<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Archiving and Interchange DTD v1.0 20120330//EN" "JATS-archivearticle1.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
  <front>
    <journal-meta />
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Bildanalyse frei diffundierender Nanopartikel in vitro</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Thorsten Wagner</string-name>
          <email>wagner.thorsten@gmx.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Dominic Swarat</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Martin Wiemann</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Hans-Gerd Lipinski</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Biomedical Imaging Group, Fachbereich Informatik</institution>
          ,
          <addr-line>Fachhochschule Dortmund</addr-line>
        </aff>
        <aff id="aff1">
          <label>1</label>
          <institution>Institute for Lung Health (IBE R&amp;D gGmbH) Marl</institution>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>349</fpage>
      <lpage>353</lpage>
      <abstract>
        <p>Kurzfassung. Durch eine Laser gestu¨tzte Mikroskopiemethode lassen sich Nanopartikel in vitro auch mit Lichtmikroskopen als mobile Objekte visualisieren. Aus Form- und Mobilita¨tseigenschaften visualisierter Nanopartikel werden mit Bildverarbeitungsmethoden charakteristische Parameter gewonnen, mit deren Hilfe unterschiedliche Nanopartikel-Proben in vitro analysiert und differenziert werden ko¨nnen, um in Folgeexperimenten Aussagen u¨ber deren gesundheitsscha¨digende Wirkungen erzielen zu ko¨nnen.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Einleitung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Material und Methoden</title>
      <p>
        Werden NP von einem Laserstrahl getroffen, so streuen sie die Strahlung und
werden im Mikroskop sichtbar, da ihr scheinbarer Durchmesser um ein Vielfaches
gro¨ßer ist als ihr wirklicher Durchmesser. NP erscheinen als sich
unterschiedlich schnell bewegende, unterschiedliche helle und unterschiedlich ausgedehnte
Punkte, wobei ihre Bewegung vor allem durch die Brownsche
Molekularbewegung bestimmt wird [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
        ]. Die Brownsche Molekularbewegung ist grundsa¨tzlich
ein dreidimensionaler zeitabha¨ngiger Prozess. Werden die NP, die sich in einer
wa¨ssrigen Lo¨sung befinden, jedoch u¨ber eine geschickt gefu¨hrte Lasergeometrie
bestrahlt, dann kann man na¨herungsweise mit einer zweidimensionalen
Bildanalyse den Bewegungsvorgang erfassen (so genanntes N anoSightTM-Verfahren).
Ein seitlich auf eine Ku¨vette gelenkter Laserstrahl bestrahlt in einem auf
einer definierten Tiefe (”z-Referenzebene“) beschra¨nkten Areal die sich dort in
wa¨ssriger Lo¨sung befindenden NP. Das von den NP gestreute Licht gelangt in
den Strahlengang eines Mikroskops und wird mit Hilfe einer digitalen Kamera
sowie eines PC als zeitliche Bildsequenz (typisch: 20 60 s Dauer; 30 Bilder
pro Sekunde) fortlaufend registriert. Die Bildebene, in der sich die NP
befinden, liegt in der Na¨he der z-Referenzebene und kann fokussiert werden. Die NP
lassen sich nach ihrer Form und Helligkeit sowie ihrem dynamischen Verhalten
(z.B. Tracking und daraus abgeleiteten Diffusionskoeffizient) charakterisieren.
Die sichtbare geometrische Form eines NP ist durch die Kompaktheit
(circularity) und einem Symmetrie-Parameter zu charakterisieren. Die Dynamik la¨sst
sich durch den Diffusionskoeffizienten jedes einzelnen sichtbaren Partikels
sowie u¨ber die Form seines dabei zuru¨ckgelegten Pfades (z.B. anhand seiner
fraktalen Dimension [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ]) beschreiben. Der Diffusionskoeffizient kann aus der direkten
Vermessung des Pfades (”track“) durch Bildung des mittleren
Verschiebungsquadrates berechnet werden. Ferner wurde die Diffusion von NP mit Hilfe der
Monte-Carlo Methode zwei- bzw. dreidimensional simuliert. Die Erzeugung fu¨r
die Simulation notwendigen normalverteilten Zufallszahlen erfolgt mit Hilfe des
Ziggurat-Algorithmus [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ]. Schwachstellen bzgl. der Periodendauer des
ZigguratAlgorithmus wurden beru¨cksichtigt und die Periodendauer, wie von Leong et
al. vorgeschlagen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ], erho¨ht. Der Durchmesser jedes einzelnen NP wird aus dem
Diffusionskoeffizienten mit Hilfe der Stokes-Einstein-Gleichung ermittelt (fu¨r
einfache Geometrien ist der Partikeldurchmesser reziprok proportional zum
Diffusionskoeffizienten).
3
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Die gemessenen Gro¨ßen statischer und dynamischer Parameter werden hier am
Beispiel von monodispersen Polystyren Partikel (Durchmesser 100 nm)
exemplarisch gezeigt. Abbildung 1, links zeigt sechs NP mit unterschiedlicher Form
und Helligkeit.</p>
      <p>Das sehr hell dargestellte Partikel (d) weist eine runde Struktur auf, wa¨hrend
ein etwa gleichhelles Partikel (c) eine elliptische Form besitzt. Die Partikel (b),
(e) und (f) sind deutlich dunkler als NP (c) bzw. (d), weisen aber ebenfalls
unterschiedliche Rundheiten auf. Da sich Partikel unterschiedlich weit entfernt von
der z-Referenzebene befinden ko¨nnen, werden solche eher randsta¨ndigen Partikel
weniger hell strahlen als solche, die sich im Zentrum des Laserstrahls befinden.
Das Partikel (a) zeigt zudem eine Doppelstruktur, die sich als Kollision zweier
NP deuten la¨sst. Solche Kollisionen sind u¨berwiegend scheinbare (so genannte
visuelle) Kollisionen, weil es hier lediglich zu einer U¨ bereinstimmung in den ebenen
Koordinaten kommt. In der Tiefe z ko¨nnen sie sehr weit auseinander liegen.
Echte Kollisionen, die zu einer Agglomeration der Partikel fu¨hren, sind eher selten,
wenn die Partikelkonzentration in der Flu¨ssigkeit niedrig ist (typisch: 107 108
Partikel/ml). Gleichwohl sind sie identifizierbar, denn der Diffusionskoeffizient
der beteiligten Partikel ist vor der Kollision i.A. deutlich ho¨her als der des durch
Kollision entstandenen Agglomerates.</p>
      <p>Abbildung 1, Mitte zeigt eine Verteilung der diffundierenden NP als das
Ergebnis einer Monto-Carlo-Simulation in drei Dimensionen. In der 3D-Graphik
haben alle simulierten Partikel die gleiche Helligkeit, aber unterschiedliche
Radien, entsprechend der jeweiligen Diffusionskoeffizienten (aus Beobachtungen
empirisch zugeordnet). Die Abbildung 1 zeigt rechts eine NP-Simulation, die sich
auf die 2D-Auswertemethode des N anoSightTM-Prinzip beschra¨nkt, wobei sich
der z-Abstand der NP durch unterschiedliche Helligkeiten ausdru¨ckt. Fu¨r beide
Simulationen wurden ebenfalls die zugeho¨rigen Dichtefunktionen fu¨r die
Diffusionskoeffizienten und die NP-Durchmesser ermittelt. Typische Ergebnisse der
Abb. 1. Momentaufnahme diffundierender Nanopartikel (links: Originalregistrierung;
Mitte: a¨quivalente 3D-Simulation; rechts: korrespondierende 2D-Visualisierung).
Abb. 2. Dichtefunktionen der gemessenen und simulierten NP-Diffusionskoeffizienten
[10( 10)cm2=s] (links) NP-Durchmesser [nm] (rechts).</p>
      <p>Tabelle 1. Mittelwert und Standardabweichung von NP-Parametern (Durchmesser,
simulierter Durchmesser, Diffusionskoeffizient, Kompaktheit, Symmetriefaktor, fraktale
Dimension).</p>
      <p>Tabelle 2. Mittelwert und Standardabweichung von NP-Parametern fu¨r eine
QuarzProbe.</p>
      <p>diameter
[nm]
Diffusionsanalyse (Abb. 2) zeigen, dass Messung und Simulation kaum
Unterschiede aufweisen.</p>
      <p>Ein t-Test ergibt, dass es zwischen den Durchmesser-Mittelwerten der
Simulation und der Messung keinen signifikanten Unterschied gibt, was die Tabelle
1 belegt. In dieser Tabelle sind die fu¨r die Polystyrene-Probe erhobenen Bild
charakterisierenden Parameter erfasst. Dazu geho¨rt der mittlere
Partikeldurchmesser, der hier mit ca. 126 nm den von der Industrie genannten Wert von 100
nm signifikant u¨berschreitet. Sowohl die 3D- als auch die NanoSight-analoge
2DSimulation ergaben vergleichbar große Durchmesser. Typisch fu¨r die NP-Probe
sind Kompaktheitswerte um 0.8 herum, woraus zu schließen ist, dass zahlreiche
Partikel im Mikroskopiebild keine perfekte Kreisform aufweisen.</p>
      <p>Zudem finden wir ha¨ufig Asymmetrien bezu¨glich der Grauwertverteilung
innerhalb des dargestellten NP (ideale Grauwert-Symmetrie wu¨rde zu einem
Faktor s = 1 fu¨hren, gemessen wurden hingegen Werte um s = 0:7). Die fraktale
Dimension der durch die Partikeldiffusion erzeugten Pfade lag mit ca. 1.6
deutlich u¨ber dem Wert einer u¨berwiegend geraden Ausbreitungsrichtung (f = 1),
aber weit unterhalb einer kompakten fla¨chenartigen Ausbreitung (f=2). Tabelle
2 entha¨lt die Parameterwerte fu¨r eine andere NP-Probe (Quarz). Daraus
ergibt sich, dass es zwischen verschiedenen NP-Sorten offenbar charakteristische
Unterschiede hinsichtlich der genannten Parameter gibt.
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Mit Hilfe typischer Bildverarbeitungsmethoden konnten aus Bildsequenzen
Parameter identifiziert werden, mit deren Hilfe eine Charakterisierung von solchen
NP gelang, deren gesundheitsscha¨dliche Wirkung in Folgeexperimenten
untersucht werden soll. Die Gestalt der NP konnte durch Formparameter wie
Kompaktheit c und Symmetriefaktor s erfasst werden, wa¨hrend sich die dynamischen
Eigenschaften der NP durch den Diffusionskoeffizienten (gewonnen aus
gemessenen bzw. simulierten Diffusionen) bzw. der fraktalen Dimension des jeweiligen
Bewegungspfades kennzeichnen ließen. Letztlich konnten NP-Durchmesser aus
korrespondierenden Diffusionskoeffizienten, die sowohl durch Messung als auch
durch Monte-Carlo-Simulationen gewonnen wurden, ermittelt werden.</p>
      <p>In den angegebenen Beispielen nehmen die Parameter typische Werte an, mit
denen die Proben durch ihre Bildeigenschaften charakterisiert und von anderen
Proben unterschieden werden ko¨nnen. Zudem zeigt der Vergleich des mittleren
Durchmessers (Messung und Simulation) mit den Herstellerangaben, ob die in
der Probe vorhanden NP diese Gro¨ße auch wirklich besitzen. Vergleiche von
Durchmesser-Dichtefunktionen gemessener und simulierter NP erlauben
zusa¨tzlich Ru¨ckschlu¨sse auf die Homogenita¨t von Proben.</p>
      <p>Danksagung. Diese Arbeit wurde mit Mitteln des Bundesministeriums fu¨r
Bildung und Forschung gefo¨rdert (NanoGEM; Fo¨rdernummer 03X0105G).</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          1.
          <string-name>
            <surname>Xia</surname>
            <given-names>T</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Li</surname>
            <given-names>N</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Nel</surname>
            <given-names>A</given-names>
          </string-name>
          .
          <article-title>Potential health impact of nano particles</article-title>
          .
          <source>Annu Rev Public Health</source>
          .
          <year>2009</year>
          ;
          <volume>30</volume>
          :
          <fpage>137</fpage>
          -
          <lpage>50</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref2">
        <mixed-citation>
          2.
          <string-name>
            <surname>Hartung</surname>
            <given-names>T.</given-names>
          </string-name>
          <article-title>Toxcology for the twenty-first century</article-title>
          .
          <source>Nature</source>
          .
          <year>2009</year>
          ;
          <volume>460</volume>
          :
          <fpage>208</fpage>
          -
          <lpage>12</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref3">
        <mixed-citation>
          3.
          <string-name>
            <surname>Bruch</surname>
            <given-names>J</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Rehn</surname>
            <given-names>S</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Rehn</surname>
            <given-names>B</given-names>
          </string-name>
          , et al.
          <article-title>Variations of biological responses to different respirable quartz flours determined by a vector model</article-title>
          .
          <source>Int J Hyg Environ Health</source>
          .
          <year>2004</year>
          ;
          <volume>207</volume>
          :
          <fpage>203</fpage>
          -
          <lpage>16</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref4">
        <mixed-citation>
          4.
          <string-name>
            <surname>Toth</surname>
            <given-names>A</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Banky</surname>
            <given-names>D</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Grolmusz</surname>
            <given-names>V</given-names>
          </string-name>
          .
          <article-title>Mathematical modelling and computer simulation of Brownian motion and hybridization of nanoparticle-bioprobe-polymer complexes in the low concentration limit</article-title>
          .
          <source>Nanotech</source>
          .
          <year>2010</year>
          ;
          <volume>3</volume>
          :
          <fpage>161</fpage>
          -
          <lpage>4</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref5">
        <mixed-citation>
          5.
          <string-name>
            <given-names>Katz</given-names>
            <surname>MJ</surname>
          </string-name>
          .
          <article-title>Fractals and the analysis of wave forms</article-title>
          .
          <source>Comput Biol Med</source>
          .
          <year>1988</year>
          ;
          <volume>18</volume>
          :
          <fpage>145</fpage>
          -
          <lpage>56</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref6">
        <mixed-citation>
          6.
          <string-name>
            <surname>Marsaglia</surname>
            <given-names>G</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Tsang</surname>
            <given-names>W.</given-names>
          </string-name>
          <article-title>The ziggurat method for generating random variables</article-title>
          .
          <source>J Stat Softw</source>
          .
          <year>2000</year>
          ; p.
          <fpage>1</fpage>
          -
          <lpage>7</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref7">
        <mixed-citation>
          7.
          <string-name>
            <surname>Leong</surname>
            <given-names>P</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Zhang</surname>
            <given-names>G</given-names>
          </string-name>
          , et al.
          <article-title>A comment on the implementation of the Ziggurat method</article-title>
          .
          <source>J Stat Softw</source>
          .
          <year>2005</year>
          ;
          <volume>12</volume>
          (
          <issue>7</issue>
          ):
          <fpage>1</fpage>
          -
          <lpage>4</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
    </ref-list>
  </back>
</article>