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      <title-group>
        <article-title>Zur Untersuchung von stahlfaserverst a¨rkten Betonen auf Basis der 3D-Computer-Tomographie</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Frank Schuler</string-name>
          <email>1fschuler@rhrk.uni-kl.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Katja Schladitz</string-name>
          <email>2katja.schladitz@itwm.fraunhofer.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Fachgebiet Massivbau und Baukonstruktion, Technische Universita ̈t Kaiserslautern Paul-Ehrlich-Str.</institution>
          <addr-line>Geb. 14, 67663 Kaiserslautern</addr-line>
        </aff>
        <aff id="aff1">
          <label>1</label>
          <institution>Fraunhofer Institut fu ̈r Technound Witschaftsmathematik Fraunhofer-Platz 1</institution>
          ,
          <addr-line>67663 Kaiserslautern</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <abstract>
        <p>- In einem gemeinsamen Forschungsprojekt haben die TU Kaiserslautern und das Fraunhofer Institut f u¨r Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM nachgewiesen, dass die Computer-Tomographie (CT) kombiniert mit moderner Bildverarbeitungs- und Analysesoftware geeignet ist, die Faserorientierung und Faserverteilung in faserversta¨rkten Hochleistungsbetonen zu untersuchen. Gegenu¨ ber bisher angewendeten Methoden ero¨ffnet die Computer-Tomographie die Mo¨glichkeit, fu¨ r Betone mit Fasern und Gelegen aller Art die Faserorientierung und Faserverteilung im gesamten Volumen eines Probeko¨rpers zu betrachten und zu analysieren. Nach Abschluss dieser Machbarkeitsstudie stehen nun Versuche im Bereich stahlfaserversta¨rkter Betone im Vordergrund. Dabei sollen neue Anwendungsfelder in der Praxis und im Bereich der Forschung erschlossen werden. Ein neuartiger Versuchsaufbau der die CT-Aufnahme eines Probeko¨rpers wa¨hrend der Belastung erlaubt, ermo¨glicht erstmalig die in-situ Beobachtung der Betonmikrostruktur und des Faserverhaltens bei mechanischer Beanspruchung.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>I. EINLEITUNG</title>
      <p>Betone unterschiedlichster Art sind hervorragend geeignet,
Druckspannungen aufzunehmen, jedoch ist die Zugfestigkeit
dieser Betone wesentlich niedriger und von vielen a¨ußeren
Parametern abha¨ngig. Gerade bei steigender Druckfestigkeit der
Betone ist das Nachbruchverhalten, sprich die Duktilita¨t des
Baustoffes, nicht zufriedenstellend. Um die geforderte
Duktilita¨t zu erreichen und dem spro¨den Bruchverhalten
entgegenzuwirken, werden diesen Betonen Fasern beigemischt. Fu¨r die
Verbesserung der Festbetoneigenschaften ist die Fasermenge,
Faserorientierung und Faserverteilung ausschlaggebend. Dies
macht eine U¨ berwachung dieser Eigenschaften notwendig, sei
es zur Qualita¨tssicherung auf der Baustelle oder im Bereich der
Forschung zur Weiterentwicklung von Hochleistungsbetonen.</p>
      <p>
        Zu Beginn des Forschungsvorhabens wurde daher die
Mo¨glichkeit untersucht, Fasern in faserversta¨rkten Betonen
mithilfe der Computer-Tomographie (CT) zu detektieren und
hinsichtlich ihrer Orientierung und Verteilung zu analysieren.
Bei diesen Vorversuchen kamen unterschiedliche Faserarten in
Betonen mit unterschiedlicher Probengeometrie zum Einsatz.
Diese Studie hat gezeigt, dass die CT geeignet ist, die
Faserorientierung und -verteilung zu quantifizieren. Insbesondere kann
der Orientierungsbeiwert mit Methoden der 3D-Bildanalyse
robust gemessen werden, siehe [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        ] und [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ].
      </p>
      <p>Weiterfu¨hrende Arbeiten umfassten insbesondere Versuche
zur Beurteilung der Wiederholstreuung der Messergebnisse
sowie die Entwicklung vereinfachter bzw. teilweise
automatisierter Analysetools.</p>
      <p>Aufgrund der Anwendbarkeit in der Praxis und der
Mitarbeit des Fachgebiets Massivbau und Baukonstruktion der TU
Kaiserslautern im Schwerpunktprogram SPP 1182
”Nachhaltiges Bauen mit ultra-hochfestem Beton“ der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) konzentrieren sich die aktuellen
Arbeiten einerseits auf den Schwerpunkt ”stahlfaserversta¨rkte
Ultrahochfeste Betone“ und andererseits auf die Untersuchung
von ”normal festen“ Stahlfaserbetonen.</p>
      <p>Neben der Darlegung von mo¨glichen Anwendungsgebieten
der im Folgenden vorgestellten CT-Analyse-Verfahren, liegt
der Fokus dieses Aufsatzes auf der Beobachtung und
Beschreibung des Nachbruchverhaltens dieser Betone mithilfe dieser
Verfahren.</p>
      <p>Fig. 1 gibt einen strukturierten U¨ berblick u¨ber die bisher
durchgefu¨hrten und geplanten Anwendungen der
CT-AnalyseMethoden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>II. COMPUTER-TOMOGRAPHIE</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>A. Grundlagen</title>
        <p>Mithilfe der Computer-Tomographie ko¨nnen zersto¨rungsfrei
alle Arten von Fehlstellen in Bau-/Werkstoffen (Poren, Lunker,
Einschlu¨sse, etc.) detektiert und als virtuelle, dreidimensionale
Ko¨rper dargestellt werden. Hierbei ko¨nnen Gro¨ße und Lage
solcher Fehlstellen genau vermessen werden.</p>
        <p>Die 3D-Computer-Tomographie ist ein bildgebendes,
zersto¨rungsfreies Pru¨fverfahren, bei dem das Objekt aus
unterschiedlichen Richtungen mit Ro¨ntgenstrahlen durchstrahlt
wird. Dabei entstehen Projektionsbilder, welche die Sta¨rke
der Absorption an verschiedenen Stellen abha¨ngig von der
Materialart und Materialsta¨rke widerspiegeln. Aus den
Projektionen wird die dreidimensionale Aufnahme tomographische
rekonstruiert.</p>
        <p>Zur Erzeugung eines tomographischen 3D-Bildes wird die
Betonprobe schrittweise gedreht. Fig. 2 zeigt eine
schematiAnwendungsmöglichkeiten der CT
ungerissener Bereich</p>
        <p>gerissener Bereich
Analyse über das Fasersystem</p>
        <p>Faserorientierung
Faserverteilung</p>
        <p>Fasermenge
Anwendung
sche Darstellung einer CT-Aufnahme. Fu¨r jede
Winkelposition wird dabei jeweils ein Projektionsbild erzeugt, bis ein
Winkelbereich von 360 Grad abgedeckt ist. Die
tomographische Rekonstruktion erzeugt dann ein ra¨umliches Bild des
untersuchten Probeko¨rperteils. Aus diesen dreidimensionalen
Bildern ko¨nnen nun Bestandteile mit gleichen physikalischen
Eigenschaften herausgefiltert werden.</p>
        <p>Verschiedene Komponenten der untersuchten Probe werden
durch unterschiedlichen Absorptionskontrast auf entsprechend
verschiedene Grauwerte abgebildet.</p>
        <p>Auf der Basis des segmentierten Fasersystems ko¨nnen
wichtige Kennwerte wie der Faservolumengehalt sowohl der
gesamten Probe als auch in Teilvolumina bestimmt werden.
So kann die Homogenita¨t der Struktur beurteilt werden.</p>
        <p>Die rekonstruierten mikrocomputertomographischen Bilder
( CT) liegen in einem 16-bit Graustufenformat vor, d. h. in
Abstufung von 0 (schwarz) bis 65.536 (weiß).</p>
        <p>Segmentierung bedeutet im vorliegenden Fall, die Fasern
von der Betonmatrix und eventuell vorhandenen anderen
Objekten zu trennen. Alle Pixel, die zur
Faserkomponente geho¨ren, bekommen den Wert ”1“, allen u¨brigen Pixel
(Betonmatrix, Poren, Einschlu¨sse, etc.) wird der Wert ”0“
zugewiesen. Da es jetzt im Bild nur noch zwei Werte gibt,
wird dieses Verfahren ”Binarisierung”genannt.</p>
        <p>
          Zum Einsatz kommt ein Schwellwertverfahren, bei dem nur
einzelne Pixel betrachtet werden. Der Grauwert eines Pixels
stellt einen reinen Helligkeitswert dar, nach dem jedes Pixel
der Gruppe (Segment) zugeordnet wird (vgl. [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
          ]). Fig. 3 stellt
an zwei Beispielen die Segmentierungsergebnisse den 16-bit
Schnittbildern gegenu¨ber.
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>C. Faserorientierungsbeiwert</title>
        <p>
          Der Faserorientierungsbeiwert beschreibt den Einfluss der
Faserorientierung auf die Wirksamkeit der Faser. Bisher wurde
bei der experimentellen Bestimmung des
Faserorientierungsbeiwertes die Orientierung der Faser zum Beispiel an einer
Schnittfla¨che oder Bruchfla¨che ermittelt. Ein U¨ berblick u¨ber
diese Analysemethoden wird in [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
          ], [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
          ] und [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
          ] gegeben.
        </p>
        <p>Im Gegensatz hierzu wird bei der Analyse der
dreidimensionalen Bilder der Computer-Tomographie gleich das gesamte
Volumen betrachtet. Dieser Faserorientierungsbeiwert
beschreibt das Verha¨ltnis der projizierten Faserla¨nge Lp; zur
tatsa¨chlichen La¨nge LV innerhalb des betrachteten Volumens
V und kann so nach Gleichung (1) berechnet werden. Der
berechnete Faserorientierungsbeiwert liegt zwischen ”0“ und
”1“ (Wert ”1“, alle Fasern richten sich in Richtung aus; Wert
”0“, alle Fasern richten sich orthogonal zur Richtung aus).
=</p>
        <p>Lp;</p>
        <p>
          LV V
Sowohl die Faserla¨ngendichte LV als auch die
verallgemeinerte Projektionsla¨nge Lp; lassen sich leicht aus den Dichten
(1)
der inneren Volumina ableiten bzw. als Nebenprodukt bei
deren Bestimmung anhand digitaler Bilddaten gewinnen. Fu¨r
Details siehe [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
          ]. LV und Lp; fu¨r 13 Raumrichtungen lassen
sich mithilfe des Softwaresystems MAVI [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
          ] effizient aus 3D
Bilddaten bestimmen.
        </p>
        <p>Zur Beurteilung der Wiederholbarkeit der Messergebnisse
wurde ein Probeko¨rper mehrfach tomographiert. Neben der
Variation des Startwinkels der CT-Aufnahmen wurde der
Probeko¨rper auch u¨berkopf aufgenommen.</p>
        <p>Die Ergebnisse besta¨tigen eine hohe Aussagegenauigkeit der
ermittelten Faserorientierungsbeiwerte. Lediglich bei der
Ermittlung des Faservolumens kann durch untereinander
abweichende ”Bildqualita¨ten“ die Wahl eines geeigneten
Schwellwertes erschwert werden, was bei den durchgefu¨hrten
Versuchen zu Abweichungen von max. 1 % fu¨hrte.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>D. Faserdickenanalyse</title>
        <p>Fu¨r die quantitative Analyse des Faserauszugsverhaltens ist
u.a. die Faserdicke interessant. La¨gen die Fasern einzeln und
sich nicht beru¨hrend in der Probe, so ko¨nnte jede Faser im
Bild als einzelnes Objekt segmentiert und vermessen werden.
Trotz des im Vergleich z. B. zu faserversta¨rkten Kunststoffen
geringen Faservolumengehalts, beru¨hren sich viele Fasern. Die
Bildverarbeitung bietet verschiedene Methoden zur Trennung
von Objekten, jedoch ist keine robust auf langgestreckte
Objekte mit großem Beru¨hrungsbereich anwendbar.</p>
        <p>
          Eine Alternative bietet der in [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8">8</xref>
          ] entwickelte
Algorithmus fu¨r die Bestimmung sogenannter Radienkarten. In
jedem Pixel des Fasersystems werden die Sehnenla¨ngen in 26
Raumrichtungen gemessen und anschließend aus den
Sehnenla¨ngen Tra¨gheitsachse und -momente berechnet. Die
korrigierte Tra¨gheitsachse ist gerade die lokale Richtung der Faser.
Mit ihrer Hilfe kann dann aus den Sehnenla¨ngen der Radius
abgeleitet werden:
        </p>
        <p>19
r = 1 X di sin(6 ( i; ))
8 i=12
(2)
wobei di die nach ihrer Gro¨ße sortierten Sehnenla¨ngen sind,
i die zugeho¨rigen Richtungen und die lokale Richtung der
Faser. Die kleinsten und gro¨ßten Sehnenla¨ngen werden nicht
in die Mittelung einbezogen, um den Scha¨tzer robuster zu
machen.</p>
        <p>
          Die Korrektheit dieses Alogorithmus wurde in [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8">8</xref>
          ] anhand
computergenerierter Strukturen nachgewiesen. Die Ergebnisse
fu¨r reale Daten ha¨ngen jedoch stark von der Qualita¨t der
Binarisierung (vgl. Abschnitt II-B) ab. Bei weichen
Grauwertu¨berga¨ngen zwischen Matrix und Fasern kann die
Faserdicke daher leicht unterscha¨tzt werden. Der Einfluss der
Binarisierung kann jedoch durch direktes Arbeiten auf dem
Grauwertbild vermieden werden. Statt der La¨nge von Sehnen
im Vordergrund werden nun die (gerichteten) Absta¨nde zu
einem starken Grauwertabfall bestimmt, siehe [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8">8</xref>
          ].
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>III. ANWENDUNGSM O¨GLICHKEITEN DER</title>
      <p>COMPUTER-TOMOGRAPHIE</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>A. Analyse der Faserorientierung, -verteilung und -menge mithilfe der CT</title>
        <p>1) Sonderbauteile: Bei der Entwicklung von Formteilen
aus mit Fasern hochbewehrten ultrahochfesten Betonen sind
Faserorientierung, -verteilung und -menge fu¨r die
Festbetoneigenschaften die ausschlaggebenden Faktoren. Fig. 4 zeigt
einen ausgewa¨hlten Bildausschnitt einer 3D-Visualisierung
eines Druck-Schublagers der Fa. Halfen, dessen
Zulassungsversuche an der TU Kaiserslautern durchgefu¨hrt wurden. Die
Kenntnis u¨ber die Verteilung, Ausrichtung und Menge der
Fasern gestattet die Qualita¨tskontrolle der Herstellung und die
Beurteilung des Tragverhaltens.
und als Ko¨pfchen 3i ausgebildeten Enden, sowie gewellten
Fasern 4i.
3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>1) Zugversuche im Computer-Tomographen: Zur experi</title>
        <p>mentellen Untersuchung der lokalen
Faserverbundeigenschaften und der Mikrorissbildung von faserversta¨rkten
Hochleistungsbetonen unter Last wurde ein Verfahren entwickelt, das es
ermo¨glicht, Computer-Tomographie-Aufnahmen wa¨hrend der
Belastung des Probeko¨rpers durchzufu¨hren.</p>
        <p>Die Aufnahme der CT-Bilder wird bei unterschiedlichen
Laststufen durchgefu¨hrt, so dass zwischen den
dreidimensionalen Bildern der einzelnen Laststufen Differenzbilder erstellt
werden ko¨nnen. Unter einem Differenzbild versteht man ein
Bild, das genau die Unterschiede zweier Bilder entha¨lt. So
kann man in dreidimensionalen Bildern die Vera¨nderung der
Mikrostruktur sichtbar machen.</p>
        <p>Mit dem Versuchsaufbau (vgl. Fig. 6) werden zur Zeit
CTAufnahmen mit Pixelgro¨ßen kleiner 15 m erreicht. Aufgrund
dieser hohen Auflo¨sung darf sich zur ”verwacklungsfreien“
Aufnahme der aufzunehmende Bereich nicht bewegen.
Gerade dies macht die in-situ Beobachtung schwierig, da der
Probeko¨rper beim Halten einer konstanten Spannung kriecht.
Daher muss das Aufnahmeverfahren dem Kriechverhalten des
Baustoffes angepasst werden. Dies la¨sst sich nur u¨ber eine
Verku¨rzung der Aufnahmedauer erreichen.</p>
        <p>Um trotz einer verku¨rzten Aufnahmezeit Bilder mit
mo¨glichst hoher Auflo¨sung und gutem Kontrast zu
erhalten, ko¨nnen bei der Tomographie verschiedene Einstellungen
vera¨ndert werden. Beispielsweise ko¨nnen die
Winkelpositionen und die zu mittelnden Bilder (je Winkelposition werden
mehrere Bilder aufgenommen und gemittelt) reduziert werden,
was bei einer zu starken Reduzierung zum Rauschen des
Bildes und einem schlechteren Kontrast fu¨hrt. Eine Verku¨rzung
der Belichtungszeit pro Bild fu¨hrt zu dunkleren Bildern, da
weniger Energie am Detektor ankommt. Bei den momentan
stattfindenden Versuchen werden diese und weitere Parameter
aufeinander abgestimmt. So konnte die Aufnahmedauer je
Laststufe auf ca. 20 Minuten reduziert werden.</p>
        <p>Entgegen der u¨blichen ”Knochen“-Form eines Probeko¨rpers
fu¨r zentrische Zugversuche, werden zylindrische Probeko¨rper
verwendet. Bei jeder Winkelposition wird die gleiche
Materialsta¨rke durchstrahlt. Diese Probeform reduziert
Strahlungsschatten und verbessert den Grauwertverlauf.</p>
        <p>Die Verwendung von eingeschnu¨rten Zylindern ermo¨glicht
die Beobachtung der Mehrfachrissbildung, die typisch fu¨r
die angestrebte Duktilita¨t von faserversta¨rkten
ultrahochfesten Betonen ist. Fu¨r gekerbte Probeko¨rper spricht die
Mo¨glichkeit, Untersuchungen an einem definierten Einzelriss
durchzufu¨hren. Der vorgegebene Entstehungsort des Risses
ermo¨glicht eine na¨here Positionierung der Ro¨ntgenro¨hre am
Probeko¨rper, so dass Aufnahmen mit ho¨herer Auflo¨sung (ca.
8 m/Pixel) erreicht werden ko¨nnen.</p>
        <p>Zur Zeit finden Vorversuche statt, um trotz der
angesprochenen ”Probleme“ wie das Kriechen der Probeko¨rper,
CTAufnahmen mit ausreichender Scha¨rfe und Kontrast fu¨r eine
Analyse zu erhalten. Die dann folgenden experimentellen
Untersuchungen konzentrieren sich sowohl auf die Beobachtung
und Beschreibung des Faserauszugverhaltens von Einzelfasern
und Fasergruppen als auch die topographische Beschreibung
und Vermessung der (Mikro-) Rissbildung.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>2) Nachrissbiegezugfestigkeit an miniaturisierten Balken:</title>
        <p>In Anlehnung an die Nachrissbiegezugpru¨fung nach Vorgabe
des DFG Schwerpunktprogramms SPP 1182 ”Nachhaltiges
Bauen mit ultra-hochfestem Beton“ werden zurzeit
verformungsgesteuerte Biegezugpru¨fungen an miniaturisierten
Balken (Prismen) durchgefu¨hrt.</p>
        <p>Fig. 7 zeigt beispielhaft die Auswertung der
Nachrissbiegezugpru¨fung zweier Prismen der gleichen Herstellungscharge.
Die Grafik zeigt in der Last-Verformungs-Kurve bei Probe
”UHPC 1“ ein etwas duktileres Entfestigungsverhalten als bei
Probe ”UHPC 2“. Dies la¨sst sich durch die unterschiedliche
Orientierung und Verteilung der Fasern im Probeko¨rper
begru¨nden.</p>
        <p>Aufgrund der Probeko¨rperabmessungen kann der gesamte
Probeko¨rper nach der Ermittlung der
Nachrissbiegezugfes0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 1,6 1,8</p>
        <p>Verformung (Durchbiegung) [mm]
2
tigkeit tomographiert werden. So ist es mo¨glich, nicht nur
einen einzelnen Rissbereich zu untersuchten, sondern es wird
die Mo¨glichkeit geboten bei einer Mehrfachrissbildung die
gesamte Zugzone bezu¨glich Faserorientierung, Faserverteilung
und Rissausbildung zu analysieren und zu bewerten.</p>
        <p>Das fu¨r die Analyse zur Verfu¨gung stehende Programm
betrachtet fu¨r die Bestimmung der Faserorientierung und der
Fasermenge die Fasergesamtheit. Schon rein visuell kann hier
die Verteilung der Fasern in rekonstruierten 3D-Modellen
betrachtet und bewertet werden.</p>
        <p>Mit einem in der Entwicklung befindlichen Analysetool
ko¨nnen zuku¨nftig Fasern einzeln betrachtet werden (vgl.
Abschnitt II-D). So wird es unter anderem mo¨glich sein, die
genauen Winkel zu ermitteln, unter denen eine Faser die Rissufer
schneidet. Entstehende Faserauszugskana¨le und Verformungen
von Fasern ko¨nnen ebenfalls analysiert werden.</p>
        <p>Gegenu¨ber anderen Methoden, wie z. B. dem Aufbrechen
des Risses, bleibt der zu untersuchende Bereich unbescha¨digt,
so dass auch eventuell gerissene Fasern detektiert werden
ko¨nnen.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>3) Nachrissbiegezugfestigkeit von Stahlfaserbeton: Zur</title>
        <p>
          Klassifizierung von Stahlfaserbetonen werden nach der
Richtlinie ”Stahlfaserbeton“ des DAfStb [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref9">9</xref>
          ] diese u¨ber die
Nachrisszugfestigkeit, also die Leistungsfa¨higkeit im Nachrissbereich,
in Leistungsklassen eingestuft.
        </p>
        <p>Die Nachrisszugfestigkeit la¨sst sich unter zu Hilfenahme
von Umrechnungsfaktoren aus der Nachrissbiegezugfestigkeit
bestimmen. Diese Nachrissbiegezugfestigkeit wird in einem
verformungsgesteuerten 4-Punkt-Biegeversuch an einer Serie
aus mindestens 6 Balken der Abmessung 150 150 700 mm
ermittelt. Die Eingangswerte fu¨r die Berechnung der
Nachrissbiegezugfestigkeit bilden die zu den Durchbiegungen 0,5 mm
und 3,5 mm zugeho¨rigen Lasten. Bei der Bestimmung der
Nachrissbiegezugfestigkeit werden in der Praxis starke
Streuungen innerhalb von Pru¨fserien mit Variationskoeffizienten
von u¨ber 25 % beobachtet.</p>
        <p>
          In [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10">10</xref>
          ] wird die große Streuung zwischen den Messkurven
der gleichen Betonzusammensetzung auf den großen Einfluss
einzelner Fasern auf das Tragverhalten bei den vorliegenden
kleinen Querschnittsabmessungen der Balken (150 150 mm)
zuru¨ckgefu¨hrt. Auch in [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref11">11</xref>
          ] wird darauf hingewiesen, dass
die großen Abweichungen auf eine inhomogene Verteilung
UHPC 1
UHPC 2
der Fasern im Probequerschnitt beruhen, wodurch sich eine
unterschiedliche Anzahl von Fasern im Betonquerschnitt des
gerissenen Bereichs befinden. Jedoch ist nicht nur die Anzahl
der Fasern im enstehenden Rissbereich ausschlaggebend fu¨r
das Nachrissverhalten, sondern auch die Orientierung und
Verteilung der Fasern im Querschnitt.
        </p>
        <p>Um die Einflu¨sse der Orientierung und der Menge der
Fasern im Bereich des Risses auf die beschriebene
Streuung der Nachrissbiegezugfestigkeiten innerhalb einer Serie zu
untersuchen, wurden Vorversuche an 6 Stahlfaserbetonbalken
mit einem Fasergehalt von 20 kg=m3 durchgefu¨hrt. Diese
Vorversuche unterstu¨tzen zudem die Entwicklungsarbeit des
neuen Analysetools.</p>
        <p>Nach der Ermittlung der Nachrissbiegezugfestigkeit wurden
die Rissbereiche (ca. 100 150 150 mm) herausgesa¨gt
und tomographiert. Dabei ergibt sich eine zu durchstrahlende
Diagonale von mindestens 180 mm. Daher wurden die
Probeko¨rper nochmals mittig geteilt, um optimale CT-Aufnahmen
zu garantieren.</p>
        <p>Tab. I zeigt anhand des Beispiels der beiden am sta¨rksten
von einander abweichenden Einzelpru¨fergebnisse einer Serie
die Abha¨ngigkeit des Nachrissverhaltens von der
Faserorientierung. Trotz ho¨herer Fasermenge in Probe 1 (Fig. 8) werden
wesentlich geringere Nachrissbiegezugfestigkeiten gegenu¨ber
Probe 2 (Fig. 9) gemessen. Es zeigt sich, dass durch die
sta¨rkere Ausrichtung der Fasern in Zugkraftrichtung (' = x)
bei Probe 2 ho¨here Nachrisszugfestigkeiten erreicht werden
ko¨nnen.</p>
        <p>Neben der automatischen Analyse der Faserorientierung und
der Fasermenge, besteht die Mo¨glichkeit aus den visualisierten
Daten Parameter wie die Anzahl der gerissenen Fasern, der
Einbindela¨nge der Fasern und der Verformung der Fasern zu
bestimmen.</p>
        <p>Fu¨r eine genauere Bewertung ko¨nnen die zuvor genannten
Parameter mit einbezogen werden. So sind in Fig. 8 (Probe
1) Faseransammlungen und ”stehende“ Fasern zu erkennen,
die eine optimale Kraftu¨bertragung u¨ber den Riss hinweg
behindern.</p>
        <p>Weitere Arbeiten bescha¨ftigen sich mit der Entwicklung
von Methoden fu¨r die genaue Darstellung der Topographie
von Rissen und deren Vermessung. Diese sollen dann im
Bereich der stahlfaserversta¨rkten Ultahochfesten Betone zur
Untersuchung der Mikrorissbildung eingesetzt werden.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>IV. FAZIT Gerade bei steigender Druckfestigkeit der Betone ist das Nachbruchverhalten, sprich die Duktilita¨t des Baustoffes nicht</title>
      <p>Fig. 8.
70 mm
Fig. 9.
70 mm</p>
      <p>Probe 1, gekro¨pfte Fasern, betrachteter Probebereich: 30
70
Probe 2, gekro¨pfte Fasern, betrachteter Probebereich: 30
70
zufriedenstellend. Um diese geforderte Duktilia¨t bei
ultrahochfesten Betonen (UHPC) zu erreichen, werden diesen Betonen
zumeist Stahlfasern beigemischt.</p>
      <p>Die Fa¨higkeit eines stahlfaserversta¨rkten Betons, Zugkra¨fte
u¨ ber einen Riss hinweg u¨ bertragen zu ko¨ nnen, ist u.a. abha¨ngig
von der Orientierung, der Verteilung und der Anzahl der
rissu¨ berbru¨ ckenden“ Fasern im Bereich der sich ausbildenden
”
Zugzone bzw. des sich einstellenden Risses bei Belastung.</p>
      <p>Um weitere, das Nachbruchverhalten bestimmenden
Parameter, wie die Verbundeigenschaften der Fasern mit der Matrix
genauer bestimmen zu ko¨ nnen, wurde ein Versuchsaufbau
entwickelt, der die in-situ Beobachtung der
Betonmikrostruktur und des Faserverhaltens bei Zugbeanspruchung des
Probeko¨ rpers mithilfe der Computer-Tomographie ermo¨ glicht. Die
Ergebnisse dieser Versuche sollen neue Erkenntnisse u¨ ber das
Faserverbundverhalten und die (Mikro-) Rissbildung liefern,
um bestehende Bemessungsmodelle fu¨ r aus diesen Betonen
hergestellte Bauteile anzupassen bzw. erweitern zu ko¨ nnen.</p>
    </sec>
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      <title>V. DANKSAGUNG</title>
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