurch automatisierbare Sicherstellung der konventionstreuen Modellierung
von existenten Ansätzen abzugrenzen.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>4 Ein Ansatz zur Vermeidung von Namenskonflikten in EPKs</title>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>4.1 Konzeption des Ansatzes</title>
        <p>Für die Konstruktion eines Ansatzes zur Vermeidung von Namenskonflikten in
Prozessmodellen wird die Idee der Namenskonventionen, wie sie in den 1990er Jahren von
ROSEMANN vorgeschlagen wurde, wieder aufgegriffen. Die Analyse der EPK-Datenbasis
zeigt, dass die alleinige Existenz solcher Namenskonventionen keinesfalls dazu führt,
dass Namenskonflikte ausbleiben. Namenskonventionen, die lediglich als
Empfehlungen, d. h. in Textform, vorliegen, werden nicht notwendigerweise umgesetzt.
Es wird deshalb vorgeschlagen, Namenskonventionen formal zu spezifizieren und deren
Umsetzung während des Modellierungsprozesses automatisiert sicherzustellen. Hierfür
sind folgende methodische Komponenten notwendig:
•
•
•</p>
        <p>Ein Domänenlexikon, welches die in der Modellierungsdomäne erlaubten Begriffe
enthält. Das Lexikon darf sich nicht auf Substantive beschränken, da auch
Verrichtungen und Eigenschaften Teil einer Domäne sein können. Das Lexikon ist daher für
Substantive, Verben und Adjektive/Adverbien zu konzipieren. Sämtliche übrigen
Wortformen (z. B. Artikel, Konjunktionen, Präpositionen etc.) enthalten keine
Domänensemantik, weshalb ihre Spezifikation im Domänenlexikon nicht notwendig ist.
Ein Repository, das die erlaubten Satzstrukturen definiert (z. B. &lt;Substantiv,
Akkusativ, Singular&gt; &lt;Verb, Partizip Perfekt&gt; für ergebnisanzeigende Ereignisse).
Ein Verfahren, das bei der Modellierung automatisiert die Konformität der
eingegebenen Bezeichner mit den Namenskonventionen sicherstellt.</p>
        <p>Durch „Einsetzen“ der im Domänenlexikon spezifizierten Begriffe in die im Repository
spezifizierten Satzstrukturen ergeben sich mögliche den Namenskonventionen
entsprechende Bezeichnungen für Modellelemente. Ein derartiges „Einsetzen“ von Begriffen in
Satzschablonen wird durch ein entsprechendes Verfahren bei der Modellierung
sichergestellt. Je angelegtem Modellelement werden die validen Satzstrukturen ausgewählt und
mit validen Begriffen „gefüllt“ (vgl. Abbildung 2; vgl. zu einer detaillierten formalen
Spezifikation des Ansatzes [Be09; DHL09]).</p>
        <p>Abbildung 2: Nutzung formalisierter Namenskonventionen
Aus Effizienzgründen sollte es allerdings möglich sein, eine Modellelementbezeichnung
wie gewohnt als Freitext einzugeben. Falls eine solche Eingabe dann nicht den
Konventionen entspricht, sind dem Modellierer automatisch konventionskonforme
Alternativbezeichner anzubieten (z. B. „Rechnung prüfen“ anstatt der evtl. nicht konformen
Bezeichnung „Faktura muss validiert werden“). Ob eine eingegebene Bezeichnung den
Konventionen entspricht, wird durch ein Verfahren ermittelt, das den Bezeichner sowohl auf
verwendete Begriffe als auch auf die verwendete Satzstruktur analysiert. Hierfür werden
linguistische Parsingmethoden verwendet, wie sie bspw. von Müller [Mu96; Mu99]
vorgeschlagen wurden.</p>
        <p>Konkret wird jede Eingabe des Modellierers durch einen entsprechenden Parser in ihre
Bestandteile, d. h. ihre Satzstruktur und die Grundformen der verwendeten Wörter (sog.
„Lexeme“) zerlegt (vgl. Abbildung 3; (1)). Die Lexeme des Typs Substantiv,
Adjektiv/Adverb und Verb werden auf Konformität gegenüber dem Domänenlexikon geprüft
(2). Entsprechen ein oder mehrere Lexeme nicht den Konventionen, wird mittels eines
allgemeinen Lexikons geprüft, ob die Lexeme durch synonyme, valide Gegenstücke
ersetzt werden können (3). Die validen Begriffe werden in mögliche Phrasenstrukturen
eingesetzt und dem Modellierer als valide Alternative vorgeschlagen (4). So werden
bspw. aus der nicht konventionskonformen Phrase „Falsche Fakturen werden ermittelt“
die korrekten Phrasen „Inkorrekte Rechnungen ermitteln“ oder „Rechnungen ermitteln“.
Aus diesen kann der Modellierer wählen oder eine neue Bezeichnung eingeben (vgl. zu
einer detaillierten formalen Spezifikation dieses Verfahrens nochmals [Be09; DHL09].
Zur algorithmischen Spezifikation des Vorschlagswesens vgl. ausführlich [DHL09]).</p>
        <p>Abbildung 3: Automatisches Vorschlagen valider Bezeichner</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>4.2 Lösung identifizierter Probleme</title>
        <p>Die im Abschnitt 2.4 ermittelten Probleme lassen sich mithilfe des vorgestellten
Ansatzes wie folgt vermeiden:
• Synonyme: Im Domänenbegriffsmodell sind die zu verwendenden Begriffe eindeutig
spezifiziert. Bei Verwendung eines Synonyms wird dieses den Konventionen
entsprechend durch den validen Begriff ausgetauscht. Synonymprobleme sind hiermit
ex-ante ausgeschlossen.
•
•
•</p>
        <p>Metainformationen: Die Namenskonflikte, die sich durch Metainformationen
ergeben werden in zweierlei Hinsicht verhindert. Zum Einen befinden sich Begriffe, die
nicht Teil der Domäne sind, nicht im Domänenlexikon und können deswegen auch
nicht verwendet werden. Die Verwendung von Begriffen wie z. B. „Prozessende“
oder „Planung_XY“ wird dadurch vermieden. Zum Anderen erlauben sinnvolle
Phrasenstrukturen für EPKs zumeist kein Voranstellen oder Nachstellen
entsprechender Metainformation. Hierfür wäre bspw. die direkte Folge zweier Substantive
erforderlich.</p>
        <p>Elementtypverletzung: Phrasen, die keinen Ereignischarakter haben, aber als
Bezeichner für Ereignisse verwendet werden, werden durch speziell für Ereignisse
erstellte Phrasenstrukturkonventionen vermieden. Gleiches gilt für Funktionen.
Phrasenstrukturinkonsistenz: Zur Vermeidung von Phrasenstrukturinkonsistenzen
ist die Definition von semantisch äquivalenten Phrasenstrukturen zu vermeiden.
Anstatt der beiden äquivalenten Strukturen &lt;Substantiv&gt; &lt;Verb, Partizip Perfekt&gt; und
&lt;Substantiv&gt; &lt;konjugiertes “sein“&gt; &lt;Verb, Partizip Perfekt&gt; ist eine dieser beiden
zu wählen und als Standard festzulegen.
•
•</p>
        <p>Aggregierte Bezeichnungen: Aggregierte Bezeichnungen konnektieren mehrere
Phrasen. Solche Multiphrasen sind bei der Spezifikation der Konventionen zu
vermeiden. Stattdessen wird der Modellierer dazu angehalten, entsprechend mehrere
Elemente anzulegen und diese mit den Operatoren zu verknüpfen.</p>
        <p>Eingabefehler: Eingabefehler, die ganze Phrasen betreffen (bspw. abbrechende
Phrasen) werden durch die Phrasenstrukturkonventionen abgefangen. Einzelne
Begriffe betreffende Eingabefehler können größtenteils durch einen Abgleich mit dem
Domänenlexikon und im Rahmen der Synonymsuche mit dem allgemeinen Lexikon
erkannt werden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-3">
        <title>4.3 Werkzeugunterstützung</title>
        <p>Eine konkrete technische Umsetzung des hier vorgestellten Ansatzes liegt als
Modellierungswerkzeug vor (vgl. Abbildung 4).</p>
        <p>Abbildung 4: Umsetzung des Ansatzes als Modellierungswerkzeug
Der Modellierer wird durch Popup-Fenster auf etwaige Konventionsverletzungen
hingewiesen und erhält konventionstreue Alternativvorschläge, die er akzeptiert, falls sie
die von ihm intendierte Semantik wiedergeben. Falls die Vorschläge nicht passen, kann
der Modellierer entscheiden, ob er erneut eine Bezeichnung eingibt oder eine Anfrage an
den Administrator des Modellierungswerkzeugs (idealerweise ein Modellierungsexperte;
vgl. hierzu [DHL09]) stellt, neue Bezeichner bzw. Phrasentypen mit in die Konventionen
aufzunehmen.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>5 Fazit und Ausblick</title>
      <p>Die linguistische Analyse der EPKs hat gezeigt, dass informal spezifizierte
Namenskonventionen für die Sicherstellung einer einheitlichen Benennung von Modellelementen
nicht ausreichen. Des Weiteren reicht es nicht aus, die Standardisierung von
Bezeichnungen auf einzelne Begriffe zu beschränken. Mit dem vorgestellten Ansatz werden
Namenskonventionen formalisiert, wobei zwei Aspekte wesentlich sind:
•
•</p>
      <p>Mit der Bereitstellung von Bezeichnungskonventionen bereits im Vorfeld der
Modellierung wird die Grundlage dafür gelegt, dass Namenskonflikte erst gar nicht
auftreten. Da die Semantik der Bezeichnungen bereits im Vorfeld bekannt ist und diese
ausschließlich in bekannte Phrasenstrukturen eingeordnet werden, entfällt ein
aufwändiger nachträglicher Bezeichnungsabgleich.</p>
      <p>Die automatisierte Anleitung des Modellierers während der Modellerstellung ist von
nicht zu unterschätzender Bedeutung, da nur auf diese Weise garantiert werden kann,
dass die Bezeichnungskonventionen auch umgesetzt werden.</p>
      <p>Die Spezifikation von Begriffs- und Phrasenstrukturkonventionen ist freilich mit einem
nicht geringen Aufwand verbunden. Dem entgegen steht die Tatsache, dass diese
Spezifikation je Modellierungsprojekt, Unternehmen oder Domäne lediglich einmalig zu
erfolgen hat und in der Folge wiederverwendbar ist. Hier liegen auch die Grenzen des
Ansatzes, der nur dann Anwendung finden kann, wenn
• die formalisierten Modellierungskonventionen sämtlichen am Modellierungsprozess
beteiligten Personen zugänglich gemacht werden können und
• es sich um ein Modellierungsprojekt handelt, das keine bzw. nur eine überschaubare
Anzahl bereits existenter Modelle in den Modellierungsprozess mit einbeziehen
muss.</p>
      <p>Induziert durch letztere Beschränkung könnte dem Ansatz entgegengehalten werden,
seine Anwendbarkeit beschränke sich auf einige wenige Ausnahmefälle. Nach Meinung
der Autoren käme allerdings eine derart begründete Verwerfung des Ansatzes einer
Resignation ob des Vergleichbarkeitsproblems von Modellen gleich. Bestehen solche
Probleme, sind sie im Nachgang der Modellierung nur mit äußerst hohem Aufwand wieder
zu beheben. Eine breite Durchsetzung des Ansatzes in allen Bereichen der Modellierung
ist aber sicherlich erst längerfristig möglich. Zudem existieren Situationen, in denen
bereits im Unternehmen vorhandene IST-Modelle, die mit anderen bzw. neuen Modellen
abzugleichen sind, von neu zu konstruierenden SOLL-Modellen abgelöst werden. Dies
ist etwa im Rahmen von Reorganisations- oder auch von sog. „Mergers &amp;
Akquisitions“-Projekten der Fall. Auch hier liegt ein vielversprechendes Anwendungsgebiet des
vorgestellten Ansatzes.</p>
      <p>Weitere Forschungsfelder eröffnen sich zukünftig in der konkreten Anwendung des
vorgestellten Ansatzes. Hier ist zu untersuchen, wie die Anwendung die Geschwindigkeit
der Modellerstellung beeinflusst und bis zu welchem Grad die Vergleichbarkeit von
Modellen gesteigert werden kann. Weiterhin ist zu überprüfen, ob und wie der Ansatz
durch Modellierer akzeptiert wird, die durch die automatisierte Durchsetzung von
Modellierungskonventionen in ihren Modellierungsfreiheiten beschränkt werden. Erste
Erfahrungen mit der werkzeuggestützten Anwendung des Ansatzes lassen allerdings
vermuten, dass eine automatisierte Anleitung zur Erfüllung von Modellierungskonventionen
von den betroffenen Personen eher begrüßt als abgelehnt wird. Auch die Antwortzeiten
des implementierten Verfahrens zur Durchsetzung der Modellierungskonventionen
bewegten sich bisher in einem durch die Modellierer nicht wahrnehmbaren Rahmen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
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