<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Archiving and Interchange DTD v1.0 20120330//EN" "JATS-archivearticle1.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
  <front>
    <journal-meta />
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Tragheitsbasiertes Navigationssystem fur die Harnblasenendoskopie</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Alexander Behrens</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Jonathan Grimm</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Sebastian Gross</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Til Aach</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Lehrstuhl fur Bildverarbeitung, RWTH Aachen University</institution>
          ,
          <addr-line>52056 Aachen</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>224</fpage>
      <lpage>228</lpage>
      <abstract>
        <p>Kurzfassung. Bei der Harnblasenvideoendoskopie ist das Navigieren und das kontrollierte Sichten des gesamten Hohlorgans durch das begrenzte Sichtfeld des Endoskops fur den Urologen stark erschwert. Als Navigationshilfe konnen hierbei zusatzliche externe Navigationssysteme eingesetzt werden. Da jedoch aufgrund zu hoher Kosten optische und magnetische System bisher nicht verwendet wurden, steigt das Interesse an low{cost Systemen. Hierzu wurde ein erstes zystoskopisches Navigationssystem mittels Tragheitssensorik entwickelt, welches mit einer Fehlertoleranz von ca. 2◦ Winkelgrad eine erste robuste und kostengunstige Orientierungshilfe fur die Harnblasenendoskopie darstellt.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Einleitung</title>
      <sec id="sec-1-1">
        <title>Tragheitsbasiertes Navigationssystem</title>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Aufbau und Methoden</title>
      <p>Das entwickelte inertiale Navigationssystem (INS) besteht aus einem
Beschleunigungssensor mit drei Freiheitsgraden (ST LIS3L02AL) und zwei
Gyroskopen (EPSON XV-3500CB). Deren orthogonale Anordnung am Zystoskop ist
in Abb. 1 gezeigt. Die Sensordaten werden aus LEGO⃝R Mindstorms ⃝R NXT
Bricks (32-Bit-ARM-Prozessor) ausgelesen und u¨ber die PC–USB Schnittstelle
u¨bertragen. Hierbei werden im Mittel 2 300 Gyroskopwerte und 80
Beschleunigungsvektoren pro Sekunde verarbeitet.</p>
      <p>Durch die Anatomie des Menschen stellt der Blasenausgang einen
rotatorischen Angelpunkt fu¨r die Bewegung des starren Zystoskops dar. Damit reduziert
sich die Anzahl der Freiheitsgrade von sechs (x, y, z, ϕ, ψ, θ) auf insgesamt vier
(R, ϕ, ψ, θ) (vgl. Abb. 1). R beschreibt hierbei den Abstand zwischen
Endoskopspitze und Rotationszentrum. ϕ und θ definieren die beiden Raumwinkel um
die y– und die z–Achse und ψ die Drehung um die x- bzw. optische Achse xs
des Endoskops. Unter der Annahme einer gleichfo¨rmigen realistischen
Freihandbewegung kann der Anteil einer zum Schwerefeld u¨berlagerten Beschleunigung
bei der Positionsbestimmung des Zystoskops in erster Na¨herung vernachla¨ssigt
werden. Die Beschleunigungswerten beinhalten dann nach Gleichung 1 und 2 die
Drehwinkel, die die Ru¨ckdrehung in das Koordinatensystem des Schwerefelds
g = gez beschreiben:
 ax </p>
      <p> 1
 ay  =  0
</p>
      <p>0
az
| {z }
a
|</p>
      <p>  cos ϕ 0
0 0
cos ψ sin ψ  
sin ψ cos ψ</p>
      <p>R{zx } |</p>
      <p>0 1
sin ϕ 0
{z
Ry</p>
      <p>0
cos ϕ
sin ϕ   cos θ sin θ 0   0 
  sin θ cos θ 0   0 </p>
      <p>0 0 1 g

} |

x
-
xs
Beschleunigungssensor
{z
Rz
ys
g</p>
      <p>R
x
z
y</p>
      <p>
        zs
Gyroskope
} | {gz }
(
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        )
Abb. 1. Versuchsaufbau mit Blasenphantom, Referenzpunkten und Angaben der
Sensorenanordnung, der Freiheitsgrade R, ψ, ϕ, θ und der Koordinatensysteme.
      </p>
      <p>
        sin ϕ g
a =  sin ψ cos ϕ g 
 
cos ψ cos ϕ g

(
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        )
(5)
∫
      </p>
      <p>τ=∆t
Aufgrund der vertikalen Ausrichtung des Beschleunigungssensors zum
Schwerefeld g ist dieser gegenu¨ber der Rotation Rz um die z-Achse invariant, so dass
zur Berechnung von θ die Gyroskope verwendet werden. Durch die orthogonale
Anordnung der beiden Sensoren G1, G2 (vgl. Abb. 1) ergeben sich die beiden
Winkelanteile ∆θG1 , ∆θG2 durch kurzzeitige Integration im Zeitintervall ∆t zu
∆θG1,t =
vG1 (τ ) cos ψt dτ
und
∆θG2,t =</p>
      <p>vG2 (τ ) sin ψt dτ (4)
∫
τ=∆t
Die Rotation um ϕ, ψ und die axiale Verschiebung R des Zystoskops berechnen
sich damit zu
ϕ = arcsin
(
ax )
g
,
( ay )
az
∫∫ T</p>
      <p>t=0
ψ = arctan
und</p>
      <p>
        R =
ax dt2
(
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        )
In guter Na¨herung wird in Gleichung 4 im Zeitintervall ∆t ein konstanter
Rotationswinkel ψt angenommen. Der resultierende Wikel θ ergibt sich nach
θ =
      </p>
      <p>T
∑ (∆θG1,t + ∆θG2,t)
t=0
aus der Summe aller kurzzeitigen und synchronisierten Sensormessungen.</p>
      <p>Zur Evaluierung der Messgenauigkeit des Systems wird ein kugelfo¨rmiges
Blasenphantom mit 17 ausgemessenen Referenzpositionen (siehe Abb. 1) verwendet.
Der Versuchsaufbau beinhaltet eine Halterung mit einer festen Lochfu¨hrung,
welches das Rotationszentrum und damit den Blasenausgang repra¨sentiert.
2.1</p>
      <p>Messungen
Durch Rausch- und Offsetmessungen werden die Inertialsensoren zuna¨chst
charakterisiert und kalibriert. Im Ruhestand werden die Rauschvarianzen σ02,G1 ,
σ02,G2 , sowie die mittleren Offsets v0,G1 , v0,G2 der Gyroskope bestimmt. Diese
werden zur Mittelwertbefreiung und unter der Modellannahme eines additiven
Rauschens zur Wiener–Filterung der Sensorwerte verwendet. Zusa¨tzlich werden
Sensorwerte 1◦/sec unterdru¨ckt. Zur Kalibrierung des Beschleunigungssensors
wird dieser in und entgegen der Richtung des Schwerefelds gedreht, der
minimale und maximale Sensorwert bestimmt und mit g gleichgesetzt. Zwischenwerte
werden linear interpoliert und die Offsets ϕ0, ψ0 bestimmt. Zur
Rauschunterdru¨ckung wird ein gleitender Mittelwert mit einer Filterbreite von w = 5
verwendet.</p>
      <p>Zur Evaluierung der Winkelfehler werden drei Versuche durchgefu¨hrt. In
Messung A wird das Zystoskop an die Referenzpunkte des Blasenphantoms (vgl.
Abb. 1) fu¨r einige Sekunden lang gehalten und ϕ ausgewertet. In Messung B wird</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Tragheitsbasiertes Navigationssystem</title>
        <p>das Zystoskop vom Mittelpunkt des Phantoms mehrfach zu den jeweiligen
Referenzpunkten durch unterschiedliche Freihandbewegungen und Bahntrajektorien
gefu¨hrt. Dies simuliert das gezielte Anfahren von Tumoren. Nach Erreichen des
Punktes (t = T 5 20sec) wird der Drehwinkel ϕ anhand der letzten k = 5
Drehwinkel gemittelt und der bis dahin durch Gleichung 5 bestimmte Winkel θ
ausgewertet. Der Winkelfehler ϵψ wird in Messung C evaluiert. Hierbei wird das
Endoskop mehrfach um die optische Achse hin und her gedreht und der Winkel
ψ nach Gleichung 3 berechnet. Referenzwinkel ψRef werden aus den
Endoskopbildern gewonnen, indem die Verdrehung der charakteristischen endoskopischen
Richtungsmarkierung (siehe Abb. 2) automatisch detektiert wird.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Die Ergebnisse der Fehlermessungen sind in Abb. 2 dargestellt. Nach Messung
A ergibt sich fu¨r ϕ ein mittlerer absoluter Winkelfehler von ϵϕA = 0.312◦ und
eine Fehlervarianz von σϵ2ϕA = 0.036◦2. Messung B ergibt eine u¨ber alle
Datenpunkte und Bahntrajektorien gemittelte absolute Abweichung fu¨r ϕ und θ von
ϵϕB = 0.392◦, σϵ2ϕB = 0.078◦2 und ϵθ = 1.949◦, σϵ2θ = 0.495◦2. Der mittlere
absolute Fehler fu¨r ψ betra¨gt aus Messung C ϵψ = 3.369◦ und σϵ2ψ = 5.961◦2.
φ
40
30
20
10
0
−10
−20
−30
Abb. 2. Mittlerer Fehler und absolute Min-Max-Fehlerbalken von ϕ fur jeden
Phantom-Referenzpunkt (l.o.). Mittlerer absoluter und Min-Max-Fehler von ϕ, θ (r.o.). ψ{
Bestimmung durch Detektion der endoskopischen Richtungsmarkierung (Einkerbung)
(l.u.). Bahntrajektorien von acht unterschiedlichen Freihandbewegungen eines
Referenzpunktes (r.u.).</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Behrens et al.</title>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Fu¨r ϕ ergibt sich sowohl fu¨r das ruhige Festhalten als auch wa¨hrend einer
gleichfo¨rmigen Bewegung des Zystoskops ein Winkelfehler von unter 0.5◦ Winkelgrad,
welcher eine sehr genaue Lagebestimmung zula¨sst. Weiterhin kann aus den
Beschleunigungswerten direkt der Rotationswinkel ψ um die optische Achse des
Zystoskop mit einer Genauigkeit von ca. 4◦ erreicht werden. Trotz dieses
ho¨heren Fehlers kann aufgrund des gro¨ßeren O¨ffnungswinkels des Zystoskops der
Referenzpunkt noch zuverla¨ssig im Endoskopbild erfasst werden. Obwohl das
kumulative Aufsummieren von Sensorwerten zu einem steigenden Messfehler und
einer Drift von θ (2◦ 7◦) fu¨hrt, erfolgt das gezielte Anfahren von Zielstrukturen
mit einem tolerierbaren mittleren absoluten Fehler von ca. 2◦ Winkelgrad. Eine
zuverla¨ssige Bestimmung von R nach Gleichung 3 ist hingegen durch die
Zweifachintegration und der geringeren Abtastrate des Beschleunigungssensors nicht
mo¨glich, so dass dieser Freiheitsgrad hier noch unbestimmt bleibt. Dennoch kann
dieses low–cost Inertialsystem dem Urologen beim Protokollieren und ra¨umlichen
Wiederauffinden von Tumoren unterstu¨tzen. Dazu ko¨nnen wie in Abb. 3 gezeigt,</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Abb. 3. Eingeblendete Richtungspfeile mit</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>Sollwinkelpositionen.</title>
        <p>Richtungspfeile fu¨r die Sollposition des Zystoskops dem aktuellen Endoskopbild
u¨berlagert werden. Hierbei verku¨rzen sich die Pfeilla¨ngen auf die noch
verbleibenden Winkeldifferenzen. In weiteren Arbeiten werden zur Minimierung der
Winkelfehler zusa¨tzlich Bewegungsvektorfelder aus den Bilddaten herangezogen.
Die ersten Ergebnisse versprechen dennoch schon jetzt eine kostengu¨nstige und
potentielles Navigationshilfe, zu der weiteres a¨rztliches Feedback erhoben wird.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          1.
          <string-name>
            <surname>Behrens</surname>
            <given-names>A</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Bommes</surname>
            <given-names>M</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Stehle</surname>
            <given-names>T</given-names>
          </string-name>
          , et al.
          <article-title>A multi-threaded mosaicking algorithm for fast image composition of uorescence bladder images</article-title>
          .
          <source>Proc SPIE</source>
          .
          <year>2010</year>
          ;
          <volume>7625</volume>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref2">
        <mixed-citation>
          2.
          <string-name>
            <surname>Miranda-Luna</surname>
            <given-names>R</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Daul</surname>
            <given-names>C</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Blondel</surname>
            <given-names>W</given-names>
          </string-name>
          , et al.
          <article-title>Mosaicing of bladder endoscopic image sequences: distortion calibration and registration algorithm</article-title>
          .
          <source>IEEE Trans Biomed Eng</source>
          .
          <year>2008</year>
          ;
          <volume>55</volume>
          (
          <issue>2</issue>
          ):
          <volume>541</volume>
          {
          <fpage>53</fpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref3">
        <mixed-citation>
          3. Holler
          <string-name>
            <given-names>K</given-names>
            ,
            <surname>Penne</surname>
          </string-name>
          <string-name>
            <given-names>J</given-names>
            ,
            <surname>Schneider</surname>
          </string-name>
          <string-name>
            <surname>A</surname>
          </string-name>
          , et al.
          <article-title>Endoscopic orientation correction</article-title>
          . Lect Notes Computer Sci.
          <year>2009</year>
          ;
          <volume>5761</volume>
          :
          <fpage>459</fpage>
          {
          <fpage>66</fpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
    </ref-list>
  </back>
</article>