=Paper= {{Paper |id=None |storemode=property |title=Optimierung einer Permanentmagnetgeometrie zur Generierung eines Selektionsfeldes für Magnetic-Particle-Imaging |pdfUrl=https://ceur-ws.org/Vol-715/bvm2011_86.pdf |volume=Vol-715 }} ==Optimierung einer Permanentmagnetgeometrie zur Generierung eines Selektionsfeldes für Magnetic-Particle-Imaging== https://ceur-ws.org/Vol-715/bvm2011_86.pdf
 Optimierung einer Permanentmagnetgeometrie
   zur Generierung eines Selektionsfeldes für
          Magnetic-Particle-Imaging

    Matthias Weber1 , Timo F. Sattel1 , Tobias Knopp1 , Bernhard Gleich2 ,
                    Jörn Borgert2 , Thorsten M. Buzug1
                  1
                   Institut für Medizintechnik, Universität zu Lübeck
          2
              Philips Technologie GmbH Forschungslaboratorien, Hamburg
                               sattel@imt.uni-luebeck.de



      Kurzfassung. Magnetic-Particle-Imaging (MPI) ist ein neues bildge-
      bendes Verfahren, das die Bildgebung superparamagnetischer Nanopar-
      tikel in hoher zeitlicher und örtlicher Auflösung ermöglicht. Das Auf-
      lösungsvermögen des Systems hängt dabei direkt von der Gradienten-
      stärke des Selektionsfeldes ab. Kürzlich wurde ein MPI-Scanner vorge-
      stellt, der dieses Selektionsfeld mit Permanentmagneten generiert. Aus-
      gehend von dieser Anordnung werden in der vorliegenden Arbeit die
      Geometrie- und Magnetisierungsparameter der Permanentmagneten op-
      timiert. Durch die erreichte Erhöhung der Gradientenstärke um 39 %,
      kann die Auflösung von Magnetic-Particle-Imaging deutlich gesteigert
      werden, ohne das Messsystem zu vergrößern.


1   Einleitung

Die erst kürzlich beschriebene Bildgebungsmodalität Magnetic-Particle-Imaging
(MPI) [1] ist in der Lage, mit magnetischen Feldern die Verteilung super-para-
magnetischer Tracer in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung darzustellen.
Das Verfahren verwendet einen feldfreien Punkt (FFP), welcher durch das Ob-
jekt bewegt wird. Aufgrund von Sättigungseffekten, welche dem nicht-linearen
Magnetisierungsverhalten der Nanopartikel zu Grunde liegen, erhält man vor-
wiegend Partikelantworten im Bereich des FFP. Die potenzielle Auflösung ist
daher direkt mit der Qualität des FFP verknüpft, also der Stärke des Gradi-
enten im FFP. Ein stärkerer Gradient bedeutet dementsprechend ein potentiell
höheres Auflösungsvermögen [2, 3, 4].
    Im Jahr 2009 wurde ein MPI-Scanner vorgestellt, dessen Selektionsfeld vor-
rangig mit Permanentmagneten generiert wird [5]. In dieser Arbeit wird gezeigt,
dass die Gradientenstärke im FFP im Zentrum des Aufbaus durch Optimierung
der Magnetgeometrie um 39 % erhöht werden kann. Volumen und Anordnung
der Permanentmagnete werden dabei beibehalten.
420    Weber et al.

2     Materialien und Methoden

Nach [2] lässt sich die örtliche Auflösung ∆x von MPI wie folgt abschätzen

                                     kB T
                             ∆x =         ∆ξFWHM                                (1)
                                    µ0 mG

Über die Ableitung der Langevin-Gleichung des Paramagnetismus
                                      (              )
                         d              1       1
                           M (ξ) = M0      −                                    (2)
                        dξ              ξ2   sinh2 ξ
kann die Halbwertsbreite ∆ξFWHM bestimmt werden. Die Partikelmagnetisie-
rung m hängt vom Partikeldurchmesser d und der Sättigungsmagnetisierung
MS ab
                                        π
                                  m=      MS d3                                 (3)
                                        6
Die Auflösung ∆x hängt somit direkt reziprok vom Gradienten G im FFP ab.
    Der MPI-Scanner aus [5] generiert ein Gradientenfeld mit einem FFP im
Zentrum durch zwei gegenüberliegende Permanentmagnete mit entgegengesetz-
ter Magnetisierungsrichtung. Um diese Geometrie zu simulieren und zu optimie-
ren, wurde das Gilbert-Modell verwendet [6]. Es ermöglicht das Magnetfeld von
Permanentmagneten mit inhomogener Magnetisierung zu berechnen, indem es
den Permanentmagneten aus magnetischen Dipolen diskretisiert (Abb. 1). Durch




Abb. 1. Diskretisierung der Permanentmagnet-Anordnung mit gekippter Magnetisie-
rung. Die Magnetisierung jedes Dipols wird um den Winkel ^ zur z-Achse gekippt.
Links: Darstellung des Selektionsfeldes zwischen beiden Permanentmagneten; rechts:
Magnetisierungswinkel ^ und gedrehte Magnetisierung beispielhaft an einem Dipol.
                                                Permanentmagnet-Geometrie für MPI                     421

Aufsummieren aller Dipol-Beiträge erhält man schließlich das Feld H am Ort r
außerhalb der Magnetanordnung
                     ∑
                    nDipole      ( (               )                )
                             1            Br                 Br
          H(m, r) =               3 eM ∆V · r̂ r̂ − eM ∆V                  (4)
                     i=1
                            4πr3          µ0                 µ0

Hierbei sind Br die Remanenz des Permanentmagneten, eM die Magnetisie-
                                                                              r
rungsrichtung, ∆V das Volumen eines Dipols, r der Betrag von r und r̂ = |r|
die normierte Richtung des Feldes. Der Gradient lässt sich über die Ableitung
von Hz nach dem Ort z bestimmen
                                       ∂
                                          Hz   G=                          (5)
                                       ∂z
da hier ausschließlich die z-Komponente des Magnetfelds, bzw. dessen Gradient,
auf der z-Achse betrachtet wird.
   Die Optimierung beinhaltet zunächst die gekippte Ausrichtung der magneti-
schen Dipole in Richtung der z-Achse, welche durch den Magnetisierungswinkel


                         (a)                                     (b)
                                                    µ0 G/T m−1




                                                                                                  2
            µ0 G/T m−1




                           2




                                                                                                       G/T m−1
                                                                   0                              0
                           0
                         −2                                      −5                               −2
                                                                       1
                         −4                                                0              2
                                                                                                  −4
                               −1   0     1                                 −1    4
                                ∢/rad                        ∢/rad                    r/l


                         (c)            Href     ∢var                      ∢var ,r/lvar
                         0.1
           5 · 10−2
µ0 H/T




                           0
         − 5 · 10        −2

                    −0.1
                       −2               −1              0                     1               2
                                                    z/m                            ·10−2

Abb. 2. Optimierungsergebnisse für die Variation des Magnetisierungswinkels (^var )
                                 r
und des Seitenverhältnisses ( lvar ): (a) Verlauf des Gradienten bei Variation des Ma-
gnetisierungswinkels, (b) Verlauf des Gradienten für die Variation des Magnetisierungs-
winkels und Änderung des Seitenverhältnisses, (c) Vergleich optimierte Magnetfelder
zum Ausgangsmagnetfeld Href (z-Komponente).
422     Weber et al.

            Tabelle 1. Optimierungsergebnisse der Parametervariation.

Parameter         PM-Geometrie aus [5]       ^var             ^var , rl var    Einheit
Gmax              3, 172                     3, 719            4, 416          Tm−1
G-Steigerung     –                          17, 240           39, 238          %
^                -1, 571                    -1, 031           -0, 809          rad
r
l
                  0, 583                     0, 583            1, 661          –
r                 3, 500 · 10−2              3, 500 · 10−2     4, 961 · 10−2   m
l                 6, 000 · 10−2              6, 000 · 10−2     2, 986 · 10−2   m
V                 2, 309 · 10−4              2, 309 · 10−4     2, 309 · 10−4   m3


beschrieben wird (Abb. 1b). Anschließend wird zusätzlich das Seitenverhältnis
( rl ) variiert. Die Variationsbereiche liegen zwischen − π2 und π2 bzw. 15
                                                                         1 r        r
                                                                            l und 5 l .


3     Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, im Vergleich zu der in [5] vorgestellten Anordnung, eine
Steigerung des Gradienten im Zentrum des Scanners von 17, 2 % für die Drehung
des Magnetisierungswinkels und 39, 2 % bei der Kombination von Drehung des
Magnetisierungswinkels und Änderung des Seitenverhältnisses. Tabelle 1 listet
die Ergebnisse mit den optimierten Geometrie-Werten auf. Die entsprechenden
Plots sind in Abbildung 2 gezeigt. In der oberen Reihe ist der Verlauf des Gra-
dienten für die variierten Parameter dargestellt. Darunter sind die optimierten
Magnetfeldverläufe im Vergleich zum Ausgangsmagnetfeld abgebildet. Zur Ver-
anschaulichung sind die Ausgangsgeometrie und die optimierte Geometrie in
Abbildung 3 skizziert.


Abb. 3. Unterschiedliche Geometrie zwischen Ausgangsan-
ordnung (links, [5]) und optimierter Anordnung (rechts).




4     Diskussion
Es konnte gezeigt werden, dass die Magnetanordnung aus [5] deutlich verbessert
werden kann. Bei unverändertem Volumen und optimierter Magnetisierungsrich-
tung, lässt sich eine Gradienten-Steigerung um 17, 2 % erreichen. Optimiert man
                                        Permanentmagnet-Geometrie für MPI           423

zusätzlich das Seitenverhältnis der Magnetzylinder unter Beibehaltung derer Vo-
lumina, ist eine Steigerung um 39, 2 % möglich. Auf Grund des linearen Zusam-
menhangs zwischen Gradient und Auflösung, sind die Ergebnisse vielverspre-
chend für das potentielle Auflösungsvermögen.
    Für die praktische Umsetzung einer entsprechenden Permanentmagnet-An-
ordnung, müssten die Zylindermagnete eine kontinuierlich variierenden Magne-
tisierung aufweisen. Da dies in der Praxis kaum umsetzbar ist, verwendet man
zur Umsetzung einer zur Rotationsachse gekippten Magnetisierungsrichtung eine
Segmentierung des Magneten in kleine Blöcke, innerhalb derer die Magnetisie-
rungsrichtung konstant ist. Diese Segmentierungsmethode wird in der Magnetre-
sonanztomographie verwendet, indem die Magnet-Konfiguration aus mehreren
kleinen Magneten zusammengesetzt wird [7, 8]. Dieses Verfahren kann auch auf
eine optimierte Permanentmagnet-Anordnung für MPI übertragen werden.
    Ein neueres Modell der Signalkodierung nutzt anstelle des feldfreien Punk-
tes eine feldfreie Linie [9], die auch von Permanentmagneten generiert werden
kann. Auch hier bietet sich weitere Optimierungsarbeit an, um eine optimale
Permanentmagnet-Anordnung zu entwerfen.


Literaturverzeichnis
1. Gleich B, Weizenecker J. Tomographic imaging using the nonlinear response of
   magnetic particles. Nature. 2005;435:1214–7.
2. Rahmer J, Weizenecker J, Gleich B, et al. Signal encoding in magnetic particle
   imaging: properties of the system function. IEE Med Imaging. 2009;9:4.
3. Sattel T, Knopp T, Biederer S, et al. Single-sided device for magnetic particle
   imaging. J Phys D Appl Phys. 2009;42(2):1–5.
4. Sattel T, Knopp T, Biederer S, et al. Resolution distribution in single-sided magnetic
   particle imaging. In: Proc Int Workshop Magnetic Particle Imaging. vol. 1; 2010.
   p. 24.
5. Weizenecker J, Gleich B, Rahmer J, et al. Three-dimensional real-time in vivo
   magnetic particle imaging. Phys Med Biol. 2009;54(5):L1.
6. Lehner G. Elektromagnetische Feldtheorie. 7th ed. Berlin: Springer; 2010.
7. Hugon C, Aguiar PM, Aubert G, et al. Design, fabrication and evaluation of a
   low-cost homogeneous portable permanent magnet for NMR and MRI. C R Acad
   Sci II. 2010;13(4):388–93.
8. Hugon C, D’Amico F, Aubert G, et al. Design of arbitrarily homogeneous permanent
   magnet systems for NMR and MRI: theory and experimental developments of a
   simple portable magnet. J Magn Res. 2010;205(1):75–85.
9. Knopp T, Erbe M, Biederer S, et al. Efficient generation of a magnetic field-free
   line. J Med Phys. 2010;37(7):3538–40.