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        <journal-title>Aalst, W. v. d.; Jablonski, S.: Dealing with Workflow Change: Identification of Issues
and Solutions. International Journal of Computer Systems, Science, and Engineering,
Jg.</journal-title>
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        <article-title>Vertragsbasiertes Prozessmanagement als Leitbild für die organisationsübergreifende Workflowunterstützung</article-title>
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          <string-name>Ralf Klischewski</string-name>
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          <string-name>Ingrid Wetzel</string-name>
          <email>wetzel@informatik.uni-hamburg.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>Universität Hamburg</institution>
          ,
          <addr-line>FB Informatik/Softwaretechnik Vogt-Kölln-Straße 30, 22527 Hamburg</addr-line>
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      <pub-date>
        <year>2002</year>
      </pub-date>
      <volume>15</volume>
      <issue>5</issue>
      <fpage>267</fpage>
      <lpage>276</lpage>
      <abstract>
        <p>Der zentrale Gedanke des vertragsbasierten Prozessmanagement besteht darin, das Management von Workflowressourcen zu dezentralisieren und die Bearbeitung der jeweiligen Workflowinstanz durch eine kontinuierliche Bemühung, mit sozialen und/oder technischen Akteuren bzw. Agenten „eine Vereinbarung einzugehen“, erfolgreich fortzusetzen. Um Kundenorientierung, Flexibilität und Interoperabilität in organisationsübergreifenden Workflownetzen zu ermöglichen, muss es möglich sein, jede Art von (neuer) Workflowressource als einen Service zu binden und dessen Leistung zu integrieren, während der Gesamtprozess sich entfaltet. Daher schlagen wir vor, (1) die Steuerung bzw. Ausführung eines Workflowprozesses als eine Folge von Zyklen der Evaluation und Anforderung, des Auswählens und vertraglichen Verpflichtens von Services sowie der Ausführung und Überwachung dieser Services und ihrer Leistungsintegration zu konzipieren sowie (2) die IT-Unterstützung für ein vertragsbasiertes Prozessmanagement auf eine modularisierte Architektur zu gründen, wobei die dezentralisierte Workflowsteuerung getrennt wird von der Bereitstellung der erforderlichen Workflowressourcen als Services.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Einführung</title>
      <p>Workflow Management (WFM) handelt von der Organisation von Prozessen, in denen
Elemente „fließen“, um von beteiligten Akteuren be- bzw. verarbeitet zu werden. Ein
Workflow ist (übersetzt nach [Al00], S. 15) „die Automatisierung eines
Geschäftsprozesses als Ganzes oder in Teilen, in dessen Verlauf Dokumente, Information oder
Aufgaben entsprechend einer Reihe von verfahrenstechnischen Regeln von einem
Teilnehmer zum nächsten zwecks Bearbeitung übermittelt werden“. Die organisatorische
Unterstützung durch WFM-Systeme folgt bisher hauptsächlich einem Leitbild, das wir
definitionsbasiertes Prozessmanagement nennen: umfassende Analyse sowie genaue
Planung und Festlegung von Arbeitsabläufen werden als Voraussetzungen sowohl für
wirkungsvolle Unterstützung bzw. Ausführung durch WFM-Systeme als auch für die
Bereitstellung einer Umgebung betrachtet, in der alle Beteiligten die ihnen zugewiesenen
Arbeitselemente, die notwendigen Services, Prozessinformation und andere Ressourcen
vorfinden. Dieser Ansatz basiert auf der tayloristischen Annahme, Arbeitsprozesse
ließen sich durch Entwurf eines (wissenschaftlichen) Systems optimieren, bei dessen
Anwendung die Arbeit auf die beste Weise ausgeführt wird. Gleichzeitig werden dabei
stabile Bedingungen für Prozessausführung vorausgesetzt: Die wiederholte Ausnutzung
desselben WFM-Systems und wiederholte Implementierung desselben Prozessmodells
sind nur möglich, wenn alle erforderlichen Prozesselemente und Ressourcen aus der
Umgebung auf dieselbe Weise verbunden und verwendet werden.</p>
      <p>Diese allgemeine Vorstellung von WFM (die durchaus auch für die Unterstützung vieler
e-Business-Prozesse geeignet ist) lässt sich allerdings nicht auf jene Bereiche übertragen,
in denen (teil-)autonome Akteure in einem heterogenen Netz organisationsübergreifend
Prozesse durchführen, die sich erst über die Zeit entfalten: wie etwa in den Bereichen
Gesundheit (z.B. Behandlung von Patienten vor, während und nach eines
Krankenhausaufenthaltes), öffentlicher Verwaltung (z.B. Prozesse der Entscheidungsfindung über
mehrere Verwaltungseinheiten hinweg), Tourismus (z.B. individuelle
Reiseunterstützung durch viele Dienstleister), Bauindustrie (z.B. Kooperation der verschiedenen
Gewerke und Lieferanten). Diese Beispiele haben das Ziel gemeinsam, dem jeweiligen
Klienten des Prozesses (Patient, Kunde, Bürger, usw.) einen kohärenten Dienst zu
liefern, obwohl dieser sich über die Zeit erst entfaltet bzw. sich in seiner Zielsetzung
wandelt (d.h. eine Prozessdefinition a priori hat keinen determinierenden Einfluss) und
sich auf (teil-)autonome und heterogene Dienstleistungspartner abstützt (mit je
unabhängiger Entscheidungsfindung und eigener Infrastruktur für Prozessunterstützung). Das
Management dieser Art von Prozessen stellt eine spezielle Herausforderung dar, wobei
die Grundannahmen über WFM vor allem durch folgende neue Anforderungen in Frage
gestellt werden (vgl. auch [WK02], [AJ00]):
•
•
•</p>
      <p>Kundenorientierung: während WFM zuvörderst auf die Unterstützung interner
Prozesse zielt(e) (bei denen der Kunde höchstens am Anfang und Ende von
Arbeitsabläufen involviert ist), betreffen gerade im Dienstleistungsbereich viele
Arbeitsprozesse bzw. Arbeitsschritte den Kunden direkt oder müssen das Anliegen des Kunden
berücksichtigen, das sich während Prozessausführung auch ändern kann.
Flexibilität: während IT-gestütztes WFM zuerst eingeführt wurde, um Effizienz
und Transparenz zu verbessern, steht heute zunehmend der Bedarf nach Flexibilität
in Organisationen und über Organisationsgrenzen hinweg im Vordergrund:
Einbeziehung vieler und vielfältiger Akteure (Dienstanbieter und Kunden, individuell und
als Organisationen) auch noch zusätzlich während der Prozessausführung,
Einbindung verschiedenster organisatorischer und technischer Infrastrukturen,
Unterstützung von Geschäftsprozessen mit unvorhergesehene Aktivitäten und Verläufen
(aufgrund von sich verändernden äußeren Bedingungen) – mittlerweile ist in vielen,
insbesondere serviceorientierten Bereichen die Redefinition von Prozessplänen
während Prozessausführung der Normalfall und nicht die Ausnahme!
Interoperabilität: während ursprünglich die IT-Unterstützung für WFM darauf
abzielte, jeweils Workflowanwendungen auf der Basis eines Systems zu entwickeln
und innerhalb einer Organisation einzusetzen, lassen sich die heute im Bereich
WFM zu verbindenden Komponenten meist nicht mehr in einem System
zusammenfassen, sondern müssen über Schnittstellen und Messaging verbunden werden.
(vgl. z.B. [AA99]). Oftmals sind Komponenten sogar verstreut und liegen außerhalb
der Steuerung der WFM-Systeme, eingebettet in unterschiedliche und komplexe
Infrastrukturen, wobei Internettechnologien sowohl die Konnektivität von
Komponenten ermöglichen als die Kommunikation mit Dienstleistungsmitarbeitern und
Kunden. Aufgaben im Bereich Interoperabilität umfassen Informationsaustausch
(z.B. bezüglich aktueller Workflowinstanz, Prozessmuster,
Komponentenschnittstellen) sowie die entfernte Ausführung von Softwarekomponenten und
automatisierten Services (z.B. Web Services, Application Services).</p>
      <p>Unser Beitrag argumentiert daher, dass die Grundlagen von Workflow Management
überdacht werden müssen, um den heutigen Anforderungen zu entsprechen und eine
angemessene IT-Unterstützung für Workflow in heterogene Dienstleistungsnetzen zu
bieten. Während das Workflowparadigma der Vergangenheit als definitionsbasiertes
Prozessmanagement bezeichnet werden kann, d.h. als Prozessausführung entsprechend
vordefinierten Prozessmustern und Ressourcenbeziehungen (s.u.), schlagen wir
alternativ das Leitbild des vertragsbasierten Prozessmanagement vor, d.h. eine Art der
Prozessausführung basierend auf einem Zyklus von situativer Evaluation, Serviceverpflichtung
und -ausführung.</p>
      <p>Im folgenden stellen wir zunächst das Ressourcenmanagement als zentrales Anliegen
von WFM in den Mittelpunkt. Zweitens untersuchen wir einige neuere Ansätze zu
organisationsübergreifendem WFM, wobei wir feststellen, dass diese alle die Flexibilität des
Ressourcenmanagement durch das vertragliche Verpflichten von Services verbessern.
Drittens argumentieren wir für ein dezentralisiertes Ressourcenmanagement, das
wesentlich die Bereitstellung aller Workflowressourcen als vertraglich bindungsfähige Services
voraussetzt, und skizzieren viertens Konzepte für die Implementation eines
vertragsbasierten Prozessmanagement als IT-Unterstützung in organisationsübergreifenden
Workflownetzen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Integration von Ressourcen in das Workflow Management</title>
      <p>Die Konzeptualisierung und IT-Unterstützung im Bereich Workflows steht und fällt mit
dem Begriff des Prozesses, der in der Regel als eine Folge von unabhängigen Aktivitäten
verstanden wird: „A process definition consists of one or more activities, each
comprising a logical, self-contained unit of work within the process.“ ([WMC01], S.8)
Aus der Sicht der Informatik bestand die Aufgabe im Bereich WFM zunächst darin, gut
strukturierte und stabilisierte Kooperationsprozesse zu unterstützen. In der Folge wurde
die Prozesssteuerung an WFM-Systeme übertragen, die Workflows vollständig
definieren, verwalten und ausführen mittels einer Software, deren Ausführung von einer
Repräsentation der Workflowlogik bestimmt wird (vgl. [La97], S. 244). Dabei war von
Anbeginn auf mehreren Ebenen ein Management von Beziehungen zwischen den für die
Ausführung des Workflow notwendigen Instanzen erforderlich:
•
•
•</p>
      <p>Verbindung von vordefinierten Aufgaben und Arbeitseinheiten aufgrund des
Prozessmodells,
Benachrichtigung von Mitarbeitern, in bestimmter Zeit bestimmte Elemente zu
bearbeiten, basierend auf Rollenkonzept, Worklist usw.,
Verbindung von informationellen Ressourcen (Arbeitsgegenstände wie
elektronische Dokumenten oder andere Datenobjekte) mit ausführenden Einheiten (insbes.
Softwareanwendungen) sowie Konfiguration des WFM-Systems im Rahmen der
gegebenen Infrastruktur (Hardware, Middleware, Rechteverwaltung, usw.).
Anwendungserfahrungen zeigten allerdings, dass die Umgebungen für WFM Systeme
nicht stabil genug sind, um die tayloristische Grundidee der Trennung von Planung und
Ausführung konsequent anzuwenden. Die zweite Welle der WFM-Systeme entsprach
deshalb dem Bedarf nach mehr Flexibilität am Arbeitsplatz, nach adhoc-Änderungen des
vordefinierten Prozesses und der vordefinierten Kooperation und nach der Anpassung an
bestimmte organisatorische Erfordernisse. Forschung und Entwicklung versuchten nun,
die Grundidee der Massenproduktion im Büro zu verbinden mit gewonnenen Einsichten
u.a. im Bereich computerunterstützter kooperative Arbeit. Dadurch rückte zunehmend
ins Bewusstsein, dass WFM-Systeme eine Vielfalt von Beziehungen zwischen sozialen
Akteuren und technischen Komponenten integrieren müssen, die für den Erfolg der
Prozessausführung wesentlich sind (z.B. bei der Darlehensvergabe an einen Bankkunden,
wo so unterschiedliche Aktivitäten wie Bewertung der Kundensolvenz,
Darlehensberechnung, Aushandlung, Vertragsgestaltung usw. in einem Prozess kombiniert werden).
Viele dieser Beziehungen stellen sich in herkömmlichen WFM-Systeme als fixiert bzw.
implizit dar und sind dadurch Hindernisse auf dem Weg zu mehr Flexibilität. Überdies
ist in den meisten Fällen die Relation zum Prozessklienten (dem Nutznießer der
Prozessausführung) kein integraler Bestandteil der Workflowanwendung gewesen.
Mit zunehmenden Anforderungen an Flexibilität in komplexen, heterogenen und
organisationsübergreifenden Workflowumgebungen ist die Verwaltung von
Workflowressourcen zu einem zentralen Anliegen geworden. Ein Ausweg wird u.a. in einem
allgemeineren Ressourcenbegriff gesucht: „The basic characteristic of a resource is that it is able to
carry out particular tasks.“ ([AH02], S.75). Mit anderen Worten, Workflowressourcen
können handeln, sie sind Agenten, unabhängig davon, ob sie Menschen oder Maschinen
oder eine Art von heterogenem Akteuren sind. Über diese Interpretation als aktive
Ressourcen hinaus erfordert Workflow-Ausführung u.E. auch die Einbeziehung passiver
Ressourcen ohne eigene Handlungsfähigkeit, z.B. die zu verarbeitenden informationellen
Objekte oder zu interpretierende Prozessmuster für Ausführung von Prozessinstanzen.
Vor diesem Hintergrund hat sich auch die Diskussion um zentrale Begriffe verändert.
Allen zum Beispiel beschreibt ein WFM-System wesentlich vorsichtiger als früher als „a
system that defines, creates and manages the execution of work-flows through the use of
software, running on one or more workflow engines, which is able to interpret the
process definition, interact with workflow participants and, where required, invoke the
use of IT tools and applications“ ([Al00], S. 16). Jedoch, diese Beschreibung – obwohl
sie mehrere innerhalb von WFM zu beachtende Beziehungen hervorhebt – folgt immer
noch dem Leitbild des definitionsbasierten Prozessmanagement (d.h. der regelgeleiteten
Ausführung von vordefinierten Prozessmustern und Ressourcenbeziehungen). Im
folgenden untersuchen wir einige Ansätze zu WFM in heterogenen Netzen, die alle den
Anforderungen an Flexibilität durch die vertragliche Bindung von Ressourcen als Services
während der Workflowausführung begegnen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Vertragsmodelle in Workflow-Konzepten</title>
      <p>Sich vertraglich zu etwas verpflichten oder eine Vereinbarung mit einem Akteur
einzugehen bedeutet, etwas unter vereinbarten und damit bindenden Bedingungen zu
liefern oder zu tun. Ein Vertrag ist dann eine dem zugrundeliegende formale bzw.
dokumentierte Vereinbarung. Verträge zwischen sozialen Akteuren sind grundlegend für
die Bereiche Wirtschaft, Politik und Justiz – und es scheint, dass Verträge im Bereich
der Informatik eine vergleichbare Bedeutung gewinnen. In der Informatik ist das
Verständnis von Vertrag vor allem durch die Arbeiten von Bertrand Meyer geprägt, der
im Rahmen von programming by contract die Beziehung zwischen einer Klasse und
ihren Klienten als eine formale Vereinbarung betrachtet, die die Rechte und
Verpflichtungen jeder Partei ausdrückt (vgl. z.B. [Me88], S. 111). Die darauf aufbauende
objektorientierte Softwarekonstruktion verbindet mit dem Vertragsmodell nach Meyer weitere
wichtige Begriffe wie Zusicherung, Vorbedingung, Nachbedingung, Invarianz (bzw.
Nebenbedingung) und Delegation (subcontracting).</p>
      <p>Das Vertragsmodell und die damit verbundene Idee der Services haben auch Bedeutung
innerhalb der Workflowdiskussion gewonnen. Die vertragliche Bindung gilt hier nicht
nur für die Beziehung zwischen technischen Komponenten, sondern auch für
Arbeitsbeziehungen: „A person who is assigned a task is a contractor. [...] A contractor does not
necessarily carry out the work itself, but may redirect or subcontract it to third parties.“
([AH02], S. 11) Ein Reihe von neueren Ansätzen versucht nun, das
organisationsübergreifende und internetbasierte WFM durch Integration von Teilleistungen als Services zu
ermöglichen. Trotz aller Unterschiede im einzelnen kann sich die Einbeziehung von
sozialen und/oder technischen Services innerhalb von WFM-Netzwerken auf eine abstrakte
Sicht abstützen: „Service is a process or system providing a facility to the network. The
service itself is accessed using a communication mechanism (...)“ [Ve97]. Dieser
Kommunikationsmechanismus basiert auf Anforderung (request) und Antwort (response) und
führt zu einer Vereinbarung zwischen Servicegeber und Servicenehmer vor der
eigentlichen Serviceerbringung.</p>
      <p>Vom Standpunkt des Klienten sind Services Ressourcen, die in der Lage sind, besondere
Aufgaben auszuführen. Aus dieser Perspektive heraus kann WFM auch als die Auswahl
und Verbindung von sozialen und/oder technischen Services zum Zwecke der
Prozessdurchführung betrachtet werden. Einige Ansätze haben die Vorstellung von Service
und/oder das Vertragsmodell bereits benutzt, um den heutigen Anforderungen an WFM
gerecht zu werden:
•</p>
      <p>Die eFlow-Plattform ([Ca00a], [Ca00b]) unterstützt die Bereitstellung von
integrierten Mehrwertdiensten in dynamischen Geschäftsumgebungen (genauer betrachtet
werden die Beispiele Umzug und Veranstaltungsmangement). Der Ansatz zielt auf
die Kombination von e-Services verschiedener Anbietern durch einen Integrator ab,
der auch Prozessmuster und Serviceauswahl anbietet. Die Workflowausführung
basiert darauf, (Teil-)Services auszuwählen und zu integrieren: die
Steuerungskomponente wendet sich zur Laufzeit an den Service-Broker, der entsprechende
Services (möglicherweise nach entsprechend definierten Selektionsregeln) auswählt,
und dann an die jeweiligen Serviceprovider, um den Service einzufordern. Zwar
muss die Zusammensetzung von Services im Prinzip vor der Ausführung gewählt
werden (somit wird dem Leitbild des definitionsbasierten Prozessmanagement
gefolgt; sich entfaltende Prozesse sind weniger in Fokus), aber die Ausführung bleibt
flexibel u.a. durch die Möglichkeit zur Änderung der Servicekombination während
der Ausführung, durch generische Selektion mit dynamischen
Parametereinstellun•
•
gen, durch möglichen Austausch von Standardservicekomponenten entsprechend
dem Bedarf des Kunden sowie durch Konzepte für Service-Monitoring, Messaging
zwischen den Services, Ereignismanagement und eine benutzerorientierte
Rechteverwaltung.</p>
      <p>Das CrossFlow-Projekt [Gr01] zielt auf die Unterstützung von Outsourcing und
organisationsübergreifendem Workflow in dynamisch etablierten virtuellen
Unternehmen. Die Kooperation von Geschäftspartnern wird unterstützt durch
elektronisches Abschließen von Verträgen, bei denen allerdings eine klare Rollenverteilung
hinsichtlich Servicegeber und -nehmer vorausgesetzt wird. Eine
MatchmakingKomponente wählt Serviceprozesse aus und verbindet sie. Serviceprovider bieten
ihre Services in einer XML-basierte Spezifikationssprache an, während
Servicenehmer einen Provider über eine gegebene Beschreibung auswählen und mittels
Hinzufügen von erforderlichen Parametern vertraglich binden. Details dieser
Verträge gehen über die Beschreibung des Service-„Inhalts“ hinaus und enthalten
auch Information zur Interoperabilität. Ein Konfigurationsmanager in Verbindung
mit weiteren Modulen zur Kooperationsunterstützung ermöglicht den Aufbau einer
übergreifenden Infrastruktur für die Servicebereitstellung und -ausführung.
Außerdem wird die Servicequalität entsprechend der vertraglichen Vorgaben überwacht,
einschließlich flexibler Änderungen in der Ausführung entsprechend der im Vertrag
vordefinierten Regeln.</p>
      <p>Serviceflow Management (vgl. [KWB01], [WK02] u.a.) unterstützt die Ausführung
von Serviceprozessen in heterogenen Dienstleisternetzwerken und zielt dabei primär
auf die Unterstützung von Dienstleistungsmitarbeitern und ihren Organisationen.
Der Ansatz modelliert Prozesse als eine Folge von Servicepunkten, an denen jeweils
Kunde und Dienstleister aufeinandertreffen bzw. die aktuelle Situation und das
Kundenanliegen neu bewertet werden, wobei die Servicepunkte jeweils durch die
dort üblicherweise auszuführenden Aktivitäten und ihre jeweiligen Vor- und
Nachbedingungen beschrieben werden. Bei der Servicedurchführung werden die
beteiligten Dienstleister (ggf. auch der Kunde) jeweils über den bisherigen Verlauf
und die aktuelle Planung eines sich entfaltenden Serviceprozesses informiert und
beim (evtl. automatischen) Auswerten der aktuellen Serviceinstanz gegenüber den
vorher vereinbarten Prozessmustern unterstützt. Konzepte für XML-basierte
Prozessrepräsentationen beziehen sich sowohl auf die veränderbare Folge der
Servicepunkte mit ihren sukzessive akkumulierten Nachbedingungen (service float) als
auch auf die (veränderbare) Zusammenstellung der Aktivitäten an einem
Servicepunkt (service point script). Diese Repräsentationen, die jeweils den Stand der
vertraglichen Bindung bezüglich der Teilservices an den Gesamtprozess bzw. der
Aktivitäten an jeden Teilservice darstellen, können prozessbegleitend peer-to-peer
oder mittels einer zentralisierten Architektur kommuniziert werden.</p>
      <p>Die oben skizzierten Ansätze1 unterscheiden sich in der Art der zu unterstützenden
Prozessen und entsprechenden IT-basierten Lösungen, jeder mit bestimmten Vorteilen
1 Eine Reihe von weiteren Ansätzen, die ebenfalls Probleme des internetbasierten und
organisationsübergreifenden Workflow adressieren (z.B. Workflow-„Mediation“, vgl. [Ch01], [SGW01]) machen Vorschläge
in ähnliche Richtungen, wobei jeweils noch andere Aspekte des Ressourcenmanagement hervorgehoben
(und Schwächen): eFlow setzt soziale und technische Services durch XML-basierte
Vertragsabschlüsse in Beziehung (aber unterstützt nicht das Entfalten von
zusammengesetzten Prozessen über die Zeit); CrossFlow führt ausgearbeitete Funktionen für das
Aktivieren und Monitoring von Services ein (aber erwartet alle Workflowressourcen als
Teil einer individuell aufgebauten Infrastruktur); Serviceflow Management zielt auf die
Berücksichtigung von situierten Servicebedarfen und entsprechender Prozessadaption
(während es bei den technischen Aspekten dynamischer Ressourcenverwaltung relativ
vage bleibt). Alle diese Ansätze haben jedoch gemeinsam, dass sie
–
–
–
–
–
–
die Ausführung jedes Prozesses auf instanzbasierte Prozessrepräsentationen
gründen,
dynamische Prozess- und Ressourcenverwaltung durch kontinuierliche bzw.
wiederholende Auswertung von Ressourcenangebot und -nachfrage ausführen,
Auswahl und vertragliche Bindung von Ressourcen als soziale und/oder technische
Services auf verschiedenen Ebenen ermöglichen,
die Verbindung von Services und die Interoperabilität innerhalb des
Prozessmanagements mittels XML- und internetbasierter Kommunikation erreichen,
zunehmend Regeln für den Vertragsabschluss definieren bzw. spezifizieren (und
nicht für die Prozessausführung selbst),
neue Formen des Prozessmonitoring einführen, um eine Workflowsteuerung auch
in heterogenen Netzen mit autonomen Akteuren zu ermöglichen.</p>
      <p>Dies sehen wir als die aktuellen Trends im Bereich WFM an, die jedoch (noch) nicht
durch übergreifende Metaphern, Konzepte und Theorien verbunden bzw. fundiert sind.
Aus diesem Grund, so unsere These, sollte die Workflowforschung ihre Basis der
Diskussion überdenken und sich vom Leitbild des definitionsbasierten
Prozessmanagement zum vertragsbasierten Prozessmanagement bewegen, zumindest für den Bereich
des organisationsübergreifenden WFM. Diesem neuen Leitbild folgend versuchen wir
nun, Perspektiven für die IT-Unterstützung zu entwickeln, die den heutigen
Anforderungen an WFM gerecht wird.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Dezentralisierung des Ressourcenmanagement</title>
      <p>Der zentrale Gedanke des vertragsbasierten Prozessmanagement besteht darin, das
Management von Workflowressourcen zu dezentralisieren und die Bearbeitung der
jeweiligen Workflowinstanz durch eine kontinuierliche Bemühung, mit sozialen
und/oder technischen Akteuren/Agenten „eine Vereinbarung einzugehen“, erfolgreich
fortzusetzen. Um Kundenorientierung, Flexibilität und Interoperabilität in heterogenen
Workflownetzen zu ermöglichen, muss es möglich sein, jede Art von (neuer)
Workflowressource als einen Service zu binden und dessen Leistung zu integrieren während der
werden. Für die Integration von Web Services in WFM hat z.B. IBM eine Web Services Flow Language
[Le01] entwickelt. Ein Ziel von WSFL ist, Web Services als Implementationen von Aktivitäten im Rahmen
von Geschäftsprozessen zu aktivieren. Jede Aktivität wird mit einem für die Ausführung des
Prozessschrittes verantwortlichen Dienstleister verbunden. Diese Beziehung definiert die Zuordnung zwischen in
den Kontrollfluss integrierten Aktivitäten und den vom Dienstleister angebotenen Leistungen.
Gesamtprozess sich entfaltet. Daher schlagen wir vor, die Ausführung eines
Workflowprozesses als eine Folge von Zyklen der Evaluation und Anforderung, des Auswählens
und vertraglichen Verpflichtens von (menschlichen und technischen) Services sowie der
Ausführung und Überwachung dieser Services und ihrer Leistungsintegration zu
konzipieren (siehe Abbildung 1).</p>
      <p>Work unit 1
In einem organisatorisch stabilen Netz von Work-units erscheint für diese Art von
Prozess auch eine übergreifende (ggf. zentral organisierte) technische Infrastruktur für
das Auswählen und Integrieren aller erforderlichen Services möglich, die für alle
Prozessinstanzen innerhalb dieses Netzes anwendbar ist (vergleichbar mit einer
etablierten Zulieferkette). Sind jedoch bei jeder Prozessinstanz andere bzw. neue Partner
(als Work-units) und Ressourcen involviert (z.B. bei der Patientenbehandlung), müssen
die beteiligten Partner überhaupt erst eine kooperatives Prozessmanagement etablieren,
sowohl auf der anwendungsorienterten als auch auf der technischen Ebene des
fallbasierten Ressourcenmanagement. Um in diesen Fällen den Zyklus von
Evaluation/Anforderung, Auswählen/vertragliche Bindung und Ausführung/Überwachung zu
ermöglichen, sind noch weitere Anstrengungen in Richtung Dezentralisierung
notwendig, insbesondere die Bereitstellung aller Workflowressourcen als vertraglich
bindungsfähige Services und darauf aufbauend die Etablierung einer Workflowsteuerung
bzw. einer entsprechenden IT-Unterstützung, die diesen Zyklus auch dezentral ausführen
kann (siehe nächsten Abschnitt).</p>
      <p>Wie bereits oben eingeführt, betrachten wir alle Workflowressourcen als Services, d.h.
als eine über request und response abrufbare Leistung auf der Basis einer Vereinbarung
zwischen Klient und Dienstleister. Obwohl diese Services in ihrer Art sehr verschieden
sein können, und jeder von diesen sich wiederum auf komplexe Weise auf andere
Services beziehen kann, plädieren wir für eine einheitliche Sicht für den Zweck der
vertraglichen Bindung an einen Workflowprozess. Vor diesem Hintergrund empfehlen
wir, auch passive Ressourcen (s.o., z.B. die zu verarbeitende informationelle Objekte
oder zu interpretierende Prozessmuster für Ausführung von Prozessinstanzen) zusammen
mit ihren grundlegenden Methoden für Zugriff und Bearbeitung als Services zu kapseln.
Wir unterscheiden folgende Arten von Workflowservices (zum Verständnis mit
Beispielen aus dem Krankenhauskontext) nach ihrer anwendungsorientierten bzw. technischen
Leistung, nach der Ebene ihrer vertraglichen Bindung und nach ihrer Stellung im
Mensch-Maschine-Kontext (Auswahl- oder Benutzungsschnittstelle für
Workflowteilnehmer: ja oder nein):
–
–
–
–
–</p>
      <p>Services als soziale Beziehung versuchen die situativen Bedürfnisse eines Klienten
zu erfüllen, die Partner sind einzelne Menschen (z.B. bei Beratung eines Patienten
durch einen Spezialisten) oder kollektive soziale Akteure (z.B. bei Erweiterung von
OP-Teams im Rahmen der Telemedizin); werden in der Regel durch
Workflowteilnehmer ausgewählt und integriert aufgrund einer Repräsentation der Dienstleistung,
die die wichtigen Aspekte der Serviceleistung anzeigt (für request: z.B. Daten zu
Person, Ort, Termin sowie Beschreibung der zu leistenden Grundaufgabe; für
response: z.B. Dokumentation von Aktivitäten, erreichten Nachbedingungen usw.).
e-Services ermöglichen mehr oder weniger komplexe Funktionen, Aktivitäten oder
Teilprozesse (z.B. Terminvereinbarung in einem entfernten Krankenhaus, die
Berechnung einer Behandlung auf der Basis des ausgewählten Krankenhauses und
der Krankenversicherung des Patienten); werden in der Regel mittels
Internettechnologien durch Workflowteilnehmer ausgewählt und mit Benutzungsschnittstelle
integriert.</p>
      <p>Fachliche Services liefern Funktionen (im Englischen auch domain services, vgl.
[LWZ01]) innerhalb von Anwendungen (z.B. automatische Auswertungen von
Labordaten); werden in der Regel ohne eigene Schnittstelle zu den
Workflowteilnehmern ausgewählt und integriert.</p>
      <p>Technische Services unterstützen die für die Workflowverarbeitung notwendige
Systemfunktionalität wie z.B. Implementierung von rollenbasierten Sichten und
Verwaltung von Zugriffsrechten (z.B. verschiedene Sichten vom Datensatz eines
Patienten entsprechend professioneller und organisatorischer Zugehörigkeit
aktivierte); werden in der Regel auf der Ebene von Softwareanwendungen ohne eigene
Benutzungsschnittstelle zu den Workflowteilnehmern ausgewählt und integriert.
Objekt-Services erlauben den Zugriff auf und die Manipulation von informationelle
Objekte (z.B. geduldigen Datensatz, Prozessplan für besonderen Patienten) ohne
Funktionalität außer Methoden liefern, um direkt jene Objekte zu manipulieren;
werden mit oder ohne Auswahl- bzw. Benutzungsschnittstelle zu den
Workflowteilnehmern ausgewählt und integriert.</p>
      <p>Grundsätzlich könnten alle diese Services als Web Services modelliert und spezifiziert
werden, um die Kooperation von Dienstleistern auf der Basis von Internettechnologien
zu unterstützen. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass viele Aspekte der von
Menschen bzw. sozialen Akteuren geleisteten Servicebeiträge der Formalisierung nicht
zugänglich sind. Die IT-Unterstützung für Evaluation/Anforderung,
Auswählen/vertragliche Bindung und Ausführung/Überwachung jener Services bleibt deshalb zwangsläufig
beschränkt (in Abb. 2 daher gestrichelt dargestellt).</p>
      <p>Es gehört zum Wesen von WFM, menschliche Aktivitäten, technische Operationen und
andere Ressourcen miteinander zu verknüpfen. Mit Hilfe des Leitbilds des
vertragsbasierten Prozessmanagement kann diese Verknüpfung erreicht werden, indem alle diese
Ressourcen als Services konzipiert werden und dadurch ein einheitlicher
Kommunikationsmechanismus (request/response) zur Verfügung steht. Allerdings, aufgrund der
wesentlichen Unterschiede zwischen diesen Services ist keine übergreifende
Formalisierung möglich, mit der alle Aspekte der einzelnen Serviceleistungen abgedeckt werden
könnten. Jedoch können wir aus der übergreifenden Betrachtung von Ressourcen als
Services mögliche Grundlagen für eine dezentraler Workflowsteuerung und für die
Architektur und Implementierung von IT-Unterstützung in heterogenen Workflownetzen
ableiten.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Implementation des vertragsbasierten Prozessmanagement</title>
      <p>Welche Konzepte brauchen wir, welche Bemühungen sind notwendig, um ein
vertragsbasiertes Prozessmanagement als IT-Unterstützung in heterogenen Workflownetzen zu
implementieren? Aus unseren Überlegungen heraus lassen sich folgende wesentliche
Eckpfeiler ableiten:
•
•
•</p>
      <p>Workflowsteuerung: Da wir nicht von einer übergreifend integrierten
IT-Infrastruktur (mit einer zentralen Workflowsteuerung) ausgehen können, muss eine
dezentralisierte Prozesssteuerung und -ausführung ermöglicht werden. In Prinzip kann
jeder Work-unit durch eine eigene Workflowmaschine (workflow engine) unterstützt
werden, um den Kontrollfluss von der vorangegangenen Maschine aufzunehmen,
den Zyklus von Evaluation/Anforderung, Auswählen/vertragliche Bindung und
Ausführung/Überwachung der heterogenen Workflowressorucen auszuführen und
den Kontrollfluss dann zur (ggf. zu ermittelnden) nachfolgenden Maschine
weiterzugeben. Es ist durchaus sinnvoll, die Funktionalität dieser dezentralen
Workflowmaschinen selbst elementar auszulegen und die Aktivitäten des Zyklus durch
explizite WFM-Services ausführen zu lassen. Diese WFM-Services können wiederum
eine Kombination von menschlichen Aktivitäten (z.B. Dienstleistungsmitarbeitern,
aber ggf. auch Kunde) und technischen Operationen sein (zur detaillierten
Beschreibung der Aktivitäten im Zyklus siehe [KW02]).</p>
      <p>Ressourcenbereitstellung: Der Schlüssel zu erfolgreichen Workflowbearbeitung ist
(wie oben ausgeführt) die Fähigkeit, zur richtigen Zeit die Leistung der notwendigen
Ressourcen in den Prozessverlauf integrieren zu können. Da die Anzahl und Art der
(potenziellen) Ressourcen und auch der Bedarf nach ihrem flexiblen Gebrauch
gestiegen sind, ist ein systematischer Ansatz erforderlich, um alle diese Ressourcen
zu beziehen und zu integrieren. Als Minimalinfrastruktur schlagen wir einen
Integrationsserver vor, der alle Ressourcen als Services erkennt und vertraglich binden
kann, so dass die entsprechende Leistung von der Workflowsteuerung im
Bedarfsfall abgerufen zu werden kann. In Prinzip kann jeder Work-unit von einem eigenen
Integrationsserver unterstützt werden, aber ein Server kann auch einzelne oder viele
Work-units innerhalb eines organisatorischen Netzes betreuen (solange der Nutzen
die Kosten für Transaktion und notwendige Standardisierung aufwiegen). Auf der
Seite der Ressourcen sollte jeder Integrationsserver sich auf ein dediziertes service
repository beziehen oder außerhalb der eigenen Infrastruktur entsprechende
Leistungen auf einem offenen elektronischen Markt für (Web) Services rekrutieren können.
Standards: technisch-organisatorische Vereinbarungen zwischen den am Workflow
Beteiligten sind relevant auf mehreren Ebenen:
(1) Prozessmodellierung: Workflows sind so zu modellieren, dass sie erkennbar
aus verbundenen bzw. integrierten Services bestehen, die alle notwendigen
Ressourcen einbringen. Workflowmodelle sind selbst auch Ressourcen, als Prozessmuster
bilden sie ein Gerüst für die Kooperation der Beteiligten und dienen als Blaupause
(template) für die einzelnen Workflowinstanzen.
(2) Kontrollfluss: das vertragsbasierte Prozessmanagement erfordert die
Standardisierung von Kommunikation zwischen den beteiligten dezentralen
Workflowmaschinen in Bezug darauf, wie der Kontrollfluss weiterzugeben ist und wie
instanzbasierte Prozessrepräsentationen (und damit verbundene Daten) zu interpretieren
und zu verarbeiten sind.
(3) Service-Schnittstellen: es sind standardisierte Schnittstellen zu Services
erforderlich, um die notwendigen Workflowressourcen flexibel und
organisationsübergreifend auswählen, vertraglich binden und integrieren zu können.
(4) Komponenten-Schnittstellen: eine standardisierte Schnittstelle zwischen
Integrationsservern und dezentralen Workflowmaschinen ermöglicht flexible
Architekturen, z.B. könnten mehrere Workflowmaschinen dann einen Integrationsserver
nutzen, oder internetbasierte WFM-Services (für die Workflowsteuerung) könnten sich
auf entfernte Integrationsserver beziehen.</p>
      <p>vom
vorherigen</p>
      <p>Work unit
WF-Kontrolle
WF-Ressourcen
Insgesamt betrachtet sollte die IT-Unterstützung für ein vertragsbasiertes
Prozessmanagement aus eine modularisierten Architektur bzw. einem Netz von Komponenten
bestehen (siehe Abbildung 2), wobei Evaluation/Anforderung, Auswählen/vertragliche
Bindung und Ausführung/Überwachung von Workflowressourcen getrennt werden von
der Bereitstellung dieser Ressourcen als Services. Auf dem Weg, mit Hilfe des Leitbilds
des vertragsbasierten Prozessmanagement konkrete Systeme zu implementieren, stellen
sich noch eine Reihe von Forschungsfragen – unter anderen:
•
•
•
•
•</p>
      <p>Wie können wir anwendungsorientierte Modellierungssprachen anreichern, um
Workflows als bestehend aus heterogenen Services zu beschreiben?
Wie sollten wir Workflowmaschinen entwerfen und implementieren, die bei der
Workflowsteuerung menschliche Aktivitäten und technische Operationen (als
WFM-Services) integrieren?
Welches sind die Anforderungen an die Interaktion zwischen Workflowmaschinen
und Integrationsserver? Welche Art Schnittstelle brauchen wir, um multilaterale
Kommunikation zu unterstützen?
Welches sind die angemessene Funktionalität und Architektur von
Integrationsservern für Workflowressourcen?
Welches ist die beste standardisierte Schnittstelle für Workflowressourcen als
Services? Sind Standards für Web Services eine geeignete Ausgangsbasis? Was
können wir von anderen Ansätzen lernen, um Services innerhalb von WFM
miteinander zu verbinden?
In der heutigen Workflowforschung werden eine Reihe von Konzepten für die flexible
Einbindung von Workflowressourcen auf organisatorischen und technischen Ebenen
entwickelt und erprobt – übergreifende Konzepte dafür sind allerdings bislang nicht
erkennbar. Das Hauptargument hier ist, dass die durchgängige Konzipierung von
Workflowressourcen als Services einen gemeinsamen Kommunikationsmechanismus bereitstellt,
der in dem Zyklus von Evaluation/Anforderung, Auswählen/vertragliche Bindung und
Ausführung/Überwachung jeweils eine situationsbezogene Kombination von
menschlichen Aktivitäten, technischen Operationen und anderen Ressourcen ermöglicht (die in
vielen Arbeitsumgebungen erforderlich ist, wo schwach strukturierte Geschäftsprozesse
eine Flexibilität auf allen Stufen der Prozessdurchführung erfordern). Darauf aufbauend
vertreten wir die These, dass das Leitbild des vertragsbasierten Prozessmanagements
(gegenüber dem des definitionsbasierten Prozessmanagements) als gemeinsame
Orientierung besser geeignet ist, um organisationsübergreifendes WFM insbesondere mittels
Internettechnologien erfolgreich unterstützen zu können.</p>
    </sec>
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