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      <title-group>
        <article-title>Erzeugung und Simulation eines dynamischen 3D-Modells der Kopf-Hals-Region aus CT-Daten</article-title>
      </title-group>
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      </contrib-group>
      <fpage>209</fpage>
      <lpage>213</lpage>
      <abstract>
        <p>Kurzfassung. Patientenindividuelle 3D-Modelle von Organen und Korperregionen tragen erheblich zur Dokumentation und Patientenaufklarung bei. Aus Segmentierungen dreidimensionaler Datensatze (z.B. CT, MRT) kann die Pose wahrend der Bildaufnahme gewonnen werden. Dies ist eine Einschrankung gegenuber annotierbaren Schemazeichnungen speziell vorde nierter Ansichten. In dieser Arbeit erweitern wir statische individuelle 3D-Modelle der Kopf-Hals-Region um anatomische Bewegungen. Neben der Bewegung des Knochenapparates wird die gleichzeitig statt ndende Deformation der verbundenen Weichteile berucksichtigt. Anhand eines Software-Prototypen zeigen wir die Erzeugung eines dynamischen Patientenmodells aus Segmentierungen der Kopf-HalsRegion, dessen Strukturen (Knochen, Blutgefa e, Muskeln) interaktiv anatomisch plausibel bewegt werden konnen.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>
        Patientenindividuelle 3D-Modelle von Organen und Ko¨rperregionen tragen als
annotierbarer Kontext zur Dokumentation von Pathologien, zur
Patientenaufkla¨rung und als Grundlage zur effizienten Kommunikation von A¨rzten
verschiedener Fachrichtungen erheblich bei [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        ]. Sie werden durch Segmentierung,
Analyse und Fusion dreidimensionaler Aufnahmen (z.B. CT, MRT) eines Patienten
erzeugt. Der statische Charakter dieser Modelle stellt jedoch eine inha¨rente
Einschra¨nkung dar. Die ausgestreckt liegende Ko¨rperhaltung zum
Aufnahmezeitpunkt der anatomischen Bilddaten ist nicht fu¨r jeden pathologischen
Sachverhalt (z.B. Bewegungseinschra¨nkungen und Lagevera¨nderungen unter bestimmten
Haltungskonditionen) geeignet. Des Weiteren sind nicht immer optimale
Sichtverha¨ltnisse in der Pose zum Zeitpunkt der Bildaufnahme gegeben.
Kennzeichnungen und die Diskussion von Untersuchungsergebnissen und
Behandlungsplanungen sind daher nicht unbedingt mo¨glich. Fu¨r pra¨ferierte Perspektiven (z.B.
geo¨ffneter Mund, u¨berstreckter Hals) muss bisher auf verallgemeinerte
SchemaDarstellungen zuru¨ckgegriffen werden. Am Beispiel der Kopf-Hals-Region zeigen
wir, wie die durch verschiedene Segmentierungsverfahren gewonnenen statischen
3D-Geometrien in ein dynamisches, interaktives Modell u¨berfu¨hrt werden
ko¨nnen. Mittels einfacher Kontrollen ist es mo¨glich, den virtuellen Patienten
anatomisch zu bewegen. Hierzu wird jedoch weniger eine ho¨chst exakte Simulation [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ]
des Ko¨rpers angestrebt, als vielmehr ein effizientes und plausibles
Bewegungsund Deformationsverhalten, wie es zur Kommunikation und Patientenaufkla¨rung
genu¨gt.
2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Material und Methoden</title>
      <p>Als Ausgangsbasis des dynamischen Patientenmodells dienen
Oberfla¨chenmodelle der relevanten Strukturen (hier: Knochen, Muskeln, Blutgefa¨ße). Diese mu¨ssen
durch geeignete Segmentierungsverfahren aus den medizinischen Bilddaten
patientenindividuell gewonnen werden (Abschn. 2.1). Im vorliegenden Beispiel lagen
CT-Aufnahmen der Kopf-Hals-Region (Dimension: 512 512 153, Auflo¨sung:
0:51 0:51 2:0 mm3) als Ausgangsmaterial vor. Fu¨r eine intuitive Handhabung
soll der Anwender in der Lage sein den Kopf des Modells mo¨glichst natu¨rlich zu
bewegen. Diese Kopfdrehungen und -neigungen mu¨ssen hierbei auf Bewegungen
der Halswirbelsa¨ule (HWS) zuru¨ckgefu¨hrt werden (Abschn. 2.2). Des Weiteren
ist aus Gru¨nden der Plausibilita¨t auch eine Anpassung der betroffenen
Weichgewebestrukturen erforderlich. Um dies zu erreichen, wird eine physikbasierte
Simulation verwendet, die das Verhalten von Weichgewebe abbildet, das mit
den Knochenstrukturen verbunden wird (Abschn. 2.3).
2.1</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Segmentierung</title>
        <p>Die Knochenmaske wurde aus einer Schwellwertsegmentierung gewonnen, die
an den U¨berga¨ngen der Wirbel zuna¨chst Großteils zusammenha¨ngend war. Da
Knochen jedoch statisch sind und eine Bewegung der HWS vielmehr auf der
Bewegung der Wirbel zueinander beruht, ist eine Unterteilung der Segmentierung
in einzelne Wirbelelemente erforderlich. Diese erfolgte durch Freiform-Ebenen,
die in Schichtbild- und 3D-Ansicht u¨ber Stu¨tzstellen initial definiert und durch
flexible Deformation zwischen jeweils zwei Wirbel gelegt wurde (Abb. 1).</p>
        <p>Die oberen Halsmuskeln wurden durch ein Schwellwertverfahren segmentiert.
Die Begrenzung wurde dabei nur in einigen Schichten manuell eingezeichnet,
wobei prima¨r Bereiche grauwerta¨hnlicher Nachbarstrukturen genau gearbeitet
werden mussten. Diese Begrenzung wurde dann durch Interpolation in die restlichen
Schichten propagiert.</p>
        <p>
          Fu¨r die Blutgefa¨ße wurde ein modellbasierter Ansatz nach [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
          ] gewa¨hlt, der
den prinzipiell ko¨rperachsenparallelen Verlauf der zu segmentierenden großen
Halsblutgefa¨ße ausnutzt. U¨ber die manuelle Markierung einiger innerer Punkte
werden Skelettlinien definiert, entlang derer die Blutgefa¨ße dann abschnittsweise
durch stabile Feder-Masse-Modelle (SMSMs) segmentiert werden (Abb. 1). Die
erhaltenen Voxelmasken wurden mittels Marching Cubes in korrespondierende
Dreiecksnetze u¨berfu¨hrt und anschließend optimiert.
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Bewegung der Halswirbelsaule</title>
        <p>
          Die zu erzielende Bewegung des Kopfes wird in unserem Modell durch
Auslenkung entlang dreier Freiheitsgrade beschrieben: Nicken P , Drehen Y und
Neigen R. Sie ergibt sich aus der konsekutiven Neuausrichtung jedes Einzelwirbels
in Relation zum Nachbarwirbel. Aus der anatomisch begrenzten Beweglichkeit
(diP ; diY ; diR) eines Wirbels Ci ergibt sich in summa eine maximal mo¨gliche
Bewegung des Kopfes: (dP ; dY ; dR) = i(diP ; diY ; diR). Die Ausgangsbasis fu¨r die
Beschra¨nkung der individuellen Freiheitsgrade bilden Angaben aus [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
          ]. Die
Werte ko¨nnen fu¨r jeden Wirbel angepasst werden (Abb. 2), um einer (patienten-)
individuellen Anatomie Rechnung zu tragen und insbesondere Versteifungen
abzubilden. Die zusa¨tzlich beno¨tigten Drehachsen pro Wirbel (Abb. 1) ko¨nnen
na¨herungsweise durch eine Hauptkomponentenanalyse ermittelt und bei Bedarf
manuell angepasst werden.
        </p>
        <p>Fu¨r eine Kopfdrehung ( dP ; dY ; dR) mit ; ; 2 [0; 1], mu¨ssen die
Position und Orientierung der Wirbel zueinander angepasst werden. Durch eine
Vorwa¨rtskinematik wird die lokale Transformation Ti eines Wirbels Ci vom Steiß
(Coccyx) zum Kopf (bzw. Atlaswirbel) angewendet, wobei Li die Translation in
das lokale Koordinatensystem beschreibt: Ti = Li 1 diP dYi diR Li Ti+1.
2.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Anpassung des Weichgewebes</title>
        <p>Das Ziel der physikbasierten Simulation ist die plausible Bewegung der
Weichgewebe. Die segmentierten Strukturen sind dabei aufgrund von
Segmentierungsartefakten, degenerierten Dreiecken und der hohen geometrischen Komplexita¨t,
nicht direkt fu¨r die Simulation geeignet.</p>
        <p>
          Fu¨r den Sternocleidomatoideus als gro¨ßere anatomische Struktur wird aus
dem objektorientierten Grenzvolumen ein kubisch-raumzentriertes
Tetraedergitter erzeugt, bei dem jeder Eckpunkt der Strukturgeometrie in baryzentrischen
Koordinaten des umgebenden Tetraeders ausgedru¨ckt wird. Eine
Formvera¨nderung des Gitters wird direkt auf die eingeschlossene Geometrie u¨bertragen.
Entgegen der segmentierten Struktur kann das Tetraedergitter eine homogene
Topologie und niedrigere Auflo¨sung aufweisen und ideale Voraussetzungen fu¨r
die physikbasierte Simulation bieten. Um es bei einer Bewegung der
Knochenstrukturen automatisch zu adaptieren, werden der Anatomie entsprechend
VerAbb. 1. Links: Segmentierung der Blutgefa e nach [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
          ]; Mitte: Trennung der Wirbel
nach Schwellwertsegmentierung durch Freiform-Ebene; rechts: Atlas Wirbel (C1) der
HWS mit lokalen Koordinatenachsen, um die die Rotation des Wirbels erfolgt.
bindungen mit Scha¨del und Brustbein erstellt. Eine Drehung des Kopfes fu¨hrt
somit zu einer Verschiebung der verbundenen Eckpunkte und zur Verformung
der entsprechenden Tetraeder, so dass Kra¨fte im physikbasierten Modell
entstehen, die durch ein anisotropes Feder-Masse-Modell bestimmt werden [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
          ], bei
dem die Faserrichtung innerhalb des Muskelgewebes vereinfacht mit
beru¨cksichtigt werden kann.
        </p>
        <p>
          Fu¨r geschlossene unverzweigte Geometrien sind Tetraedergitter sehr
geeignet. Gefa¨ße stellen jedoch filigranere und verzweigte Strukturen dar, die eine
viel ho¨here Detaillierung des Tetraedergitters erfordern wu¨rden, um eine
unhabha¨ngige Bewegung der Gefa¨ß¨aste zu erlauben. Fu¨r die Anpassung an die
anatomische Haltung der Skelettstruktur werden die Gefa¨ße mit ihrer
repra¨sentierenden Mittellinie verbunden, die direkt aus den medizinischen Bilddaten [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
          ]
oder aus generierten Oberfla¨chenmodellen [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
          ] extrahiert werden kann. Zur
Vereinfachung der Simulation wird die Anzahl der Segmente der approximierten
Polylinie nach Bedarf reduziert, indem Zwischenpunkte mit marginalen
Kru¨mmungen entfernt werden. Die Simulation der Kraftpropagation erfolgt jeweils
u¨ber ein Feder-Masse-Modell entlang der approximierten Mittellinie, welches wie
zuvor in der Region der Knochenstrukturen mit selbigen verbunden wird. Das
eigentliche Oberfla¨chenmodell wird dabei synchron zu seiner definierenden
Mittellinie mitgefu¨hrt.
3
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Das dynamische Patientenmodell kann direkt automatisch aus den
Segmentierungen der betreffenden Organe generiert werden, wobei keine besonderen
Voraussetzungen an die konkreten Segmentierungsverfahren bestehen. Die
physikbasierte Simulation wird auf einem handelsu¨blichen PC (3 GHz Single-Core
Pentium) in Echtzeit berechnet und ermo¨glicht damit eine interaktive
Manipulation der anatomischen Strukturen. Eine Bewegung des Kopfes wird gleichma¨ßig
Abb. 2. Links: Der Kopf wird durch die Wirbel der HWS (rot) bewegt, die
Ruckenwirbel (blau) seien xiert. Mitte: Die Freiheitsgrade der Wirbel konnen einzeln angepasst
werden. Rechts: Ergebnis: Die Bewegung des Schadels fuhrt zu einer Verschiebung der
Wirbel und Deformation der Weichgewebe.
durch alle Wirbel der HWS realisiert, wobei anatomische Freiheitsgrade und
Bewegungsbereiche durch einstellbare Parameter beru¨cksichtigt werden.
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Das vorgestellte, Verfahren verbindet die Simulation der Bewegung mehrteiliger
Knochenstrukturen innerhalb anatomisch begrenzter Bereiche und die
Deformation von verbundenem Weichgewebe, wodurch die Pose interaktiv und plausibel
variiert werden kann. Die Drehung des Kopfes basiert auf den Freiheitsgraden der
Wirbel und ist anatomisch motiviert. Durch die Anpassbarkeit und die
Vorwa¨rtskinematik ko¨nnen auch Versteifungen der Halswirbelsa¨ule z.B. durch
Bandscheibenprothesen oder Verschraubungen bereits im Vorfeld einer Therapie plausibel
abgebildet werden.</p>
      <p>
        Der Detailgrad der Weichgewebesimulation basiert auf den verwendeten
Algorithmen zur physikbasierten Simulation und der Auflo¨sung und
Approximationsgu¨te von Gefa¨ßmittellinien und Tetraedergittern. Durch Verwendung
unterschiedlicher physikbasierter Verfahren ist eine Skalierung zwischen
Simulationsgenauigkeit und -performance gegeben. Die Kontrolle der Gefa¨ße u¨ber die
Mittelline durch Verwendung von Feder-Masse-Modellen ermo¨glicht derzeit noch
keine Simulation von Quetschungen oder Vera¨nderungen des Gefa¨ßdurchmessers
durch die Bewegungen. Das Feder-Masse-Modell entspricht jedoch in seiner
Betrachtungsweise der Simulation der Membrana elastica interna an der mittleren
Muskelschicht der Gefa¨ßwand, der Tunica media. Der Einfluss der Gefa¨ßdicke
von 0:52-0:95mm [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref9">8, 9</xref>
        ] war bei der physikbasierten Simulation der Gefa¨ße zu
vernachla¨ssigen.
      </p>
      <p>Literaturverzeichnis</p>
    </sec>
  </body>
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