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      <title-group>
        <article-title>Prozessorientierte B2B-P2P-Integration fur Wissensmanagementanwendungen</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Uwe Kussner</string-name>
          <email>Uwe.Kuessner@neofonie.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>neofonie Technologieentwicklung und Informationsmanagement GmbH</institution>
          ,
          <addr-line>Robert-Koch-Platz 4 , D-10115 Berlin</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <abstract>
        <p>Zusammenfassung Work owmanagementsysteme, die spezielle Unterstutzung fur interorganisationale Work ows bieten, sind ein vielversprechendes Integrationswerkzeug fur B2B-Integrationen. Wir stellen Anforderungen an derartige Systeme vor und berucksichtigen dabei auch Anforderungen aus dem Bereich des Wissensmanagements. Wir prasentieren am Beispiel eines sich in der Entwicklung be ndlichen Systems, wie die Anforderungen funktional realisiert und wie sie architektonisch auf Basis eines P2P-Protokolls umgesetzt werden und bewerten die eingesetzte Technologie JXTA.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>
        Die Integration von Unternehmensanwendungen(EAI) ist nicht nur eine
informationstechnische Aufgabe. Aus Unternehmenssicht handelt es sich dabei in
erster Linie um eine Ma nahme des Geschaftsprozessmanagement (GPM). Aus
Sicht des GPMs geht es dabei darum, bestehende Prozesse zu optimieren oder
zukunftige moglichst optimal zu gestalten, indem durch softwaretechnische
Integration die Zusammenarbeit der Prozessschritte verbessert oder uberhaupt erst
ermoglicht wird. Insbesondere bei einer prozessorientierten Integration durch
Work owmanagementsysteme(WfMS) sollte vor der eigentlichen Integration
eine Modellierung, Analyse und (Re)design der betre enden Geschaftsprozesse(GP)
durchgefuhrt werden. Auf der anderen Seite besteht ein enger Zusammenhang
zwischen Wissensmanagement(WM) und GPM, siehe dazu z.B. [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ]. Wissen und
Prozesse sind eng miteinander verknupft, da bei der Bearbeitung von
Prozessschritten immer auch Wissen generiert, verteilt, bewahrt oder verwendet wird.
Die Verarbeitung von Wissen ist immer kontextabhangig, der GP gibt diesen
Kontext vor und ist somit gewisserma en der "naturliche\ Ort zum Ansatz
von WM. So gesehen ist es naheliegend, die Einfuhrung eines
prozessorientierten Integrationswerkzeugs (i.e. WfMS) nicht nur aus Sicht des GPMs,
sondern integriert mit WM aufzusetzen. Bei der Analyse/Modellierung eines
Workows und Einfuhrung eines WfMS sollten die Wissensaspekte dementsprechend
mit berucksichtigt werden. Durch die zunehmende Virtualisierung von
Unternehmen, zunehmendes Outsourcing von Prozessschritten und Durchdringung
der Internettechnologie steigt der Bedarf an B2B-Integration. Eine
technologische Antwort darauf sind B2B-WfMSe, die die speziellen Anforderungen an
Standort- oder Unternehmensgrenzen uberschreitende Work ows(Wfs)
berucksichtigen. Auch aus WM-Sicht ergeben sich weitere Anforderungen an derartige
B2B-WfMS gegenuber traditionellen WfMSen.
      </p>
      <p>Ein interessanter technologischer Ansatz, derartige Systeme zu
konstruieren, liegt mit dem Peer-to-Peer(P2P) basierten Kommunikationsmodell vor. Im
Folgenden stellen wir die speziellen Anforderungen an WfMSe im B2B-Bereich
vor und berucksichtigen dabei auch die Anforderungen des WMs. Schlie lich
stellen wir an Hand des konkreten Systems "neofonie architect: ow\ vor, wie
die Anforderungen architektonisch und funktional umgesetzt werden und zeigen
welchen Stellenwert dabei die verwendete P2P-Technologie hat. Das System
bendet sich zur Zeit noch in der Entwicklung. Die Entwicklung ist teilweise mit
BMBF-Mitteln gefordert.
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>B2B-Work ow-Management-System (B2B-WfMS)</title>
      <p>
        WfMSe als Teil einer Integrationsplattform uberwinden einige der Schwachen
von Hub-and-Spoke-Architekturen nach dem
Publish/Subscribe(P/S)-Kommunikationsmodell wie: Multistep-Integration, Geschaftslogik, bidirektionale
Kommunikation (siehe [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
        ], Seite 12). WfMSe, als Werkzeuge des GPMs, dienen der
Automatisierung von GPen. Voraussetzung zur Automatisierung ist die
vorherige Erstellung eines formalen Modells (Wf-Schema), in dem der Work ow als
Ablauf von einzelnen Aktivitaten beschrieben wird. Typische Modellelemente
sind hier Sequenz, Splits (paralleler Ablauf), Joins (Synchronisationspunkte)
und Bedingungen usw. Einen Vergleich der Ausdrucksstarke von verschiedenen
Systemen ist in [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        ] zu nden. Bei den Aktivitaten konnen automatische, von
solchen mit manuellen Anteil unterschieden werden. Aus Sicht des WfMSs
bestehen die Aktivitaten aus Programmen/Prozessen, die unter der Kontrolle des
WfMSs ausgefuhrt werden. Gibt es einen manuellen Anteil, fungieren die
Programme als Werkzeuge zur Bearbeitung des Prozessschrittes, die naturlich nicht
von beliebigen, sondern nur von dafur vorgesehenen Mitarbeitern bedient werden
sollen. In diesem Fall ist es Aufgabe des WfMSs die entsprechenden Aufgaben
in die Taskliste der dafur vorgesehenen Mitarbeiter einzuordnen. Diese
Zuordnung ndet nicht zur Designphase des Wf-Schemas, sondern zur Laufzeit einer
konkreten Wf-Instanz statt. Eine Wf-Instanz ist eine Reprasentation eines
konkreten Wfs zu einem gegeben Schema. Die Erzeugung von Wf-Instanzen gehort
ebenfalls zu den Aufgaben des WfMSs. Herkommliche WfMSe unterstutzen nur
Wfs, die innerhalb eines Unternehmens ablaufen, aber keine Standort
ubergreifenden oder gar Unternehmensgrenzen uberschreitenden Wfs (B2B-Work ows).
In diesem Bereich haben wir es mit besonderen Anforderungen zu tun:
Sicherheit. Im Vergleich zu intraorganisationalen Work ows gibt es bei
interorganisationalen Work ows erhohte Sicherheitsanforderungen:
      </p>
      <p>Die Authentizitat ist auf verschiedenen Granularitaten sicherzustellen. So
muss verhindert werden, dass sich ein Unternehmen fur ein anderes ausgeben
kann. Das gleiche gilt auf feinerer Granularitat fur Mitarbeiter, die einen
Prozessschritt bearbeiten. Die Ergebnisse von einigen Prozessschritten mussen
vertraulich behandelt werden und erfordern deswegen Verschlusselung. Ein
Sachbearbeiter, der eine Aktivitat ausgefuhrt hat, darf dieses hinterher nicht erfolgreich
abstreiten konnen (Verbindlichkeit). Unternehmensinterne Work ows sollen von
au erhalb nicht einsehbar sein (Verborgenheit). Eine feingranulare Zugri
skontrolle muss sicherstellen, dass nur solche Mitarbeiter einzelne Prozessschritte und
die damit verbunden Dokumente bearbeiten konnen, die dafur zugeteilt sind.</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Autonomie, Architektur und Transaktionen. Eine Reihe von Anforde</title>
        <p>rungen leiten sich aus der Autonomie der partizipierenden Organisationen ab.
Partizipanten gehen bezuglich der Teilnahme an einem B2-Wfs naturgema
eine Verp ichtung ein, wollen aber daruberhinaus weitgehend autonom agieren
konnen. Unternehmen wollen sich beispielsweise nicht von zentralen
Komponenten au erhalb ihres Standorts abhangig machen, die wesendliche Teile ihrer
Prozesse kontrollieren. Das gilt beispielsweise fur Transaktionsmonitore, die
Ressourcen sogar blockieren konnen. Bezuglich Transaktionen mochte man daher bei
B2B-Work ows Alternativen zu ressourcenblockierenden Systemen haben.
Daher sollen sog. Business-Transaktionen unterstutzt werden, d.h. langandauernde
Transaktionen unter Aufweichung der ACID-Bedingungen. Statt Isolation sollen
z.B. Wf-spezi sche Kompensationsaktivitaten moglich sein. Autonomie
bedeutet auch, dass das Wf-Schema keine Annahmen bezuglich spezi scher
Mitarbeiter, Anwendungen oder der Organisationsstruktur machen darf. Weiterhin sollte
die konkrete Realisierung eines Work ows innerhalb der Organisation festgelegt
werden konnen. Aus Sicht des Changemanagement bedeutet dies, das die
partizipierenden Organisationen ihre Struktur, Mitarbeiter und Anwendungen andern
konnen, ohne dass das fur die anderen Partizipanten transparent wird. Aus
WMSicht bedeutet dies, dass man nur soviel Wissen uber Interna weitergibt, wie es
die Zusammenarbeit erfordert.</p>
        <p>
          Wissensmanagement Das System soll sowohl eine Personi zierungs- als auch
eine Kodi zierungstrategie [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
          ] unterstutzen. Bei der Kodi zierungsstrategie geht
es vorrangig darum, Wissen zu externalisieren ([
          <xref ref-type="bibr" rid="ref11">11</xref>
          ]) und in kodi zierter Form
(Dokumente etc) dem Anwender zur Verfugung zu stellen. Bei der Personi
zierungsstrategie ist nicht das Generieren, Sammeln und Speichern von Wissen
von vorrangiger Bedeutung, sondern die Identi kation von geeigneten
Wissenstragern. Das System sollte den Aufbau und die Durchfuhrung einer
Kommunikationsbeziehung zu den Wissenstragern unterstutzen. Fur
organisationsubergreifende Work ows bedeutet dies, dass man gezielt Wissenstrager ansprechen
konnen soll, von denen man weder Namen noch Abteilung wei . Das System
soll sowohl Prozesswissen als auch Funktionswissen managen. Als
Prozesswissen bezeichnen wir das Wissen uber den Prozessablauf, beteiligte Rollen,
Personen, Organisationseinheiten, notwendige Daten und Ressourcen. Als
Funktionswissen bezeichnen wir Wissen, welches fur die Durchfuhrung einzelner
Prozessschritte notwendig ist. WfMS unterstutzen normalerweise nur das
Prozessund vernachlassigen das Funktionswissen. In einem B2B-Kontext verstehen wir
unter Prozesswissensmanagement auch, dass der verteilte
Wf-Entstehungsprozess unterstutzt wird. Funktionswissen soll explizit gemacht werden konnen, um
es entweder beim Scheduling oder zum Zwecke des Skillmanagement zu nutzen.
Durch die erweitete Funktionalitat gegenuber traditionellen WfMS gibt es
weitere Auswertungs- und Darstellungsmoglichkeiten. Hier ist eine o ene Schnittstelle
gefordert, so das beispielsweise Skillmanagement eingefugt werden kann.
3
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Peer-to-Peer-Technologie</title>
      <p>Die Peer-To-Peer-Technologie ist ein Spezialfall der traditionellen Client/Server
Technologie, wobei im Idealfall jeder Knoten im Netz sowohl Client als auch
Serverfunktionalitat hat. Im Unterschied zum ublichen Client/Server-Ansatz sind
somit alle Knoten prinzipiell gleichberechtigt. Um eine besondere Robustheit
zu erreichen, agieren die Knoten(Peers) weitgehend autonom, d.h. sie konnen
selbst entscheiden, sich z.B. vom Netz abzutrennen oder welche Dienste sie
zur Verfugung stellen. Bei Kommunikation zwischen Peers gibt es keine
zentrale Instanz, die die Nachrichten ltert und verteilt etc. Stattdessen
kommunizieren die Peers "direkt\, was nicht ausschlie t, dass andere Peers
vermittelnd tatig sind, d.h. die Nachricht annehmen und weiterleiten. Entscheidend ist,
dass es keine zentrale Vermittlungsstelle gibt. Typische Anwendungen im
P2PBereich sind: File-Sharing, Instant-Messaging(IM), und kollaborative
Anwendungen. Beim P2P-Filesharing werden die Daten direkt zwischen den Peers
ausgetauscht und nicht in einem zentralen Server zwischengehalten. IM ermoglicht
eine "getippte\ Kommunikation in "Echtzeit\, beim P2P-Messaging werden die
Nachrichten wiederum direkt zwischen den Peers ausgetauscht. File-Sharing und
IM sind beides Funktionen, die sinnvoll in einem kollaborativen Kontext
eingesetzt werden. Andere Funktionen, die mit P2P-Technologie realisiert werden
konnen, sind Chatrooms, elektronische Foren, Co-Authoring etc. Als spezi sche
Auspragung des P2P-Ansatzes haben wir die JAVA-Implementierung des
JXTAProtokolls gewahlt, welche im Rahmen eines von SUN initiierten Projekts
entstanden ist. JXTA erlaubt es unter anderem, an einem Peer Dienste (Services)
anzubieten und diese durch sog. Advertisements bekannt zu geben. Andere Peers
konnen diese Dienste suchen und mit dem Diensterbringer uber eine virtuelle
Verbindung (Pipe) kommunizieren. Die Verbindungen werden virtuell genannt,
weil sie auf konkrete Protokolle wie TCP oder HTTP abgebildet werden. Pipes
werden mit Endpunkten verbunden, die wiederum von konkreten IP-Adressen
abstrahieren. Auf diese Weise wird ein unabhangiger Adressierungsschema
etabliert, welches sicherstellt, dass die Kommunikation auch dann reibungslos
funktioniert, wenn die IP-Adressen dynamisch zugeteilt werden. Gateway-Peers
erlauben die Uberwindung von Firewalls, indem sie TCP- mit HTTP-Pipes
verbinden. Firewalls sind in den meisten Fallen so kon guriert, das ausgehende
HTTP-Anfragen wie sie von ublichen Webbrowsern erzeugt werden, zugelassen
sind. Eingebunden in die JAVA-Implementierung von JXTA ist eine
SecuritySuite, die Verschlusselung, Peer-Authenti zierung etc anbietet.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Architektur des neofonie B2B-WfMS : ow</title>
      <p>Die grobe Architektur der Wf-Komponente "neofonie architect: ow\ besteht aus
zwei P2P-Ebenen. Organisationen, die an Wfs partizipieren, werden durch Peers
(Typ A) reprasentiert, die bei der Bearbeitung von Wfs direkt miteinander
kommunizieren. Jeder dieser Peers ist auf tieferer Ebene ein Typ-B-Peer in dem
unternehmensinternen P2P-Netz. Unternehmensinterne Peers schlie lich bieten
Dienste an, die bei der Bearbeitung eines Wfs in Anspruch genommen werden.
Siehe dazu Abbildung 1 linke Seite.</p>
      <p>Abbildung 1.</p>
      <p>
        Das System ist XML-basiert, d.h. sowohl das Wf-Schema, als auch die
WfInstanz wird als XML-Dokument reprasentiert. Jede Wf-Instanz enthalt die zu
bearbeitenden Objekte als Payload (virtuelle Umlaufmappe) und wandert im
Zuge der Bearbeitung von einem Peer zum nachsten. Dabei kann die Instanz
bei einem Split auf verschieden Peers verteilt und bei synchronisierenden Joins
wieder an einem Peer zusammengefuhrt werden. Die Auswahl der Peers wird
entsprechend des Wf-Schemas von der Wf-Engine vorgenommen. Dabei
werden gegebenenfalls die Ergebnisse der bereits vollzogenen Aktivitaten
berucksichtigt, z.B. bei Fallunterscheidungen. Die Menge der geeigneten Peers wird
durch Ausnutzung des JXTA-Protokolls ermittelt: Aktivitaten entsprechen auf
JXTA-Ebene Diensten und werden daher per Advertisement bekanntgegeben
und konnen gesucht werden. Entscheidend zur Umsetzung vieler der genannten
Anforderungen ist das zugrundeliegende Domanenkonzept, welches sehr ahnlich
zu dem in [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ] beschriebenen Konzept ausgelegt ist. Jeder Wf wird einer Domane
zugeordnet; innerhalb einer Domane konnen verschiedene Wfs de niert sein. In
der Domanenbeschreibung werden die partizipierenden Organisationen genannt
und die vorkommenden Rollen deklariert. In dem Wf-Schema wird die Domane
benannt und fur jede Aktivitat angegeben, unter welcher Rolle sie ausgefuhrt
wird. Weiterhin wird dort fur jede Aktivitat ihre Signatur als XML-Schema
beschrieben. Damit werden die Ein- und Ausgabeparameter festgelegt, sowie der
Teil des Payloads identi ziert, auf den zugegri en wird. Erganzend wird die
genaue Zugri sart (z.B. erzeugend, nur lesend) pro Aktivitat festgelegt. Die
feingranulare Zugri skontrolle stellt sicher, dass ein Benutzer nur dann die spezi
zierten Zugri srechte erhalt, wenn er in der Rolle aktiv ist und die Aktivitat auch
gerade ausfuhrt.(vergl. [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ]) Der Standard XMLDSIG wird verwendet, um die
jeweils bearbeitenden Teile der Wf-Instanz userspezi sch zu signieren. Einige der
Sicherheitsanforderungen konnen mithilfe der JXTA-Security-Suite erfullt
werden, so ist beispielsweise TLS als Transportverschlusselung eingebunden, die
Authenti kation von Peers wird durch Peer-Zerti kate sichergestellt. Eine
ausfuhrlichere Darstellung zu den Sicherheitsanforderungen und ihre Realisierung ndet
sich in [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">8</xref>
        ]. Transaktionale Wf werden durch Einbindung des Business
Transaction Protocols unterstutzt. Um die Autonomieanforderungen zu erfullen sind
Wf-Schemas in mehrfacher Weise unterspezi ziert. Beim Ubergang von Typ-A
auf TyP-B-Peers, also beim Eintritt in ein Unternehmen wird bezuglich der
unterspezi zierten Anteile eine Konkretisierung vorgenommen. Beim Austritt aus
dem Unternehmen wird umgekehrt durch einen Abstraktionsschritt die
Konkretisierung wieder ruckgangig gemacht. Der Zusammenhang ist in der Abbildung 1
auf der rechten Seite dargestellt. Im Einzelnen betri t das folgende Bestandteile:
{ Rollen abstrahieren von konkreten Benutzern und
Organisationsstruktur. In dem Wf-Schema wird fur jede Aktivitat die Rolle angegeben,
unter der sie ausgefuhrt wird. Rollen werden in der Domanenbeschreibung
abstrakt de niert. Die Rollenbeschreibung besteht dort nur aus einem
Namen, einer naturlichsprachlichen Beschreibung sowie der Angabe von
Superrollen. Dadurch, dass die Rollen domanenspezi sch de niert sind, haben sie
keinen Bezug zur Organisationsstruktur der beteiligten Organisationen. Die
Anbindung von Usern geschieht unternehmensintern durch eine Zuordnung
von Usern zu Rollen. An dieser Stelle kann die Benutzerverwaltung durch
LDAP, NT oder UNIX-Systeme eingebunden werden. Diese Systeme fassen
Benutzter zu Gruppen zusammen. Hau g re ektieren die Gruppen auch die
Organisationsstruktur. Durch Ausnutzung des Gruppenkonzepts konnen bei
der Zuordnung nicht nur einzelne Benutzer, sondern Gruppen, und damit
gegebenenfalls organisatorische Einheiten, berucksichtigt werden.
{ abstrakte Werkzeuge. Ahnlich wie MIME-Typen erlaubt das System das
verwendete Werkzeug im Schema zunachst abstrakt festzulegen, z.B.
"Textverarbeitung\. Die Konkretisierung (z.B. "MS-Word\) ndet in diesem Fall
fur die einzelnen Peers statt. Aus Sicherheitsgrunden konnen fur
bestimmte Aktivitaten auch spezi sche Programme fest vorgeschrieben werden, die
nicht mehr verandert werden konnen.
{ unterspezi zierte Sub-Work ows. Unternehmensinterne Teilwork ows
konnen in dem Wf-Schema unterspezi ziert bleiben, die konkrete
Realisierung wird in einem extra Dokument modelliert und ist nach au en nicht
sichtbar. Auf diese Weise konnen verschiedene Organisationen mit
unterschiedlichen Realisierungen arbeiten, ohne das Einzelheiten der Realisierung
bekannt gegeben werden mussen.
5
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Wissensmanagementunterstutzung</title>
      <p>In diesem Abschnitt soll auf spezielle Systemfunktionen eingegangen werden,
die : ow besonderes fur Wissensmanagement geeignet machen, insbesondere im
Kontext von den Anforderungen bei interorganisationalen Work ows.
5.1</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Management von Prozesswissen</title>
        <p>Jeder Wf ist einer Domane zugeordnet. Fur jede Domane gibt es eine
Metadomane und einen Meta-Wf, die die kollaborative Entwicklung eines Wfs
ermoglichen. Der Payload des Meta-Wfs besteht aus dem sich in der Entwicklung
be ndlichen Wf-Schema des Objekt-Wfs. Dadurch, das der Entstehungsprozess
selbst als Wf beschrieben ist, ist er au erst exibel und kann leicht an die
jeweiligen spezi schen Anforderungen angepasst werden. Dieser Ansatz ist wiederum
fur die geogra sch verteilte Entwicklung sinnvoll, wie sie bei B2B-Work ows
auftritt. Weiterhin werden Wf-Schemas in einem Repository abgespeichert, auf
dem fallbasierter oder kategorienbasierter Zugri besteht. Damit ist bei der
Entwicklung von neuen Wfs das gesamte explizite Prozesswissen verfugbar
(Kodizierungsstrategie). Zusatzlich konnen die jeweils Verantwortlichen kontaktiert
werden (Personi zierungsstrategie).
5.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>Management von Funktionswissen</title>
        <p>
          Ahnlich wie in [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref9">9</xref>
          ] dargestellt, erlauben wir fur jede Rolle/Aktivitat/Anwendung
die explizite Annotierung von benotigten Fahigkeiten/Fertigkeiten/Kenntnissen
(Skills). Zwischen Anwendung, Aktivitat, Rolle besteht dabei eine
Vererbungsrelation. Diese Modellierung kann benutzt werden um Wissenslandkarten uber
Wfs-Rolle-Skills zu generieren oder einen Erfahrungsindex der Mitarbeiter
aufzubauen oder andersrum bei der Auswahl des Sachbearbeiters vom System
berucksichtigt werden. Der GP liefert den Kontext fur Wissensprozesse. Dieses kann
im System ausgenutzt werden, wenn man die Wissensprozesse explizit
mitmodelliert, und den Kontext zuganglich macht. Z.B. konnen automatisch Suchmasken
entsprechend der aktuellen Instanz ausgefullt werden. Ein ahnliches Vorgehen
ist in [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
          ] dargestellt. Ein Wf-Schema hat moglicherweise viele Instanzen. Diese
werden in einer von neofonie entwickelten XML-Datenbank abgelegt.
Fallbasiertes Retrieval liefert zu der aktuellen Instanz die ahnlichsten Falle, die in der
Vergangenheit bearbeitet wurden.
5.3
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-5-3">
        <title>Kommunikationsmanagement</title>
        <p>Das System unterstutzt eine Vielzahl von Kommunikationsmoglichkeiten. Der
Payload kann zur Laufzeit um Kommentare,Fragen und Anregungen erweitert
werden, die dann weiteren Bearbeitern zuganglich sind. U berhaupt es moglich
derartige Fragen, Anmerkungen zu formulieren und uber unterschiedliche Kanale
zu verteilen. Die P2P-Technlogie macht es leicht, Anwendungen wie IM,
GruppenChat und Diskussionsforen zu realisieren. Naturlich ist auch eMail verfugbar.
Durch das (Meta)Domanen- und Rollenkonzept sind vielfaltige Adressatenkreise
verfugbar. Instanzspezi sch: Es konnen gezielt Bearbeiter kontaktiert werden,
die einen bestimmten Arbeitsschritt in der vorliegenden Instanz bearbeitet
haben. Es kann eine Nachricht an die Gruppe aller, die bisher die Instanz bearbeitet
hat, gesendet werden. Schlie lich kann eine Nachricht an alle geschickt werden,
die diese Instanz bereits bearbeitet haben oder zukunftig bearbeiten werden.
Man beachte, dass sich die Adressierung nicht nur auf die aktuelle Instanz
bezieht, sondern fur beliebige Instanzen gilt. Wenn das oben genannte fallbasierte
Retrieval beispielsweise eine ahnliche Instanz geliefert hat, kann der
Sachbearbeiter den Kollegen kontaktieren, der den entsprechenden Arbeitsschritt bei
dem ahnlichen Fall bearbeitet hat. Schemaspezi sch: Es kann eine Nachricht
an alle geschickt werden, die potentiell Instanzen des Schemas bearbeiten. Der
Empfangerkreis kann durch Auswahl von bestimmten Rollen eingeschrankt
werden. Auf diese Weise kann z.B. eine Diskussion uber Probleme bei der
Bearbeitung einer bestimmten Aktivitat gefuhrt werden, wobei alle Personen adressiert
werden, die auf Grund ihrer Rollenzuordnung die Aktivitat durchfuhren konnen.
Meta-Wf-Spezi sch: Es kann eine Nachricht an alle geschickt werden, die das
Wf-Schema entwickelt haben. Hier konnen Fragen oder Verbesserungsvorschlage
fur den Work ow diskutiert werden. Domanenspezi sch: Es kann eine
Nachricht an alle gesendet werden, die eine bestimmte Rolle innerhalb der Domane
innehaben. Das ist eine work owubergreifende Kommunikation, da sich
innerhalb einer Domane mehrere Work ows be nden konnen.
Metadomanenspezi sch: Es kann eine Nachricht an die Metadomane geschickt werden, d.h. an
diejenigen, die die vorkommenden Rollen festgelegt haben.</p>
        <p>Fur alle oben genannten Adressierungsvarianten kann durch Festlegung auf
bestimmte Organisationen der Empfangerkreis weiter eingeschrankt werden.
Damit ist es beispielsweise moglich eine Nachricht an die unternehmensinternen
Bearbeiter eines Work owschemas zu schicken. Abschlie end wollen wir die
Kommunikationsmoglichkeiten an Hand eines Szenarios erlautern: Ein international
tatiges Kreditunternehmen verfasst in der Zentrale Kreditrichtlinien, die dann zu
Umsetzung an die einzelnen Landerniederlassungen gehen. Die Kreditrichtlinien
lassen noch einen gewissen Spielraum bei der Umsetzung zu. Der italienische
Sachbearbeiter einer bestimmten Kreditrichtlinie kann jetzt seinen Kollegen in
Deutschland kontaktieren, der genau dieselbe Richtlinie umsetzten muss, ohne
den Namen des Sachbearbeiters, die Abteilung etc wissen zu mussen. Die
Flexibilitat der Kommunikation kann nochmals gesteigert werden, wenn die
Kommunikationsbeziehungen wiederum als Wf modelliert werden, damit ist es z.B.
moglich Folgendes auszudrucken: Sende eine Frage an eine bestimmte
Gruppe, wenn drei Antworten eingegangen oder Zeitschranke uberschritten ist, dann
losche die Frage aus der Liste der Empfanger, die die Nachricht noch nicht
gelesen haben.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Bewertung der P2P-Technologie</title>
      <p>Die Bewertung des Einsatzes von P2P-Technlogie ist immer ein kritischer Punkt.
Naturlich kann man ein System mit gleicher Funktionalitat auch auf eher
traditionellem Wege (Client-Server-Architektur) realisieren. In der beschrieben
Architektur kommt das Dokument zu dem Benutzer, der es zu bearbeiten hat,
in einer Client-Server Architektur ist es normalerweise andersherum: der
Nutzer wendet sich mit Hilfe eines Clientprogramms an den Server und geht damit
zum Dokument. Das in dem Zusammenhang der Bewertung von P2P-Systemen
hau g vorgetragene Argument der strukturellen Analogie ist aus unserer Sicht
bestenfalls motivierend fur den Einsatz von P2P. Eine Bewertung musste entlang
vorher de nierter Kriterien vollzogen werden, und zwar vergleichend zwischen
Systemen mit verschiedenen Architekturen. Abgesehen von dem gro en Aufwand
der mehrfachen Realisierung ist ein solcher Vergleich immer noch nur begrenzt
aussagefahig: Schlie lich werden konkrete Systeme auf Basis unterschiedlicher
Architekturmodelle verglichen und nicht die Architekturmodelle an sich.
Letztendlich wird sich eine Art empirische Bewertung ergeben, die sich auf Grund
von Erfahrungen beim Design von Systemen entwickelt. Eigentlich sehen wir
in P2P auch nur eine Spielart des Client-Server-Ansatzes und Systeme werden
in vielen Fallen hybrid sein, also Aspekte haben, die man eher einer
ClientServer-Architektur zuordnen wurde. Das ist im vorliegenden Fall nicht anders.
Einige Aufgaben bei einer WfMS erfordern eher eine zentrale Komponente, und
widersprechen damit dem P2P-Gedanken. Dazu gehoren eine
Uberwachungskomponente, die es erlaubt zu jeder Wf-Instanz Informationen zur Verfugung zu
stellen, welche Aktivitaten gerade ausgefuhrt werden. Andere Beispiele sind die
Repository-Komponente sowie Unterstutzung von Transaktionen. In unserem
System unterscheiden wir deshalb als Hostrechner fur Peers Server von
Arbeitsplatzstationen von Mitarbeitern. Einige Dienste werden auf "immer
verfugbaren\ Servern lokalisiert. Es gibt einige Bereiche, wo sich P2P in der Auspragung
von JXTA als gunstig erweist. Als Vorteil kann verbucht werden, dass
P2PArchitekturen dem Autonomiebedurfnis der Organisationen starker gerecht
werden: Es gibt keinen zentralen Server au erhalb der Organisation, von dessen
Ausfallsicherheit die Organisation abhangig ist. Ist auf der anderen Seite gewunscht,
die Administration des WfMS outzusourcen, ist moglicherweise aber doch ein
zentraler Server erwunscht. Ein Vorteil der verwendeten P2P-Technlogie ist die
Unterstutzung von mobilen Anwendern und Geraten. Das betri t den Aspekt
der O inebearbeitung sowie der Kommunikation. Ein User kann sein Notebook
unter beliebiger IP-Adresse mit dem Netz verbinden und einen Task annehmen.
Die Bearbeitung des Tasks kann o ine geschehen, sofern das benotigte Werkzeug
lokal vorhanden ist. Sobald das Gerat wieder IP-Kontakt hat, wird das
Ergebnis ubermittelt. JXTA uberlagert bestehende Netzwerkarchitekturen mit einem
virtuellen Overlaynetzwerk. Auf dieses Weise ist es prinzipiell moglich auf
Protokolle fur Ad-Hoc-Vernetzung wie Bluetooth aufzusetzen. Weiterhin erscheint
P2P-Technologe gut geeignet fur die Realisierung von erganzender kollaborativer
Kommunikationsunterstutzung, wie sie aus Wissensmanagementsicht erwunscht
ist. Die Beurteilung der Fahigkeit von JXTA, durch Firewalls durch Ausnutzung
von http zu tunneln, wird je nach Security-Policy unterschiedlich ausfallen.
7</p>
      <p>
        Ahnliche Ansatze und Ausblick
Wir haben ein B2B-WfMS vorgestellt, welches auf Basis von P2P-Technologie
implementiert ist und besondere Unterstutzung im Bereich WM bietet. Es gibt
eine Reihe von Arbeiten im Bereich prozessorientiertes WM [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ]. Fur System : ow
kennzeichnend ist die Unterstutzung in der Designphase sowie das umfangreiche
Kommunikationsmanagement. Informationen uber P2P-basierte WfMS ndet
man bisher nur wenige, z.B. in [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10">10</xref>
        ]. Unter der URL s2s.neofonie.de [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">12</xref>
        ] ndet
man unter dem Stichwort S2S Interaktiv\ eine Beispielanwendung von : ow,
"
bei der eine Kommunikationsbeziehung explizit modelliert ist. Eine
naheliegende Weiterentwicklung des Systems liegt darin, neben dem Work ow auch die
Softwarewerkzeuge uber das JXTA-Netzwerk zu verschicken.
      </p>
    </sec>
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