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        <article-title>Lehre ins Internet? Hindernisse und Erfolgsfaktoren für Social Software an der Hochschule</article-title>
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          <label>0</label>
          <institution>Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement Universitätsstraße 1 40225 Düsseldorf</institution>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>50</fpage>
      <lpage>58</lpage>
      <abstract>
        <p>Ausgehend von den Vorteilen des Einsatzes von Social Software in der Lehre (in Bezug zum „shift from teaching to learning“ und im Rahmen des Bologna-Prozesses) werden Hindernisse für ihre Nutzung an Hochschulen aufgeführt. Diese können in allgemeine Innovationshindernisse, eLearningHindernisse sowie in spezielle Social Software-Hürden unterteilt werden. Abschließend werden die Koppelung von Learning-Management-Systemen und Social Software sowie das Angebot von Fortbildungen als Erfolgsfaktoren diskutiert.</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>Timo van Treeck</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
  </front>
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    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>‚learning outcomes‘ orientierten Bachelor- und Mastermodelle, welche den Erwerb
von Berufskompetenzen stark an die konkreten Aktivitäten der Studierenden koppeln.
Hier bietet die Vermischung von Consumer und Producer im Rahmen von Social
Software (Inhalte werden dabei nicht von Dozierenden vorgegeben, sondern
gemeinsam konstruiert und kritisch überprüft) neben Aspekten des Networking
wichtige Ansatzpunkte für eine auf das Lernen hin orientierte Lehre. Kerres spricht in
diesem Zusammenhang davon, dass die Grenze zwischen User und Autor im
Bildungskontext derjenigen zwischen Lehrendem und Lernenden entspreche. Diese
„klare Trennlinie relativiert sich, wenn man sie im Zusammenhang mit der
Diskussion über konstruktivistische Ansätze der Didaktik und die konsequente
Umsetzung von Ansätzen des Web 2.0 betrachtet“ [3, p. 4]. In Beiträgen zur Nutzung
von Social Software und bei Vertretern der Hochschuldidaktik finden sich also
ähnliche Ziele.</p>
      <p>Dabei ist die Stärkung der Studierenden bei der Nutzung von Social Software auch
technisch umgesetzt, z.B. indem Beiträge in Weblogs im Einflussbereich der
VerfasserInnen bleiben, was bei institutionell betriebener Software nicht immer der
Fall ist [4; 5].</p>
      <p>Viele Lehrveranstaltungen, bei denen Social Software eingesetzt wird, sind außerdem
so konzipiert, dass Studierende dort Projektarbeit durchführen (Podcasts erstellen,
Glossare gemeinsam formulieren, etc.).3 Hier ist Social Software zusätzlich
eingebettet in ein Konzept der moderierten, gecoachten aber selbständigen
Erarbeitung von Themengebieten meist inkl. der Präsentation des Projektergebnisses.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>These 2: Social Software unterstützt Selbststudium</title>
      <p>Social Software ist durch den starken Bezug zu informellen Lernen besonders
geeignet, den im Rahmen des Bolognaprozesses durch klare Workload-Angaben
stärker in den Fokus gerückten Selbststudiums-Anteil einer Lehrveranstaltung zu
unterstützen.4 Hierzu nur wenige Hinweise: Informelle Lernprozesse, die nicht durch
Institutionen geprägt sind, finden stark im diskursiven Rahmen unter Freunden und
Peers statt. Diese Lernprozesse gilt es zu fördern und zu begleiten, Social Software
kann hierbei eingesetzt werden. Reflektionen über Lerninhalte und Kompetenzen sind
zum Beispiel ein Einsatzgebiet von Blogs als Lerntagebücher.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>These 3: Social Software belebt den virtuellen Campus</title>
      <p>
        Wichter Erfolgsfaktor von eLearning-Angeboten ist die sogenannte
SocialAwareness, die in Präsenzveranstaltungen durch Anwesenheit und aktive Mitarbeit
3 Projektarbeit im Unterricht, d.h. Projektunterricht weist in der Regel unter anderem folgende
mit Social Software-Prinzipien verwandte Elemente auf: handlungsorientierte Durchführung
eines Vorhabens, vermitteln von Produkten/Ergebnissen an andere, Selbstorganisation und
Selbstverantwortung, soziales Lernen.
4 Dass das prüfungsorientierte Studium dabei häufig keine Freiräume für das Selbststudium
lässt, ist einer der Widersprüche, die bei der Umsetzung des Bolognaprozesses entstanden
sind [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ].
erzeugt wird [7; 8]. Je nach eLearning-Konzept wird deren Förderung online aber
wenig beachtet. Durch die unveränderte Übertragungen von Klassenzimmerkonzepten
in das Internet entstehen Lernumgebungen, die damit zu kämpfen haben, dass „such
environments can be pretty sterile places“ [5, p. 4]. Leider wird in Lehr- und
Lernsituationen aber auch allgemein häufig unterschätzt, dass Lernen immer in einem
Beziehungsrahmen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref9">9</xref>
        ] stattfindet. Der Einsatz von Social Software kann hier
ergänzend zu einer Campuskultur nützliche Dienste leisten. Kerres führt dazu am
Beispiel der Notebook-Universität aus, dass die Verzahnung von Online- und
OfflineLernen und die Verfügbarkeit von Informationen überall auf dem Campus die
physikalischen Grenzen des Lernraums aufbrechen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ].
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Weitere Vorteile</title>
      <p>
        Weitere Vorteile der Nutzung von Social Software können – immer unter
Berücksichtigung eines angemessenen Konzeptes – in der Nutzung frei verfügbaren
Contents, der Berücksichtigung der Bedürfnisse einer Netzgeneration (vgl. kritisch
zur Netzgeneration [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10">10</xref>
        ]) und der Etablierung neuer Formen der kollaborativen Arbeit
liegen.
2.
      </p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Hindernisse</title>
        <p>Dass Social Software bereits in einigen Bereichen der Hochschullehre erfolgreich
eingesetzt wird, andere Bereiche oder gar eine flächendeckende Nutzung bislang
jedoch nicht erreicht wurden, kann auf drei Hindernis-Cluster zurückgeführt werden:
Zum einen auf allgemeine Hindernisse für Innovationen in der Lehre, zum zweiten
auf solche, die für den Bereich des eLearning gelten und zu guter Letzt Hindernisse,
die mit der Besonderheit der Nutzung von Social Software in der Lehre
zusammenhängen.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>2.1. Allgemeine Innovationshindernisse</title>
      <p>Nicht nur in der Lehre, auch in der Wissenschaftskommunikation und im
Wissensmanagement kann Social Software – wie andere Beiträge der Tagung Social
Software @ Work vor allem für den Bereich der Wirtschaft gezeigt haben – ein
wichtiger Erfolgsfaktor sein. Einige Hindernisse für den Einsatz in der Lehre treten
auch in diesem Bereich auf. Hier soll jedoch der Schwerpunkt auf Probleme in der
Lehre gelegt werden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Bedeutung und Verständnis von Lehre – Educational Beliefs</title>
      <p>Lehrinnovationen in der Hochschule haben allein schon deshalb einen schweren
Stand, weil Lehre trotz zahlreicher Bemühungen (z.B. an der
Heinrich-HeineUniversität Düsseldorf mittels des Lehrpreises oder des Lehrförderungsfonds für
innovative Lehrprojekte) im Hochschulkontext immer noch wenig Möglichkeiten zur
Reputation und zur Beschäftigung von Wissenschaftlern (die auf Grund guter
Lehrleistungen gefördert wurden) bietet. Eine wahrscheinliche Folge ist, dass die
meisten Hochschullehrenden sich eher als Wissenschaftler und Fachexperten, denn
als Wissensvermittler verstehen.</p>
      <p>Passende Untersuchungen zu den sogenannten „Educational Beliefs“ von
Wissenschaftlern, also den meist nur impliziten und unreflektierten Vorstellungen
über Lehre, stehen im deutschsprachigen Raum noch aus. Hier setzen auch
fachkulturelle Unterschiede an, z.B. die Vorstellung, dass Social Software in den eher
diskussionsorientierten Geisteswissenschaften leichter für die Lehre zu nutzen sei.5</p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>2.2. eLearning-Hindernisse</title>
      <p>
        Bei der Einführung von eLearning kommen zu den oben genannten allgemeinen
Innovationshürden weitere Hindernisse hinzu. Vor allem die häufig (noch) keine
Unterstützung des eLearning vorsehenden Studienordnungen erschweren es, Vorteile
des eLearning zu nutzen. Zu nennen ist hierbei vor allem zeit- und ortsunabhängiges
Lernen und Lehren, bei welchem entweder Kontaktzeit als Online-Kontaktzeit
konzipiert wird oder das Selbststudium durch eLearning betreut und unterstützt wird.
Eine weitere Hürde stellt für viele Dozierende der erste Einsatz der Technik bzw.
Software dar, vor allem im Zusammenhang mit dem Aufwand für die Konzeption und
Betreuung von eLearning-Veranstaltungen sowie die Content-Erstellung.6
Als größtes Problem dürfte allerdings der Projektstatus von Lehrinnovationen zu
nennen sein. Dieser und das Lehrstuhlprinzip7, das eine Arbeitsteilung beispielsweise
bei Medienproduktionen erschwert, erzeugt auch hier Hindernisse, die Kerres
folgendermaßen ausführt: „Durch die Befristung der Projekte ergibt sich das Problem,
dass deren Fokus in der Regel auf der Medienproduktion liegt. Nicht selten werden
Medienproduktionen in Projekten erfolgreich realisiert, ihr Einsatz in der Lehre
scheitert jedoch an dem Auslaufen des Projektes. In diesem Fall tendiert der
didaktische Nutzen eines solchen (scheinbar erfolgreichen) Projektes gegen Null.
Ebenso problematisch sind Projekte, die Medien erfolgreich produzieren und auch
erproben konnten, deren Ergebnisse aber nicht angemessen an anderen Orten nutzbar
gemacht werden. Für eine solche Dissemination und „Vermarktung“ der
Projektergebnisse sind Lehrstühle und Institute in der Regel aber nicht vorbereitet“
[12, p. 5]
5 Für eine Vertiefung der fachkulturellen Herausforderungen für eLearning 2.0 siehe [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11">11</xref>
        ].
6 Vgl. zum Aufwand auch das Projekt LeLeCon an der Universität Düsseldorf:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/ew/abteilungen/bf/projekte/laufendeprojekte/#c20972
7 Das Lehrstuhlprinzip besagt, dass der Lehrstuhl autonom agiert und nur lose mit anderen
Einheiten verknüpft ist. Dies kann dazu führen, dass Kompetenzen im eigenen Lehrstuhl erst
mühsam aufgebaut werden müssen, obwohl in anderen Einrichtungen Kompetenzen
vorhanden wären [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">12</xref>
        ].
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>2.3. Social Software-Hindernisse</title>
      <p>Das elementare Hindernis für den Einsatz von Social Software dürfte in der
Einstellung der Lehrenden gegenüber dem Ablauf und der Organisation einer guten
Lehre liegen. Zwar wird in der Hochschuldidaktik ein „Shift from teaching to
learning“ propagiert, dieser dürfte aber bei den meisten Dozierenden noch auf
Widerstand stoßen. Somit ist die Passung von Social Software zu den in der Mehrzahl
überholten Lehrvorstellungen häufig schlichtweg nicht gegeben. Social Software wird
deshalb dort nicht eingesetzt werden, wo
• die Lehre eher dozierendenorientiert ist,
• kaum Lernräume geschaffen werden, in welchen Studierende durch aktive</p>
      <p>Auseinandersetzung Kompetenzen erwerben können,
• Dozierende sich scheuen, Lernprozesse auch vermeintlich unkontrolliert ablaufen
zu lassen, z.B. moderiert in einer Lernumgebung (ob man diese Personal
Learning Environment (PLE) oder ähnlich nennt, ist für diesen Aspekt
unerheblich),
• unverrückbare und undiskutierbare Inhalte im Zentrum stehen, anstatt der im</p>
      <p>
        Bologna-Prozess geforderten Kompetenzen.
[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11">11</xref>
        ] fasst diese Thesen in ähnlicher Weise folgendermaßen zusammen: „So ist die
Integration von E-Learning-2.0-Elementen eher dort didaktisch sinnvoll, wo
kommunikative und kooperative Lehr- und Lernformen zur Fachkultur gehören und
die Lernenden als gestaltende Subjekte im Lehr- und Lernprozess betrachtet werden“
[11, p. 166]. Hier kann Social Software vergleichsweise unproblematisch ein weiterer
Impuls sein, die Qualität der Lehre voranzutreiben. Gleichzeitig steht zu vermuten,
dass die Differenz zwischen Prinzipien der Social Software und den meist noch
vorherrschenden Lehrvorstellungen ein Hindernis für die Nutzung von Social
Software darstellt.
      </p>
      <p>Ein weiteres Problem ist die Beachtung von Datenschutzbestimmungen. Sind
Datenschutzfragen an Hochschulen für den eLearning-Bereich häufig noch nicht
ausreichend geklärt, so stellt sich dieses Problem in stärkerem Maße für den Einsatz
von (meist extern gehosteter) Social Software. Hier stimmen die
Datenschutzbestimmungen des Anbieters selten mit den Vorstellungen der
Hochschule überein. Die Verpflichtung Studierender, sich bei einem externen
Anbieter anzumelden, stellt eine nicht zu unterschätzende Hürde dar. Häufig wird
dieser Aspekt aus pragmatischen Gründen schlicht marginalisiert: „Weiters wurden
rechtliche Bedenken, insbesondere auf Datenschutz und Urheberrecht, vorerst
ausgeblendet“ [4, p. 189].</p>
      <p>Eng mit der Datenschutzthematik, aber auch mit der für ein erfolgreiches Lernen
förderlichen Umgebung, hängt die Diskussion um geschlossene oder offene
Lernräume zusammen (siehe auch 3.1). Social Software lebt zu einem großen Teil
davon, dass die Inhalte einer großen Gemeinschaft zugänglich sind (z.B. Ergänzung
und Korrektur von Wikipedia-Artikeln, die von Studierenden erstellt wurden).
Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass Studierende Lernerfahrungen und Fehler
machen können, ohne dass diese im Netz beispielsweise für jeden potentiellen
Arbeitgeber einsehbar sind.</p>
      <p>Angesichts der aktuellen Diskussion im Bildungsstreik um ein verschultes
Bachelorund Masterstudium und eine zu hohe Prüfungslast stellt die Notwendigkeit,
(Prüfungs-)leistungen zu kontrollieren, ebenfalls ein Hindernis für den Einsatz von
Social Software dar. Hier setzen Reinmann, Sporer und Vohle ein humanistisches
Bildungsideal im Rahmen von Social Software einem kontrollorientierten
BolognaProzess entgegen: „Gleichzeitig rückt Web 2.0 eine neue Form der humanistischen
Selbstbildung in greifbare Nähe, die jedoch an den strukturellen Hindernissen des
Hochschulalltags gleich wieder zu scheitern droht. Der Versuch, Studierende am
Lehr-Lernprozess gleichberechtigt teilhaben zu lassen, beißt sich mit der
Notwendigkeit, deren Leistungen permanent zu kontrollieren“ [6, p. 4]. Es bleibt zu
hoffen, dass die politischen Entwicklungen einen Freiraum für diejenigen Lernformen
schaffen, die einer kompetenzorientierten Ausbildung gerecht werden können.</p>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>3. Zwischenwege und Erfolgsfaktoren</title>
        <p>Hochschulen bedienen sich unterschiedlichster Wege zur Unterstützung und
Steuerung der die Lehre betreffenden Entwicklungen. Im Bereich des eLearnings sind
dafür vor allem folgende Maßnahmen zu nennen:
1. Infrastrukturelle Maßnahmen durch Bereitstellung und Unterstützung
verschiedener eLearning-Software
2. Fortbildungsmaßnahmen für die Qualifizierung der Lehrenden hinsichtlich
der Einbindung von eLearning-Überlegungen bis hin zur Entwicklung von
eLearning-Konzepten für ihre Lehre
3. Fördermaßnahmen zur finanziellen und personellen Unterstützung von</p>
        <p>Projekten
4. Schaffung von Rahmenbedingungen, die eLearning ermöglichen
(Studienund Prüfungsordnungen, Datenschutzregelungen etc.)
In diesem Rahmen soll nur auf die Punkte 1 und 2 eingegangen werden. Zu Punkt 3
sei nur kurz erwähnt, dass bei den Fördermaßnahmen auf die didaktische Konzeption
der Projekte geachtet werden muss. Gerade der Hype um Social Software und das
Bedürfnis bei aktuellen Trends mitwirken zu wollen, können dazu führen, dass Tools
unreflektiert eingesetzt werden.</p>
        <p>
          Die Schaffung von Rahmenbedingungen für eLearning (Punkt 4) ist ein strukturelles
und rechtliches Problem, auf das hier aus Platzgründen nur hingewiesen werden kann
[
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13">13</xref>
          ].
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>3.1. Infrastrukturelle Maßnahmen – Learning-Management-Systeme</title>
      <p>
        In der Regel finden sich an einer Hochschule zur Unterstützung der Lehre ein (oder
mehrere) Learning-Management-Systeme (LMS). Kritik an diesen LMS kam schon
2006 von [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ], der die Plattformen als „Datengrab ohne Leben“ bezeichnete, für die oft
mühsam Inhalte erstellt werden, obwohl doch frei verfügbar (Lern-)Inhalte vorhanden
seien „auf den vielen Homepages, auf denen sich die Lernenden über alle möglichen
Dinge des Lebens austauschen“ [3, p. 5]. Die Rolle des Lehrenden solle sich laut
Kerres so ändern, dass dieser nur noch Wegweiser zu diesen Inhalten aufstellt,
wodurch die Lernumgebung keine Insel im Internet mehr ist, sondern als Portal in
dieses fungiert. Kerres argumentiert, dass Funktionen der von der Bildungsinstitution
zur Verfügung gestellten Lernplattformen (zeitlich getaktetes Freischalten von Tests,
Bilden von Lerngruppen etc.) in eine Persönliche Lernumgebung (PLE) integriert
werden müssten [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ]. Aufgegriffen wurde diese Argumentation von Baumgartner [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">14</xref>
        ],
der zusätzlich den Aspekt betont, dass nicht nur im Netz vorhandene Inhalte genutzt
werden sollten, sondern man besonders Wert darauf legen sollte, auch Personen
(Lernkontakte) miteinander zu vernetzen.
      </p>
      <p>
        Wichtig bei dieser Kritik an LMS ist, dass nicht für die Abschaffung dieser Systeme
plädiert wird, sondern für die Weiterentwicklung und Schaffung von Schnittstellen.
Seit einiger Zeit öffnen sich Learning-Mangement-Systeme nicht nur für inhaltliche
Verknüpfungen durch Social Software (z.B. durch Tagging) sondern auch für die
personenbezogene Vernetzung ihrer Nutzer, indem Benutzerkonten mit Kontaktdaten
aus diversen sozialen Netzwerken ergänzt werden können. Wikis beispielsweise
werden schon länger in LMS integriert. Wichtig bleiben die LMS vor allem aber aus
einem Grund: Lernen erfordert in der Regel einen geschützten Lernraum.
Baumgartner formuliert hierzu: „Privat- bzw. Intimsphäre und öffentliche Sphäre
haben jedoch für jede Person unterschiedliche Überlappungen – und das ist genau
jener Bereich wo Lernen Vertrauen voraussetzt und in geschützten Räumen (wie z.B.
innerhalb des geschlossenen Kurses in einem LMS) stattfinden muss“ [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">14</xref>
        ].
Insofern erscheint es sinnvoll, einerseits die LMS als Portal zur Social
SoftwareNutzung zu verwenden, andererseits (aus rechtlichen Gründen) häufig genutzte Social
Software auch seitens der Universität auf eigenen Servern anzubieten.
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>3.2. Fortbildungsangebote</title>
      <p>
        Auch wenn die Gegenüberstellung von [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref15">15</xref>
        ] zwischen eLearning 1.1 und eLearning
2.0 vermuten lassen könnte, dass im eLearning 2.0 keine Fortbildungen mehr
notwendig sind8, sieht die Praxis an Hochschulen anders aus. Dies hat mehrere
Gründe:
- Für die Lehrinnovation ist eine Reflektion der bisherigen Praxis und damit eine
Distanz zu dieser förderlich. Dies kann am ehesten in Fortbildungen umgesetzt
werden.
- Nicht die Bedienung von Social Software steht im Vordergrund von
Fortbildungen, sondern das Erfahren der Möglichkeiten, die in diesem Konzept
liegen sowie der Transfer dieser Möglichkeiten auf die eigene Lehre.
- Fortbildungen bieten einen Lernraum, in welchem Dozierende sich über
Vermittlungsstrategien austauschen können. Die ansonsten oft geförderte
Einzelkämpfermentalität [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">12</xref>
        ] wird gezielt unterlaufen.
      </p>
      <p>
        Social Software kann als ein Element in eine studierendenorientierte Lehre
eingebunden werden. Zentral ist dabei die Passung von Lehrzielen und angewandten
Methoden, die durch verschiedene Softwarekonzepte unterstützt werden können.
8 [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref15">15</xref>
        ] unterscheidet eLearning 1.1. und eLearning 2.0 in einer prägnanten Übersicht u.a. so,
dass für eLearning 1.1 gilt: „Handling der leistungsfähigen, aber komplexen technischen
Plattformen erfordert Schulung und Training“, für eLearning 2.0: „vergleichsweise einfach
zu bedienende Software Tools mit beschränktem Funktionsumfang“ [15, p. 150].
Diese Überlegung ist bspw. ein wichtiger Bestandteil aller hochschuldidaktischen
eLearning-Angebote an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
      </p>
      <sec id="sec-10-1">
        <title>4. Fazit</title>
        <p>Die mit den Überlegungen zur Ausweitung des Social Software Einsatzes in der
Lehre angestoßene Diskussion flankiert die hochschuldidaktischen Forderungen nach
einem „Shift from teaching to learning“. Hier können aus der gemeinsamen
Beachtung hochschuldidaktischer und technologischer/konzeptioneller
Entwicklungen im Bereich der Social Software Synergien für ein
studierendengerechtes Lernen und Lehren geschaffen werden. Auch Bezüge zum
Bologna-Prozess sind offensichtlich, sind aber abhängig von der konkreten
Ausgestaltung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Anknüpfend an Vorstellungen
über gute Lehre treten mit dem Einsatz von Social Software aber auch
Schwierigkeiten der Passung von Lehrkultur bzw. Educational Beliefs und
innovativen Lehrformen stärker zu Tage. Auch wenn viele Hindernisse zum Einsatz
von Social Software in der Lehre ausgeführt wurden (u.a. Datenschutz,
Innovationsbarrieren, offene vs. Geschlossene Lernräume), überwiegen die Vorteile
bei einer didaktisch sinnvoller Nutzung (u.a. Unterstützung des Selbststudiums,
Ausweitung des Lernraums).</p>
      </sec>
      <sec id="sec-10-2">
        <title>5. Referenzen</title>
      </sec>
    </sec>
  </body>
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