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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Meta-Kennzahlen für die Bewertung von Dienstleistungen</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Edzard Weber und André Nimmich</string-name>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <fpage>65</fpage>
      <lpage>82</lpage>
      <abstract>
        <p>Bei der Bewertung von Systemen bzw. Dienstleistungen ist es unzureichend, wenn die relevanten Systemeigenschaften nur auf einzelne Kennzahlen verdichtet werden. Es sollte nicht nur das zu bewertende Objekt betrachtet werden, sondern auch das bewertende System und das Bewertungssystem selbst. Diese können über Metriken beschrieben werden. Die so gewonnenen Meta-Kennzahlen helfen, die primären Kennzahlen zu interpretieren und auf ihre Stabilität und Verlässlichkeit hin zu überprüfen. Dieser Beitrag stellt entsprechende Meta-Kennzahlen und Entwurfsentscheidungen vor. Diese fließen in ein entsprechendes Kennzahlen-Cockpit ein, welches die Aussagekraft von Bewertungsergebnissen steigern kann.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>
        Edzard Weber und André Nimmich
Ein Bewertungsverfahren ist ein systematischer Vorgang der Zuordnung eines
bewertenden und eines zu bewertenden Systems zu einem Werturteil
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2 ref3">(Bechmann
1991, Bechmann 1998)</xref>
        . Einerseits gibt es das zu bewertende Objekt, welches in
Form eines Sachmodells repräsentiert wird. Anderseits entsteht ein Wertesystem
des bewertenden Systems (das wertende Subjekt). Hierbei gibt es per se keine
Einschränkungen, ob ausschließlich Experten oder auch Laien am
Bewertungsvorgang teilnehmen dürfen.
      </p>
      <p>
        Die Menge der möglichen konzeptionellen Ansätze zur Bewertung von
Dienstleistungen ist vielfältig. So kommen beispielsweise das Benchmarking
        <xref ref-type="bibr" rid="ref9">(Grieble
2003)</xref>
        , Petri-Netze
        <xref ref-type="bibr" rid="ref18">(Winkelmann und Luczak 2006)</xref>
        oder die VOFI
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Becker et al.
2008)</xref>
        zum Einsatz. Die Bewertung beschreibt nach bestimmten Kriterien ein
System und seine Eigenschaften. Eine Meta-Bewertung, mit der sich dieser Beitrag
beschäftigt, beschreibt nach bestimmten Kriterien bzw. mit bestimmten Metriken
die Ergebnisse einer Systembewertung und die Eigenschaften der Datenbasis.
      </p>
      <p>Diese Arbeit stellt zunächst die Notwendigkeit und die Anforderungen an
MetaBewertungsansätze dar. Anschließend werden ein Bewertungsmetamodell und die
daraus ableitbaren Meta-Kennzahlen vorgestellt. Abschließend wird auf die
toolbasierte Meta-Bewertung und seine aktuellen Anwendungsbereiche eingegangen.</p>
      <p>Der Forschungsschwerpunkt und gleichzeitig auch die Herausforderung liegen
in der Verteilung von Prioritäten oder Gewichtungen für einzelne Teilaspekte. Wie
wirken sich einzelne Veränderungen von Gewichtungen der Teilaspekte auf die
gesamte Bewertung aus? Beispielsweise priorisieren Individuen Prozessketten von
Dienstleistungen unterschiedlich. Manche legen Wert auf eine schnelle
Durchführung, während andere der nachträglichen Betreuung mehr Beachtung schenken.
Für den Forscher sollte dies jedoch in dem Sinne unerheblich sein, als dass er die
Gewichtungen aller Bewertungen für seine Zwecke neu ordnen kann, um Effekte
auf das Gesamtergebnis beurteilen zu können. Weiterhin kann die Kompensation
zwischen einzelnen Bewertungsaspekten untersucht werden. Was passiert, wenn
versucht wird, zwei unterschiedliche Bewertungsaspekte anzugleichen? Wie
verändern sich dabei andere Aspekte und Gewichtungen?
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Herausforderungen bei der Bewertung von</title>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Dienstleistungen</title>
      <p>Es soll zunächst dargestellt werden, inwiefern sich eine Dienstleistungsbewertung
von einer Sachleistungsbewertung unterscheidet. Danach werden generelle
Herausforderungen an kollektive Bewertungen vorgestellt.
2.1</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Dienstleistungsspezifische Rahmenbedingungen</title>
        <p>
          In der Norm DIN EN ISO 9000:2005 ist festgelegt: „Eine Dienstleistung ist das
Ergebnis mindestens einer Tätigkeit, die notwendigerweise an der Schnittstelle
zwischen dem Lieferanten und dem Kunden ausgeführt wird und üblicherweise
immateriell ist.“ Bei der Bewertung von Dienstleistungen gibt es gegenüber der
Bewertungen von Sachleistungen andere Voraussetzungen, die sich auf den
Erstellungsprozess auswirken
          <xref ref-type="bibr" rid="ref16">(Scheer et al. 2002)</xref>
          . Sachleistungen können dem Kunden
in seiner konkreten Ausprägung bereits vor einer Vertragseinigung zugänglich,
anschaubar oder anfassbar sein. Dienstleistungen hingegen können nicht auf Lager
produziert werden. Hier findet eine Einigung zwischen Anbieter und Nachfrager
statt, bevor eine Leistung erbracht wird. Dadurch wird der Kunde selbst zum
Akteur im Leistungserstellungsprozess. Und während Sachleistungen vorab,
kundenunspezifisch und immer wieder gleichartig erstellt werden können, wird beim
Dienstleistungsprozess durch die individuelle Einbindung des Kunden jede Instanz
zu einem Unikat.
        </p>
        <p>Für eine Bewertung von Leistungen bedeutet dies: Die Instanz eines
materiellen Produktes bzw. einer Sachleistung kann von mehreren Personen und zu
beliebigen Zeitpunkten getestet werden. Um Dienstleistungen zu testen/bewerten,
benötigt jeder Proband eine eigene Instanz und ein Test ist auch nur dann möglich,
wenn Ersteller und Proband zeitgleich zusammenkommen.</p>
        <p>
          Die Bewertung von Dienstleistungen wird dann interessant, wenn der Anbieter
dieser immateriellen Leistungen die Frage nach der Sicherung der Qualität dieser
stellt. Qualitätssicherung von Dienstleistungen wird für zukünftige Aktivitäten
interessant und entwickelt beim Kunden das Vertrauensverhältnis. Die Messung der
Qualität kann aber nicht wie bei Sachleistungen über mögliche Ausfallzeiten oder
Reklamationen von entwickelten Gütern gemessen werden. Ferner wird für die
Messung von Qualität der erbrachten Leistungen ein Werkzeug benötigt, welches
flexibel genug ist, sich neuen Rahmenbedingungen anzupassen, aber eine hohe
Aussagekraft hat. Bei der Bewertung der Dienstleistungsqualität ist es
erforderlich, eine erwartete Qualität der tatsächlich wahrgenommenen Qualität
gegenüberzustellen
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(Bieger 2002)</xref>
          .
        </p>
        <p>Sachleistungen besitzen eine materielle Hülle, die sich für objektive Messungen
besser eignet. Wenn es anerkannte objektive Methoden gibt, reicht auch eine
kleine Gruppe von Testern aus. Wenn der Anteil subjektiver Meinungen in der
Bewertung hoch ist, sind für repräsentative Bewertungsergebnisse mehr
Bewertungsdurchläufe und unterschiedliche Perspektiven notwendig. Die
Dienstleistungserstellung kann zudem noch einer zeitlichen Veränderung unterliegen. Während
materielle Produkte in höheren Stückzahlen in einem Produktionsdurchgang mit
gleichbleibender Qualität erzeugt werden können, gewinnt der Anbieter einer
Dienstleistung bei jeder Instanz neue Erfahrungen hinzu und kann eine
permanente und mitunter unbewusste Verbesserung betreiben. Folgende Erschwernisse gibt
es somit bei der Bewertung von Dienstleistungen:
 Die Erhebung der Bewertungsdaten ist zeitlich verteilt.
 Das zu bewertende System verändert sich über die Zeit.
 Die Datenbasis muss zwecks Repräsentativität größer sein.
 Unterschiedliche Perspektiven mit unterschiedlichen Kompetenzgraden müssen
betrachtet werden.
2.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Allgemeine Herausforderungen bei Bewertungen</title>
        <p>Neben speziellen Unterschieden für Bewertungen von Sach- und Dienstleistungen
existieren allgemeine Herausforderungen an Bewertungssysteme, die bisher in den
Hintergrund getreten sind. Das jeweils verwendete Bewertungssystem wird in der
Praxis häufig als gegeben hingenommen. Bedenken zur Stabilität und
Interpretierbarkeit der Bewertungsergebnisse werden nur selten angestellt, da hierfür auch ein
systematisches Vorgehen fehlt.</p>
        <p>Ein einzelner Wert für die Ausprägung einer Eigenschaft eines Systems bzw.
einer Dienstleistung oder seine Güte insgesamt ist nicht ausreichend. Hierbei
findet zwangsläufig eine zu starke Verdichtung der Charakteristika des zu
bewertenden aber auch des bewertenden Systems statt. Ein Beispiel liefert die Benotung
von schulischen Leistungen, die sich aus pragmatischen Gründen aber bewährt
hat. Zwei Schüler unterschiedlicher Klassen haben jeweils in Mathematik die Note
3. Nun kann sich die eine Note aus einer guten schriftlichen und einer ausreichend
mündlichen Leistung zusammensetzen während die andere sich aus zwei
befriedigenden Teilen zusammensetzt. Ebenso bleibt verborgen, ob beide Schüler gleich
viele schriftliche Tests bewältigen mussten, wie fähig der Lehrer in pädagogischer
oder fachlicher Hinsicht ist, ob die Anzahl Fehlstunden gleich ist, ob die
Klassengröße ähnlich ist, wo der Schüler zum Klassendurchschnitt liegt, ob eine
Veränderung zum Vorjahr stattfand usw. All diese Zusatzinformationen lassen die
verdichteten Gesamtnoten in einem jeweils anderen Lichte stehen und können erklären,
warum sich die beiden Schüler in ihrer mathematischen Kompetenz trotz gleicher
Noten stark voneinander unterscheiden. Aus pragmatischen Gründen wird immer
gerne auf stark verdichtende Bewertungssysteme, wie z. B. Schulnoten,
zurückgegriffen. Wenn es jedoch um weitreichende Entscheidungen auf Basis eine
Bewertung geht, kann aber sehr wohl der Mehraufwand gerechtfertigt sein, dass auch die
Struktur des Bewertungssystems selbst in die Bewertung mit einfließt.</p>
        <p>
          Weiterhin werden Anwendungen benötigt, welche „die Bewertung und
Verbesserung der wirtschaftlichen Anwendbarkeit von Referenzmodellierungstechniken
fokussieren sowie die konkrete Anwendung der Referenzmodellierung in Form
von Gestaltungsempfehlungen für bestimmte Arbeitsbereiche thematisieren“
          <xref ref-type="bibr" rid="ref17">(Thomas und Scheer 2003)</xref>
          . Die Aufgabe der Bewertung unter diesem
Betrachtungswinkel kann durch ein Forschungswerkzeug dieser Art erfüllt werden.
        </p>
        <p>Bewertungsmaßstäbe können sehr subjektiv, indirekt und umfangreich sein. Die
Aussagekraft der gewonnenen Ergebnisse verschiebt sich je nach dem, welche
Bewertungsaspekte in den Vordergrund treten. Diese Maßstäbe sollten jedoch
flexibel für viele verschiedene Rahmenbedingungen sein, da Betrachtungsweisen
sehr differieren können.</p>
        <p>
          Neben subjektiven Messansätzen existieren auch objektive Ansätze, die
kundenorientierte Anforderungen an die Dienstleistungsqualität messbar machen.
Objektive Messansätze, wie Expertenbeobachtungen, Silent-Shopper-Verfahren oder
Dienstleistungs- und Warentests, erheben Messdaten aus der Kundensicht, nicht
jedoch auf Grundlage subjektiver Einzelwertungen der Kunden. Dies kann durch
subjektive Messansätze, die merkmals-, ereignis- oder problemorientiert sein
können, erfolgen
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(Bruhn 2008)</xref>
          . Diese unterschiedlichen Ansätze sind in ihrer eigenen
Betrachtungsweise hilfreich für die Erforschung und Bewertung spezifischer
Anforderungen von Dienstleistungen. Ein flexibles Meta-Analyse-Werkzeug kann
den Nutzen dieser Ansätze technisch aufwerten.
        </p>
        <p>Auf Grund subjektiver Unterschiede einzelner Bewertungsindividuen wird die
Qualität der Gesamtbeurteilung beeinflusst. Unterschiedliche Wissensstufen über
das zu bewertende Objekt behindern eine qualitativ gleichmäßige Verteilung der
erhobenen Daten. Für manche Individuen ist ein Aspekt der Bewertung wichtiger,
als für andere, die mehr Gewicht auf einen Aspekt legen, der bei anderen Akteuren
kaum Beachtung findet. Die Bewertung an sich ist dabei jedoch nicht quantitativ,
ferner werden alle Beurteilungen qualitativ betrachtet und auch so behandelt. Es
besteht nicht die Absicht, eine Anwendung zu schaffen, welche einfache
Umfragen bewältigt. Vielmehr ist es die Aufgabe, ein Werkzeug zu schaffen, welches
Forschungsfragen über die Sinnhaftigkeit einzelner Bewertungskriterien und
Meta-Kennzahlen beantworten kann.</p>
        <p>
          Daher wird es notwendig, Bewertungen zu gewichten und somit bestimmten
Indikatoren bzw. Kriterien mehr Bedeutung beizumessen als anderen. Weiterhin
müssen Indikatoren entwickelt werden, die eine Bewertung überhaupt erst
möglich machen. Zur Bewertung von Qualitätsmerkmalen können verschiedene
Metriken herangezogen werden. Metriken sind Funktionen, die bestimmten
Eigenschaften des zu bewertenden Objekts numerische Werte zuweisen
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8">(Globke 2005)</xref>
          .
Meta-Metriken beschreiben die Eigenschaften von Metriken. Das eigentlich zu
bewertende System wird durch Meta-Metriken nicht direkt beschrieben. Diese
dienen dazu, die von den Metriken gelieferten Werte interpretieren zu können.
        </p>
        <p>Für die im Folgenden dargestellte Art und Weise zur Bewertung von Systemen,
wurden folgende Anforderungen angesetzt:
 Die Bewertung muss durch eine Menge von Akteuren durchführbar sein, ohne
dass die benutzerindividuellen Angaben verloren gehen. Sie müssen einzeln, als
Menge und in aggregierte Form gehalten werden.
 Das Bewertungssystem muss dynamisch erweiterbar sein. Akteure müssen
weitere Bewertungskriterien hinzufügen können und Systemelemente in
Subelemente aufgliedern können.
 Die aus der Datenbasis ableitbaren Kennzahlen müssen gebildet werden und
nachvollziehbar (visuell) den betroffenen Bereichen des Bewertungssystems
zugeordnet werden.</p>
        <p>Als wesentliche nicht-funktionale Anforderung gilt, dass die Bedienung
webbasiert und anwenderfreundlich sein muss. Diese Anforderung bildet die Grundlagen
für das konzeptionelle Bewertungsmodell und seine technische Realisierung in
Form eines Kennzahlen-Cockpits.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Metriken</title>
      <p>In diesem Abschnitt wird das konzeptionelle Meta-Modell zur Bewertung kurz
vorgestellt. Die Beschreibung dieses Konzepts soll die Verortung der Daten
verdeutlichen. Weiterhin wird definiert, welche Daten zur Gewinnung von
Kennzahlen herangezogen werden. Das zu Grunde liegende Modell basiert auf einem
Bewertungsbaum, welcher die herangezogenen Daten zur Bewertung und zur
Gewinnung von Kennzahlen beherbergt.
3.1</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Bewertungsbaum</title>
        <p>Die Bewertung erfolgt anhand einer Baumstruktur tree. Die Verzweigung des
Bewertungsbaumes entspricht der logischen Zergliederung des zu bewertenden
Objektes und der Bewertungskriterien. Teilaspekte können so schnell extrahiert und
einzeln untersucht werden. Der Vergleich von einzelnen Zweigen untereinander
kann durch eine dynamische Struktur ermöglicht werden.</p>
        <p>tree  {t} mit t  t, t | {t} | {}</p>
        <p>Bei Tiefe und Breite sind lediglich Gründe der Pragmatik und Effizienz zu
berücksichtigen. Ein Bewertungsbaum T kann einerseits als verschachtelter
Klammerausdruck dargestellt werden oder als verzweigter Klammerausdruck.</p>
        <p>T  {{{}{}...}{{}{}...}{{}{}...}...}</p>
        <p>{}T1
</p>
        <p>{} {} {}
T11 T12 T13
{} {} ... {} {} ... {} {} ... ...</p>
        <p>T111</p>
        <p>
          Bei der Gewichtung wird (optional) analog zum AHP (Analytic Network
Process) ausgewertet
          <xref ref-type="bibr" rid="ref14 ref15">(Saaty 2005, Meixner 2008)</xref>
          . Es findet ein paarweise Vergleich
aller angrenzenden Verzweigungen statt. Durch die Berechnung des Eigenvektors
beträgt die Summe alle Gewichtungswerte den Wert 1. Weiterhin ist es möglich,
Vorschläge für weitere Zweige einzubringen. Diese sind den anderen Akteuren
zunächst unbekannt und erhalten automatisch eine minimale Gewichtung.
        </p>
        <p>
pTx1...xn  a mit a [0...1] und
null
#Tx1...xn1
 px1...xn1xi
i1
wenn Tx1...xn  null
sonst</p>
        <p>Die Gesamtbeurteilung V eines Akteurs lässt sich als rekursive Formel
darstellen. Der Wert V errechnet sich aus der Summe der jeweils gewichteten Werte der
angrenzenden Zweige.</p>
        <p>Die Variable S ist ein Vektor, in dem der Pfad zur jeweiligen Verzweigung
gespeichert wird. Als Aufrufparameter dient der Pfad zu derjenigen Verzeigung,
welche berechnet werden soll, z. B. VT({1}) für den Ausgangszweig (Urknoten).
3.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>Meta-Kennzahlen</title>
        <p>Das Konzept der Meta-Kennzahlen wurde für die Erforschung von Veränderungen
des (Teil-)Baums unter bestimmten Betrachtungsweisen eingeführt. Da
Bewertungen kollektiv für ein Objekt erfolgen sollen, differieren auch die jeweiligen
Gewichtungen der Bewertungsaspekte. Die Datenbasis für eine kollektive Bewertung
besteht somit aus folgenden Elementen,
 eine Menge von Akteuren A={a1 … an}, die unterschiedlichen
Kompetenzteams bzw. Gruppen zugeordnet werden können
 einem Entscheidungsbaum T
 die Bewertung QT vom Akteur a bezüglich des Entscheidungsbaumes T
 die Gewichtung PT vom Akteur a bezüglich des Entscheidungsbaumes T
 die Zeitpunkte, wann Akteur a die jeweilige Bewertung oder Gewichtung
vorgenommen hat.</p>
        <p>Obwohl die Verschiedenheit der Datenbasis sehr gering ist, lassen sich eine
Vielzahl von Kennzahlen herausbilden, um den eigentlichen Zielwert und seine
Verlässlichkeit interpretieren zu können.</p>
        <p>Aus dieser Datenbasis lassen sich weitere Daten erzeugen. Es sind die
Baumstruktur, Gewichtung, Bewertung und Erstellungsdatum basierend auf den
Mengen jener individuellen Daten (Daten werden als Menge zusammengefasst) sowie
basierend auf den aggregierten individuellen Daten (Daten werden auf einen Wert
verdichtet).</p>
        <p>Diese Daten lassen sich durch Angabe von Kosten erweitern. Dabei entspricht
die Verteilung der Kosten der Verteilung der Gewichtung. Aspekte höherer
Gewichtung erhalten einen höheren Kostenwert als andere.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Meta-Kennzahlen zur Bewertung QT</title>
      <p>Hier werden die Verhältnisse der konkreten Bewertungen einzelner Elemente bzw.
Teilbäume durch die bewertenden Akteure zueinander betrachtet. Eine
Gesamtbewertung von 3, die sich aus den Werten 2 und 4 zusammensetzt, besitzt eine
höhere Streuung als eine Bewertung aus den Teilwerten 3 und 3. Die Meta-Streuung
betrachtet hingegen diese Streuungswerte. Eine Bewertung mit hoher Streuung der
Einzelbewertungen kann also eine geringe Meta-Streuung haben. Derartige
Streuungsbetrachtungen sind notwendig, um die Existenz von über- oder
unterdurchschnittlich gut bewerteten Teilzweigen in die Interpretation der Gesamtbewertung
einfließen zu lassen.
 Streuung auf Ebene bei Einzelakteur</p>
      <p>Wie im obigen Beispiel dargestellt, können zusammengesetzte Bewertungen
aus verschiedenen Teilwerten bestehen. Die Streuung gibt die Verteilung dieser
Unterschiede für einen Einzelakteur an.
 Meta-Streuung bei Einzelakteur</p>
      <p>Die Meta-Streuung gibt die Streuung der Streuung einzelner Bewertungen für
einen Einzelakteur an.
 Streuung auf Ebene bei Akteursgruppen</p>
      <p>Auf der Ebene von Akteursgruppen treten Streuungen vermehrt auf und können
mittels dieser Kennzahl abgebildet werden.
 Meta-Streuung bei Akteursgruppen</p>
      <p>Die Verteilung der Streuung in einer Akteursgruppe wird durch diese Kennzahl
ermittelt.
 Streuung in Verzweigung</p>
      <p>Verzweigungen können nicht direkt bewertet werden. Die Berechnung erfolgt
auf der Grundlage der eingegebenen Daten und der Gewichtung. Die Streuung
der Berechnungen basiert auf den Streuungen der Ebene von Akteuren.
 Meta-Streuung in Verzweigungen</p>
      <p>Eine Streuung der Streuung in den berechneten Wertungen für Teilsysteme
kann durch diese Kennzahl ausgedrückt werden.
 Homogenitätstest
 Quantilvergleich</p>
      <p>
        Der Homogenitätstest bzw. U-Test oder auch Mann-Whitney-Test
        <xref ref-type="bibr" rid="ref13">(Mann und
Whitney 1947)</xref>
        genannt dient dazu, festzustellen, ob sich zwei Gruppen von
Akteuren bei der Bewertung signifikant unterschiedlich verhalten. Bewerten bspw.
die Praktiker und die Wissenschaftler ein Prozessmodell bzw. einzelne Aspekte
von diesem ähnlich oder ist eine der beiden Gruppen optimistischer eingestellt?
Der Quantilvergleich kann dazu herangezogen werden, um der Bewertung
einzelner Akteure eine Position innerhalb der Menge aller Akteure zu geben. Dies liefert
individuelle Akteursprofile mit den Angaben, wie häufig dieser Akteur
beispielsweise im 10 %-Quantil der Positiv- oder Negativ-Bewerter liegt.
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Meta-Kennzahlen zur Gewichtung PT</title>
      <p>Die Verteilung der Gewichtungen ist je nach Untersuchungsaspekt verschieden.
Meta-Kenzahlen beschreiben in diesem Fall die Varianz der Gewichtungen. Diese
sind analog zu den Kennzahlen zur Bewertung QT.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Meta-Kennzahlen zur gewichteten Bewertung QT PT</title>
      <p>Die Streuung von Bewertungen und Gewichtungen können ebenfalls über
MetaKennzahlen gemessen werden. Diese sind analog zu den Kennzahlen zur
Bewertung QT.</p>
      <sec id="sec-7-1">
        <title>Gewichtete Bewertung orthogonaler Knotenmengen</title>
        <p>Meta-Kennzahlen müssen sich nicht zwangsweise an der durch den
Bewertungsbaum vorgegebenen Struktur orientieren. Die einzelnen Elemente und ihre
jeweiligen Bewertungen können beliebig rekombiniert werden. Dabei können andere
Klassifizierungsmerkmale herangezogen werden, die nicht in der vorgegebenen
Baumstruktur erfasst werden können:
 Streuung in Elementgruppe bei Einzelakteur
 Streuung in Elementgruppe bei Akteursgruppen
 Homogenitätstest
 Quantilvergleich</p>
        <p>Ebenfalls können die ungewichteten Bewertungen und Gewichtungen separat
betrachtet werden.</p>
        <p>Meta-Kennzahlen zur Sensitivität
Über eine Sensitivitätsanalyse wird untersucht, wie stabil eine Gesamtbewertung
auf Basis seiner gewichteten Einzelbewertungen ist. Wie groß dürfen
Werteschwankungen sein, damit sich diese auf die Gesamtbewertung auswirken.
 Sensitivität der individuellen Bewertungen
 Sensitivität der aggregierten Bewertungen
 Sensitivität der individuellen Gewichtungen
 Sensitivität der aggregierten Gewichtungen
 Sensitivität der individuellen gewichteten Bewertungen
 Sensitivität der aggregierten gewichteten Bewertungen</p>
        <p>Auch hier können zusätzlich Streuung und Meta-Streuung betrachtet werden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-2">
        <title>Meta-Kennzahlen zur Konsistenz</title>
        <p>Auf Konsistenz werden die paarweisen Vergleiche der Elemente untersucht, aus
denen die Gewichtungswerte ermittelt werden. Vollständige Konsistenz liegt dann
vor, wenn zwischen einzelnen Vergleichen keine Widersprüche zu erkennen sind.
Ein Widerspruch liegt z. B. dann vor, wenn a &gt; b und b &gt; c aber auch c &gt; a
bewertet worden sind.
 Konsistenz der individuellen Gewichtung zusammenlaufender Zweige
 Konsistenz der aggregierten Gewichtung zusammenlaufender Zweige
 Streuung der individuellen Konsistenzwerte
 Meta-Streuung der individuellen Konsistenzwerte
 Streuung der aggregierten Konsistenzwerte
 Meta-Streuung der aggregierten Konsistenzwerte
 Streuung in der Menge der individuellen Konsistenzwerte
 Meta-Streuung in der Menge der individuellen Konsistenzwerte</p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-3">
        <title>Meta-Kennzahlen zur Datenqualität</title>
        <p>Die Datenqualität kann unter verschiedenen Aspekten beurteilt werden.
 Das Datenalter ist bekannt, bezüglich dessen die Annahme getroffen werden
könnte, so dass neuere Daten verlässlicher sind als alte.
 Die Detaillierungstiefe des Bewertungsbaumes ist ein weiterer Aspekt. Dabei
ist nicht nur interessant, wie groß er insgesamt ist, sondern auch wie
ausbalanciert der Baum in der vertikalen ist.
 Analog hierzu betrachtet die Detaillierungsbreite die horizontale Balance.
 Die Anzahl der beteiligten Akteure, deren Beurteilungen aggregiert werden,
kann durchaus in den einzelnen Zweigen des Baumes variieren. Auch hier
können absolute Zahlen und Balance- also Streuungswerte ermittelt werden.
 Auch die Kompetenz der Akteure kann in den einzelnen Bewertungszeigen
unterschiedlich angemessen sein. Urteile von ausgewiesen Fachexperten sind
dann sicherlich anders zu betrachten als die von offensichtlichen Laien.</p>
        <p>All diese Aspekte können jeweils durch Minimal-, Maximal- und
Durchschnittswerte sowie nach Streuung und Meta-Streuung beschrieben werden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-4">
        <title>Meta-Kennzahlen für Aggregationspfade</title>
        <p>Wenn es einen Bewertungsbaum gibt, zu dem mehrere individuelle Bewertungen
vorliegen, muss beachtet werden, auf welcher Ebene im Baum eine Aggregation
der individuellen Bewertungen vorgenommen wird. Es können bereits die
Bewertungen der Blätter aggregiert werden. Der Gesamtwert ermittelt sich dann aus den
gewichteten und aggregierten Blattwerten. Es können aber auch erst die
individuellen Bäume ausgewertet werden. Der Gesamtwert wird dann aus den
individuellen Gesamtbewertungen ermittelt. Bei einem n-schichtigen Bewertungsbaum gibt
es n verschiedene Ansatzpunkte, an denen die Aggregation der individuellen
Bewertungen vorgenommen werden kann (Aggregationspfade).</p>
        <p>Unterschiedliche Aggregationspfade können trotz identischer Datenbasis
unterschiedliche Gesamtwerte liefern. Dies kann einerseits durch Rundungsfehler
geschehen. Andererseits können individuelle Bewertungen nach der Aggregation
anders gewichtet werden als bei der Auswertung im individuellen Baum.</p>
        <p>Kennzahlen auf Aggregationspfade lassen sich auf Bewertungen und
Gewichtungen anwenden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-5">
        <title>Meta-Kennzahlen zur Wirtschaftlichkeit</title>
        <p>Betrachtet werden können jeweils die Kosten für den Erhalt eines Ist-Zustandes,
oder das Erreichen eines geplanten oder ungeplanten Soll-Zustandes. Der
Standard-AHP berücksichtigt bereits eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Durch die
kollektive Beurteilung und die explizite Berücksichtigung von Teilsystemen
werden aber bestimmte Kennzahlen zusätzlich in diesem Kontext anwendbar:
 Individuelle Kostenschätzung
 Kollektive Kostenschätzung
 Streuung der individuellen Kostenschätzungen
 Streuung der aggregierten Kostenschätzungen
 Streuung in der Menge der individuellen Kostenschätzungen
 Meta-Streuung der individuellen Kostenschätzungen
 Meta-Streuung der aggregierten Kostenschätzungen
 Meta-Streuung in der Menge der individuellen Kostenschätzungen
 Individuelle kostengewichtete Elastizität
 Kollektive kostengewichtete Elastizität</p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-6">
        <title>Meta-Kennzahlen zur zeitlichen Veränderung</title>
        <p>Zu bewertende Systeme können sich mit der Zeit verändern. Das
Bewertungssystem kann sich verändern. Und auch die Menge der Bewertenden und deren
Meinungen können sich mit der Zeit verändern. Wir stark diesbezüglich jeweils die
Konstanz ist, kann über weitere Kennzahlen abgebildet werden. Es gibt die
Veränderungshäufigkeit und -regelmäßigkeit, die Existenz von Tendenzen, der
Schwankungsbereich (Min/Max) oder die Streuung. Diese sechs Kennzahlentypen lassen
sich im Prinzip auf all jene bisher genannten Kennzahlen anwenden. Und für
jeden dieser sechs Kennzahlentypen können wiederum Streuung und Meta-Streuung
untersucht werden, so dass am Ende jede Kennzahl um 18 weitere Kennzahlen
ergänzt werden kann.
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Das Kennzahlen-Cockpit</title>
      <p>Im vorherigen Abschnitt wurden 101 verschiedene (Meta-)Kennzahlen vorgestellt.
Jede Kennzahl ließe sich durch weitere 18 Kennzahlen ergänzen, wenn der
zeitliche Verlauf berücksichtigt werden soll. Der Umfang ist enorm und in seiner
Gesamtheit nicht mehr pragmatisch, intuitiv handhabbar oder nachvollziehbar: Was
ist beispielsweise die Meta-Streuung der Streuung der zeitlichen Streuung der
Meta-Streuung der Streuung einer individuellen Gewichtung? Dieser skurrile
Ausdruck beschreibt, ob zeitliche Bewertungsschwankungen zwischen Teilzweigen
des Bewertungsbaumes auftreten und wie stark sich diese innerhalb des
Bewertungssystems unterscheiden. Dies kann in bestimmten Situationen durchaus eine
hilfreiche Information darstellen. Eine Kennzahl sollte daher solange nicht als
sinnlos abgegolten werden, solange ihre Sinnlosigkeit nicht allgemein
nachgewiesen werden konnte. Möglich wird dies aber nie sein. Daher muss der Ansatz
gewählt werden, für zukünftige Kennzahlen-Cockpits diejenigen Kennzahlen zu
ermitteln, deren Wertveränderungen einen erkennbaren und interpretierbaren Effekt
auf die Beurteilung eines Objektes haben. Um diese Effekte und auch die
Interdependenzen zwischen den einzelnen Kennzahlen erkennen zu können, ist eine
toolbasierte Herangehensweise in realistischen Anwendungsfällen unumgänglich.
4.1</p>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>Grundgedanke</title>
        <p>Ein entsprechendes Kennzahlen-Cockpit wird momentan realisiert. Dieses
webbasierte Tool ermöglicht verteilten Gruppen von Experten bzw. Praktikern,
Bewertungen von Objekten vorzunehmen. Dabei wird in einzelnen Sitzungen jeweils nur
ein System(-zustand) bewertet. Die Ergebnisse der individuellen Sitzungen
werden zusammengefasst. Die Datenerhebung ist durch eine intuitive
Benutzeroberfläche leicht durchzuführen, so dass sich Werte und Gewichtungen einfach
zuordnen lassen und Metriken abgebildet werden können.</p>
        <p>Das Bewertungs-Tool hat somit die Aufgaben, eine kollektive Bewertung zu
ermöglichen sowie die Auswirkungen der Eingabedaten auf die neuen
MetaKennzahlen nachvollziehbar zu machen. Meta-Kennzahlen können evtl. nur
kontextspezifisch interpretiert werden. In welchen Fällen eine hohe Meta-Streuung
positiv, negativ oder als irrelevant zu interpretieren ist, soll zunächst nur von
Domänenexperten eingeschätzt werden. Eine evtl. vorhandene Systematik in
Abhängigkeit von der Bewertungsintention soll dann daraus abgeleitet werden.</p>
        <p>Das Bewertungssystem basiert auf einer dynamischen Baumstruktur. Eine
wichtige Grundlage ist daher die Entwicklung eines dynamischen Datenmodells,
welches diese Baumstruktur abbilden kann und neue Zweige in Form von
Indikatoren und Systemelementen jederzeit durch die Akteure oder Forscher hinzufügen
lässt. Diese Dynamik wird dann interessant, wenn auf der Grundlage der bereits
gewonnenen Werte Gewichtungen neu verteilt werden. Ergebnisse lassen sich so
unterschiedlich interpretieren und eröffnen ein weitreichendes Spektrum an
Berechnungs- und Deutungsmöglichkeiten.</p>
        <p>Der Aufbau des Bewertungskatalogs erfolgt dabei sehr dynamisch und lässt
sich für bestimmte Betrachtungen entsprechend leicht anpassen. Weiterhin ist für
sich wiederholende Bewertungsdurchgänge ein Versionsmanagement integriert, so
dass Bewertungen über die Zeit betrachtet werden können. Andererseits können
einmal erstellte Bewertungsmuster wiederverwendet und neu rekombiniert
werden.</p>
        <p>Dieses Tool ist zum einen für Experten und Praktiker gedacht, welche die
Aufgabe haben, Systeme wie Sachleistungen oder immaterielle Leistungen zu
bewerten. Wissenschaftler besitzen zum anderen die Möglichkeit, neue Indikatoren zu
erproben oder anhand von Kennzahlen die Aussagekraft eines bestimmten
Indikators und die Kennzahlen selbst erforschen zu können. Auswertungsfunktionen
geben ferner Aufschluss über die Qualität des bewerteten Objekts aus verschiedenen
Betrachtungswinkeln.</p>
        <p>
          Im Zusammenhang mit gestalterischen Mitteln der Softwarekartographie
          <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(Lankes et al. 2005)</xref>
          kann die Anwendung die Bewertung von Dienstleistungen oder
entsprechenden Modellen erleichtern. Interpretationen gewichteter Ergebnisse
lassen sich somit schneller erschließen und können objektiv veranschaulicht werden.
        </p>
        <p>
          Erweiterungen des bestehenden Systems sind denkbar. Expertenbewertungen
können auf Grundlage von bisherigen Gewohnheiten oder Empfehlungen durch
eine sog. Recommendation Engine
          <xref ref-type="bibr" rid="ref6">(Diestelhorst und Matthes 2001)</xref>
          verarbeitet
werden. Der Einsatz von Visualisierungskonzepten aus der Softwarekartographie
rundet die Benutzbarkeit und Anpassbarkeit ab.
4.2
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-2">
        <title>Sichten-Konzept</title>
        <p>Eine Trennung des zu bewertenden Systems in Teilsysteme ermöglicht eine
modulare Bewertung und eine einfache Erschließung markanter Kennzahlen. Diese
Kennzahlen treten meist als Teilergebnisse dieser Unterstrukturen auf. Die
Berechnung der Teilergebnisse erfolgt durch die Aggregation der Blätter eines
Teilbaums. Bekannte Bewertungsverfahren besitzen eine statische Struktur, d. h. sie
betrachten nur eine bestimmte Sichtweise möglicher Aggregationen. Diese
Sichtweise berücksichtigt jeweils nur die Aggregation von Teilbäumen eines Benutzers
zu einer bestimmten Kennzahl, welche die Bewertung des Gesamtsystems
darstellen soll. Die Berechnung des Endwertes erfolgt dann ausschließlich über die
Kombination der einzelnen Bewertungen des Gesamtsystems. Das arithmetische
Mittel über diese Bewertungsergebnisse soll dann eine Aussage über das bewertete
System in einem Gesichtspunkt geben.</p>
        <p>Nach kurzer Überlegung entstehen Zweifel über die Aussagekraft des
berechneten Endwertes. Neben Rundungsfehlern, die beim Aggregieren von Teilbäumen
auftreten, werden relevante Informationen über die Herkunft der Daten
verschwiegen. Die Kennzahlen des Gesamtsystems geben kaum Aufschluss über die
einzelnen Teilsysteme und würden durch eine andere Sichtweise oder Aggregation
einen anderen Endwert ergeben. Dabei ist es möglich, für jede Ebene des
Bewertungsbaumes eine eigene Sicht zu erstellen und gesondert zu betrachten.</p>
        <p>Weiterhin sind Sichtweisen denkbar, die jeweils nur ein Teilsystem
unterschiedlicher Akteure betrachten. Somit kann eine Bewertung auf Teilsystemebene
erfolgen. Danach können die aggregierten Evaluationen der Teilsysteme wieder zu
einem Gesamtsystem zusammengesetzt werden. Dabei wird ersichtlich, dass nur im
Einzelfall das gleiche Ergebnis berechnet wird, wie etwa bei der Aggregation der
einzelnen Bäume der Akteure. Ein weiterer Vorteil ist die Betrachtung der
Teilsysteme an sich. Bewertete Gesamtsysteme geben nur bedingt Aufschluss über die
zugehörigen Teilsysteme.</p>
        <p>Eine wichtige Rolle bei der Aggregation von Teilbäumen spielen
Gewichtungen. Diese Gewichtungen einzelner Kennzahlen stellen dabei die Wichtigkeit des
zu betrachtenden Wertes dar. Einerseits stellen sie das Stimmgewicht einzelner
Akteure dar. Experten könnten mehr Gewicht in ihrer Bewertung erhalten als
Laien. Andererseits geben sie an, welche Teilsysteme mehr Aussagekraft besitzen als
andere.</p>
        <p>Diese Faktoren lassen die Komplexität von Bewertungen und deren
Auswertungen in die Höhe steigen. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, wird es
notwendig, entsprechende technische Hilfsmittel zu verwenden. Jedoch basieren
aktuelle Bewertungssysteme auf statischen Strukturen und lassen nur eine
bestimmte Sichtweise zu. Auf Grund wachsender Anforderungen und dem oben
beschriebenen Bedarf nach dynamischen Strukturen wurde das Konzept des
Kennzahlen-Cockpits entwickelt. Dieses webbasierte Werkzeug verinnerlicht die oben
betrachteten Sichtweisen und ermöglicht die bedarfsgerechte Anpassung an
unterschiedliche Gegebenheiten.
4.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-3">
        <title>Systemarchitektur</title>
        <p>Entwickelt wird das Kennzahlen-Cockpit anhand einer Architektur, die sich in drei
Bereiche gliedert (vgl. Abb. 1). Sämtliche anfallende Daten werden in der
Datenbasis persistent gehalten. Dabei werden die Daten klassifiziert nach deren
Herkunft. Die VersionBase enthält alle Datenbestände, die zur Versionierung von
Evaluationen und Bäumen notwendig ist. Werte, die bei Evaluationen entstehen,
werden in der ValueBase gehalten, um einen schnellen Zugriff auf die Werte für
Berechnungen zu ermöglichen. In der WeightBase sind die Gewichtungen
gespeichert, die je nach Bewertungsdurchgang oder Auswertungssitzung verschieden
sein kann.</p>
        <sec id="sec-8-3-1">
          <title>DataBase</title>
          <p>VersionBase
VersionBase
WeightBase</p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-3-2">
          <title>Back-End</title>
          <p>TreeEngine
WeightEngine
ViewEngine
ReportEngine
VersionEngine</p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-3-3">
          <title>Back-End</title>
          <p>EvaluationEngine</p>
          <p>GUIEngine</p>
          <p>UserEngine
VersionEngine
Abb. 1. Architektur des Kennzahlen-Cockpits</p>
          <p>Die logische Steuerung übernehmen die sog. Engines. Diese werden nach ihrem
Bedarf unterschieden. Für das Back-End beispielsweise, in welchem die
Bewertungsbäume entstehen, wird vorrangig die TreeEngine verwendet. Die TreeEngine
erzeugt die dynamischen Bäume und stellt Möglichkeiten bereit, diese an
verschiedene Gegebenheiten anzupassen. Zusammen mit der WeightEngine und der
ViewEngine können komplexe Systeme in einem Bewertungsbaum abgebildet
werden. Entsprechende Sichten werden mit Hilfe der ViewEngine dargestellt und
steuern das oben angesprochene Sichten-Konzept. Hauptaufgabe der
ReportEngine ist die Berechnung und Auswertung abgegebener Bewertungen. Sie bildet das
Kernstück des Systems. Alle erzeugten Berechnungen und Ausgaben werden im
System hinterlegt und können nach Bedarf wiederhergestellt werden. Diese
Herausforderung wird mit Hilfe der VersionEngine gemeistert und setzt ein
leistungsstarkes Versions- und Changemanagement um.</p>
          <p>Im Front-End spielen vorrangig Anzeigesteuerungen eine Rolle. Die
EvaluationEngine stellt einzelne Bewertungssitzungen für Akteure bereit und verarbeitet
sie. Verwaltet werden sämtliche beteiligten Akteure durch die UserEngine. Um
entsprechende Evaluationssitzungen durchzuführen, erzeugt die GUIEngine
webbasierte Benutzerschnittstellen, welche an die bestimmten Anforderungen
angepasst sind. Auch im Front-End wird die VersionEngine für die Versionierung von
Sitzungen verwendet.
5</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>Anwendung und Ausblick</title>
      <p>Die beschriebene Anwendung kann als dezentrales Bewertungstool für
Dienstleistungen verwendet werden. Beispielsweise ist es denkbar, die Qualitätssicherung,
welche aus verschiedenen Betrachtungsebenen erfolgen kann, über ein solches
Werkzeug abzubilden. Der Aufbau der zu sichernden bzw. zu überprüfenden
Teilprozesse einer Dienstleistung kann mit Hilfe des dynamisch aufspannenden
Baumes direkt abgebildet werden. Akteure, die in den Prozess der Qualitätssicherung
involviert sind, bekommen so eine direkte Möglichkeit, die Dienstleistung aus
ihrer Perspektive zu evaluieren. Der Leistungserbinger erhält jedoch ein Werkzeug,
welches nach seinen Bedürfnissen bzw. Forschungsschwerpunkten individuell
anpassbar ist.</p>
      <p>
        Grundsätzlich ist die Anwendung jedoch universell einsetzbar. Der aktuelle
Anwendungskontext ist die Wandlungsfähigkeit von Organisationsarchitekturen
und Schutzkonzepten
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11">(Gronau et al. 2009)</xref>
        . Zivile Sicherheit ist hier die zu
erbringende Leistung. Wandlungsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit von Systemen, sich
schnell, effizient und selbständig auf Veränderungen in der Umwelt einstellen zu
können
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10 ref14 ref7">(Gronau et al. 2006; Eggert und Gronau 2008)</xref>
        . Wandlungsfähigkeit ist
nicht direkt messbar und wird daher über indikatorbasierte Erfolgsmuster
nachgewiesen. Ob erfolgreiche Muster bzw. die Bewertungsmuster selbst aus einer
bestimmten Domäne aber auch auf andere Domänen übertragen werden können,
muss erfahrungsgemäß von einer Expertengruppe überprüft werden. Nur selten
sind Anwendungskontexte so abgesteckt, dass ein Experte allein den Überblick
und das vollständige Wissen hat. Zudem gibt es nur in Ausnahmefällen eine
objektive ideale Lösung, so dass eine transparente Entscheidungsfindung eine
akzeptanzsteigernde Maßnahme darstellt.
      </p>
      <p>Es ist insbesondere der Aspekt der kollektiven Bewertung, der als
Komplexitätstreiber im konzeptionellen wie auch technischen Bewertungssystem fungiert.
Aber eben dieser Aspekt wird zukünftig immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Web-basierte Communities haben sich vielfach etabliert, (verteilte) Gruppenarbeit
ist eine Selbstverständlichkeit geworden, die ansteigende Komplexität von
Entscheidungen wird für einzelne Akteure unüberschaubar, die Anzahl
konsensbasierter Entscheidungen, für die es keine optimale Lösung geben kann, steigt an und
Formen der elektronischen Beteiligung werden verstärkt erprobt. Hiermit wachsen
auch die Aufgaben und die Verantwortung, die gemeinschaftlich getragen werden
müssen. Die Aufgaben können auch Dienstleistungen sein. Kollektive
Bewertungen fallen dabei zwangsweise an. Um Vertrauen in die Bewertungsdaten zu
verschaffen, helfen eben jene Meta-Kennzahlen. Der einzelne Akteur, der unter
Umständen seine Mitstreiter und die Gesamtcharakteristik aller Beteiligten gar nicht
kennt, kann sich auf diese Weise ein Bild von der Ergebnisverlässlichkeit machen.
Besonders für Dienstleistungen die für größere Kundenkreise übers Internet
angeboten werden, hat es sich etabliert kollektive Bewertungsverfahren einzusetzen. In
der Regel handelt es sich dabei um Verkaufsplattformen. Die zeitliche Verteilung
der erhaltenen Bewertungen und die Anzahl unterschiedlicher Kunden werden
dabei bereits häufig angegeben (vgl. www.ebay.de).</p>
      <p>Doch auch für kleine Gruppen im unternehmerischen Kontext sind die
Kennzahlen ein wichtiges Instrument. Sie dienen zur Dokumentation einer kollektiven
Expertenentscheidung und können die Stärken oder die Schwächen in der
Bewertung selbst offenlegen und quantifizieren. Letztendlich lassen sich auch
Verbesserungspotenziale für zukünftige Bewertungsaktivitäten identifizieren.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
  </body>
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