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<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><head n="1">Ausgangssituation</head><p>Business Intelligence (BI) bezeichnet IT-Systeme und Prozesse zur systematischen Analyse von Unternehmen und ihres Wettbewerbsumfelds (Chamoni und <ref type="bibr">Gluchowski 2004, S. 119)</ref>. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Konzept, sondern um eine Zusammenführung thematisch zusammenhängender Ansätze unter einen Begriff. BI umfasst sowohl technische Themen als auch eine Reihe von betriebswirtschaftlichen Konzepten (Humm und Wietek 2005, S. 4). Zielsetzung ist die zeitnahe und problemadäquate Bereitstellung entscheidungsrelevanter Informationen an Entscheidungsträger (Chamoni 2003, S. 1).</p><p>Nachteilig bei den bisherigen BI-Ansätzen ist die fehlende Verknüpfung von Daten und Unternehmensprozessen <ref type="bibr">(Bucher und Dinter 2008, S. 167)</ref>. Dabei hat die Fokussierung auf Prozesse in Wissenschaft und Praxis eine lange Tradition. Kaum ein Forschungsgebiet ist davon unberührt geblieben. In der Unternehmensführung ist die Prozessorientierung ein fundamentales Prinzip im Lean Management und im japanischen Kaizen <ref type="bibr">(Bea und Göbel 2010, S. 355)</ref>. Im Controlling wird die Prozesskostenrechnung als modernes Instrument des Kostenmanagements beworben <ref type="bibr">(Ossadnik 2003, S. 123)</ref>, und das Supply Chain Management erfordert eine übergreifende Abstimmung in der Wertschöpfungskette verbundener Unternehmen. Alle diese Ansätze betonen eine konsequente Prozessorientierung als wichtigen Beitrag für die Effektivität und Effizienz von Unternehmen.</p><p>Hinderlich für eine Prozessunterstützung ist die Datenzentriertheit vieler BI-Ansätze. Bei datenzentrierten Anwendungen stehen das Sammeln, die Verarbeitung und die Weitergabe von Daten im Vordergrund. Workflows oder die Interaktion mit anderen Anwendungen werden nicht primär unterstützt. BI-Architekturen bestehen, vereinfacht ausgedrückt, aus einer integrierten Datenbasis (Data Warehouse) die von verschiedenen Anwendungen z.B. zur Planung oder Analyse genutzt wird. Die Nutzung einzelner Komponenten findet in der Regel losgelöst von den Prozessen statt. Die Ausnahme bilden spezielle Anwendungen die einen Prozess oder Teilprozess, beispielsweise den Managementzyklus der Balanced Scorecard, durchgängig unterstützen <ref type="bibr">(BOC 2010, S. 3;</ref><ref type="bibr">Volitich 2008, S. 16</ref>).</p><p>Dieser Beitrag versucht Daten, BI-Funktionen und Prozesse in einem Ansatz zu integrieren und diese Lücke zu schließen. Integration wird dabei als "Wiederherstellung eines Ganzen" <ref type="bibr">(Wermke et al. 1990, S. 464)</ref>   </p></div>
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><head n="3">Problemstellung</head><p>Das Tätigkeitsspektrum in Unternehmen lässt sich grob in operative und dispositive Tätigkeiten unterteilen <ref type="bibr">(Gutenberg 1983, S. 3)</ref>. Die operativen Tätigkeiten umfassen alle mit der Leistungserstellung oder mit finanziellen Aufgaben im Zusammenhang stehenden Aktivitäten. Dispositive Tätigkeiten sind planender, steuernder und kontrollierender Natur. Die Integration von BI und Prozessen ist in Abhängigkeit des Tätigkeitsspektrums an unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Workflowdaten oder Prozesscharakteristika geknüpft. Dies soll an einem weiteren Beispiel in Abbildung 2 verdeutlicht werden. Operative Systeme dienen in erster Linie der Abwicklung von Geschäftsprozessen. Beispiele dafür sind Enterprise Resource Planning-Systeme (ERP). Darunter ist Standardsoftware zu verstehen, die unternehmensweit die Abwicklung von Geschäftsprozessen ermöglicht <ref type="bibr" target="#b3">(Jacob 2008</ref>, S. 1 f.). Die Anwenderführung kann über ein User Interface erfolgen, das entlang der betrieblichen Abläufe aufgebaut ist. Dispositive Systeme hingegen übernehmen die Informationsversorgung des Managements und unterstützten dieses bei seinen Entscheidungen (Humm und Wietek 2005, S. 1). Der Zugriff auf die Informationen erfolgt funktionsbezogen (Planung, Reporting etc.) Für eine Prozessunterstützung muss im Fall der Auftragsbearbeitung im Wesentlichen das Rating in die operativen Systeme integriert werden, da der Geschäftsprozess bereits durch das ERP-System abgebildet wird. Anders verhält es sich im Fall der dispositiven Prozesse. Während der Vertriebsanalyse werden verschiedene Funktionen unterstützt, die für die Erstellung des Ergebnisses benötigt werden. Der Prozess ist allerdings technisch an keiner Stelle im System abgebildet.</p><p>Neben den technischen Aspekten muss auch die Eignung einzelner Prozesse für eine Systemunterstützung beantwortet werden. Ausgehend von dem Beispiel erscheint eine erneute Unterscheidung der Prozesstypen sinnvoll. Es ist anzunehmen, dass ein Bestellprozess immer nach dem gleichen Muster durchgeführt wird, d.h. aus den gleichen Teilprozessen besteht. Ein Analyseprozess kann dahingehend eine gewisse Kreativität erfordern. Der Weg zum Ergebnis könnte von Fall zu Fall variieren. Der Unterschied besteht in der Strukturiertheit der Prozesse. Strukturiertheit ist immer dann gegeben, wenn der Weg zum Endzustand eindeutig vorgezeichnet ist <ref type="bibr">(Schwickert und Fischer 1996, S. 11f.)</ref>. Beispielsweise sind Managementprozesse tendenziell unstrukturierter als operative Prozesse, welches die Möglichkeiten einer Automatisierung einschränkt (Bucher und Dinter 2008, S. 170).</p><p>Diese erste Betrachtung lässt vermuten, dass Daten, die durch operative Prozesse erzeugt wurden, tendenziell mehr Informationen über ihre Instanzen preisgeben als dispositive und die Systemumgebung, in der die Prozesse ausgeführt werden, unterschiedlichen Gestaltungsprinzipen folgt. ERP Systeme sind prozessorientiert aufgebaut, klassische BI-Systeme funktionsorientiert. Des Weiteren scheint der Unterstützungsgrad von den Prozesscharakteristika abzuhängen.</p></div>
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><head n="4">Forschungsdesign</head><p>Die Idee nach mehr Prozessunterstützung in der Domäne Business Intelligence wird bereits seit einigen Jahren in Wissenschaft und Praxis diskutiert. Neben dem bereits vorgestellten Ansatz zur prozessorientierten BI gibt es noch weitere Forschungsbemühungen, die die Unterstützung von Prozessen thematisieren. Exemplarisch seien die Bereiche "Operational Business Intelligence" <ref type="bibr">(Gluchowski et al. 2009, S. 9)</ref>   </p></div><figure xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="fig_0"><head></head><label></label><figDesc>Abbildung 1: Kennzahlenbasierte Steuerung Medienbrüche können nicht nur zu Prozessineffizienzen führen, sie können auch operationelle Risiken verursachen. Immer wenn eine Information aus einer Anwendung extrahiert wird, um sie anzureichern oder um sie an Prozessbeteiligte weiterzuleiten, kann es zur Beeinträchtigung der Datenqualität kommen. Datenqualitätsprobleme umfassen die Relevanz und Korrektheit von Informationen. Schlimmstenfalls besteht die Gefahr falscher Steuerungsimpulse durch das Management aufgrund einer gewollten oder ungewollten Veränderung des Datenbestandes.</figDesc></figure>
<figure xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="fig_1"><head>Abbildung 2 :</head><label>2</label><figDesc>Abbildung 2: Entstehung von Daten und Informationen im DWH Dargestellt werden ein Bestellprozess und eine Vertriebsanalyse. Die Verbindungspfeile zeigen die Datenflüsse zwischen den Prozessen und den operativen und dispositiven Datenquellen. Die Linienmuster unterscheiden zwischen der Erzeugung (gestrichelte Linie) und der Nutzung (durchgängige Linie) der Daten. Bei einer Bestellung wird die Kundenanfrage in Abhängigkeit des Ratings aus dem DWH bearbeitet. In einem monatlichen Zyklus werden kundenbezogene Auftragsdaten im DWH bereitgestellt, die dann in einer</figDesc></figure>
<figure xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="fig_2"><head></head><label></label><figDesc>und "Prozessorientierte Informationslogistik" (Bucher 2008, S. 108) genannt. Wenn auch mit abweichender Definition, so ist das gemeinsame Ziel dieser Ansätze die zeitnahe Verknüpfung analytischer Informationen und operativer Prozesse. Forschungsbemühungen zur Unterstützung dispositiver Prozesse finden sich bisher kaum. Vor dem Hintergrund dieser Forschungslücke, dem beschriebenen Nutzen der Prozessorientierung sowie den speziellen Merkmalen der Prozesstypen lassen sich die Ziele der vorliegenden Arbeit in ein Erkenntnis-und ein Gestaltungsziel unterteilen. Ersteres beschreibt den Wunsch nach dem Verständnis gegebener Sachverhalte (Becker et al. 2003, S. 11) und lässt sich im Kontext der Arbeit wie folgt formulieren: Es soll Verständnis darüber erlangt werden, welche dispositiven Prozesse bzw. Teilprozesse sich für eine technische Unterstützung durch Business Intelligence eignen und in welchem Maße heutige Bedarfe abgedeckt sind. Methodisch soll diese Erkenntnis durch Fallstudien aus der Unternehmenspraxis und Experteninterviews erlangt werden. "Gestaltungsziele betreffen die Gestaltung bzw. die Veränderung bestehender und damit Schaffung neuer Sachverhalte" (Becker et al. 2003, S. 12), wobei im Rahmen dieses Vorhabens auf die Ergebnisse der erkenntniszielgeleiteten Forschung zurückgegriffen wird. Das Gestaltungsziel ist die durchgängige Unterstützung bei der Prozessausführung dispositiver Prozesse bzw. Teilprozesse durch eine prozessorientierte Business Intelligence. Die Grundposition, die dieser Arbeit zugrunde liegt, ist das konstruktionswissenschaftliche Paradigma und zielt auf die Entwicklung und Evaluation von Artefakten in Form von Konstrukten, Methoden, Modellen und Instanzen (Wilde und Hess 2007, S. 281; March und Smith 1995, S. 256-258). Ein Referenzmodell für eine prozessorientierte BI zur Unterstützung dispositiver Prozesse soll innerhalb dieser Arbeit erreicht werden. Die Evaluation des Gestaltungsziels soll durch eine prototypische Anwendung in der Praxis sichergestellt werden. Ein Überblick über das Forschungsdesign liefert Abbildung 3 (in Anlehnung an Riege und Bucher 2009, S. 75).</figDesc></figure>
<figure xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="fig_3"><head></head><label></label><figDesc>Abbildung 3: Forschungsdesign</figDesc></figure>
<figure xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="table" xml:id="tab_0"><head>Der Managementprozess aus diesem Beispiel nutzt eine datenzentrierte BI-Architektur mit einem zentralen Datenhaushalt, einer Analyse-und Reporting-Funktion. Während der Prozessdurchführung werden weitere spezifische Funktionen benötigt, die sich erst aus dem Anwendungskontext ergeben, in diesem Fall die Erfassung von Kommentaren und</head><label></label><figDesc>im Sinne einer durchgängigen Unterstützung bei der Ausführung betriebswirtschaftlicher Prozesse oder Teilprozesse verstanden. Abzugrenzen ist dieser Ansatz von Konzepten, die sich mit der Analyse, Überwachung und Steuerung von Prozessen beschäftigen, z.B. Process Warehouse (Becker und Chamoni 2008). Die Vorteile einer Prozessorientierung in der Domäne Business Intelligence sollen an einem Beispiel aus der Unternehmenspraxis (Amberg und Kaminski 2009) demonstriert werden. Abbildung 1 beschreibt einen Teilprozess innerhalb eines Konzerncontrollings. 1 Die Darstellung erfolgt dabei auf einer höheren Abstraktionsebene. Auf detaillierte Prozessschritte wird aus Übersichtlichkeitsgründen verzichtet. Auslöser für den Prozess ist die monatliche Bereitstellung von Finanzdaten in ein Data Warehouse (DWH). Die dunkelgrauen Objekte bezeichnen Komponenten der BI-Architektur. Auf Grundlage eines Standardberichts beurteilt das Controlling die wirtschaftliche Situation einzelner Geschäftsfelder. Das Ergebnis dieser Analyse wird aufbereitet, kommentiert und per E-Mail an weitere Prozessbeteiligte versendet. Auf Basis der Analysen und der Kommentierung definiert das Management Maßnahmen und hinterlegt diese mit Kennzahlen. Maßnahmen. Die Folge sind Medienbrüche, in dem ein Informationsobjekt (Analyseergebnis) sein Medium (Analyseanwendung) wechselt um weiter verarbeitet (kommentiert) zu werden. In Abbildung 1 entsteht dieser Bruch im Anschluss an das Ereignis "Analyse beendet", wenn Daten aus der Analyse-Anwendung in die Tabellenkalkulation exportiert werden.</figDesc><table><row><cell>2 Motivation</cell></row><row><cell>Die Erfas-</cell></row><row><cell>sung erfolgt über eine Textverarbeitung und wird zur Maßnahmenkontrolle an das Con-</cell></row><row><cell>trolling weitergeleitet. Die Maßnahmen müssen durch Kennzahlen im nächsten Berichts-</cell></row><row><cell>zyklus dargestellt werden, was eine Anpassung des Standardberichtes durch das Control-</cell></row><row><cell>ling erfordert.</cell></row></table></figure>
			<note xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" place="foot" n="1" xml:id="foot_0">Für die Notation des Vorgangskettendiagramm (VDK) sei auf die ARIS-Standardliteratur verwiesen beispielsweise Seidlmeier (2006).</note>
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