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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Tomographie aus Compton-Streustrahlung</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Henrik Botterweck</string-name>
          <email>botterweck@fh-luebeck.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Elisabeth Ro¨hl</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Labor fur medizinische Bildgebung</institution>
          ,
          <addr-line>Fachhochschule Lubeck</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>429</fpage>
      <lpage>433</lpage>
      <abstract>
        <p>Kurzfassung. Wir leiten einen Rekonstruktionsalgorithmus zur Streustrahlungstomographie her. Eine schnelle Monte-Carlo Simulation dient in jedem Iterationsschritt der bilderzeugenden Vorwartsprojektion. Numerische Experimente werden fur ein System aus rotierender Rontgenquelle und winkelversetzter Gammakamera durchgefuhrt. Die dreidimensionalen Rekonstruktionen untersuchen wir auf ihre Korrektheit.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Einleitung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Material und Methoden</title>
      <p>Die gewa¨hlten Systemparameter spiegeln den geplanten experimentellen Aufbau
wider: die am Objekt gestreute Strahlung einer Ro¨ntgenro¨hre mit Wolframanode
bei 130 kV wird von einer Pinhole-Gammakamera detektiert. Ro¨ntgenro¨hre und
Kamera rotieren um 90◦ versetzt um das Objekt.
2.2</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Monte-Carlo (MC) Simulationen</title>
        <p>
          Fu¨r die Scha¨tzung der Messungen sowie als Vorwa¨rtsprojektor fu¨r die iterative
Rekonstruktion haben wir eine MC-Software mit optimierter Varianzreduktion
erstellt. Das Programm beno¨tigt auf einem modernen PC nur wenige Sekunden,
um auf der Kamera so viele Photonen zu detektieren, wie sie in der Realita¨t erst
nach Minuten eintra¨fen [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
          ].
        </p>
        <p>Der Photonenfluss wird bestimmt durch (mehrfache) Compton- und
Rayleighstreuung und photoelektrische Absorption. Eine beliebige
Materialverteilung in einem voxelierten Phantom definiert die Elementzusammensetzung und
damit die Wirkungsquerschnitte. Fu¨r die Kamera wird eine intrinsische
Energieunscha¨rfe von 9,5 % entsprechend einem NaI-Kristall angenommen. Eine
Punktspreizfunktion wird fu¨r das Pinhole tiefenabha¨ngig geometrisch bestimmt. Diese
die Projektionsscha¨rfe reduzierenden Effekte werden durch Faltung u¨ber alle
jeweils in einem festen Abstand von der Kamera gestreuten Photonen
beru¨cksichtigt. Die Streuung am Pinholerand, Fluoreszenz in der Kamera, elektronisches
Rauschen und Totzeiteffekte wurden bislang noch nicht beru¨cksichtigt. Fu¨r
eine detaillierte ra¨umliche Abstrahlcharakteristik der Ro¨ntgenquelle fehlen noch
empirische Daten.
2.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Projektionen</title>
        <p>Fu¨r jede Projektion bei gegebener Ro¨hren- und Kameraposition werden 10
50 Mio. in der Kamera geza¨hlte Photonen simuliert, wodurch ein nahezu
rauschfreies Bild gescha¨tzt wird. Dieses wird nachtra¨glich mit Poissonrauschen
entsprechend der eingestellten Meßdauer und Ro¨hrenleistung versehen.</p>
        <p>
          Das geometrische Phantom (Abb. 1) besteht aus Wasser, Knochen,
Skelettmuskel normaler Dichte, Skelettmuskel 80-prozentiger Dichte und Fettgewebe.
Die Elementzusammensetzungen sind aus den ICRU-44-Definitionen [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
          ]
u¨bernommen. Das Phantom im Kleintiermaßstab besteht aus einem mit
Skelettmuskel gefu¨llten Zylinder von 64 mm Durchmesser und 16 mm Ho¨he. In der zentralen
Ebene sind je vier Kugeln aus den anderen fu¨nf Materialtypen mit 8, 4 und 2 mm
Durchmesser angeordnet. Quelle und Kamera rotieren seitlich um die
Schmalseite des Zylinders.
2.4
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Rekonstruktion</title>
        <p>
          Rekonstruiert wird mit einem modifizierten iterativen OSEM-Algorithmus [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
          ]:
er beru¨cksichtigt auch Mehrfachstreuung und wa¨re bei reiner Einfachstreuung
Abb. 1. Zentrale Schicht des Phantoms mit 32 128 128
Voxeln. Es besteht aus einem 64 mm Durchmesser Zylinder
Skelettmuskel normaler Dichte im Vakuum; Gefullt mit
Kugeln jeweils 8/4/2 mm Durchmesser (dunkler nach heller
werdend dargestellt) Muskel 80 %-iger Dichte, Fett, Wasser und
Knochen. Die Rontgenquelle und Kamera rotieren in der
gezeigten Ebene um den Zylinder.
vom EM-Typus. Dann wa¨re die gemessene Intensita¨t in einem Kamerapixel P
IP =
∫
        </p>
        <p>B
ds e− ∫0s dt (x(t))
| {z2 }
[x(s)]
[x(s); (s)] e− ∫A(s) dt (x(s)+t·e(s))
| {z1 }
(1)
Dabei ist B der vom Pixel P aus sichtbare Strahl, parametrisiert als x(s).
A(s) ist der Verbindungsstrahl von einem Streuzentrum x(s) zur Ro¨ntgenquelle,
e(s) sein Richtungsvektor. [x(s); (s)] ist der materialabha¨ngige, differentielle
Streuquerschnitt am Punkt x(s) bei geometrisch festgelegtem Streuwinkel (s).
Weiter erscheint die Massendichte [x(s)]. Sie ist ungefa¨hr proportional zur
Elektronendichte und damit zum lokalen Streukoeffizienten.</p>
        <p>Bis auf die modifizierten Schwa¨chungsterme 1;2 und den Streuquerschnitt
entspricht dies der Situation in der Emissionstomographie, wenn die zu
rekonstruierende Emissionsdichte durch die Elektronendichte ersetzt wird.
Entsprechend wu¨rde in dieser Na¨herung ein MLEM oder OSEM-Algorithmus unter den
gleichen Bedingungen zur maximum-likelihood Lo¨sung konvergieren: in einem
Iterationsschritt werden fu¨r die Positionen eines Subsets zuna¨chst die
Projektionen zur aktuellen Scha¨tzung bestimmt – mit dem MC-Programm wie oben. Der
Quotient aus gemessenen und gescha¨tzten Projektionen wird dann gewichtet mit
allen Faktoren aus (1) als Korrekturfaktor zuru¨ckprojiziert.</p>
        <p>
          Zu beachten ist, dass das inverse Problem durch Mehrfachstreuung
nichtlinear wird: die Summe zweier Masseverteilungen erzeugt nicht die Summe ihrer
Projektionen. In unserem Testphantom mit 64 mm Durchmesser sind etwa 30 %
der empfangenen Photonen u¨ber 30 keV mehrfach gestreut. Obwohl nun der
Iterationsschritt nicht mehr exakt der EM-Bedingung [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
          ] entspricht, ist doch die
tatsa¨chliche ML-Lo¨sung immer noch ein Fixpunkt der Iteration, solange der
Vorwa¨rtsprojektor alle physikalischen Effekte korrekt modelliert. Eine
mathematische Untersuchung der Konvergenzeigenschaften steht aus, jedoch verha¨lt
sich der Algorithmus in den untersuchten Fa¨llen wie im Emissionsfall.
        </p>
        <p>Ein weiteres fu¨r unser Problem zentrales Merkmal ist die Unabha¨ngigkeit
der unbekannten Absorption (x) und der Streuwahrscheinlichkeit (x) (x).
Eine vereinfachte Situation wa¨re eine bekannte energieabha¨ngige Absorption (etwa
durch eine gleichzeitige Transmissionsmessung). Alternativ kann die
photoelektrische Schwa¨chung durch den Umriss des Phantoms und angenommene
Homogenita¨t abgescha¨tzt werden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Auswertung</title>
        <p>In den Simulationen mit bekanntem Phantom kennen wir die Segmentierung
in eingebettete Kugeln verschiedenen Materials. Wir berechnen die Mittelwerte
und Standardabweichungen der rekonstruierten Elektronendichten im Vergleich
zum wahren Wert.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Beispielprojektionen sind in Abb. 2 vorgestellt. Die Rekonstruktion der
zentralen Ebene mit bekannter und unbekannter Absorption ist in Abb. 3 gezeigt. In
Tab. 1 werden die rekonstruierte Elektronendichten in den eingebetteten Kugeln
mit dem wahren Wert verglichen. Bei bekannter Absorption ergeben sich Fehler
von bis zu 6,5 % im Mittel und 10 % Standardabweichung in den Kugeln. Wird
in der Rekonstruktion im gesamten Phantom die Absorption von Muskel
einfacher Dichte angenommen, so betra¨gt der mittlere Fehler bis zu 90 % bei einer
Standardabweichung von bis zu 87 %.</p>
      <p>Abb. 2. Energieintervalle 35/ 65/
85/ 115/ 135 5 keV einer Projektion
des Testphantoms. Farbskala je
relativ von 0 bis Maximum. Bei
niedrigen Energieen absorbieren die
Kugeln aus Knochenmaterial stark,
weshalb in diesen Bereichen nur
wenige Photonen auf den Detektor
gelangen. Die hohen Energiefenster
enthalten nur koharent gestreute Photonen.</p>
      <p>Abb. 3. Rekonstruktion der zentralen Ebene mit bekannter (links) resp. homogener
(rechts) Muskelabsorption. Die Farbskalen reichen von 0 (schwarz) bis 2 (wei ) relativ
zu Wasser.
Tabelle 1. Rekonstruierte Elektronendichten (zwei Iterationen, bekannte und
homogene Absorption im Vergleich): Mittelwerte relativ zu Muskelgewebe mit
Standardabweichungen in den eingebetteten Kugeln. Zum Vergleich die wahre relative e -Dichte
und der resultierende mittlere Fehler.</p>
      <p>Material</p>
      <p>bekannte Absorption homogene Absorption
Skalierung relative rekonstruierter mittlerer rekonstruierter mittlerer
e -Dichte Mittelwert Fehler Mittelwert Fehler
1,0 1,005 1,048 0,016 4,3 % 0,770 0,080 22,4 %
1,0 0,920 0,980 0,020 6,5 % 0,723 0,113 21,4 %
0,8 0,800 0,848 0,041 6,0 % 0,760 0,053 5,0 %
1,0 1,000 1,017 0,042 1,7 % 0,848 0,170 15,2 %
1,0 1,550 1,489 0,143 3,9 % 0,161 0,140 89,6 %
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Ist die Absorption (z.B. aus einer Transmissions-CT-Aufnahme) bekannt, so
kann die Elektronendichte aus der Streuung gut rekonstruiert werden.
Knochenund Fettgewebe lassen sich gut vom Muskelgewebe unterscheiden. Nur der
Kontrast zwischen Wasser und Muskelgewebe ist erwartungsgema¨ß zu gering um
visuell sichtbar zu werden.</p>
      <p>Bei unbekannter Absorption werden nur die Knochenanteile deutlich sichtbar.
Jedoch treten starke Artefakte (a¨hnlich dem Beam Hardening) darum herum
auf. Die rekonstruierten Werte sind nicht zur Elektronendichte proportional (der
Knochenwert ist fast Null), sondern sie gleichen die starke Absorption dort aus.</p>
      <p>Zusammenfassend stellen wir fest, dass mit einer iterativen Monte-Carlo
Rekonstruktion nichtlineare Streu-Tomographie mo¨glich wird. Wichtig dafu¨r ist
die Beru¨cksichtigung aller physikalischen Effekte im Projektionsschritt. A-priori
Wissen u¨ber die Absorption oder deren zusa¨tzliche tomographische
Rekonstruktion ist notwendig. Als na¨chster Schritt ist ein experimenteller Aufbau geplant.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
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