=Paper= {{Paper |id=None |storemode=property |title=Datenbank-Performance-Experimente in der Lehre |pdfUrl=https://ceur-ws.org/Vol-850/paper_fluegel.pdf |volume=Vol-850 |dblpUrl=https://dblp.org/rec/conf/gvd/FlugelSH12 }} ==Datenbank-Performance-Experimente in der Lehre== https://ceur-ws.org/Vol-850/paper_fluegel.pdf
          Datenbank-Performance-Experimente in der Lehre
                                    Max Flügel, Alexander Stein, Michael Höding
                                                        FH Brandenburg
                                                     Magdeburger Straße 50
                                                    14770 Brandenburg/Havel
                                                       (+49)3381 355 243
                                    [fluegel|steina|hoeding]@fh-brandenburg.de

ABSTRACT                                                            1.1 Problem
In diesem Beitrag stellen wir unsere Idee und deren Ansätze vor,         In Unternehmen, in denen leistungsstarke Datenbanken und
die die Ausbildung im Bereich Datenbank-Performance mittels         ein gutes Antwortzeitverhalten eine Rolle spielen, kommt es vor,
eines Praktikums unterstützen sollen. Wichtiges Element des Er-     dass bezüglich der Datenbank-Performance voreilige und einseiti-
kenntnisgewinns ist das eigene Erleben im Rahmen von Experi-        ge Entscheidungen getroffen werden und somit die sorgfältige
menten. Im Bereich Datenbank-Performance müssen Experimente         Betrachtung der Datenbank-Performance zu kurz kommt.
und Experimentierumgebung so gestaltet und aufgebaut sein, dass
                                                                         In der Lehre wird oftmals zu wenig Aufschluss über dieses
den Erwartungen an Vergleichbarkeit und Wissenszuwachs ent-
                                                                    Thema gegeben bzw. in Veranstaltungen lediglich darauf hinge-
sprochen wird.
                                                                    wiesen, dass Datenbank-Performance unter anderem bei Unter-
                                                                    nehmen eine große Rolle spielt oder spielen kann. Welche Beiträ-
Keywords                                                            ge, sprich welche Methoden und/oder Werkzeuge, für eine opti-
Database Performance, Praktikum, Experiment                         male Performance-Auslastung eingesetzt werden können und wie
                                                                    mit potentiellen Leistungsdefiziten umgegangen werden kann,
1. Einführung und Motivation                                        wird im Rahmen der Lehre viel zu selten betrachtet. Eine Vertie-
      Datenbank-Performance ist in Forschung, Lehre und Praxis      fung durch eigene Übungen findet zudem i.d.R. nicht statt.
ein zentraler Betrachtungsgegenstand. Betriebliche Anwendungs-      Ein weiteres Problem, welches mit der zuvor genannten Sachlage
systeme müssen durch akzeptable Antwortzeiten einen reibungs-       einher geht, ist, dass das Thema Datenbank-Performance als sehr
losen Betrieb ermöglichen. Datenbankforschung und Datenbank-        abstrakt und wenig kalkulierbar bzw. greifbar von vielen Studen-
hersteller haben hierzu eine Vielzahl von Methoden und Mecha-       ten eingeschätzt wird. Es ist nicht genau klar, wie die Performan-
nismen entwickelt und eingeführt. Eine Aufgabe der Lehre ist es,    ce dargestellt und beeinflusst werden kann.
diese Methoden zu vermitteln, um ihre Anwendung zu unterstüt-
zen. Zwar gibt es zunehmend Self-Tuning-Mechanismen in Da-
tenbankmanagementsystemen (DBMS), jedoch ist der gut ausge-         1.2 Zielstellung
bildete Datenbankadministrator ein wichtiges Erfolgselement des          Für die genannten Problemfelder sollen in der Lehre ein hö-
soziotechnischen Gesamtsystems.                                     herer Stellenwert und die notwendige Akzeptanz erreicht werden.
                                                                    Dabei soll nicht nur die Datenbank-Performance als solche be-
Um Studierende für ein Thema zu motivieren und auch zu begeis-      leuchtet werden. Auch Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen der Per-
tern, muss ihnen die Möglichkeit gegeben werden, Erkenntnisse       formance sollen mit einfließen. Kernziel ist es, mögliche Um-
in der praktischen Arbeit zu erlangen. Hierzu können Experimen-     gangsweisen mit der Performance von Datenbanken deutlich zu
te eingesetzt werden, welche sich unter anderem durch selbststän-   machen.
diges Arbeiten auszeichnen. Der Student wird durch eine Aufga-
benstellung mit einem in der Theorie beschriebenen Problem               Erreicht werden kann dieser Ansatz durch das praktische Ar-
bekannt gemacht. Das Experiment hat in seiner Struktur einen        beiten mit Datenbank-Performance-Experimenten in der Lehre.
festen Rahmen. Dieser unterstützt den Studenten ein Thema me-            In mehreren Übungsveranstaltungen sollen die Studenten ei-
thodisch zu betrachten (vgl. [2] S.239). Zusätzlich erlernt der     genständig Praxiserfahrungen sammeln können, um Datenbank-
Student neben neuem Wissen auch soziale Kompetenzen (Team-          Performance selbst zu erleben. Hierfür soll aufgezeigt werden,
fähigkeit, Konfliktlösung, usw.).                                   wie die Performance gemessen und interpretiert werden kann. Im
                                                                    Nachgang werden Methoden und Werkzeuge vorgestellt, mit
                                                                    denen die Performance optimiert wird. Denkbar wäre auch, dass
                                                                    die Studenten selbst nach geeigneten Möglichkeiten suchen und
                                                                    diese dann anwenden müssen.
                                                                    Ziele sind demnach:
                                                                    ƒ   Performance erleben
                                                                    ƒ   Performance-Messmethoden kennenlernen und einsetzen

 24th GI-Workshop on Foundations of Databases (Grundlagen von Da-
 tenbanken), 29.05.2012-01.06.2012, Lübbenau, Germany.
 Copyright is held by the author/owner(s).
ƒ   Gesamtarchitektur betrachten (beispielsweise zugrundelie-        Die jeweiligen Tests lassen sich dabei in die Phasen Vorberei-
    gendes System) und analysieren, um „Flaschenhälse“ zu er-        tung, Durchführung und Nachbereitung aufteilen (vgl. [6] S. 253).
    kennen                                                           Die Tests werden entsprechend dokumentiert, um daraus Maß-
                                                                     nahmen abzuleiten. In der Vergangenheit haben sich für System-
ƒ   Optimieren der Performance
                                                                     bzw. Softwaretests verschiedene Normen und Standards entwi-
ƒ   Wirtschaftlichkeit von Performance-Lösungen betrachten           ckelt. Hier ist unter anderem die DIN 66273 (Vorgehensmodell
                                                                     für die Lastmessung) zu nennen.
Dabei werden fachliche als auch überfachliche Fähigkeiten aus-
geprägt.
                                                                     2.2 Aufbau des Praktikums
                                                                     Um Performance für die Studenten erlebbar zu machen, wird
2. Theoretische Grundlagen                                           begleitend zur Vorlesung ein Praktikum durchgeführt. Dieses
Um Performance zu erleben, sollen Performance-Tests und die          Praktikum teilt sich in einzelne Experimente auf. Die Experimen-
didaktische Methode Experiment miteinander verbunden werden.         te bauen in der Folge aufeinander auf, so erhalten die einzelnen
Im folgenden Abschnitt wird auf Performance-Tests und ihre           Experimente einen roten Faden. Es werden die wichtigsten Eck-
Rolle in den Systemtests eingegangen. Im Anschluss daran wer-        punkte der Performance-Messung berücksichtigt. Innerhalb der
den das Experiment in seiner Methode und die wesentlichen Pha-       einzelnen Experimente sollen bewusst die Stellschrauben an den
sen beschrieben. Abschließend sollen die Zusammenhänge zwi-          Systemen geändert werden, um die Wirkung der einzelnen Va-
schen beiden Themenfeldern aufgezeigt werden.                        riablen auf das Verhalten des Systems zu erkennen und anschlie-
                                                                     ßend zu bewerten. Der Student soll hierbei selbstständig die Wer-
2.1 Performance-Test                                                 te der Variablen ändern können.
      „Die Performance oder Leistung in der Informatik ist die Fä-   Das Experiment lässt sich gemäß K. Reich in drei Phasen auftei-
higkeit eines Systems, eine Aufgabe in einer bestimmten Zeit zu      len (vgl. [3] S. 7):
erledigen“ ([4] S. 439). Dabei wird Performance durch den An-        ƒ    Am Beginn steht die Planungsphase. Hier wird die Vorbe-
wender wahrgenommen und muss entlang der Zielgruppen-                     trachtung umgesetzt. Zudem wird die Fragestellung formu-
Anforderungen betrachtet werden (vgl. [4] S. 439). So werden              liert, auf deren Basis eine Hypothese aufgestellt werden
Wartezeiten bei Datenanalysen durch den Nutzer eher akzeptiert,           kann. Weiterhin werden die Randbedingungen des Experi-
als die Wartezeit bei Internetsuchmaschinen. Die Performance              ments beschrieben und der Versuchsaufbau geplant.
eines Systems lässt sich hingegen durch Tests systematisch nach-
weisen und im Anschluss gegebenenfalls an die Anforderungen          ƒ    Dann erfolgt die Durchführungsphase. In dieser Phase wird
anpassen. Dabei gehören die Performance-Tests zu den System-              die Planung umgesetzt, indem der Praktikumsversuch durch-
tests. Systemtests werden nach H. Balzert in Funktionstest, Leis-         geführt wird.
tungstest, Benutzbarkeitstest, Sicherheitstest und Interoperabili-   ƒ    Nach der Durchführung des Experiments erfolgt die Nachbe-
tätstest unterteilt. Diese Tests dienen zur Bestimmung der Pro-           trachtung bzw. Auswertungsphase. Hier werden die Ergeb-
duktqualität eines Softwaresystems (vgl. [5] S. 503 ff.). Durch           nisse überprüft und hinsichtlich der potentiellen Fehlerquel-
Leistungstests können zwei grundsätzliche Fragestellungen be-             len analysiert.
antwortet werden:
                                                                     Daraus wird für die praktische Umsetzung folgender Ablauf abge-
ƒ   Wie viele Daten kann das System verarbeiten?                     leitet:
ƒ   Wie lange braucht das System für die Datenverarbeitung?          1.   Aufgabe stellen; durch den Lehrenden

Zusätzlich können hier auch die Dimensionen der Belastung ein-       2.   Vorbetrachtung; durch den Studierenden
gegliedert werden. Hierzu zählen die Tests unter normalen Bedin-     3.   Überprüfung; durch den Lehrenden
gungen des Regelbetriebs, das Testen im Grenzbereich durch           4.   Praktikumsversuch; durch den Studierenden
Lasttests und das bewusste Überschreiten des Grenzbereichs
durch Stresstests.                                                   5.   Nachbetrachtung; durch den Studierenden
                                                                     6.   Evaluation des Experiments; durch den Lehrenden

                                                                     Bei der Formulierung der Aufgabenstellung sind zwei Extreme
                                                                     denkbar. Zum einen besteht die Möglichkeit, die Aufgabe völlig
                                                                     offen und ohne Restriktionen zu stellen, z.B. „Untersuchen Sie
                                                                     das System in Bezug auf CPU, Arbeitsspeicher und Storage!“.
                                                                     Zum anderen kann durch eine geschlossene Aufgabenstellung die
                                                                     Aufgabe so klar formuliert sein, dass der Student einen fest vor-
                                                                     geschriebenen Weg beim Abarbeiten der Aufgabe einschlägt und
                                                                     garantiert zum Ziel kommt. Beide Varianten haben nach Meinung
                                                                     der Autoren ihre Vor- und Nachteile (siehe Tabelle „Vor- und
                                                                     Nachteile bei der Aufgabenstellung“). Die zweckmäßigere Va-
                                                                     riante soll im Rahmen des Projekts ermittelt werden.


Abbildung 1: Systemtest
      Tabelle 1: Vor- und Nachteile bei der Aufgabenstellung          tlich der in der Vorbetrachtung getroffenen Hypothese. Hier soll
                                                                      der Student durch eine ehrliche und realistische Einschätzung
    Offene Aufgabenstellung          Aufgabenstellung mit Rest-       seiner ursprünglichen Annahme das Resultat seines Versuchs
                                     riktionen                        bewerten. An dieser Stelle sollte auch eine Fehleranalyse mit
                                                                      einfließen. Neben der technischen Beurteilung zählen auch die
    + Der Student kann sich frei     + Ergebnis ist schnell über-     Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen (Verhältnis zwischen Nutzen
    entfalten                        prüfbar                          und Aufwand/Kosten) zu den Erfordernissen dieser Phase.
                                                                      Abschließend wird das Experiment vom Lehrenden evaluiert.
    + Neue Erkenntnisgewinne         + Ergebnis ist nachvollziehbar   Zum einen wird im Rahmen der Evaluation die Einhaltung der
                                                                      formalen Vorgehensweise geprüft, hier die Phasen des Experi-
    + Vielfältige Ergebnisse sind    + Ergebnisse sind vergleich-     ments und die Dokumentation. Zum anderen wird die Plausibilität
    möglich                          bar                              begutachtet. An dieser Stelle müssen die Vor- und Nachbetrach-
                                                                      tung in einem logischen Zusammenhang stehen, d.h. wurde in der
    - Ergebnis ist ungewiss          - Erkenntnisgewinn ist vorge-    Nachbetrachtung auch auf genau das eingegangen, was in der
                                     schrieben                        Vorbetrachtung geplant wurde. Das setzt natürlich voraus, dass in
                                                                      der Durchführungsphase auch das umgesetzt wurde, was in der
    - Ergebnis und Experiment        - Experiment lässt wenig Platz   Vorbetrachtungsphase angesetzt wurde.
    evtl. nicht nachvollziehbar      für Eigeninitiative
                                                                      Der Evaluationsaufwand steigt natürlich auch mit steigendem
                                                                      Grad einer offenen Aufgabenstellung. Hier ist ganz besonders
    - Ergebnisse eventuell schwer    - Gänzlich neue Erkenntnis-
                                                                      darauf zu achten, wie die Studierenden vorgegangen sind und wie
    vergleichbar                     se/Lösungswege sind kaum
                                                                      plausibel der eingeschlagene Lösungsweg ist. Näher betrachtet
                                     möglich
                                                                      werden muss an dieser Stelle der wissenschaftliche Anspruch des
                                                                      Lösungswegs.
Folgende Themengebiete sind beispielsweise für das Praktikum
denkbar:
ƒ      Erkundung der Systemeigenschaften
ƒ      Einfluss der SQL-Statements
ƒ      Nutzen und Wirkung von Indexen
ƒ      Arbeiten mit Puffern
Die Experimente werden durch den Studenten vorbereitet. In
dieser ersten Phase müssen sich die Studenten die Aufgabenstel-
lung genau versinnbildlichen und eine Zielstellung definieren. Im
Anschluss daran gilt es den Lösungsweg zu planen. Dabei sollen
theoretische Grundkenntnisse und das spezifische Fachwissen aus
den Lehr- und Übungsveranstaltungen ebenso dienen, wie Kenn-
tnisse und Fähigkeiten, welche sich die Studenten für die Aufga-
benerfüllung selbstständig aneignen müssen. Desweiteren sollen
die Prämissen der Planungsphase laut K. Reich zum Tragen
kommen (siehe oben), d.h. die Studenten sollen mittels des er-
langten Wissens eine Hypothese parallel zur Aufgabenstellung
formulieren und diese Annahme dann durch ihren Praktikumsver-
such entweder bestätigen oder widerlegen. Wenn eine Aufgabe
beispielsweise verlangt eine bestimmte Datenmenge aus einer
Datenbank einerseits mit einem SQL-Statement und andererseits
mit Programm-Code (z.B. PHP, Java) abzufragen, dann könnten
die Studenten hier die Hypothese aufstellen, dass das Abfragen
mittels SQL performanter als das Abfragen mit Programm-Code
ist. Als Ergebnis der Vorbetrachtung entsteht der Protokollent-
wurf.
Erst bei ausreichender Vorbetrachtung des Experiments, wird die
Durchführung durch den Lehrenden möglich gemacht, hierzu
erfolgt eine Überprüfung. Während des Praktikumsversuchs wird
der Vorplanung entsprochen und die Aufgabenstellung praktisch
gelöst. Die Ergebnisse werden in einem (Mess-)Protokoll festge-
halten.                                                               Abbildung 2: Ablauf eines Experiments
Nach erfolgreicher Durchführung des Praktikumsversuchs, wer-
den die Ergebnisse in der Auswertungsphase (Nachbetrachtung)
zusammengefasst und beurteilt. Die Beurteilung erfolgt hinsich-
Für die Durchführung der Praktikumsversuche soll ein im Vorfeld                    Tabelle 2: Aufteilung der Gruppen
festgelegter Wochentag, der Versuchstag, dienen. Die Festlegung                                         Studierendenzahl
auf einen solchen Versuchstag und den übrigen „normalen“ Tagen
erfolgt einerseits aus lehrbedingten und andererseits aus techni-                                  40           60            80
schen Gründen. Die Studenten sollen Erfahrungen mit einem
                                                                                      2            20           30            40
technisch „großen“ Umfeld sammeln können. Das bedeutet, dass
sie die Performance von umfangreichen Datenbanken in leis-           Gruppen-         3        12*3+1*4         20        24*3+2*4
tungsstarken Experimentierumgebungen (Servern) testen sollen.         stärke
An den Versuchstagen stehen diese Experimentierumgebungen                             4            10           15            20
zur Verfügung. An den übrigen Tagen haben die Studenten Zu-                           5             8           12            16
griff auf wesentlich „kleinere“ Umgebungen, um ihre Prakti-
kumsversuche vorbereiten bzw. nach den Versuchen Nacharbei-
ten durchführen zu können. Genaueres zum Zusammenspiel der           Es wird für die weitere Planung von einer maximalen Gruppen-
beiden Umgebungsarten ist im vierten Kapitel nachzulesen.            zahl von 20 Gruppen ausgegangen, d.h. bei einer Studierenden-
                                                                     zahl von 40-80 Studierenden eine Gruppenstärke von 2-4 Studie-
Die Zeit zwischen den Versuchstagen soll durch den Studenten         rende je Gruppe. Innerhalb der einzelnen Gruppen müssen dann
für die Vorbereitung und Nachbereitung seines Versuchs dienen.       die aus dem Einzelexperiment abgeleiteten Aufgaben entspre-
Die jeweiligen Schritte der Experimente werden durch den Stu-        chend aufgeteilt werden. Ist die Studierendenzahl über 80, muss
denten dokumentiert und lassen sich zum Abschluss des Prakti-        die Gruppengröße auf 5 erhöht werden, um die Gesamtgruppen-
kums als Basis für die Prüfungsnote nutzen.                          zahl von 20 nicht zu überschreiten.

2.3 Zusammenhang zwischen Performance-                               3.2 Rolle des Studierenden
Test und Experimenten                                                Der Studierende wird während der Experimente selbst aktiv.
In der Informatik kann man Performance-Tests zu den Experi-          Durch entsprechende theoretische Vor- und Nachbetrachtungen
menten zählen (vgl. [7] S. 233 ff.). Wie in jedem Test folgen auch   wird er ein optimales Verhältnis zwischen Theorie und Praxis
Performance-Tests einer bestimmten Abfolge. Tests werden ge-         erhalten. Er schult neben den rein fachlichen Fähigkeiten auch
plant und im Anschluss durchgeführt. Die Ergebnisse des Tests        andere Kompetenzen. So muss er gerade in der Zusammenarbeit
werden dokumentiert und ausgewertet. Genauso wie Experimente         mit anderen Studierenden seine Kommunikationsfähigkeit schu-
müssen Tests auch vergleichbar und reproduzierbar sein. Wenn         len und auch sich selbst und die Gruppe in der er arbeitet organi-
man diesem allgemeinen Vorgehen folgt, lassen sich hier Paralle-     sieren. Bei der jeweiligen Gruppenorganisation wird vorausge-
len zum Experiment ziehen. Die Studenten sollen diese Parallelen     setzt, dass sich die Studierenden eigenständig für die Aufgaben
erkennen und sie für den Aufbau der Experimente nutzen.              einteilen, bei denen ihre fachlichen Stärken liegen (z.B. Doku-
                                                                     mentation, Programmierung, System-Administration). Als primä-
3. Organisation der Lehre                                            re Anforderung an den Studierenden muss dessen Interesse, neue
Nachdem die Begriffe Experiment und Performance-Test be-             Sachverhalte zu entdecken, geweckt werden (vgl. [3] S. 12). Die
schrieben sind, soll nun gezeigt werden, wie das Experiment die      Fähigkeit, eventuell auftretende Konflikte frühzeitig zu erkennen
Lehre beeinflusst. Es wird dabei auf die Aufteilung der in der       und diese abzustellen, wird als sekundäre Anforderung angese-
Lehrveranstaltung teilnehmenden Studenten und die daraus resul-      hen.
tierenden Gruppenstärken ebenso eingegangen, wie auf die Rolle
des Lehrenden und des Studenten bei dieser Form der praktischen      3.3 Rolle des Lehrenden
Übung                                                                Dem Lehrenden wird während des Experiments eher die passiv
                                                                     unterstützende Rolle zu teil. Er führt in den Vorlesungen in die
3.1 Aufteilung der Lehrveranstaltung                                 Thematik ein und vermittelt dabei die theoretischen Grundlagen
     Für die Experimente sollen sich die Studierenden in Gruppen     (vgl. [3] S. 11). Während der Experimente wird er beratend zur
zusammenfinden. Die Arbeit im Team wird erfahrungsgemäß              Seite stehen und dem Studenten bei Bedarf Denkanstöße geben.
bessere Ergebnisse hervorbringen als Einzelarbeit, da sich die       Er muss nach der Vorbereitungsphase eine erste Überprüfung des
Studenten mit ihren unterschiedlichen Wissensständen austau-         Aufbaus und des Experiments durchführen, bevor er den Prakti-
schen und somit ergänzen können. Zudem ist die Bildung von           kumsversuch durchführen lässt. Es wäre hier vorstellbar Lern-
Gruppen der Ressourcenplanung dienlich, wie in Kapitel vier          plattformen wie Moodle [11] einzusetzen, um in einem kurzen
ersichtlich wird.                                                    Wissenstest die Vorbereitung zu überprüfen. Auch die Ergebnisse
                                                                     des Praktikumsversuchs (z.B. das Messprotokoll) können via
In der Fachhochschule Brandenburg im Studiengang Wirtschafts-        Moodle verwaltet und überprüft werden.
informatik wird pro Semester mit einer Studierendenzahl von bis
zu 80 Studenten ausgegangen. Dabei ist eine Aufteilung in maxi-
mal 20 Gruppen noch handhabbar. So können diese 20 Gruppen           4. Ressourcenplanung
ihre Praktikumsversuche (am Versuchstag) in maximal 4 Blöcken        Um den Studentengruppen die Möglichkeit der praktischen Arbeit
á 90 Minuten durchführen. Es ergibt sich folgende Matrix der         zu geben, sind Experimentierumgebungen auf und mit speziellen
Gruppenstärke und Aufteilung:                                        Systemen (Hardware und Software) notwendig.
4.1 Einsatz von Virtualisierung                                       sind, bleiben die Versuchs-VMs inaktiv (siehe nachfolgende Ab-
Für die Lehre der Messung von Datenbank-Performance ist es            bildung).
wichtig, dass in einem Umfeld gearbeitet wird, in dem keine oder      Die eigentlichen Praktikumsversuche werden auf den Versuchs-
nur sehr wenige Leistungsschwankungen bzgl. der Hardware zu           systemen mit großen VMs realisiert. Diese VMs besitzen eine
erwarten sind. Grundsätzlich kann es eine mögliche Lösung sein,       große Datenbank und deutlich mehr Leistung und ermöglichen
in die bestehende Infrastruktur der Hochschule einen zusätzlichen     Performance-Tests in großem Umfang. Zeitlich werden die Ver-
Server oder ein Server-Blade zu integrieren, welcher von anderen      suchs-VMs so geschaltet, dass an den Versuchstagen die Entwick-
Servern zumindest Software-seitig abgekapselt wird.                   lungs-VMs der Gruppen abgeschaltet und die Versuchs-VMs
                                                                      aktiviert werden.
Nun stellt das gleichzeitige Arbeiten der Studentengruppen auf
einem und demselben Server keine gute Lösung dar, da kaum             Nach den Praktikumsversuchen, werden die Systeme entspre-
feststellbar ist, welche Server-Ressource oder Software gerade        chend umgedreht wieder aktiviert bzw. deaktiviert.
von einer bestimmten Gruppe beansprucht wird. Hier sind ein           In der nachfolgenden Abbildung sind die schematische Aufteilung
eindeutiges Messen der Performance und somit vergleichbare            der unterschiedlichen VM-Gruppen und deren Aktivität ersich-
Experimente nicht möglich.                                            tlich.
Die Lösung stellt hier die Server-Virtualisierung dar. „Die Virtua-
lisierung abstrahiert die physische Hardware vom Betriebssystem.
Die klassische 1:1-Verbindung von Hardware und Betriebssys-
tem, die man vor allem in der PC-Welt kennt, wird aufgehoben;
dazwischen wird eine neue Schicht gelegt, die diese Abstraktion
vornimmt, die Virtualisierungsschicht.“ ([10] S. 33) Die Aufgabe
des Virtualisierens für die Experimentierumgebung übernimmt
das VMware-Produkt vSphere mit seinem ESX Server (siehe
nachfolgende Abbildung).




                                                                      Abbildung 4: Aufbau der Experimentierumgebung
                                                                      Durch Anfertigen von Clones (Klone) der ersten angelegten VM
                                                                      pro VM-Gruppe kann schnell die gewünschte VM-Anzahl er-
Abbildung 3: Konventioneller Server-Aufbau (links) versus             reicht werden, ohne jede VM einzeln auf herkömmlichem Wege
Server-Virtualisierung (rechts) ([10] S. 33)                          anlegen zu müssen.
Durch die Virtualisierung können auf dem Server mehrere virtuel-      Die zugrundeliegenden Ressourcen, sprich die physische Hardwa-
le Maschinen (VMs) eingerichtet werden, innerhalb derer die           re des Servers, wird unter den jeweils aktiven VMs fest aufgeteilt.
Studenten dann ihre Experimente unter gleichen Rahmenbedin-
gungen (Vereinheitlichung der Hardware bzw. virtuellen Hardwa-        Mit der Virtualisierungs-Lösung können folgende positive Nebe-
re) durchführen können. Jede VM erhält dann ihr eigene Soft-          neffekte für das Praktikum erreicht werden:
wareumgebung, wie Betriebssystem (engl.: Operating System
oder kurz: OS), Datenbank und weitere Applikationen (App), wie        ƒ    Performance-Steigerung der Systeme
beispielsweise Performance-Tools. Dies ist in der obigen Abbil-       ƒ    Berücksichtigung von Aspekten der Green-IT (Einsparung
dung durch die kleinen Würfel dargestellt.                                 von Hardware, Verringerung des Stromverbrauchs und
Die zum Einsatz kommenden VMs lassen sich in Entwicklungs-                 Kühlaufwands)
systeme und Versuchssysteme unterteilen. Die Systeme unter-           ƒ    Gute Administrierbarkeit der Experimentierumgebung (Än-
scheiden sich im Wesentlichen durch ihr Leistungsspektrum und              derungen an den VMs, Zurücksetzen der VMs durch Snaps-
ihre Benutzung.                                                            hots) ([10] S. 34 ff.)
Für die Planung des Versuchsaufbaus kommen Entwick-                   Die genannten Nebeneffekte können den Studenten in der Lehre
lungssysteme zum Einsatz. Das sind kleine VMs, sprich VMs mit         kommuniziert bzw. selbst von ihnen erfahren werden.
einer geringeren Leistung und Konfiguration. Jede Gruppe erhält       Zudem kann als positiv angesehen werden, dass bei eventuellen
eine solche Entwicklungs-VM an der sie Änderungen vornehmen           Schäden am System lediglich eine VM betroffen sein wird und
kann bzw. bestimmte Teilaufgaben bereits im Vorfeld testen            nicht der Server bzw. die Hardware direkt. Die beschädigte VM
kann. Diese Systeme stehen den Gruppen zwischen den einzelnen         kann dann wieder in den Urzustand zurückgesetzt werden.
Versuchstagen zur Verfügung. Die Entwicklungssysteme erhalten
eine kleine Datenbank. Während die Entwicklungs-VMs aktiv
4.2 Konfiguration der virtuellen Maschinen                           werden, so dass in der Vorlesung ein Pool an Methoden und
Ausgehend von der Gruppenplanung aus dem Abschnitt 3.1 kann          Werkzeugen vorgestellt wird und der Student entscheidet im
die nachfolgende Konfiguration für die VMs abgeleitet werden.        Rahmen des Experiments, wie er vorgehen möchte. In der weite-
Hierbei wird lediglich auf die Zusicherungen von Arbeitsspeicher     ren Arbeit muss geprüft werden, welche der beiden Methoden den
und Festplattenkapazität eingegangen.                                Studenten am besten beim Lernprozess unterstützt.

Den Entwicklungs-VMs wird während der Entwicklungszeit 4 GB
Arbeitsspeicher zugesichert. Daraus resultiert ein Arbeitsspei-
                                                                     5. Fazit und Ausblick
                                                                     Performance ist wichtig. Das ist jedem, der mit Daten-
cherbedarf von 80 GB. Wird an dieser Stelle mit einer Reserve
                                                                     banksystemen zu tun hat, klar. Den Studierenden ein Gefühl für
kalkuliert, kommt man, in Anbetracht der gängigen Konfiguration
                                                                     diese Thematik zu geben, dass ist eine der Herausforderungen der
von RAM-Modulen, auf einen erforderlichen Arbeitsspeicher von
                                                                     Lehre. Um diese Herausforderung zu meistern, bieten sich Expe-
96 GB. Mit den 16 GB Reservespeicher kann unter anderem die
                                                                     rimente an. Dadurch kann der Student praktische Erfahrungen im
Gruppenzahl bei Bedarf erhöht werden (4 Gruppen mehr mit wie-
                                                                     Bereich Datenbank-Performance erlangen. Damit den Studenten
derum jeweils 4 GB RAM). Die Entwicklungs-VMs werden mit
                                                                     einheitliche Umgebungen zum Experimentieren zur Verfügung
einer kleinen Datenbank mit max. 4 GB Datenvolumen ausgestat-
                                                                     gestellt werden, bieten sich virtualisierte Systeme an. Dieser
tet (für vorbereitende Tests). Weiterhin wird zusätzlicher Storage
                                                                     Rahmen ist bekannt und darüber sind sich die Autoren einig. In
von 6 GB für das Betriebssystem, das DBMS und weitere Tools
                                                                     Zukunft muss gezeigt werden, wie die Aufgabenstellungen für die
(Performance-Tools) beansprucht. Eine Reserve von 2 GB Spei-
                                                                     Studenten zu formulieren sind und wie die Performance konkret
cher wird ebenfalls eingeplant. Daraus folgt für jede Entwick-
                                                                     zu messen ist. Im Studiengang Wirtschaftsinformatik muss neben
lungs-VM ein Storage-Bedarf von 12 GB. Bei 20 Gruppen bedeu-
                                                                     den technischen Details der Systeme auch immer die Wirtschaft-
tet das einen Storage von 240 GB. Rechnet man die 4 potentiellen
                                                                     lichkeit betrachtetet werden. Auch dieser Bereich muss in Zukunft
Entwicklungssysteme aus der Reserve hinzu, führt dies zu einem
                                                                     genauer betrachtet werden.
Speicherbedarf von 288 GB für die Entwicklungs-VMs.
Für die Versuchs-VMs sollen, wie in Abbildung 4 erkenntlich ist,
5 Systeme zur Verfügung stehen. Da zu den Versuchstagen sämt-        6. REFERENCES
liche Ressourcen den Versuchs-VMs zur Verfügung stehen sollen,       [1] Euler D.; Hahn A., Wirtschaftsdidaktik, 2004, 1. Auflage,
kann der gesamte Arbeitsspeicher (96 GB) entsprechend aufge-             Haupt Verlag, Bern
teilt werden. Das führt zu einem Arbeitsspeicher pro Versuchs-       [2] Schubert S.; Schwill 1., Didaktik der Informatik, 2004, 1.
VM von rund 19 GB. In Sachen Storage-Kapazität sollen je Ver-            Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, München
suchssystem 80 GB vorgehalten werden (für Betriebssystem, DB,        [3] Reich K., Experiment, 2008, http://methodenpool.uni-
DBMS und Tools). Das führt zu einem Storage-Bedarf von 400               koeln.de/download/experiment.pdf Abruf: 28.03.2012
GB für die Versuchssysteme.
                                                                     [4] Faustmann; Höding; Klein; Zimmermann, Oracle- Da-
                                                                         tenbankadministration für SAP, 2007, 1. Auflage, Galileo
4.3 Server-Hardware                                                      Press, Bonn
Nachfolgend werden Eckpunkte der Server-Hardware genannt.
                                                                     [5] Balzert H.; Lehrbuch der Software- Technik, 1998 Spektrum
Für das Praktikum kommt ein Server-Blade zum Einsatz. Dieses
                                                                         Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg; Berlin
Blade besteht aus zwei Prozessoren (CPUs) mit jeweils 6 Kernen
und 3.46 GHz. Desweiteren besitzt der Server, wie aus der Kalku-     [6] Schlimm N.; Novakovic M.; Spielmann R.; Knierim T., Per-
lation hervorgeht, 96 GB RAM. Der Gesamt-Storage, welcher in             formance-Analyse und -Optimierung in der Software-
den Berechnungen bestimmt wurde, beträgt ca. 700 GB. Hierfür             entwicklung, 2007, Informatik Spektrum, Springer-Verlag
stehen Hardware-seitig drei 450 GB Fibre Channel Festplatten zur     [7] Claus V.; Schwill A., Duden der Informatik, 2001, 3. Aufla-
Verfügung. Die großzügige Reserve soll eventuellen späteren              ge, Duden Verlag, Mannheim
Anforderungen gerecht werden.
                                                                     [8] Müller T., Leistungsmessung und -bewertung, 2004,
                                                                         Seminararbeit, Westfälische Wilhelms-Universität Münster,
4.4 Werkzeuge der Performance-Messung                                    http://www.wi.uni-muenster.de/pi/lehre/ss04/SeminarTesten/
Die Performance-Messung hat verschiedene Aspekte. Es müssen              Leistungsmessung.pdf Abruf: 28.03.2012
hier Methoden und Werkzeuge für die Umsetzung voneinander
abgegrenzt werden. So werden durch die Methoden einzelne Ver-        [9] Barrett D., Linux kurz und gut, 2004, 1. Auflage, O’Reilly
fahrensansätze für die Tests beschrieben. Mit „Werkzeuge“ sind           Verlag, Köln
hier die Tools zur Messung der entsprechenden Werte zusam-           [10] Zimmer D.; Wöhrmann B.; Schäfer C.; Baumgart G.; Wi-
mengefasst. Es gibt ein weites Spektrum an Tools, wobei immer             scher S.; Kügow O., VMware vSphere 4 - Das umfassende
die Aktualität und Verwendbarkeit der Werkzeuge geprüft werden            Handbuch, 2010, 1. Auflage, Galileo Press, Bonn
sollte. Auf der einen Seite können Tools genutzt werden, welche
                                                                     [11] http://moodle.de/ Abruf: 18.05.2012
in den jeweiligen Systemen, wie beispielsweise im Betriebssys-
tem oder im DBMS, vorhanden sind oder es können zusätzliche          [12] Barth; Schneemann; Oestreicher, Nagios: System- und
Werkzeuge zum Einsatz kommen, wie z.B. Nagios [12]. Für die               Netzwerk-Monitoring, 2012, 3. Auflage, Open Source Press
Wahl der Methoden und Werkzeuge bestehen mehrere Möglich-
keiten, zum einen können feste Vorgaben durch den Lehrenden
gemacht werden und zum anderen kann der Einsatz freigestellt