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        <article-title>Forschung mit Master-Studierenden im Software Engineering</article-title>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Marc Hesenius</string-name>
          <email>marc.hesenius@paluno.uni-due.de</email>
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          <string-name>Universität Duisburg-Essen</string-name>
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          <string-name>Dominikus Herzberg</string-name>
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          <string-name>Hochschule Heilbronn</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>(d) Architecture Diagrams Supporting the Functional Paradigm</institution>
          ,
          <addr-line>4</addr-line>
        </aff>
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          <label>1</label>
          <institution>(e) Program Structure and Run-Time Visualization of Algorithms</institution>
          ,
          <addr-line>1</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>115</fpage>
      <lpage>116</lpage>
      <abstract>
        <p>Master-Studierende bringen oft viel Potential mit an die Hochschule. Im Vergleich zu Bachelor-Studierenden haben sie in der Regel völlig andere Sicht- und Herangehensweisen entwickelt, zum Teil aufgrund des höheren Alters, aber maßgeblich wegen der Möglichkeit, bereits einige Jahre außerhalb der Hochschule gearbeitet zu haben. Es stellt sich die Frage, wie dieses Potential für die Forschung an Hochschulen genutzt werden kann. Im Folgenden beschreiben wir unsere Erfahrungen mit einer Grupper Master-Studierender im ersten Semester, denen wir die Aufgabe gestellt haben, aus einem Pool von Forschungsthemen eines auszuwählen und eine Arbeit in Form eines Artikels zu schreiben. Das erklärte Ziel war, publizierbare Ergebnisse zu generieren. Unsere Erwartungen wurden wesentlich übertroffen.</p>
      </abstract>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Einleitung</title>
      <p>Die Beschäftigung mit aktueller Forschung ist in
vielen Studiengängen durchaus Gegenstand der Lehre,
jedoch oft nur abgekoppelt von anderen
Veranstaltungen im Rahmen von Seminararbeiten und
Literaturstudien. Die Einheit von Forschung und Lehre wird
vielerorts nicht praktiziert (Euler, 2005). Software
Engineering bietet aber weitreichende Fragestellungen,
die eine Kombination von Forschung und Lehre
interessant machen (Broy u. Pree, 2003). Wie wir versucht
haben, das Potential, welches Master-Studierende mit
an die Hochschule bringen, für die Forschung zu
nutzen, möchten wir im Folgenden anhand unserer
Erfahrungen mit einer Gruppe von 19 Studierenden im
ersten Semester des Master-Studienganges Software
Engineering and Management an der Hochschule
Heilbronn beschreiben. Bei der Gruppe handelt es sich um
internationale Studierende, entsprechend wurden alle
Veranstaltungen auf Englisch durchgeführt; des
Weiteren kennzeichnet die Gruppe ein breiter
Bildungshintergrund mit dem Fokus auf Informatik und IT sowie
teils mehrjährige Berufserfahrung.</p>
      <p>Im Rahmen der Veranstaltungen Software
Architecture (SWA) und Paradigms in Software Development
(PSD) bekamen die Studierenden die Aufgabe, aus
einer Zahl von sieben Forschungsthemen eines
auszuwählen und dazu eine Arbeit in Artikelform zu
verfassen sowie eine Präsentation zu halten. Die
Veranstaltungen haben in Summe fünf ECTS bzw. vier SWS
und wurden vom verantwortlichen Professor sowie
einem Assistenten gemeinsam über die gesamte Zeit
begleitet. Die Studierenden hatten die Möglichkeit,
in Gruppen zu arbeiten, hiervon machten aber nur
wenige Gebrauch.</p>
      <p>Dieser Erfahrungsbericht soll unsere Ideen und
Vorgehensweise zusammenfassen und zur Wiederholung
animieren. Die Ergebnisse sind für Universitäten und
Fachhochschulen gleichermaßen interessant. Sie
zeigen, dass bei einem Betreuungsaufwand von vier
SWS wissenschaftlich publizierbares Material
entstehen kann. Doktoranden an Universitäten können so
ihre Forschungsarbeiten vorantreiben und in 4-6
Monaten von Studierenden Forschungsaufgaben effizient
erarbeiten lassen. An Fachhochschulen, wo der
wissenschaftliche Mittelbau fehlt, kann so Freiraum für
Forschung geschaffen und gefördert werden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Themenauswahl</title>
      <p>Die Themen orientierten sich am Fokus der
Veranstaltungen und waren so gewählt, dass die Studierenden
Ergebnisse in der verfügbaren Zeit erreichen konnten.
Diese waren (in Klammern die Anzahl der Arbeiten):
(a) Relation of SW Architecture and Organizational</p>
      <p>Structure (5)
(b) Port Shen to Clojure (1)
(c) Reinvent Programming for iPads/Tabs (4)
(f) Architecture and Scale-Free Networks (0)
(g) Concurrency and Architecture (1)</p>
      <p>Die Studierenden waren nicht an diese Auswahl
gebunden und konnten ihre Arbeiten feiner auf
bestimmte Aspekte ausrichten. Mit den Themen (a) und
(b) wurden zwei Notausgänge integriert, falls
Studierende ihre Stärke oder Schwäche im Programmieren
sahen. Thema (a) hatte zwar konkreten Bezug auf
Software Architektur, im Fokus lag aber die Beziehung
zu Unternehmensstrukturen. Thema (b) war eine
anspruchsvolle Programmieraufgabe, sodass hier keine
Ausarbeitung geschrieben werden musste. Die
Themen (a) und (e) waren bewusst empirisch orientiert
und wurden auch entsprechend vorgestellt.</p>
      <p>Unsere Erwartung war, aus den eingereichten
Arbeiten eine nach eventueller Überarbeitung publizieren
zu können, sowie einige andere zu einer weiteren
Veröffentlichung zu verbinden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Struktur und Durchführung</title>
      <p>Die Struktur des gesamten Semesters war grob in
drei Phasen unterteilt: Einführung (die zeitlich längste
Phase), Forschung, Schreiben.</p>
      <p>Die Einführungsphase startete mit einem
MultipleChoice-Test über 32 Fragen, die eine breite
Themenspanne des Software Engineerings abdeckten. Ziel
war, einen Überblick über den Leistungsstand zu
bekommen sowie Studierende zu identifizieren, die sich
bei der Themenwahl potentiell vergreifen konnten. Es
folgten einige Vorlesungseinheiten zu SWA und PSD
sowie Einführungen in wissenschaftliches Schreiben,
Zitieren sowie die Wertigkeit und korrekte Angabe
von Quellen. In diesem Zusammenhang wurde auch
das Thema Plagiate behandelt. Des Weiteren bekamen
die Studierenden einen Leitfaden, der den groben
Aufbau einer wissenschaftlichen Publikation beschrieb
und gleichzeit als verpflichtende LATEX-Vorlage diente
sowie eine Leseliste zur Vorbereitung. Im Folgenden
wurden die Themen präsentiert und zur Wahl gestellt.
Die Studierenden wurden mit kleinen Aufgaben
langsam an ihre gewählten Projekte herangeführt: Zuerst
sollten Sie ein einseitiges Proposal schreiben, in dem
Sie den Kontext sowie das Problem zusammenfassten
und die angedachte Lösung präsentierten.
Anschließend sollten Sie die wissenschaftliche Community
analysieren und wichtige Konferenzen, Personen und
Literatur identifizieren. Ihnen war im Zuge dieser
Arbeiten einmalig erlaubt, das Thema zu wechseln.</p>
      <p>Die folgenden zwei Phasen waren von der
Umsetzung der Arbeit sowie der Verschriftung der
Ergebnisse geprägt. Aufgrund der vier SWS konnten wir
wöchentliche Gespräche mit den Studierenden führen,
sie somit kontinuierlich betreuen und viel Feedback
geben bzw. bekommen. Die Abgabe war frühzeitig als
fixe, nicht verhandelbare Deadline definiert worden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Ergebnisse und Ausblick</title>
      <p>Wir haben einen Versuch beschrieben,
MasterStudierende im ersten Semester unter Anleitung eine
Forschungsarbeit durchführen zu lassen. Die
Ergebnisse haben unsere Erwartungen übertroffen. Aus 16
Arbeiten waren fünf auf sehr gutem Niveau und für
eine Publikation geeignet. Alle auf Konferenzen
eingereichte Arbeiten wurden vor Einreichung überarbeitet.</p>
      <p>Zwei Arbeiten zu den Themen (d) und (g) waren
hochwertig, jedoch noch nicht ganz vollständig. Leider
entschieden sich die Studierenden, die Themen nicht
weiter zu verfolgen. Eine sehr gute empirische Arbeit
zum Thema (e) stellt einen Versuch mit
BachelorStudierenden im ersten Jahr vor, der von zwei
MasterStudierenden vorbereitet, durchgeführt und analysiert
wurde. Aktuell warten wir auf die Ergebnisse eines
Peer-Reviews dieses Artikels. Verschiedene Arbeiten
zum Thema (a) haben interessante Zusammenhänge
zwischen Architektur und Unternehmensstruktur
aufgezeigt, sind jedoch nur schwach empirisch belegbar.
Eine diese Arbeiten wurde bei der VARSA 20121
eingereicht und vom Peer-Review nicht angenommen, da
der Artikel nicht ganz den Fokus der Konferenz traf.
Aus den Arbeiten zum Thema (c) stach eine besonders
hervor und wurde nach Anreicherung durch weitere
Ideen auf der SC 20122 durch die Reviewer
angenommen und im Juni 2012 unter (Hesenius u. a., 2012)
veröffentlicht.</p>
      <p>Die Nichtbestehensquote lag bei ca. 36%. Eine
auffällige Korrelation mit dem Einführungstest besteht
– aus guten Ergebnissen folgten auch gute Arbeiten.
Natürlich gibt es erfreuliche wie unerfreuliche
statistische Ausreißer: So verhoben sich zwei durchaus
begabte Studierende mit guten Ergebnissen im
Einführungstest an der Programmieraufgabe (b).</p>
      <p>Für die Zukunft ist zu prüfen, wie mehr Lehrinhalte
eingewoben werden können, etwa durch Kombination
mit dedizierten Veranstaltungen zum
wissenschaftlichem Schreiben.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literatur</title>
      <p>[Euler 2005] EULER, Dieter: Forschendes Lernen.</p>
      <p>In: W. Wunderlich &amp; S. Spoun (Hrsg.), Universität
und Persönlichkeitsentwicklung. Frankfurt, New York:
Campus (2005)</p>
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