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        <journal-title>Vancouver, Canada :
AACE, October</journal-title>
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      <title-group>
        <article-title>Ein Dashboard für Learning-Management-Systeme</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Daniel Kulesz</string-name>
          <email>daniel.kulesz@informatik.uni-stuttgart.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>Institut für Softwaretechnologie, Universität Stuttgart</institution>
        </aff>
        <aff id="aff1">
          <label>1</label>
          <institution>Übungen und Korrekturen</institution>
        </aff>
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      <pub-date>
        <year>2009</year>
      </pub-date>
      <volume>2398</volume>
      <fpage>2398</fpage>
      <lpage>2401</lpage>
      <abstract>
        <p>In der Softwaretechnik-Lehre werden üblicherweise Lehrveranstaltungen durchgeführt, in denen studentische Teams gemeinsam Übungsaufgaben bearbeiten. Dabei werden auch studentische Hilfskräfte als Tutoren für die Korrektur der Übungsaufgaben eingesetzt. Doch gerade beim Einsatz vieler Tutoren entsteht auf Seiten der Lehrverantwortlichen erheblicher Aufwand für Kommunikation und Qualitätssicherung.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>In der Softwaretechnik-Lehre werden üblicherweise
Lehrveranstaltungen durchgeführt, in denen
studentische Teams gemeinsam Übungsaufgaben bearbeiten.
Die Lösungen der Studierenden müssen natürlich
korrigiert und bewertet werden, außerdem soll den
Studierenden eine Rückmeldung zu ihrer Lösung gegeben
werden, um ihren Lernerfolg zu sichern.</p>
      <p>An solchen Lehrveranstaltungen, typisch zu Beginn
des Studiums, nehmen sehr viele Studierende teil;
häufig ist die Lehrveranstaltung sogar Pflicht. Ein
insbesondere an den Universitäten häufig beschrittener
Weg zur Bewältigung dieses enormen Andranges ist
der Einsatz studentischer Hilfskräfte als Tutoren für
Übungen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>E-Learning</title>
      <p>Laut (Steffens u. Reiss, 2009) stellt die klassische
Präsenzlehre in der Informatik und den
Wirtschaftswissenschaften immer noch die führende Lehrform an
Deutschlands Hochschulen dar. Über 70 Prozent der
200 befragten Lehrenden nutzen der Studie
zufolge auch einzelne Techniken des E-Learnings wie
beispielsweise Diskussionsforen, Chats, Umfragen,
kommentierte Linksammlungen,
Vorlesungsaufzeichnungen oder kleinere Online-Tests. Die didaktisch
sinnvolle Kombination der Präsenzlehre mit
E-LearningElementen wird auch als ‘Blended Learning‘ oder
‘Integriertes Lernen‘ bezeichnet.</p>
      <p>Die Studie macht jedoch deutlich, dass die Form des
Präsenzunterrichts klar überwiegt. Denn obwohl über
60 Prozent der befragten Lehrenden die räumliche
und zeitliche Flexibilität der E-Learning-Techniken
als sehr vorteilhaft bewerten, nimmt der
E-LearningAnteil rein quantitativ betrachtet bei über 85 Prozent
der Befragten nur höchstens 30 Prozent des gesamten
Rahmens einer Lehrveranstaltung ein.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Learning-Management-Systeme</title>
      <p>Mittlerweile stellen nahezu alle Rechenzentren der
deutschen Hochschulen für ihre Mitglieder auch
sogenannte Learning-Management-Systeme (LMS)
bereit. Es handelt sich dabei um komplexe
Softwaresysteme zur Bereitstellung von Lerninhalten und
Organisation von Lernvorgängen. Laut einer aktuellen
Online-Umfrage (Oevel u. Lange) des Arbeitskreises
‘ZKI-AK elearning‘ der Universität Paderborn werden
bevorzugt die beiden Open-Source-LMS ILIAS (Ili)
und Moodle (Moo) bereitgestellt, die zusammen auf
einen ‘Marktanteil‘ von über 55 Prozent kommen.</p>
      <p>Besonders bemerkenswert ist dabei, dass offenbar
jede der befragten Hochschulen mindestens ein LMS
vorhält. 35 Prozent der befragten Hochschulen stellen
sogar zwei oder mehr unterschiedliche LMS bereit.</p>
      <p>Die LMS werben zwar mit Merkmalsdimensionen
wie Interaktivität und Kollaboration, viele Lehrende
sind jedoch skeptisch, ob die gebotene Unterstützung
wirklich praxistauglich ist. Es gibt zwar einige
Untersuchungen in denen unterschiedliche LMS miteinander
verglichen werden (Graf u. List, 2005)(Colace u. a.,
2003), doch für die meisten Lehrenden bieten sie
keine praktische Hilfe, da die Studien keine konkreten
Lernszenarien aufführen. Zudem steht offenbar an 65
Prozent der Hochschulen ohnehin nur ein einziges
LMS zur Verfügung.</p>
      <p>In der Abteilung Software Engineering des
Instituts für Softwaretechnologie der Universität Stuttgart
nutzen wir seit nunmehr über zwei Jahren ILIAS für
die Abwicklung von Gruppenübungen, die mit Hilfe
studentischer Tutoren durchgeführt werden. Deshalb
möchten wir über die Eignung von ILIAS für solche
Lehrveranstaltungen berichten. Dazu möchten wir
zunächst ein typisches Lernszenario aus unserem
täglichen Lehrbetrieb vorstellen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Lernszenario</title>
      <p>Wir bieten im Studiengang Softwaretechnik insgesamt
sechs Lehrveranstaltungen an, bei denen die
Studierenden Aufgaben in Dreier-Teams bearbeiten. Dabei
erstellen die Studierenden zahlreiche aufeinander
aufbauende Artefakte wie Projektpläne,
Kostenschätzungen, Spezifikationen, Review-Protokolle, Testpläne,
Entwurfsdokumente und natürlich auch kleinere
Programme.</p>
      <p>Die von den studentischen Dreier-Teams
abgelieferten Artefakte werden individuell begutachtet und
bewertet. Der durchschnittliche Aufwand für die rein
inhaltliche Prüfung und Korrektur eines Artefaktes
beträgt etwa 20 Minuten. Pro Semester und
Lehrveranstaltung geben im Durchschnitt 20 Dreier-Teams je
8 Artefakte ab. Dadurch ergibt sich pro Semester und
Lehrveranstaltung ein Aufwand von über 50 Stunden
allein für die inhaltliche Prüfung der Artefakte.</p>
      <p>Die Übungen werden in der Regel von ein bis zwei
wissenschaftlichen Mitarbeitern betreut. Daneben
werden auch - je nach Veranstaltung - zwei bis vier
studentische Tutoren für die Korrekturen eingesetzt.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Rollen und Anforderungen</title>
      <p>Aus dem vorgestellten Lernszenario können für die
Gruppenübungen insgesamt vier relevante Rollen
abgeleitet werden: Dozent, Übungsleiter, Tutor und
Student. Einige Rollen (beispielsweise Dozent und
Übungsleiter) können dabei auch in Personalunion
wahrgenommen werden. Zudem kann auch innerhalb
der einzelnen Rollen eine hierarchische Ordnung
vorhanden sein. Beispielsweise könnte ein langjähriger
Tutor die Rolle eines ‘Chef-Tutors‘ bekleiden.
Ebenso könnte es im Dreier-Team der Studierenden einen
Teamleiter geben.</p>
      <p>Für jede der vorgestellten Rollen ergeben sich nun
im Kontext des Lernszenarios unterschiedliche
Wünsche und Anforderungen:</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Dozent</title>
        <p>Abstimmung der Übungen auf die Lernziele der
Vorlesung
Übungsleiter</p>
        <p>Bereitstellen der zu bearbeitenden Aufgabe
Frühes Feedback zur Verständlichkeit und
Angemessenheit der Aufgabe</p>
        <sec id="sec-5-1-1">
          <title>Vorgabe von Abgabe- und Korrekturfristen</title>
        </sec>
        <sec id="sec-5-1-2">
          <title>Archivierung der Abgaben</title>
          <p>Transparenz bezüglich Status der Korrektur und
Qualität der studentischen Abgaben
Überprüfung der Korrekturleistung der Tutoren
mit Stornierungsmöglichkeit bei fehlerhaften
Korrekturen
Ausgleich von zeitweiligen Ausfällen einzelner
Tutoren
Überblick über die bisherige Qualität eines
ausgewählten Teams, speziell bei ‘Problemkindern‘</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>Tutor</title>
        <p>Klare Festlegung der Übungsgruppen, deren
Abgaben korrigiert werden sollen
Einfache und schnelle Möglichkeit, an die
studentischen Abgaben heranzukommen
Verständliche, leicht zugängliche
Korrekturanweisungen
Vergleich der eigenen Korrektur mit den
Korrekturen anderer Tutoren oder früherer Jahrgänge</p>
        <sec id="sec-5-2-1">
          <title>Zeiterfassung</title>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-5-3">
        <title>Student</title>
        <p>Einfache und schnelle Möglichkeit, an die
Aufgaben heranzukommen
Einfache und schnelle Möglichkeit, die geleistete
Ausarbeitung abzugeben
Schnelle Antwort auf Fragen zur Aufgabenstellung</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Gute Absicht</title>
      <p>Ein Learning-Management-System ist keinesfalls
Voraussetzung für die Durchführung von
Gruppenübungen, die durch studentische Tutoren unterstützt
werden. Ein LMS bietet jedoch den großen Vorteil, dass
die Ausgabe der Aufgabenstellung, die Abgabe der
Lösungen, die Verteilung der Korrekturaufgaben und
die Rückmeldung an die Studenten auf einer
einheitlichen Plattform konsolidiert werden können. Durch
die enge Vernetzung und die damit verbundene
Automatisierbarkeit lassen sich Synergieeffekte nutzen.
So können beispielsweise die Studierenden durch ein
Subskriptionsmodell automatisch über eine erfolgte
Korrektur benachrichtigt werden, ohne dass hierfür
eine zusätzliche Aktion des Korrektors notwendig wäre.</p>
      <p>Ein LMS verfolgt damit die richtige Intention. Es
versucht, das Lehren und Lernen in den Vordergrund
zu stellen und alle beteiligten Rollen bei den
administrativen Belangen der Durchführung zu entlasten.</p>
      <p>Der Einsatz eines LMS ist aber kein Garant für das
Erreichen einer solchen Entlastung. Bei
unangemessenem Gebrauch eines LMS kann es sogar zu einer
‘Virtualisierung der Ausbildung‘ (Schulmeister, 2005)
und damit zu einer Gefährdung des Lernerfolgs
kommen. Deshalb sollten im Vorfeld des Einsatzes eines
LMS mögliche Blended-Learning-Szenarien
identifiziert und auf ihre Passgenauigkeit zum didaktischen
Gesamtkonzept der Lehrveranstaltung untersucht
werden. (Budden, 2009) empfiehlt zudem, während der
Durchführung sowohl den Lernfortschritt der
einzelnen Individuen als auch der Lerngruppen als Ganzes
kontinuierlich zu überwachen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Unzureichende Wirkung</title>
      <p>Sowohl ILIAS als auch Moodle bieten auf den ersten
Blick sehr viele verschiedene E-Learning-Funktionen.
Dabei ist es die Aufgabe des Lehrenden, eine
sinnvolle Kombination dieser Werkzeuge zur
Unterstützung seiner Lehrveranstaltung zusammenzustellen.
Die Werkzeuge stehen dabei in Form von Modulen zur
Verfügung. Obwohl dieser Ansatz den Lehrenden eine
gewisse Flexibilität verspricht, mussten wir feststellen,
dass für viele der geschilderten Anforderungen weder
ein einziges Werkzeug noch eine
Werkzeugkombination geeignet ist. Wir stützen uns in der folgenden
Beschreibung zwar auf ILIAS, das Problem besteht bei
Moodle jedoch gleichermaßen.</p>
      <p>So bietet ILIAS zwar ein Modul zur Einreichung und
Bewertung von Übungen, das Modul ist jedoch auf
Einzelabgaben beschränkt. Eine Unterstützung für die
im Lernszenario geschilderten Gruppenübungen ist
nicht vorgesehen.</p>
      <p>Dabei wird das Modul auch vielen Anforderungen
nicht gerecht, die nicht spezifisch für
Gruppenübungen sind. So ermöglicht es das Modul zwar dem
Übungsleiter, eine Aufgabe mit einer festgelegten Frist
auszugeben und die Abgaben komfortabel
einzusammeln. Auch kann die Korrektur und Bewertung über
das in Abbildung 1 dargestellte Formular durch die
Tutoren erfolgen. Es bietet jedoch keine ausreichende
Unterstützung für die Interaktion zwischen
Übungsleitern, Tutoren und Studenten.</p>
      <p>So kann der Übungsleiter in ILIAS nicht
festlegen, welche Tutoren für welche Abgaben zuständig
sind. Ferner können weder die Studierenden noch
der Übungsleiter automatisch bei erfolgten
Korrekturen benachrichtigt werden. Zudem fehlt eine
Unterscheidung zwischen Übungsleiter und Tutor. Dadurch
könnte ein studentischer Tutor die Bewertung eines
Übungsleiters ändern, ohne dass dieser benachrichtigt
wird. Da diese Änderung auch nicht versioniert würde,
könnte der Vorgang später nicht mehr nachvollzogen
werden. Darüber hinaus können sich weder
Übungsleiter noch Tutor einen Eindruck über die bisherige
Qualität der Leistungen eines Studierenden
verschaffen, da Bewertungen nur auf der Granularität von
einzelnen Aufgaben sichtbar sind.</p>
      <p>Durch die geschilderten Probleme werden die
Lehrenden genötigt, viele Interaktionen außerhalb der
Lernplattformen vorzunehmen. Dieser Effekt wird
besonders durch die fehlende Unterstützung für
Gruppenübungen verstärkt.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Unser Ansatz</title>
      <p>Wie an den meisten deutschen Universitäten,
Fachhochschulen und Berufsakademien stellt auch das
Rechenzentrum der Universität Stuttgart eine zentrale
LMS-Installation bereit. Dadurch können die
Abteilungen der Institute aller Fakultäten die angebotenen
E-Learning-Funktionen nutzen, ohne sich selbst um
Auswahl, Betrieb und Wartung eines solchen Systems
kümmern zu müssen. An der Universität Stuttgart
wird dabei als LMS ausschließlich ILIAS angeboten.</p>
      <p>Da ILIAS unter den beschriebenen Defiziten leidet,
haben wir einen Verbesserungsansatz entwickelt, mit
dem sich ILIAS ohne Modifikation der Installation
effektiv für Gruppenübungen einsetzen lässt. Als
Lehrende im Software Engineering war es uns dabei wichtig,
eine möglichst einfache, aber dennoch effiziente
Lösung zu realisieren. Zudem wollten wir den Aufwand
so gering wie möglich halten und das Projekt
innerhalb weniger Tage realisieren. Die Entwicklung eines
entsprechenden Gruppenübungsmoduls, das sich als
Plug-In für ILIAS entwickeln und integrieren ließe,
wurde deshalb ausgeschlossen.
Der von uns entwickelte Ansatz baut dennoch auf
den in ILIAS vorhandenen Modulen ‘Gruppe‘ und
‘Diskussionsforum‘ auf. Das Modul Diskussionsforum
wird dabei aber stark zweckentfremdet. Darüber
hinaus verwenden wir außerhalb von ILIAS ein
OnlineSpreadsheet, durch das ein Controlling-Dashboard
realisiert wird.</p>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>Organisation und Gruppenbildung</title>
        <p>Vor Beginn einer Lehrveranstaltung legen wir in ILIAS
einen ‘Kurs‘ an. Es handelt sich dabei um einen
Container, der alle für die Lehrveranstaltung relevanten
Inhalte kapselt. Dort stellen wir Material wie
Vorlesungsfolien und Übungsblätter sowie ein
Diskussionsforum bereit.</p>
        <p>Als ersten Schritt zur Realisierung der
Übungsgruppen drucken wir zunächst Handzettel aus, auf denen
jeweils die Gruppennummer, ein individuelles
Gruppenpasswort sowie der Name des für die Gruppe
zuständigen studentischen Tutors vermerkt sind. Am
Ende der ersten Lehrveranstaltung holen sich jeweils
drei Studierende einen solchen Handzettel ab.</p>
        <p>Für die technische Abbildung der Übungsgruppen
erstellen wir im ILIAS-Kurs zudem einen Ordner
namens ‘Übungsgruppen‘. Dort legen wir mit Hilfe des
Moduls ‘Gruppe‘ einzelne, passwortgeschützte
Unterbereiche fest. Das Passwort für den Zugriff auf jeden
dieser Bereiche entspricht dabei dem jeweiligen
Gruppenpasswort. Zudem begrenzen wir die Anzahl der
Gruppenmitglieder auf drei.</p>
        <p>Da die Benutzerkonten der Studierenden für ILIAS
an das universitätsweite Authentifizierungssystem
gekoppelt sind, ist für die Nutzung des Systems keine
Registrierung notwendig. Da ILIAS zudem einen
Export aller Kursteilnehmer erlaubt, müssen wir diese
Gesamtliste lediglich um die Gruppenzugehörigkeit
ergänzen. Das verursacht allerdings etwas Aufwand, da
ILIAS nur den CSV-Export aller Kursteilnehmer
ungeachtet der Gruppenzugehörigkeit vorsieht. Vergleicht
man das aber mit anderen Verfahren wie etwa dem
Herumreichen einer Papierliste während der
Vorlesung, so ist das beschriebene Verfahren dennoch viel
schneller, effizienter und genauer. Außerdem kommt
der Dozent auch unabhängig von einer zusätzlichen
Aktion der Studierenden zu dieser Liste.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-2">
        <title>Abgabe, Korrektur und Feedback</title>
        <p>Durch die Mitgliedschaft in ihren jeweiligen
Übungsgruppen in ILIAS haben die Studierenden die
Möglichkeit, Dateien in ihrem Gruppenverzeichnis abzulegen.
Leider sieht ILIAS keine automatische
Benachrichtigung des Übungsleiters oder der Tutoren bei Nutzung
dieser Ablage vor.</p>
        <p>Um trotzdem eine Benachrichtigung bei der
Einreichung von Abgaben und Korrekturen zu realisieren,
erstellen wir in jeder Übungsgruppe ein
Diskussionsforum. Dieses dient jedoch nicht der Diskussion
allgemeiner Themen, sondern nur der Einreichung von
Abgaben durch die Studierenden sowie dem Feedback
durch die Tutoren. Da für neue Beiträge im
Diskussionsforum eine Benachrichtigungsfunktion zuschaltbar
ist, werden bei Aktionen wie Abgabe oder Feedback
sofort die anderen Mitglieder des Dreier-Teams, der
zuständige studentische Tutor und auch der
Übungsleiter per E-Mail informiert. Missverständnisse zwischen
Übungsleiter und Tutoren können dadurch schnell
identifiziert und entsprechende
Schadensbegrenzungsmaßnahmen eingeleitet werden. Dadurch, dass die
Benachrichtigungen jederzeit dynamisch ein- und
ausschaltbar sind, lassen sich bei Ausfällen durch Urlaub
oder Krankheit auch Vertretungen unter den Tutoren
organisieren.</p>
        <p>Da die Studierenden durch den Passwortschutz nur
ihrer eigenen Übungsgruppe beitreten können, sehen
sie die Abgaben der anderen Gruppen nicht. Die
studentischen Tutoren können jedoch alle Abgaben und
auch alle Korrekturen einsehen. Das hat den Vorteil,
dass sie sich notfalls auch asynchron und ohne
Intervention des Übungsleiters gegenseitig helfen können.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-3">
        <title>Dashboard</title>
        <p>Die beschriebenen Abgabenforen mit ihren
einzelnen E-Mail-Benachrichtigungen allein reichen einem
Übungsleiter jedoch nicht für die Einschätzung der
Gesamtqualität der Abgaben und den aktuellen Stand der
Korrekturen aus. Deshalb wurde zusätzlich außerhalb
von ILIAS das in Abbildung 2 ausschnittsweise
dargestellte Dashboard in Form eines Online-Spreadsheets
realisiert. Darin werden nur einfache Funktionen zur
Eingabe von Daten sowie bedingte Formatierungen
eingesetzt. Bei benoteten Abgaben wäre aber auch
Seite 30 von 44
Abbildung 2: Ausschnitt des Controlling-Dashboards
der Einsatz von einfachen Formeln denkbar. Sowohl
die Übungsleiter als auch die studentischen Tutoren
haben Schreibzugriff auf das Dashboard. Für die
Studenten ist es dagegen nicht zugänglich.</p>
        <p>In dem in Abbildung 2 dargestellten Dashboard
wird ein Lernszenario abgebildet, bei dem 21
Übungsgruppen von zwei Übungsleitern und vier
studentischen Tutoren betreut werden. Die Zuordnung
zwischen den Übungsgruppen, Übungsleitern und
studentischen Tutoren wird dabei durch die ersten drei
Spalten geregelt. In jeder Zeile werden die Abgaben einer
Übungsgruppe visualisiert. Pro Abgabe werden zwei
Spalten verwendet, da den Studierenden bei einer
unbefriedigenden Leistung eine Nacharbeit gestattet
wird.</p>
        <p>Der erste Buchstabe in jeder Zelle kennzeichnet
den Bearbeiter einer Abgabe, der zweite Buchstabe
steht für ihren Status. Eine Ausnahme bildet dabei der
Buchstabe ‘I‘, der zum Kennzeichnen der
Eingangsreihenfolge (‘Incoming‘) der Abgaben verwendet wird.
Eine Abgabe kann dabei zwischen den folgenden
Status wechseln:</p>
        <p>I (Incoming): Die Übungsgruppe hat eine neue
Abgabe eingereicht.</p>
        <p>L (Locked): Die Abgabe wird gerade korrigiert.
H (Help): Der Tutor ist sich unsicher und braucht
Hilfe bei der Bewertung der Abgabe.
O (Okay): Die Abgabe wurde akzeptiert. Ein Plus
oder Minus kennzeichnet dabei besonders gute
und eher grenzwertige Leistungen.</p>
        <p>R (Rejected): Die Abgabe wurde abgelehnt, eine
Nacharbeit ist erforderlich.</p>
        <p>E (Escalated): Es sind größere Probleme
aufgetreten (z. B. Abgabetermin wurde nicht eingehalten),
die den Einsatz des Übungsleiters erfordern.</p>
        <p>Die einzelnen Zellen werden dabei durch Nutzung
bedingter Formatierungen auch farblich
gekennzeichnet. So sieht der Übungsleiter auf den ersten Blick,
dass es bei der in Abbildung 2 dargestellten
Gruppe 6 größere Probleme gibt. Durch die Realisierung
des Dashboards als reines Online-Spreadsheet ist die
Übersicht dabei stets aktuell, da sämtliche Eingaben
der Übungsleiter und Tutoren sofort sichtbar sind.
Zudem erfolgt die Versionierung des Dokumentes
automatisch, was die Korrektur von erst spät bemerkten
Fehleingaben erleichtert.</p>
        <p>Durch die fehlende Kopplung des Dashboards an
ILIAS hat der Lehrende auch die Flexibilität, den
zugrundeliegenden Geschäftsprozess jederzeit
anzupassen. Dasselbe Dashboard könnte zudem auch in
Verbindung mit einem anderen LMS realisiert werden.
Gerade für Hochschulen, an denen unterschiedliche
LMS für unterschiedliche Lehrveranstaltungen genutzt
werden, könnte dies einen Vorteil darstellen.
Seite 31 von 44</p>
        <p>Im Grunde genommen könnte das Dashboard auch
ganz ohne ein LMS eingesetzt werden, beispielsweise
mit einfachen Abgaben per E-Mail. Viele der
beschriebenen Vorteile des kombinierten Ansatzes würden
dabei jedoch verloren gehen.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>Einschränkungen</title>
      <p>Der vorgestellte Ansatz wurde erstmals zum
Wintersemester 2008/2009 für Lehrveranstaltungen unserer
Abteilung genutzt und seitdem schrittweise verfeinert.
In unserer täglichen Lehrpraxis hat sich der Ansatz
sehr bewährt. Dennoch gibt es einige kleinere
Schwächen, die vor allem auf die fehlende Integration des
Dashboards in das LMS und die Zweckentfremdung
der in ILIAS bereitgestellten Funktionen des
Diskussionsforums zurückzuführen sind.</p>
      <p>Da das Dashboard technisch nicht an ILIAS
gekoppelt ist, müssen die Daten manuell zwischen den
beiden Systemen synchronisiert werden. Es wäre daher
wünschenswert, wenn neue Abgaben oder erfolgte
Korrekturen in Ilias auch automatisch im Dashboard
erscheinen würden.</p>
      <p>ILIAS bietet zwar die Möglichkeit, ganze Kurse zu
archivieren. Leider werden dabei aber die Beiträge
in Diskussionsforen nicht archiviert, wodurch die
studentischen Abgaben manuell oder mit einem externen
Skript archiviert werden müssen.</p>
      <p>Auch besteht in ILIAS die Möglichkeit, einen Kurs
ins nächste Jahr zu kopieren. Hier ist das Verhalten
von ILIAS, dass die Beiträge im Diskussionsforum
nicht mitkopiert werden, hingegen vorteilhaft. Da bei
dieser Aktion auch die Gruppenpasswörter kopiert
werden, müssen sie neu gesetzt werden, was
manuellen Aufwand erfordert. Die Zuteilung der Tutoren zu
den Übungsgruppen erfolgt leider ebenfalls nicht
automatisch, ebenso wie die Ergänzung der
Mitgliederliste um die Gruppenzugehörigkeit der Studierenden.
Hier ist jeweils das manuelle ‘Abgrasen‘ der einzelnen
Übungsgruppen notwendig.</p>
      <p>Es gibt bei Nutzung des vorgestellten Ansatzes auch
keine technische Möglichkeit, die Korrekturen der
studentischen Tutoren erst nach einer Prüfung durch den
Übungsleiter freizuschalten. Zwar könnte man ein
‘moderiertes‘ Forum verwenden, dies hätte jedoch den
Nachteil, dass auch die Abgaben der Studenten erst
freigeschaltet werden müssten, was wiederum das
Feedback und die Transparenz innerhalb der
DreierTeams reduzieren würde.</p>
      <p>Soll ILIAS als LMS zum Einsatz kommen, können
wir den vorgestellten Ansatz für die Durchführung von
Gruppenübungen, deren Korrektur durch studentische
Tutoren unterstützt werden soll, dennoch empfehlen.
Die zuvor beschriebenen positiven Effekte überwiegen
deutlich die geschilderten Nachteile und Probleme.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>Fazit und Ausblick</title>
      <p>Obgleich er noch einige Integrationsdefizite aufweist,
demonstriert der beschriebene Ansatz, welche
Verbesserungen damit direkt erzielbar sind. Die bisherigen
Erfahrungen mit dem von uns als Online-Spreadsheet
realisierten Pilotsystem lassen erkennen, dass der
Ansatz auch in der täglichen Lehrpraxis gut funktioniert.
Um das gesamte Leistungsvermögen einer größeren
Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen und die
beschriebenen Defizite vollständig zu beseitigen, müsste
der Ansatz noch enger in ein bestehendes
LearningManagement-System integriert werden.</p>
      <p>Sowohl ILIAS als auch Moodle sind sehr modular
aufgebaut. Technisch gesehen sollte es also möglich
sein, eine Erweiterung zu entwickeln, die das
beschriebene Gruppenabgabeverfahren umsetzt. Allein aus der
Perspektive unserer Abteilung wäre eine solche
Implementierung jedoch nicht wirtschaftlich. Wir würden
uns daher sehr freuen, wenn die Entwickler eines der
bestehenden LMS den beschriebenen Ansatz
aufgreifen und zur Produktreife führen würden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-11">
      <title>Literatur</title>
      <p>[Ili ] ILIAS. http://www.ilias.de
[Moo ] Moodle. http://www.moodle.org
[Colace u. a. 2003] COLACE, F. ; DE SANTO, M. ;
VENTO, M.: Evaluating on-line learning platforms: a
case study. In: Proceedings of the 36th Annual
Hawaii International Conference on Systems Sciences,
2003, S. 9 pp.
[Graf u. List 2005] GRAF, S. ; LIST, B.: An evaluation
of open source e-learning platforms stressing
adaptation issues. In: ICALT 2005. Fifth IEEE
International Conference on Advanced Learning Technologies,
2005, S. 163 – 165
[Schulmeister 2005] SCHULMEISTER, Rolf:
Lernplattformen für das virtuelle Lernen. Evaluation und
Didaktik. 2. Auflage. Oldenbourg, 2005
[Steffens u. Reiss 2009] STEFFENS, Dirk ; REISS,
Michael: Blended Learning in der
Hochschullehre. Vom Nebeneinander der Präsenzlehre und
des E-Learning zum integrierten
Blended-LearningKonzept. In: HSW: Das Hochschulwesen (2009), Nr.
4, S. 115–123</p>
    </sec>
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  <back>
    <ref-list />
  </back>
</article>