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        <article-title>Welche Kompetenzen benötigt ein Software Ingenieur?</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Yvonne Sedelmaier</string-name>
          <email>sedelmaier@hs-coburg.de</email>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Sascha Claren</string-name>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Dieter Landes</string-name>
          <email>landes@hs-coburg.de</email>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Hochschule für angewandte Wissen- schaften Coburg</string-name>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <fpage>117</fpage>
      <lpage>128</lpage>
      <abstract>
        <p>Software   ist   Teil   der   modernen   Welt   und   nahezu   überall  zu  finden.  Daher  gewinnt  Software  Engine-­‐ering   zunehmend   an   Bedeutung.   Um   Software   zu   entwickeln   oder   weiterzuentwickeln,   sind   vielfälti-­‐ge   Kompetenzen   und   Kenntnisse   nötig.   Das   stellt   auch   die   Hochschulausbildung   und   damit   verbun-­‐den   die   didaktische   Forschung   im   Software   Engi-­‐neering  vor  große  Herausforderungen.     In   diesem   Beitrag   wird   zunächst   das   For-­‐schungsinteresse  beschrieben  und  begründet.  Dann   wird   der   Kompetenzbegriff   diskutiert   und   erläu-­‐tert.  Nachfolgend  werden  die  methodischen  Schrit-­‐te   beschrieben,   mit   denen   das   Kompetenzprofil   eines   Software   Ingenieurs   erhoben   wird.   Dabei   wird   zunächst   die   Vorgehensweise   beschrieben,   bevor   erste   Ergebnisse   vorgestellt   werden.   Zuletzt   folgt   ein   Ausblick,   wie   die   Hochschulausbildung   im   Software   Engineering   noch   besser   auf   Kompe-­‐tenzentwicklung  ausgerichtet  werden  kann.  </p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>1. Motivation</title>
      <p>Durch   die   stetig   wachsende   Komplexität   von   Soft-­‐‑
ware   steigen   auch   die   Anforderungen   an   Informa-­‐‑
tiker,   die   mit   einer   zunehmenden   Anzahl   von  
komplexen   Rollen,   Schnittstellen   und   Aufgaben  
konfrontiert  werden.    </p>
      <p>Software   wird   häufig   in   großen   Teams   mit   ei-­‐‑
ner  Vielzahl  fachlicher  Rollen  entwickelt.  Das  reicht  
vom  Anforderungsanalysten  über  den  Software  Ar-­‐‑
chitekten   und   den   Programmierer   bis   hin   zum  
Software   Tester.   In   jeder   dieser   Rollen   sind   zum  
Teil   sehr   unterschiedliche   Kompetenzen   notwen-­‐‑
dig.  Da  Software  normalerweise  nicht  für  Informa-­‐‑
tiker,   sondern   für   "ʺfachfremde"ʺ   Auftraggeber   ent-­‐‑
wickelt   wird,   muss   zum   Beispiel   derjenige,   der  
Anforderungen   erhebt,   über   ein   hohes   Maß   an   in-­‐‑
terdisziplinärer   Kommunikationsfähigkeit   verfü-­‐‑
gen.   Ein   Software   Ingenieur   im   Bereich   Anforde-­‐‑
rungsanalyse   muss   in   der   Lage   sein,   sich   auf   für  
ihn   fremde   Denkmuster   und   Denkstrukturen   ein-­‐‑
zulassen,   sie   zu   verstehen   und   auch   zwischen  
ihnen  und  der  Informatik  zu  vermitteln.  Des  Weite-­‐‑
ren   muss   ein   Anforderungsanalytiker   mit   einem  
gewissen   Verständnis   für   den   künftigen   Anwen-­‐‑
dungskontext   der   zu   entwickelnden   Software   aus-­‐‑
gestattet  sein,  um  funktionale  und  nichtfunktionale  
Anforderungen   möglichst   umfassend   erheben   zu  
können.   Dies   setzt   ein   gewisses   Maß   an   Empathie  
und  Weitblick  voraus,  sich  in  die  künftige  Anwen-­‐‑
dungssituation   und   den   Anwender   hineinzuver-­‐‑
setzen.  So  birgt  jede  Rolle  im  Prozess  des  Software  
Engineering  ihre  besonderen  Herausforderungen.  </p>
      <p>Software   Ingenieure   müssen   sich   jedoch   unab-­‐‑
hängig   von   ihrer   Rolle   in   ein   Entwicklungsteam  
eingliedern   können   und   benötigen   neben   ihrem  
fachlichen   Wissen   auch   eine   Vielzahl   weiterer  
Kompetenzen.  So  müssen  sie  etwa  in  der  Lage  sein,  
Herausforderungen   und   Probleme   rechtzeitig   zu  
erkennen   und   einzuschätzen,   benötigen   also   ein  
gewisses   Problembewusstsein,   um   im   richtigen  
Moment   angemessen   agieren   und   reagieren   zu  
können.   Software   Ingenieure   müssen   ihr   erworbe-­‐‑
nes   Wissen   ständig   auf   neue   Situationen   anpassen  
und  erlernte  Methoden  selbständig  anwenden.  </p>
      <p>Dieser   Artikel   konkretisiert   und   strukturiert  
den   Kompetenzbegriff   im   Kontext   von   Software  
Engineering  und  stellt  ein  Modell  zur  Beschreibung  
von  Kompetenzen  vor.  Er  beleuchtet,  wie  es  entwi-­‐‑
ckelt  wurde  und  welche  Anforderungen  es  erfüllen  
soll.   Er   zeigt   auf   Grundlage   des   vorgeschlagenen  
Beschreibungsmodells   erste   Ergebnisse   zu   Soll-­‐‑
Kompetenzen  eines  Software  Ingenieurs.  </p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>2. Forschungsinteresse</title>
      <p>Ein   Software   Ingenieur   benötigt   neben   einer   Viel-­‐‑
zahl   an   fachlichen   auch   überfachliche   Kompeten-­‐‑
zen,   damit   er   sein   fachliches   Wissen   in   komplexen  
Situationen   überhaupt   erfolgreich   umsetzen   kann.  
Da   es   in   Lernprozessen   keine   direkten   und   klaren  
Ursache-­‐‑Wirkungs-­‐‑Zusammenhänge   gibt,   können  
Kompetenzen   lediglich   trainiert   und   gefördert,  
jedoch  nicht  direkt  vermittelt  werden.  Das  stellt  die  
Hochschulausbildung  im  Software  Engineering  vor  
große  Herausforderungen.  Sie  möchte  sowohl  fach-­‐‑
liche   als   auch   überfachliche   Kompetenzen   im   Soft-­‐‑
ware   Engineering   trainieren.   Daher   starteten   sechs  
bayerische   Hochschulen   das   Projekt   EVELIN   (Ex-­‐‑
perimentelle   VErbesserung   des   Lernens   von   Soft-­‐‑
ware  EngINeering),  um  genau  hier  anzusetzen  und  
das   Lehren   und   Lernen   von   Software   Engineering  
in   seiner   gesamten   Bandbreite   besser   verstehen   zu  
können  und  im  Rahmen  der  Hochschullehre  zielge-­‐‑
richtet   Rahmenbedingungen   zu   schaffen,   die   das  
Trainieren  von  Kompetenzen  optimal  ermöglichen.    </p>
      <p>Bevor   es   aber   möglich   ist,   sich   darüber   Gedan-­‐‑
ken   zu   machen,   wie   man   am   besten   Kompetenzen  
trainieren  kann,  stellen  sich  folgende  Fragen:    
• Was  meint  überhaupt  "ʺKompetenz"ʺ?    
• Wozu  dient  eine  Kompetenzbeschreibung?  
• Wie  beschreibt  man  Kompetenzen  sinnvoll?    
• Was   genau   kennzeichnet   einen   guten   Software  
Ingenieur?   Welche   Kompetenzen   soll   ein   Soft-­‐‑
ware  Ingenieur  haben?    </p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>3. Was ist "Kompetenz"?</title>
      <p>Der   Kompetenzbegriff   ist   relativ   unscharf.   Es   gibt  
zahlreiche   Definitionen,   was   unter   Kompetenzen  
verstanden  werden  kann.    </p>
      <p>
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">Erpenbeck  (2007</xref>
        )  schlägt  eine  Einteilung  in  per-­‐‑
sonale,  aktivitäts-­‐‑  und  umsetzungsorientierte,  fach-­‐‑
lich-­‐‑methodische   sowie   sozial-­‐‑kommunikative  
Kompetenz   vor.   Die   Definition   nach   Erpenbeck  
ermöglicht   jedoch   keine   eindeutige   Zuordnung  
einzelner  Kompetenzen  zu  einer  dieser  Arten.  
      </p>
      <p>
        Spricht   man   allgemein   von   einer   Kompetenz,  
um   z.B.   eine   bestimmte   Problemstellung   lösen   zu  
können,   treten   verschiedene   Kompetenzarten   in  
Kombination   auf.   Um   etwa   Anforderungen   erfas-­‐‑
sen   zu   können,   bedarf   es   sowohl   fachlich-­‐‑metho-­‐‑
discher   (z.B.   Anforderungen   korrekt   beschreiben)  
als  auch  sozial-­‐‑kommunikativer  Kompetenzen  (z.B.  
Kommunikationsfähigkeit,   Teamfähigkeit).   Auch  
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">Erpenbeck   (2007</xref>
        ,   S.   XII)   kommt   zu   dem   Schluss,  
dass   Kompetenzen   mehr   sind   als   reines   Wissen  
oder   Fertigkeiten:   "ʺKompetenzen   schließen   Fertig-­‐‑
keiten,  Wissen  und  Qualifikationen  ein,  lassen  sich  
aber  nicht  darauf  reduzieren."ʺ    
      </p>
      <p>
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">Weinert  (2001</xref>
        ,  S.  27f)  gibt  eine  allgemeinere  De-­‐‑
finition:   "ʺKompetenzen   sind   die   bei   Individuen  
verfügbaren  oder  von  ihnen  erlernbaren  kognitiven  
Fähigkeiten   und   Fertigkeiten,   bestimmte   Probleme  
zu   lösen,   sowie   die   damit   verbundenen   motivatio-­‐‑
nalen   (das   Motiv   betreffend),   volitionalen   (durch  
den   Willen   bestimmt)   und   sozialen   Bereitschaften  
und  Fähigkeiten,  die  Problemlösungen  in  variablen  
Situationen   erfolgreich   und   verantwortungsvoll  
nutzen   zu   können."ʺ   Angelehnt   an   Weinert   unter-­‐‑
scheiden  wir  im  vorliegenden  Artikel  zwei  Kompe-­‐‑
tenzarten:    
• Fachkompetenzen   entsprechen   den   kognitiven  
      </p>
      <p>Fähigkeiten  und  Fertigkeiten.  
• Überfachliche   Kompetenzen   beinhalten   die  
motivationalen,   volitionalen   und   sozialen   Be-­‐‑
reitschaften  und  Fähigkeiten.    
Somit  beschreiben  überfachliche  Kompetenzen  hier  
diejenigen   Kompetenzen,   die   gemeinhin   nicht   di-­‐‑
rekt   als   "ʺFachwissen"ʺ   bezeichnet   werden,   sondern  
vielmehr   alle   Fähigkeiten,   die   nötig   sind,   um  
Fachwissen   situationsbezogen   und   zielgerichtet   in  
komplexen  Situationen  anwenden  zu  können.  </p>
      <p>Die   derzeitige   Unterscheidung   von   lediglich  
zwei  Kompetenzarten  ohne  weitere  Unterteilungen  
liegt  darin  begründet,  dass  aktuell  noch  keine  Aus-­‐‑
sagen   über   feinere   sinnvolle   Differenzierungen  
getroffen   werden   können.   Das   Interesse   liegt   zu-­‐‑
nächst   auf   einer   klaren   Strukturierung   von   For-­‐‑
schungsdaten.   Erst   später   ist   möglicherweise   eine  
weitere  Differenzierung  sinnvoll  und  notwendig.  </p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>4. Wozu sollten Kompetenzen beschrieben werden?</title>
      <p>Die   erforderlichen   fachlichen   und   überfachlichen  
Kompetenzen   im   Software   Engineering   sollen   er-­‐‑
hoben,   analysiert   und   beschrieben   werden,   um  
darauf  aufbauend  Lehrziele,  didaktische  Methoden  
und   kompetenzorientierte   Prüfungen   (weiter)   zu  
entwickeln.   Die   erhobenen   Kompetenzen   werden  
in   einem   Kompetenzprofil   zusammengefasst   und  
stellen   so   ein   umfassendes   Bild   dar,   was   ein   Soft-­‐‑
ware   Ingenieur   unmittelbar   nach   der   Hochschul-­‐‑
ausbildung   kennen   und   können   soll.   Kompetenz-­‐‑
profile   sollen   sowohl   für   den   Bereich   der   Kernin-­‐‑
formatik  als  auch  für  Software  Engineering  im  Ne-­‐‑
benfach   wie   etwa   Mechatronik   erfasst   werden.  
Darauf   aufbauend   soll   erforscht   werden,   welche  
Einflussfaktoren   die   Kompetenzförderung   im  
Software   Engineering   begünstigen,   so   dass   in   der  
Hochschulausbildung   gezielt   kompetenzfördernde  
Rahmenbedingungen  geschaffen  werden  können.    </p>
      <p>Die  Kompetenzbeschreibung  ist  somit  eine  we-­‐‑
sentliche   Grundlage   für   die   weitere   empirisch-­‐‑
experimentelle   Didaktikforschung.   Kompetenzbe-­‐‑
schreibungen   werden   benötigt,   um   die   Ziele   der  
akademischen   Ausbildung   klar   beschreiben   zu  
können   und   eine   Vergleichsmöglichkeit   zu   schaf-­‐‑
fen,  inwieweit  diese  Ziele  dann  tatsächlich  erreicht  
wurden.  Dazu  ist  eine  systematische,  vergleichbare  
Beschreibung   von   Kompetenzen   notwendig.   Kom-­‐‑
petenzbeschreibungen   bilden   diese   Vergleichs-­‐‑
grundlage,   um   später   in   Experimenten   zu   evaluie-­‐‑
ren,   wie   sich   die   Soll-­‐‑   von   den   Ist-­‐‑Kompetenzen  
Studierender   unterscheiden   und   ob   die   gezielte  
Veränderung   einzelner   Einflussvariablen   auf   den  
Lernprozess  die  Kompetenzentwicklung  begünstigt  
hat.  Die  Beschreibung  von  Kompetenzprofilen  stellt  
in   diesem   Zusammenhang   eine   Datenbasis   zu   ver-­‐‑
schiedenen   Zeitpunkten   sowie   verschiedener   Ko-­‐‑
horten   und   Studiengänge   dar,   die   dann   miteinan-­‐‑
der  abgeglichen  werden  können.  </p>
      <p>Fachliche   und   überfachliche   Kompetenzen   un-­‐‑
terscheiden   sich   in   ihrer   Art,   Beschreibung,   Förde-­‐‑
rung   und   auch   Messung   stark   und   werden   daher  
zunächst   separat   betrachtet.   Überfachliche   Kompe-­‐‑
tenzen   sind   sehr   schwer   zu   fassen,   zudem   kaum  
eindeutig  definierbar  und  messbar.  </p>
      <p>
        Fachliche   Kompetenzen   werden   mit   einem   ge-­‐‑
eigneten   Beschreibungsschema   erfasst,   analysiert  
und   beschrieben.   Eine   Grundlage   dafür   bildet  
SWEBOK  
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Abran   et   al.   2004)</xref>
        ,   das   die   fachlichen  
Kompetenzen   eines   Software   Ingenieurs   mit   vier  
Jahren   Berufserfahrung   beschreibt.   Für   überfachli-­‐‑
che   Kompetenzen   im   Software   Engineering   soll   in  
EVELIN   ein   Schema   zur   Beschreibung   entwickelt  
und   mit   konkreten   Daten   gefüllt   werden.   Das   Er-­‐‑
gebnis   entspräche   dem   SWEBOK   auf   fachlicher  
Seite.   Die   erforderlichen   überfachlichen   Soll-­‐‑Kom-­‐‑
petenzen   werden   völlig   offen   und   unvoreinge-­‐‑
nommen   ermittelt,   um   ein   möglichst   umfassendes  
Bild  zu  bekommen.  Es  geht  auch  darum  zu  verste-­‐‑
hen,   was   z.B.   "ʺkommunikative   Kompetenz"ʺ   im  
Kontext  von  Software  Engineering  bedeutet.    
      </p>
      <p>Die   systematische   Erfassung   der   Soll-­‐‑Kompe-­‐‑
tenzen   ist   Voraussetzung   dafür,   Lernprozesse   bes-­‐‑
ser   analysieren   und   verstehen   zu   können.   Zentrale  
Fragen   sind   dann:   Welche   Faktoren   wirken   über-­‐‑
haupt   auf   das   Lernen?   Und   wie   können   diese   Ein-­‐‑
flussfaktoren   systematisch   erfasst   werden,   so   dass  
dann  zielgerichtet  diejenigen  angepasst  und  verän-­‐‑
dert  werden  können,  die  Lernprozesse  unterstützen  
und  so  die  Soll-­‐‑Kompetenzen  gezielt  fördern?  Hin-­‐‑
zu   kommt   die   Schwierigkeit,   dass   Wechselwirkun-­‐‑
gen   zwischen   den   Einflussfaktoren   bestehen:   die  
Änderung   einzelner   Faktoren   hat   immer   Auswir-­‐‑
kungen   auf   andere.   Es   gilt,   diese   Einflussfaktoren  
auf  Lernprozesse  im  Software  Engineering  und  ihre  
Wechselwirkungen   untereinander   mittels   Groun-­‐‑
ded   Theory   besser   zu   verstehen,   zumal   es   speziell  
für   den   Bereich   Software   Engineering   noch   keine  
etablierte  Theorie  gibt.    </p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>5. Grounded Theory als Forschungsstrategie</title>
      <p>
        Den   methodischen   Rahmen   für   das   gesamte   Vor-­‐‑
haben   bildet   die   Forschungsstrategie   Grounded  
Theory  
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(Glaser   et   al.   1998)</xref>
        ,   die   häufig   verwendet  
wird,   wenn   eine   auf   Daten   gestützte   Theorie   zu  
einem   Thema   entwickelt   werden   soll.   Sie   zielt   da-­‐‑
rauf  ab,  Sachverhalte  besser  zu  verstehen  und  wird  
in   diesem   Forschungsprojekt   angewandt,   um   Pro-­‐‑
zesse  umfassend  zu  verstehen,  die  dem  Lernen  von  
Software  Engineering  zugrunde  liegen.  Dieses  Ver-­‐‑
ständnis   ist   Voraussetzung   für   die   kompetenzför-­‐‑
dernde  Gestaltung  der  Lernprozesse.    
      </p>
      <p>
        Den  Ausgangspunkt  der  Grounded  Theory  bil-­‐‑
den   nicht   theoretische   Vorannahmen.   Vielmehr  
handelt   es   sich   um   einen   zirkulären   Analysepro-­‐‑
zess,  der  zugleich  induktive  und  deduktive  Vorge-­‐‑
henselemente   beinhaltet.   Ausgangspunkt   ist   eine  
erklärende  Hypothese,  die  versucht,  von  einer  Fol-­‐‑
ge   auf   Vorhergehendes   zu   schließen   (Abduktion).  
Dann   wird   ein   Typisierungsschema   für   Hypothe-­‐‑
sen  entwickelt  (Deduktion),  das  mit  Forschungsda-­‐‑
ten  abgeglichen  wird  (Induktion)  
        <xref ref-type="bibr" rid="ref9">(Flick  et  al.  2000)</xref>
        .  
      </p>
      <p>Grounded   Theory   besitzt   unter   anderem   fol-­‐‑
gende  wesentliche  Merkmale:  
• Eine   Theorie   wird   aus   Daten   generiert,   statt  
"ʺnur"ʺ  verifiziert.  Der  Fokus  liegt  auf  der  Entde-­‐‑
ckung   und   Einbeziehung   neuer   Erkenntnisse,  
nicht   auf   der   Verifizierung,   denn   das   würde  
neu   auftauchende   Perspektiven   unterdrücken.  
Folglich   kann   eine   Theorie   nie   "ʺfertig"ʺ   sein,   da  
jederzeit  neue  Aspekte  auftauchen  können.    
• Ziel  ist  es,  durch  das  Vergleichen  von  Gruppen  
zum   einen   Kategorien   zu   bilden   und   zum   an-­‐‑
deren   bestehende   Beziehungen   zwischen   die-­‐‑
sen   Kategorien   an   den   Tag   zu   bringen.   Nach  
Glaser   et   al.   (1998,   S.   48f.)     "ʺ...   muss   unterstri-­‐‑
chen   werden,   dass   die   Hypothesen   zunächst  
einen  vorläufigen  Status  haben:  Sie  beschreiben  
mutmaßliche,   nicht   getestete   Zusammenhänge  
zwischen  den  Kategorien  und  ihren  Eigenschaf-­‐‑
ten   -­‐‑   was   natürlich   nicht   heißt,   dass   man   die  
Hypothesen  nicht  so  gut  wie  möglich  verifizie-­‐‑
ren   sollte.   [...]   Hypothesen   zu   generieren   heißt,  
sie   im   empirischen   Material   zu   verankern   -­‐‑  
nicht,   genug   Material   anzuhäufen,   um   einen  
Beweis  führen  zu  können."ʺ    
• Grounded   Theory   fordert   eine   parallele   Daten-­‐‑
erhebung   und   -­‐‑analyse,   und   zwar   vom   Beginn  
der  Forschung  an  bis  zur  ihrem  Ende.  
• Theoretisches   Sampling   meint,   dass   die   Stich-­‐‑
probe   sich   während   des   gesamten   Forschungs-­‐‑
prozesses   weiter   entwickelt,   so   dass   bis   zum  
Ende   keine   endgültigen   Aussagen   über   die   er-­‐‑
hobenen   und   einbezogenen   Daten   getroffen  
werden   können.   Die   entstehende   Theorie   steu-­‐‑
ert,   wann   im   Forschungsprozess   welche   Daten  
wo  erhoben  werden.  
• Grundsätzlich   gilt   ein   Mix   qualitativer   und  
quantitativer   Forschungsmethoden   als   zielfüh-­‐‑
rend.    
Daraus   resultiert   permanente   Offenheit   für   neue  
Aspekte,   die   jederzeit   in   den   Forschungsprozess  
aufgenommen  werden.  </p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>6. Methodisches Vorgehen</title>
      <p>Das   Vorgehen   der   Grounded   Theory   korrespon-­‐‑
diert   gut   mit   dem   Anspruch   einer   angewandten  
Forschung,   da   hier   sowohl   die   Forschungsmetho-­‐‑
dik   als   auch   die   Anwendungsorientierung   von   zu  
erhebenden   Daten   ausgehen   und   diese   strukturie-­‐‑
ren.   Zudem   soll   kein   vorgefertigtes   Bild   verifiziert  
werden,   das   es   für   das   Lernen   von   Software   Engi-­‐‑
neering   ohnehin   noch   nicht   gibt.   Ein   solches   Mo-­‐‑
dell   könnte   nur   auf   theoretischer   Basis   entwickelt  
werden,  hätte  dann  aber  wenig  Bezug  zur  Anwen-­‐‑
dungsrealität.    </p>
      <p>Software  Engineering  ist  gekennzeichnet  durch  
ein   sehr   komplexes   Praxisfeld   sowie   eine   Vielzahl  
zu  trainierender  Kompetenzen,  die  zudem  von  der  
jeweiligen  Rolle  abhängen,  die  ein  Software  Ingeni-­‐‑
eur   einnimmt.   Damit   ist   der   Wissenstransfer   von  
der   Theorie   auf   die   praktische   Anwendung   im  
Software  Engineering  eine  besondere  Herausforde-­‐‑
rung.   Lernen   von   Software   Engineering   muss   also  
auf   den   sehr   komplexen   Anwendungskontext   aus-­‐‑
gerichtet   sein   und   wird   von   zahlreichen   Faktoren  
beeinflusst.  Um  Anhaltspunkte  für  Ausgangshypo-­‐‑
thesen  und  einen  möglichst  umfassenden  Blick  auf  
diese   Einflussfaktoren   zu   erhalten,   ist   es   sinnvoll,  
diese   Faktoren   auf   einer   detaillierteren   Ebene   sys-­‐‑
tematisch  zu  analysieren.    </p>
      <sec id="sec-7-1">
        <title>6.1 Überblick über das konkrete Vorgehen</title>
        <p>Wird  vor  diesem  Hintergrund  die  Grounded  Theo-­‐‑
ry   auf   das   Lernen   von   Software   Engineering   ange-­‐‑
wandt,   ergibt   sich   folgendes   konkretes   Vorgehen:  
Die   Kompetenzbeschreibungen   ermöglichen   einen  
Vergleich   von   tatsächlich   zu   verschiedenen   Zeit-­‐‑
punkten   bei   verschiedenen   Studierendengruppen  
erhobenen   Ist-­‐‑   mit   den   zu   erreichenden   Soll-­‐‑
Kompetenzen.   Auf   Grundlage   dieser   Ergebnisse  
werden   Hypothesen   zu   den   Einflussfaktoren   auf  
das  Lernen  von  Software  Engineering  gebildet  und  
überprüft.   Konkret   bedeutet   dies,   dass   zunächst  
sowohl  die  Soll-­‐‑Kompetenzen  als  auch  die  Ist-­‐‑Kom-­‐‑
petenzen  Studierender  erhoben  werden.    </p>
        <p>Dann  werden  gezielt  Einflussvariablen  auf  den  
Lernprozess   modifiziert   und   die   studentischen   Ist-­‐‑
Kompetenzen   zu   einem   späteren   Zeitpunkt   erneut  
erhoben.   Zuvor   definierte   Messkriterien   zeigen,   ob  
und  in  welchem  Maß  sich  die  Kompetenzen  verän-­‐‑
dert  haben,  und  lassen  Rückschlüsse  auf  die  verän-­‐‑
derten   Einflussvariablen   zu.   Diese   Messkriterien  
werden   über   konkrete,   auf   die   Rahmenbedingun-­‐‑
gen   angepasste   Lehrziele   aus   den   Soll-­‐‑Kompeten-­‐‑
zen  abgeleitet.    </p>
        <p>Dieser  Prozess  wird  mehrfach  durchlaufen,  um  
ein   besseres   Verständnis   über   die   Einflussfaktoren  
auf  das  Lernen  von  Software  Engineering  zu  erhal-­‐‑
ten   und   um   so   den   Lernprozess   möglichst   kompe-­‐‑
tenzfördernd  gestalten  zu  können.  </p>
        <p>Ausgehend   von   ersten   Hypothesen   und   Daten  
sollen  gezielte  Veränderungen  und  Modifikationen  
an   den   Lehr-­‐‑Lern-­‐‑Prozessen   vorgenommen   und  
dokumentiert   werden,   so   dass   Schritt   für   Schritt  
bestehende   Lehrveranstaltungen   weiterentwickelt  
werden   können.   Dabei   werden   -­‐‑   wie   bereits   be-­‐‑
schrieben   -­‐‑   Messkriterien   festgelegt,   anhand   derer  
Kompetenzentwicklung   zu   verschiedenen   Zeit-­‐‑
punkten   ablesbar   und   vergleichbar   sein   soll.   Diese  
Daten  werden  dann  zu  verschiedenen  Zeitpunkten  
erhoben.   Aus   dem   Vergleich   der   veränderten   Ein-­‐‑
flussvariablen   und   den   Messwerten   der   Soll-­‐‑   und  
Ist-­‐‑Kompetenzen   zu   verschiedenen   Zeitpunkten  
werden   so   Rückschlüsse   auf   mögliche   lernfördern-­‐‑
de   Einflussfaktoren   gezogen,   die   dann   gezielt   mo-­‐‑
difiziert  werden.    </p>
        <p>Somit   gliedert   sich   das   Vorgehen   in   zwei   we-­‐‑
sentliche   Schritte:   Das   Strukturieren   und   gezielte  
Verändern   von   Einflussvariablen   auf   den   Lernpro-­‐‑
zess  und  die  Kompetenzanalysen  zu  verschiedenen  
Zeitpunkten.    </p>
        <p>
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13">Sedelmaier   und   Landes   (2012</xref>
          )   beschreiben   das  
Forschungsdesign  genauer  (vgl.  Abb.  4).    
        </p>
        <p>Abb.  4:  Überblick  über  das  Forschungsdesign  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-2">
        <title>6.2 Erfassen von Einflussvariablen</title>
        <p>
          Um   die   Einflussfaktoren   auf   Lehr-­‐‑Lern-­‐‑Prozesse  
systematisch   erfassen   zu   können,   wurden   diese  
zunächst  in  Struktur-­‐‑,  Prozess-­‐‑  und  Ergebnisvariab-­‐‑
len  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref7">(Donabedian  1980)</xref>
           unterteilt.  Ergebnisvariablen  
werden   mittels   der   Kompetenzprofile   beschrieben.  
Strukturvariablen  setzen  sich  aus  den  didaktischen  
Aspekten   zusammen,   die   strukturelle   Rahmenbe-­‐‑
dingungen  auf  den  Lernprozess  darstellen,  wie  z.B.  
Motivationen,  Einstellungen,  didaktische  Kenntnis-­‐‑
se   der   Lehrenden,   Räumlichkeiten.   Prozessvariab-­‐‑
len  beeinflussen  den  tatsächlichen  Lernprozess,  wie  
etwa  Medien,  Lehr-­‐‑  und  Lernmethoden.    
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-3">
        <title>6.3 Kompetenzanalyse</title>
        <p>Um   Kompetenzen   zu   verschiedenen   Zeitpunkten  
erfassen  und  dokumentieren  und  Vergleiche  anstel-­‐‑
len   zu   können,   ist   ein   einheitliches   Beschreibungs-­‐‑
schema  erforderlich.  </p>
        <p>Während   zu   fachlichen   Kompetenzen   zahlrei-­‐‑
che  Vorarbeiten  zu  finden  sind,  existieren  für  über-­‐‑
fachliche   Kompetenzen   nur   sehr   allgemeingültige  
Einteilungen   (vgl.   Kap.   3).   Daher   werden   fachliche  
und  überfachliche  Kompetenzen  separat  betrachtet,  
wodurch  sich  auch  das  Vorgehen  unterscheidet.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-4">
        <title>Vorgehen bei überfachlichen Kompetenzen</title>
        <p>SWEBOK   strukturiert   fachliche   Inhalte   des   Soft-­‐‑
ware   Engineering   und   bietet   somit   einen   Anhalts-­‐‑
punkt,   welche   fachlichen   Kompetenzen   im   Soft-­‐‑
ware  Engineering  relevant  sein  können.  </p>
        <p>Allerdings   vernachlässigt   SWEBOK   überfachli-­‐‑
che   Kompetenzen   völlig.   Zudem   ist   keine   mit  
SWEBOK  vergleichbare  "ʺLandkarte"ʺ  für  überfachli-­‐‑
che   Kompetenzen   im   Software   Engineering   be-­‐‑
kannt.   Auch   ist   noch   unklar,   wie   trennscharf   sich  
überfachliche   Kompetenzen   unterscheiden   lassen.  
Lässt  sich  eine  Kompetenz  eindeutig  beispielsweise  
den  motivationalen  oder  volitionalen  Kompetenzen  
zuordnen?   Diese   Frage   ist   erst   nach   Erhebung   ers-­‐‑
ter   konkreter   überfachlicher   Kompetenzen   zu   be-­‐‑
antworten.    </p>
        <p>Da  im  Bereich  überfachlicher  Kompetenzen  für  
Software   Engineering   also   noch   keinerlei   Vorerhe-­‐‑
bungen   oder   vorstrukturierende   Daten   vorhanden  
sind,  sind  somit  die  zu  erwartenden  Inhalte  unklar.  
Daher   bietet   sich   ein   iteratives   Forschungsdesign  
an,   das   bottom-­‐‑up   mit   völlig   offenem   Blick   über-­‐‑
fachliche  Kompetenzen  erfasst  und  dann  erst  struk-­‐‑
turiert.   Es   wurde   ohne   ein   vorhandenes   Schema  
zur   Beschreibung   der   Kompetenzen   begonnen.  
Dieses   entsteht   erst   parallel   mit   der   Datenerhe-­‐‑
bung.   Die   Entwicklung   eines   Beschreibungsmo-­‐‑
dells   für   überfachliche   Kompetenzen   ist   einer   ers-­‐‑
ten  Datensammlung  nachgelagert.  </p>
        <p>Überfachliche   Soll-­‐‑Kompetenzen   werden   aus  
Sicht   unterschiedlicher   Stakeholder   und   zunächst  
in  einem  ersten  Schritt  aus  Sicht  von  Unternehmen  
für   den   Bereich   Kerninformatik   ermittelt.   Dazu  
wurden   Interviews,   die   zu   den   fachlichen   Kompe-­‐‑
tenzen   geführt   wurden   (siehe   unten),   nochmals   im  
Hinblick   auf   überfachliche   Kompetenzen   ausge-­‐‑
wertet.   Durch   die   Nähe   zur   Datenbasis   der   Inter-­‐‑
views   entsteht   in   diesem   bottom-­‐‑up-­‐‑Prozess   ein  
Verständnis   für   die   überfachlichen   Kompetenzen  
und  ihre  Ausprägung.  Dieses  Vorgehen  ermöglicht  
einen   unverstellten   Blick   auf   die   tatsächlichen   Er-­‐‑
fordernisse  im  Berufsleben  und  erzeugt  schon  wäh-­‐‑
rend   des   Forschungsprozesses   ein   Gefühl   dafür,  
was   etwa   mit   "ʺTeamfähigkeit"ʺ   gemeint   ist.   Sonst  
häufig   wenig   aussagekräftige   Worthülsen   wie   z.B.  
Teamfähigkeit   erfahren   durch   dieses   bottom-­‐‑up-­‐‑
Vorgehen   eine   Konkretisierung   für   den   Bereich  
Software   Engineering.   Dies   ist   auch   der   Grund,  
warum  es  in  einem  ersten  Schritt  nicht  sinnvoll  ist,  
Stakeholder   direkt   danach   zu   fragen,   welche   über-­‐‑
fachlichen   Kompetenzen   benötigt   werden.   Als  
Antwort   wäre   primär   eine   Aufzählung   dieser  
Worthülsen   zu   erwarten,   es   bliebe   jedoch   offen,  
was   genau   im   Kontext   von   Software   Engineering  
darunter  zu  verstehen  ist.  </p>
        <p>Als   erster   Schritt   zu   einem   Beschreibungssche-­‐‑
ma   für   überfachliche   Kompetenzen   wurden   die  
vorhandenen   Interviews   zunächst   im   Hinblick   auf  
jegliche   überfachliche   Aussagen   codiert.   Es   ent-­‐‑
standen   32   Codes,   die   unterschiedlich   häufig   auf-­‐‑
traten.   Diese   Codes   deuten   auf   ein   Schema   zur  
Beschreibung   überfachlicher   Kompetenzen   hin,  
sind  jedoch  noch  weiter  zu  clustern  und  zu  struktu-­‐‑
rieren.   Gemäß   Grounded   Theory   geschieht   dies  
parallel   mit   der   Erhebung   und   Auswertung   weite-­‐‑
rer   Daten.   In   diesem   iterativen   Prozess   entsteht  
somit   neben   dem   Beschreibungsschema   für   über-­‐‑
fachliche  Kompetenzen  zeitgleich  auch  die  inhaltli-­‐‑
che  Beschreibung  überfachlicher  Kompetenzen,  die  
ein  Software  Ingenieur  benötigt.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-5">
        <title>Vorgehen bei fachlichen Kompetenzen</title>
        <p>Aufgrund   anderer   Voraussetzungen   und   Vor-­‐‑
kenntnisse   wurde   bei   fachlichen   Kompetenzen  
zuerst   top-­‐‑down   ein   theoretisches   Modell   entwi-­‐‑
ckelt   und   in   einem   zweiten   Schritt   mit   konkreten  
Daten,   also   Kompetenzen,   gefüllt   und   validiert.  
Das  vorgeschlagene  Modell  zur  Beschreibung  fach-­‐‑
licher   Kompetenzen   wurde   so   in   einer   Pilotstudie  
auf  seine  Verwendbarkeit  überprüft.  Dazu  wurden  
mittels   halbstrukturierter  Interviews  fachliche  Soll-­‐‑
Kompetenzen   erhoben   und   klassifiziert,   die   Unter-­‐‑
nehmen   von   Absolventen   im   Bereich   Kern-­‐‑Infor-­‐‑
matik  erwarten.  </p>
        <p>Als   Grundlage   für   mögliche   Inhalte   und   somit  
für   den   Interviewleitfaden   wurde   u.a.   SWEBOK  
herangezogen.   Um   auch   angrenzende   Themen-­‐‑
komplexe   wie   beispielsweise   Programmiertechni-­‐‑
ken  und  Datenbanken  einfließen  zu  lassen,  wurden  
auch   entsprechende   fachliche   Inhalte   vorhandener  
Lehrveranstaltungen  berücksichtigt.    </p>
        <p>Es  wurden  Gespräche  mit  sieben  Vertreten  von  
Wirtschaftsunternehmen   verschiedener   Branchen  
(vgl.   Tabelle   1)   im   Bereich   Software   Engineering  
geführt,  aufgezeichnet,  transkribiert  und  ausgewer-­‐‑
tet.   Befragt   wurden   einerseits   Personen   mit   Ent-­‐‑
scheidungskompetenz   bei   der   Auswahl   neuer   Mit-­‐‑
arbeiter  und  Nähe  zu  den  fachlichen  Inhalten,  also  
z.B.   Geschäftsführer   oder   Gruppen-­‐‑/Abteilungs-­‐‑
leiter,   andererseits   Absolventen   der   eigenen   Hoch-­‐‑
schule   mit   inzwischen   mehrjähriger   Berufserfah-­‐‑
rung.    </p>
        <p> 
Nr   Branche  </p>
        <sec id="sec-7-5-1">
          <title>Entschei-­‐‑</title>
          <p>der  
ehem.  
Absol-­‐‑
vent(in)  
1  
2  
3  </p>
        </sec>
        <sec id="sec-7-5-2">
          <title>Marketing,  Software-­‐‑ entwicklung  kein   Kerngeschäft  </title>
        </sec>
        <sec id="sec-7-5-3">
          <title>Softwareentwicklung   für  Banken  und  Versi-­‐‑ cherungen  </title>
        </sec>
        <sec id="sec-7-5-4">
          <title>Bildbearbeitung  (Me-­‐‑ dizin),  Embedded,   Datenbanklösungen   X  </title>
          <p>4  
5  
6  
7  </p>
        </sec>
        <sec id="sec-7-5-5">
          <title>Automobilzulieferer   (Embedded)  </title>
        </sec>
        <sec id="sec-7-5-6">
          <title>Softwareentwicklung  </title>
          <p>und  Betrieb  einer  
Marketingplattform  </p>
        </sec>
        <sec id="sec-7-5-7">
          <title>Softwareentwicklung  </title>
          <p>und  Betrieb  einer  
Marketingplattform  </p>
        </sec>
        <sec id="sec-7-5-8">
          <title>Großkonzern,  Abtei-­‐‑ lung  mit  Schwerpunkt   Softwareentwicklung    </title>
          <p> 
 
X  
 </p>
          <p>Tabelle  1:  Zusammensetzung  der  Stichprobe  
Zwar   gewährleistet   diese   Auswahl   noch   keine   re-­‐‑
präsentative  Stichprobe,  aber  immerhin  eine  relativ  
gute   Abdeckung   des   fachlichen   Spektrums   und  
unterschiedliche   Perspektiven.   Folgt   man   der  
Grounded   Theory,   genügt   dies,   um   erste   Annah-­‐‑
men   und   Hypothesen   zu   bilden,   die   dann   den  
Ausgangspunkt   für   die   weitere   Forschung   bilden,  
jedoch  noch  nicht  den  Anspruch  haben,  eine  bereits  
vorhandene  These  zu  validieren.  </p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>7. Wie kann man Kompetenzen sinnvoll beschreiben?</title>
      <p>Zunächst  sind  Kompetenzen  mittels  eines  geeigne-­‐‑
ten   Modells   zu   analysieren   und   beschreiben.   Dazu  
wurden   existierende   Klassifikationsschemata   auf  
ihre  Eignung  im  EVELIN-­‐‑Kontext  überprüft.  </p>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>7.1 Generelle Anforderungen an ein Beschreibungsmodell</title>
        <p>Die  Untersuchung  vorhandener  Schemata  ergab  ein  
klares   Bild   der   Anforderungen   an   ein   geeignetes  
Beschreibungsmodell   im   EVELIN-­‐‑Kontext.   Ein  
Kompetenzprofil  für  Software  Engineering  ist  keine  
rein   inhaltliche   Sammlung   von   Stichworten,   denn  
aufgrund   der   Anwendung   in   verschiedenen   Fach-­‐‑
disziplinen   soll   es   auch   ausdrücken   können,   wie  
gut   Studierende   die   jeweilige   Kompetenz   beherr-­‐‑
schen.   Auch   darf   ein   Kompetenzprofil   nicht   auf  
Lehrzielebene   formuliert   sein,   denn   hier   muss   auf-­‐‑
grund   der   verschiedenen   Schwerpunkte   einzelner  
Studiengänge  und  der  Vorstellungen  und  Priorisie-­‐‑
rungen   der   Lehrenden   eine   gewisse   Flexibilität  
vorhanden   sein.   Gleichzeitig   muss   ein   Beschrei-­‐‑
bungssystem   auch   die   Beschreibung,   Strukturie-­‐‑
rung  und  Einordnung  von  Lehrzielen  unterstützen,  
so  dass  es  als  "ʺKompass"ʺ  für  die  Lehr-­‐‑Lern-­‐‑Planung  
anwendbar   ist.   Die   Lehrziele   leiten   sich   aus   dem  
entsprechenden  Kompetenzmodell  ab.    </p>
        <p>Das  Modell  soll  die  Beschreibung  von  Soll-­‐‑  und  
Ist-­‐‑Kompetenzen   zu   verschiedenen   Zeitpunkten  
und   deren   Vergleich   ermöglichen.   Da   dieses   Be-­‐‑
schreibungsmodell   ein   Werkzeug   für   Planung,  
Messung  und  Analyse  sein  soll,  muss  es  möglichst  
einfach,   aber   dennoch   ausreichend   ausdruckskräf-­‐‑
tig,  verständlich  und  handhabbar  sein.    </p>
        <p>
          Wichtig  ist  auch  die  Kompatibilität  mit  anderen  
Denkansätzen  und  Beschreibungsmodellen  wie  z.B.  
der   Taxonomie   von   Lernzielen   im   kognitiven   Be-­‐‑
reich  nach  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">Bloom  (1972</xref>
          ).  Es  sollte  -­‐‑  wenn  nötig  -­‐‑  zu  
späteren  Zeitpunkten  noch  erweiterbar  sein.    
        </p>
        <p>Auch   sollte   eine   Hierarchie   aufeinander   auf-­‐‑
bauender   Kompetenzen   zwar   abbildbar,   jedoch  
nicht  zwingend  sein.  </p>
        <p>Klassifikationsschemata   für   Lernaufgaben   und  
Taxonomien   für   Software   Engineering-­‐‑Inhalte  
wurden  mit  diesen  Anforderungen  abgeglichen.    </p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-2">
        <title>7.3 Taxonomien für fachliche Kompetenzen</title>
        <p>
          Die   Taxonomie   kognitiver   Lernziele   von  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">Bloom  
(1972</xref>
          )  ist  eines  der  bedeutendsten  Klassifizierungs-­‐‑
systeme   in   diesem   Bereich.   Bloom   unterteilt   Lern-­‐‑
ziele   in   die   Hauptklassen   Wissen,   Verstehen,   An-­‐‑
wendung,  Analyse,  Synthese  und  Bewertung.  Diese  
sechs   Klassen   gliedern   sich   teilweise   wiederum   in  
Unterklassen.   Insgesamt   ergeben   sich   daraus   24  
Klassifikationsmöglichkeiten,   was   die   Einordnung  
von   Kompetenzen   erheblich   erschwert.   Für   EVE-­‐‑
LIN   soll   jedoch   ein   Klassifikationsschema   eine  
schnelle   und   einfache   Zuordnung   ermöglichen.  
Trotz   der   komplexen   Unterstruktur   ist   es   schwie-­‐‑
rig,   Kompetenzen   verschiedener   Bereiche   des  
Software   Engineering   wie   etwa   Kerninformatik,  
Mechatronik   oder   Wirtschaftsinformatik   mit   die-­‐‑
sem  Modell  zu  unterscheiden.  Die  Untersuchungen  
zeigten  u.a.,  dass  die  Klassifizierung  auf  der  Ebene  
der   Kompetenzen   oftmals   widersprüchlich   ist.   Ei-­‐‑
nerseits   ist   dies   auf   die   strikte   kumulative   Hierar-­‐‑
chie   der   Klassen   zurückzuführen,   anderseits   sind  
die   Anordnung   und   Bedeutung   der   höheren   Klas-­‐‑
sen  für  diesen  Einsatzzweck  fraglich  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref6">(Claren  2012)</xref>
          .  
Da   dieses   Modell   zur   Klassifizierung   von   Lehrzie-­‐‑
len  entwickelt  wurde,  eignet  es  sich  nur  bedingt  für  
die   Beschreibung   von   Kompetenzen,   da   diese   auf  
einer  abstrakteren  Ebene  angesiedelt  sind.    
        </p>
        <p>Anderson   und   Krathwohl   (2001)   veröffentlich-­‐‑
ten  eine  überarbeitete  Fassung  der  Taxonomie  nach  
Bloom.   Gegenüber   der   Ursprungstaxonomie   wur-­‐‑
den   zunächst   die   Klassen   in   aktive   Verben   umbe-­‐‑
nannt   und   die   beiden   letzten   vertauscht,   da   dies  
nach   Meinung   der   Autoren   der   steigenden   Kom-­‐‑
plexität   der   kognitiven   Prozesse   besser   entspricht.  
Die   wesentliche   Änderung   ist   jedoch   die   Einfüh-­‐‑
rung   einer   zweiten   Dimension,   welche   die   Art   des  
Wissens  repräsentiert.  Damit  ergibt  sich  das  in  Ab-­‐‑
bildung   1   gezeigte   zweidimensionale   Schema,   das  
zwischen   einer   kognitiven   und   einer   Wissensdi-­‐‑
mension  unterscheidet.  
Abb.  1:  Lernzieltaxonomie  nach  Anderson  und  </p>
        <p>Krathwohl  (2001)  
Eine   weitere   Änderung   ist   der   Verzicht   auf   die  
kumulativen  Eigenschaften  der  Klassen.  </p>
        <p>
          Bei   der   Anwendung   dieser   Taxonomie   zeigen  
sich  jedoch  grundlegende  Probleme.  Lehrziele  bzw.  
Kompetenzen   müssen   in   diesem   Schema   immer  
sowohl  einer  Wissenskategorie  als  auch  einer  Kate-­‐‑
gorie   in   der   kognitiven   Dimension   zugeordnet  
werden.  Dabei  soll  die  Formulierung  der  Lehrziele  
einen   Hinweis   für   die   Einordnung   in   das   Schema  
geben,   was   auch   die   eigentliche   Intension   des   Mo-­‐‑
dells   erkennen   lässt:   Es   soll   in   erster   Linie   ein   Pla-­‐‑
nungs-­‐‑   und   Kontrollwerkzeug   für   den   Unterricht  
sein   und   geht   davon   aus,   dass   bereits   formulierte  
Lehrziele   existieren  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref2">(Anderson   und   Krathwohl  
2001)</xref>
          .  Im  Rahmen  von  EVELIN  sollen  Soll-­‐‑Kompe-­‐‑
tenzprofile  für  Software  Engineering  entstehen,  aus  
denen   erst   später   Lehrziele   abgeleitet   werden.   Ge-­‐‑
nerell   erhöht   die   Aufteilung   in   ein   zweidimensio-­‐‑
nales   Schema   die   Komplexität,   da   sich   für   jede   zu  
beschreibende   Kompetenz   24   Klassifizierungsmög-­‐‑
lichkeiten   ergeben.   Zu   diesem   Schluss   kommen  
auch   Fuller   et   al.   (2007).   Aufgrund   der   Tatsache,  
dass   höhere   Klassen   in   diesem   Modell   die   darun-­‐‑
terliegenden   Klassen   nicht   subsumieren,   erlaubt  
das   Modell   die   Überlappung   von   Klassen.   Ein  
Lehrziel  kann  also  gleichzeitig  in  zwei  benachbarte  
Klassen  eingeordnet  werden.  Dadurch  fehlt  es  dem  
Modell   in   beiden   Dimensionen   an   der   nötigen  
Trennschärfe,   um   eine   möglichst   eindeutige   und  
zielführende   Klassifizierung   durchzuführen  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10 ref11">(Cla-­‐‑
ren  2012,    Granzer  et  al.  2008)</xref>
          .    
        </p>
        <p>
          Fuller   et   al.   (2007)   untersuchten   verschiedene  
Taxonomien   zur   Beschreibung   von   Kompetenzen  
im  Bereich  der  Informatik,  darunter  auch  die  Taxo-­‐‑
nomien   nach   Bloom   sowie   nach   Anderson   und  
Krathwohl.   Ihre   Erkenntnisse   decken   sich   weitge-­‐‑
hend  mit  denen  der  Untersuchung  im  Rahmen  von  
EVELIN.   Darunter   fällt   etwa   die   problematische    
Einordnung  in  höhere  Klassen,  die  Fragwürdigkeit  
der   hierarchischen   Ordnung   bei   Bloom   sowie   die  
zu   hohe   Komplexität   des   zweidimensionalen   Mo-­‐‑
dells   von   Anderson  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10">(Fuller     et   al.   2007)</xref>
          .   Die   Auto-­‐‑
ren   schlagen   die   sogenannte   Matrix-­‐‑Taxonomie  
(siehe   Abbildung   2)   vor,   die   auf   der   Taxonomie  
von  Anderson  basiert.  
 
        </p>
        <p>
          Abb.  2:  Matrix-­‐‑Taxonomie  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10">(Fuller  et  al.  2007)</xref>
           
Die   Dimension   INTERPRETING   umfasst   alle   Aus-­‐‑
prägungen  einer  Kompetenz,  die  sich  auf  Interpre-­‐‑
tieren   und   Verstehen   beziehen.   Die   PRODUCING-­‐‑
Ebene   dagegen   repräsentiert   die   Fähigkeiten,   die  
nötig   sind,   um   neue   Produkte   zu   entwerfen   und  
entwickeln.   Dadurch   lassen   sich   die   theoretischen  
(INTERPRETING)  und  praktischen  (PRODUCING)  
Aspekte  einer  Kompetenz  beschreiben.    
        </p>
        <p>Zunächst  wird  ein  Zielfeld  für  eine  Kompetenz  
festgelegt,   das   Studierende   über   verschiedene   Pfa-­‐‑
de   erreichen   können.   Dabei   bewegt   sich   der   Lern-­‐‑
prozess  vom  Startpunkt  aus  sequenziell  entlang  der  
Ebenen   zum   nächsthöheren   Level.   Im   Lernprozess  
kann   kein   Feld   übersprungen   werden   und   es   ist  
immer   nur   eine   Bewegung   von   links   nach   rechts  
bzw.  von  unten  nach  oben  möglich.  Im  Normalfall  
beginnt   der   Lernprozess   dabei   in   REMEBER   |  
NONE  (-­‐‑).    </p>
        <p>Hier   wird   deutlich,   dass   eine   andere   Zielset-­‐‑
zung  als  die  unseres  Projektes  vorliegt.  Bei  Fuller  et  
al.   liegt   der   Fokus   auf   der   Beschreibung,   Beobach-­‐‑
tung   und   Planung   von   Lernpfaden   einzelner   Stu-­‐‑
dierender   oder   homogener   Studierendengruppen.  
Während   Fuller   et   al.   Prozesse   analysieren,   beab-­‐‑
sichtigt   EVELIN,   zunächst   "ʺZustände"ʺ   zu   beschrei-­‐‑
ben.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-3">
        <title>7.4 Das EVELIN-Modell zur Beschreibung von fachlichen Kompetenzen</title>
        <p>Keines   der   analysierten   Modelle   eignet   sich   unein-­‐‑
geschränkt   für   eine   Kompetenzbeschreibung   im  
Rahmen   von   EVELIN.   Für   fachliche   Kompetenzen  
wurde   daher   ein   eigenes   Modell   entwickelt,   das  
bewusst   wesentliche   Elemente   bestehender   Taxo-­‐‑
nomien  aufgreift,  um  sie  im  Hinblick  auf  die  bereits  
genannten  Anforderungen  sinnvoll  zu  kombinieren  
und  zu  erweitern.  </p>
        <p>Das  EVELIN-­‐‑Modell  (vgl.  Abbildung  3)  besteht  
aus   den   Klassen   Erinnern,   Verstehen,   Erklären,  
Verwenden,   Anwenden   und   (Weiter-­‐‑)Entwickeln,  
die  sich  wie  folgt  charakterisieren  lassen:  
Abb.  3:  EVELIN-­‐‑Modell  zur  Beschreibung  fachli-­‐‑
cher  Kompetenzen  </p>
        <sec id="sec-8-3-1">
          <title>Erinnern  </title>
          <p>• sich  an  Informationen  erinnern  und  sie  wortge-­‐‑
nau  wiedergeben  können    
Verstehen  
• den   Sinn   /   die   Bedeutung   von   Informationen  
verstehen  
• definieren  können  
• implizites  Wissen  
• thematisch   zugehörige,   aber   neue   Informatio-­‐‑
nen  zuordnen  können  
Erklären  
• Zusammenhänge,   Abhängigkeiten   und   Ähn-­‐‑
lichkeiten   zwischen   Informationen   erkennen  
und  in  eigenen  Worten  erklären  können  
• Ursache-­‐‑Wirkungs-­‐‑Zusammenhänge   theore-­‐‑
tisch  benennen  können  
• Informationen  strukturieren  können  
• Vor-­‐‑   und   Nachteile   erkennen,   bewerten   und  
theoretisch  analysieren  
• Verorten  von  Informationen  in  Systemen  
• sachliche  Analyse  
• begründen  </p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-3-2">
          <title>Verwenden  </title>
          <p>• Anwenden   in   definiertem   /   eingeschränktem  </p>
          <p>Kontext  und  /  oder  unter  Anleitung  
• Umsetzung   in   kleinen   Schritten   oder   mittels  
einer  Schablone  
• "ʺKochen  nach  Rezept"ʺ    
• Verstehen  muss  keine  Rolle  spielen  </p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-3-3">
          <title>Anwenden  </title>
          <p>• selbständiges,   eigenverantwortliches   Anwen-­‐‑
den   auch   in   "ʺschwierigem"ʺ   Umfeld   und   /   oder  
Lösungswege  situationsgerecht  auswählen  und  
umsetzen  können  
• Verstehen  spielt  eine  Rolle  
(Weiter-­‐‑)Entwickeln    
• Nutzen  von  vorhandenem  Wissen  zur  Entwick-­‐‑
lung  oder  Weiterentwicklung  von  Lösungen  
• Schaffen  von  neuen  Erkenntnissen,  Forschung  
Dabei   sind   Erinnern,   Verstehen   und   Erklären   auf  
theoretischer   Ebene   angesiedelt,   während   Verwen-­‐‑
den,   Anwenden   und   Entwicklung   mit   praktischer  
Umsetzung  verbunden  sind.    </p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>8. Welche fachlichen Kompetenzen benötigt ein Software Ingenieur?</title>
      <p>Wie   in   Abschnitt   6.3.   beschrieben,   wurde   eine   Be-­‐‑
fragung   von   Unternehmensvertretern   durchge-­‐‑
führt.   Da   die   Ergebnisse   nur   einen   Baustein   in  
Form  einer  ersten  Datenerhebung  zur  Bildung  von  
Hypothesen   bei   der   Erstellung   der   Soll-­‐‑
Kompetenzprofile  darstellen,  können  die  Aussagen  
zu   einzelnen   Kompetenzen   auch   noch   nicht   zu  
eindeutigen   Ausprägungen   verdichtet   werden,  
sondern   zeigen   Tendenzen   auf.   Dazu   trägt   auch  
bei,   dass   Unternehmen   wegen   unterschiedlicher  
Tätigkeitsschwerpunkte   unterschiedliche   Vorstel-­‐‑
lungen   von   Software   Engineering   haben.   Die   Ent-­‐‑
wicklung   von   Software   für   Banken   und   Versiche-­‐‑
rungen   hat   etwa   auch   Auswirkungen   auf   die   er-­‐‑
warteten   Kompetenzen   im   Bereich   Softwaretest.  
Nachfolgend   werden   wesentliche   Ergebnisse   der  
Untersuchung   dargestellt,   eine   detaillierte   Diskus-­‐‑
sion  findet  sich  in  Claren  (2012).  </p>
      <sec id="sec-9-1">
        <title>8.1 Vorgehensmodelle</title>
        <p>Bei  Vorgehensmodellen  gibt  es  eine  Tendenz  hin  zu  
umfangreichen   theoretischen   Kompetenzen.   So  
erwarten   die   Befragten   sowohl   bei   agilen   als   auch  
bei   plan-­‐‑getriebenen   Modellen   eher   Kompetenzen,  
die   sich   mit   "ʺErklären"ʺ   klassifizieren   lassen.   Eine  
gute  theoretische  Basis  ist  hier  wichtig,  da  die  Vor-­‐‑
gehensmodelle   meist   unternehmensspezifisch   an-­‐‑
gepasst   sind   und   dafür   bei   Neueinsteigern   eine  
Einarbeitung   erforderlich   ist.   Lediglich   bei   testge-­‐‑
triebener   Entwicklung   ist   die   Ausprägung   "ʺAn-­‐‑
wendung"ʺ  stärker  vertreten.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-9-2">
        <title>8.2 Requirements Engineering</title>
        <p>Beim   Thema   Requirements   Engineering   erwarten  
die  Befragten  ein  Verständnis  dafür,  welche  Rollen  
Lasten-­‐‑   bzw.   Pflichtenhefte   im   Anforderungspro-­‐‑
zess   einnehmen.   Auch   wenn   die   Mehrheit   der   Be-­‐‑
fragten   keine   spezielle   Technik   zur   Formulierung  
von   Anforderungen   nutzt,   erwartet   sie   dennoch  
grundlegendes   Verständnis   dafür,   wie   sich   gute  
von   schlechten   Anforderungen   unterscheiden.   Ab-­‐‑
solventen   sollten   Techniken   zur   Anforderungser-­‐‑
hebung  sicher  und  gezielt  anwenden  können.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-9-3">
        <title>8.3 Modellierung</title>
        <p>Im   Gebiet   der   Modellierung   werden   deutlich   an-­‐‑
wendungsorientierte   Kompetenzen   erwartet.   Ab-­‐‑
solventen   sollten   sowohl   im   Bereich   der   System-­‐‑
modellierung   (z.B.   mit   der   UML)   als   auch   der   Da-­‐‑
tenmodellierung   (z.B.   ER-­‐‑Modelle)   ausgeprägte  
praktische   Erfahrungen   im   Studium   sammeln.   Im  
Gegensatz  dazu  spielt  das  Thema  Prozessmodellie-­‐‑
rung   bei   den   Befragten   eine   eher   untergeordnete  
Rolle.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-9-4">
        <title>8.4 Datenbanken</title>
        <p>Auch   im   Themenkomplex   Datenbanken   dominie-­‐‑
ren   praktisch   ausgerichtete   Kompetenzen.   Vor   al-­‐‑
lem   bei   Datenbankentwurf   und   Datenabfrage   er-­‐‑
warten   die   meisten   Befragten   Kompetenzen   auf  
dem   Niveau   "ʺAnwenden"ʺ.   Auch   bei   der   Daten-­‐‑
bankprogrammierung,   wie   z.  B.   dem   Erstellen   von  
Triggern   und   Funktionen,   gibt   es   eine   leichte   Ten-­‐‑
denz   in   diese   Richtung,   wobei   es   manchen   Inter-­‐‑
viewten  hier  auch  genügt,  wenn  Absolventen  "ʺver-­‐‑
stehen"ʺ.    </p>
      </sec>
      <sec id="sec-9-5">
        <title>8.5 Design und Implementierung</title>
        <p>Hier   lassen   sich   bei   zwei   Kompetenzen   Aussagen  
über  die  erwarteten  Ausprägungen  treffen.  Bei  der  
Beherrschung   objektorientierter   Programmiertech-­‐‑
niken   sind   sich   die   Befragten   überwiegend   einig,  
dass   sich   ein   Absolvent   auf   Anwendungsniveau  
befinden   sollte.   Bei   Design-­‐‑Patterns   werden   keine  
praktischen   Kompetenzen   erwartet.   Berufseinstei-­‐‑
ger   sollten   nach   Meinung   der   Befragten   begreifen,  
was  hinter  diesem  Begriff  steckt,  und  die  Prinzipien  
grundlegender  Entwurfsmuster  verstehen.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-9-6">
        <title>8.6 Softwaretest</title>
        <p>Bei   Kompetenzen   im   Bereich   Softwaretest   sind   die  
Meinungen   sehr   unterschiedlich.   Lediglich   bei  
"ʺUnittest"ʺ   und   "ʺTestfallentwurf"ʺ   können   die   Mehr-­‐‑
zahl   der   Antworten   mit   "ʺAnwenden"ʺ   klassifiziert  
werden.  Außerdem  wird  erwartet,  dass  Studienab-­‐‑
solventen  die  grundlegenden  Eigenschaften,  Unter-­‐‑
schiede   und   Zusammenhänge   verschiedener   Test-­‐‑
metriken  verstanden  haben.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-9-7">
        <title>8.7 Konfigurationsmanagement</title>
        <p>Die   Erwartungen   im   Bereich   Konfigurationsma-­‐‑
nagement  lassen  sich  auf  rein  theoretische  Kompe-­‐‑
tenzen   reduzieren.   Bei   den   Themen   Change   Ma-­‐‑
nagement,   Build   Management   /   Continuous   In-­‐‑
tegration   sowie   Versionskontrollmechanismen  
können   alle   Antworten   den   theoretischen   Klassen  
"ʺErinnern"ʺ,   "ʺVerstehen"ʺ   und   "ʺErklären"ʺ   zugeordnet  
werden.   Die   Erwartungen   bei   Build   Management  
sind   am   geringsten,   da   sich   Absolventen   nur   an  
grundlegende  Aspekte  "ʺerinnern"ʺ  sollen.  Bei  Chan-­‐‑
ge   Management   oder   Versionskontrolle   variieren  
die   Antworten   stark,   jedoch   jeweils   mit   leichter  
Tendenz  zu  "ʺErklären"ʺ.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-9-8">
        <title>8.8 Projektmanagement</title>
        <p>Projektmanagement   ist   überwiegend   durch   über-­‐‑
fachliche   Kompetenzen   geprägt   (z.B.   Kommunika-­‐‑
tions-­‐‑  und  Teamfähigkeit).  Fachliche  Kompetenzen  
spielen  zunächst  kaum  eine  Rolle,  da  es  eher  unüb-­‐‑
lich  ist,  dass  ein  Absolvent  sofort  ein  Projekt  leitet.  </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>9. Welche überfachlichen Kompetenzen benötigt ein Software Ingenieur?</title>
      <p>Wie  bereits  erläutert  kann  derzeit  noch  kein  exaktes  
Schema  angegeben  werden,  das  beschreibt,  in  wel-­‐‑
cher   Ausprägung   welche   überfachlichen   Kompe-­‐‑
tenzen   für   Software   Engineering   konkret   erforder-­‐‑
lich   sind.   Es   lässt   sich   jedoch   ein   erster   Eindruck  
vermitteln,   welche   Kompetenzen   konkret   für   den  
Bereich  Software  Engineering  benötigt  werden  und  
was   darunter   zu   verstehen   ist.   Derzeit   handelt   es  
sich   um   die   Sichtweise   von   Software   Ingenieuren  
und   Führungskräften.   Es   geht   im   Folgenden   nicht  
darum,   die   genannten   Kompetenzen   quantitativ  
aufzuzählen,   sondern   vielmehr   zu   verstehen,   was  
zentrale   Anforderungen   an   einen   Software   Ingeni-­‐‑
eur  sind  und  was  damit  gemeint  ist.  </p>
      <p>Dazu   wurden   in   den   Interviews   insgesamt   306  
Stellen   codiert,   die   Rückschlüsse   auf   überfachliche  
Kompetenzen   zulassen.   Insgesamt   wurden   32  
Codes   vergeben,   wobei   sich   über   70   %   der   codier-­‐‑
ten   Stellen   auf   die   12   am   häufigsten   genannten  
Codes  verteilen  (vgl.  Tabelle  2).    
 </p>
      <p>Anzahl   Anteil   Doku-­‐‑
Codings   an   allen     ku-­‐‑
in    %   mente  
Code  </p>
      <sec id="sec-10-1">
        <title>Problembewusstsein  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-2">
        <title>Verstehen  komplexer   Prozesse  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-3">
        <title>Zusammenarbeit  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-4">
        <title>Kommunikation  mit   anderen  (auch  inter-­‐‑ disziplinär)  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-5">
        <title>Lernbereitschaft  (Ge-­‐‑ genteil:  Selbstüber-­‐‑ schätzung)  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-6">
        <title>Problemlösungsfähig-­‐‑</title>
        <p>keit/  Kreativität  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-10-7">
        <title>Selbst  etwas  erarbei-­‐‑ ten  können  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-8">
        <title>Empathie  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-9">
        <title>Offenheit  für  Neues  </title>
      </sec>
      <sec id="sec-10-10">
        <title>Einfügen  in  Organisa-­‐‑</title>
        <p>tionsstrukturen  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-10-11">
        <title>Praktische  Anwen-­‐‑ dung   Abstraktions-­‐‑ vermögen  </title>
        <p>
          36  
30  
28  
18  
18  
16  
16  
15  
14  
13  
12  
10  
Unternehmen   erwarten   also   fachlich   gut   ausgebil-­‐‑
dete   Absolventen,   die   in   der   Lage   sind,   komplexe  
Prozesse  in  Unternehmen  zu  verstehen.  Mitarbeiter  
im  Bereich  Software  Engineering  sollen  ihre  eigene  
Fachlichkeit  realistisch  einschätzen.  Sie  sollen  zwar  
in   der   Lage   sein,   sich   mit   ihrem   Wissen   im   Unter-­‐‑
nehmen   zu   verorten,   jedoch   auch   die   Bereitschaft  
mitbringen,  sich  in  Aufbau-­‐‑  bzw.  Ablauforganisati-­‐‑
onen   einzufügen.   Gleichzeitig   wird   eine   gewisse  
Aktivität   und   Selbständigkeit   vorausgesetzt.   Man  
erwartet,  keine  genauen  Vorgaben  machen  zu  müs-­‐‑
sen,   wie   und   wann   etwas   zu   tun   ist.   Vielmehr   soll  
ein   Software   Ingenieur   sich   innerhalb   eines   Korri-­‐‑
dors   aktiv   und   eigenverantwortlich   bewegen   und  
seine   Kompetenzen   selbständig   einbringen   und  
auch   weiterentwickeln.   Ebenso   notwendig   ist   die  
Bereitschaft,  sich  ständig  auf  Neues  und  Unvorher-­‐‑
gesehenes   einzulassen.   Es   wird   erwartet,   dass   Ab-­‐‑
solventen   sich   selbst   und   ihre   Position   im   Unter-­‐‑
nehmen   realistisch   einschätzen   können   und   so   im  
Team   und   mit   ihren   Vorgesetzten   konstruktiv   zu-­‐‑
sammenarbeiten   und   dabei   ihren   Platz   und   ihre  
Rolle  finden.  Dies  ist  eng  verknüpft  mit  drei  zentra-­‐‑
len  Anforderungen,  die  am  häufigsten  in  den  Inter-­‐‑
views   genannt   wurden:   Problembewusstsein   und  
das  Verstehen  komplexer  Prozesse  gepaart  mit  dem  
Faktor   Zusammenarbeit/   Kommunikation.   Zu   ei-­‐‑
nem   ähnlichen   Ergebnis   kommen   auch  
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">Böttcher   et  
al.  (2011</xref>
          ).  
        </p>
        <p>Als   zentrale   Anforderung   wird   von   einem  
Software   Ingenieur   ein   ausgeprägtes   Problembe-­‐‑
wusstsein   erwartet.   Problembewusstsein   meint,  
sich   in   einem   komplexen   Prozess   zurechtzufinden  
und   zu   erkennen,   wann   welche   Kompetenzen   wie  
benötigt   werden,   und   wann   und   wie   sie   zusam-­‐‑
menhängen.   Ein   Interviewpartner   beschreibt   dies  
folgendermaßen:  "ʺ...  das  ist  auch  so  ein  Thema,  das  
wurde   auch   in   meinem   Studium   behandelt,   das  
kann  man  aber  auch  erst  sozusagen  verstehen  und  
adaptieren,   wenn   man   das   Problembewusstsein  
hat,   [...]   weil   man   vielleicht   schon   das   eine   oder  
andere  Problem  wirklich  erlebt  hat,  dass  man  sagt:  
o.k.,   ich   habe   jetzt   eine   gewisse   Problemstellung  
und   die   muss   ich   irgendwie   lösen   und   dann   eben  
auch  dieses  Aha-­‐‑Erlebnis  gehabt  hat  [...]"ʺ    </p>
        <p>Ein  anderer  Interviewpartner  formuliert  die  Si-­‐‑
tuation  so:  "ʺDas  Problem  ist  ja,  man  hört  im  Studi-­‐‑
um   viele   Sachen,   die   einem   erzählt   werden   und   –  
da   heißt   es   dann:   o.k.,   das   macht   man   so   und   das  
macht   man   so   –   aber   man   weiß   im   Grunde   ge-­‐‑
nommen   ganz   oft   nicht,   warum   macht   man   das  
denn   eigentlich   so.   Weil   es   gibt   eigentlich   zehn  
Möglichkeiten,  etwas  zu  machen.  Im  Studium  wer-­‐‑
den   vielleicht   zwei   Möglichkeiten   beleuchtet   [...]  
und  dann  hat  man  zwar  gehört:  Okay,  das  und  das  
sollte   man   so   machen,   aber   man   weiß   gar   nicht,  
warum   man   das   so   machen   muss   und   wenn   jetzt  
jemand  zu  uns  kommt,  der  sich  eben  über  das  Stu-­‐‑
dium  hinaus  mit  den  Themen  beschäftigt  hat,  dann  
ist  es  ganz  oft  auch  der  Fall,  dass  der  eben  –  ja  ver-­‐‑
schiedene  Möglichkeiten  schon  abgeklopft  hat  und  
dann   auch   –   ja   von   sich   aus   verstehen   kann,   nach-­‐‑
vollziehen  kann  warum  manche  Sachen  notwendig  
sind."ʺ   Auch   ein   dritter   Befragter   verlangt   Ver-­‐‑
ständnis  dafür  "ʺ...vor  allem  WARUM  muss  ich  das  
verwenden,   welchen   Nutzen   ziehe   ich   denn   dar-­‐‑
aus,  wenn  ich  das  mache."</p>
        <p>Dabei   geht   es   nicht   ausschließlich   um   das   Ver-­‐‑
stehen   und   Einordnen   von   Fach-­‐‑   und   Faktenwis-­‐‑
sen,   sondern   auch   darum,   die   Tragweite   und   Zu-­‐‑
sammenhänge  komplexer  Probleme  bewusst  wahr-­‐‑
zunehmen.  Ein  Interviewpartner  fasst  diese  Aspek-­‐‑
te   so   zusammen:   "ʺWenn   man   dann   ins   alltägliche  
Berufsleben  hinein  geschmissen  wird,  hat  man  eher  
das   Problem,   dass   man   von   den   ganzen…   ja…  
Dingen,  die  da  existierten,  erst  mal  überwältigt  ist."ʺ      </p>
        <p>Diese   Zitate   verdeutlichen,   dass   der   Theorie-­‐‑
Praxis-­‐‑Transfer  von  Kompetenzen  und  Wissen  eine  
zentrale   Herausforderung   darstellt,   die   offensicht-­‐‑
lich   für   viele   Absolventen   nicht   leicht   zu   meistern  
ist  und  auch  die  Unternehmen  vor  einige  Probleme  
stellt.   Umgekehrt   ist   es   für   die   Hochschulausbil-­‐‑
dung  schwierig,  den  komplexen  Praxisalltag  in  der  
Ausbildung   abzubilden,   so   dass   die   zitierten   Aha-­‐‑
Erlebnisse  für  die  Studierenden  erfahrbar  werden.  </p>
        <p>Eine   weitere   wichtige   überfachliche   Kompe-­‐‑
tenz,   die   von   fast   allen   Befragten   genannt   wurde,  
ist  das  Verstehen  komplexer  Prozesse.  Für  das  Ein-­‐‑
finden   und   angemessene   Bewegen   in   diesen   kom-­‐‑
plexen   Abläufen,   die   dem   Software   Engineering  
inhärent   sind,   ist   es   absolut   notwendig,   dass   ein  
Software   Ingenieur   diese   überblickt   und   versteht.  
Dies   schließt   auch   "ʺeinen   Weitblick   über   seinen  
eigenen   Tellerrand   hinaus"ʺ   mit   ein.   Ein   Befragter  
beschreibt   dies   so:   "ʺAber   das   Prinzip   muss   er   be-­‐‑
greifen:  wie  spielt  das  alles  zusammen."ʺ  </p>
        <p>Ein   dritter,   sehr   wichtiger   Komplex,   auf   den  
sich   überfachliche   Kompetenzen   beziehen,   ist   der  
Bereich   der   Zusammenarbeit.   Einer   der   Befragten  
bezeichnet   das   sehr   treffend   als   "ʺTeamwork-­‐‑
Alltag"ʺ.   Ein   anderer   Befragter   gibt   hier   einen   Ein-­‐‑
blick   in   den   Arbeitsablauf:   "ʺDieser   kommunikative  
Austausch  über  Themen  nicht  nur  im  Daily  Scrum  
mal   ein   paar   Minuten,   sondern   eigentlich   fachlich  
und   konkret   den   ganzen   Tag   über,   im   Pairing,   in  
immer  wiederkehrenden  Beratungssituationen.  Wir  
haben   auch   die   Teams   grundsätzlich   immer   zu-­‐‑
sammensitzen   in   Räumen   oder   an   Tischinseln   von  
Leuten,  die  im  Team  gemeinsam  miteinander  arbei-­‐‑
ten.   Dass   also   auch   ein   Austausch   stattfindet,   dass  
sie   nicht   nur   sich   von   einem   Zimmer   ins   andere  
eine  E-­‐‑Mail  schreiben,  sondern  dass  sie  auch  immer  
diesen   mündlichen   Kommunikationsweg   und   dass  
viele  darüber  sprechen  -­‐‑  das  versuchen  wir  eigent-­‐‑
lich  in  jeder  Weise  zu  befördern."ʺ  Insgesamt  scheint  
der  Faktor  Zusammenarbeit  zunehmend  an  Bedeu-­‐‑
tung   zu   gewinnen,   allerdings   verändert   sich   die  
Arbeitsrealität   in   gleichem   Maße.   Ein   Befragter  
fasst   es   zusammen:   "ʺTeamfähigkeit   ist   allerdings  
immer   besser   ausgeprägt   heute,   weil   eben   immer  
mehr   in   der   Ausbildung   –   Arbeiten   im   Team   erle-­‐‑
digt  werden  oder  erledigt  werden  müssen.  Das  hat  
sich   deutlich   verbessert   im   Lauf   der   25   oder   30  
Jahre,  die  ich  das  jetzt  betrachte.  Am  Anfang  waren  
viele,   viele,   viele   Einzelkämpfer   da,   das   hat   sich  
deutlich   verbessert   und   das   ist   auch   gut,   die   Ent-­‐‑
wicklung   ist   gut."ʺ   Auf   der   anderen   Seite   erkennen  
die   Befragten   noch   immer   Handlungsbedarf:   "ʺIch  
sage  mal  so,  die  Leute  haben  scheinbar  eine  gewis-­‐‑
se   technische   Kompetenz,   aber   wie   man   eine   ver-­‐‑
nünftige   Präsentation   macht,   wie   man   einen   ver-­‐‑
nünftigen   Text   schreibt,   wie   man   in   einem   Team  
umgeht,   wie   man   Konflikte   löst,   das   sind   alles  
Themen,   die   hat   der   gewöhnliche   Hochschulab-­‐‑
gänger  nicht  gelernt."ʺ  Ein  weiterer  sieht  darin  einen  
Ausweg  für  die  Hochschulausbildung,  "ʺ...dass  man  
Projekte   definiert,   wo   wirklich   mal   drei,   vier,   fünf  
Leute   dabei   sind.   Wo   man   sich   untereinander   ab-­‐‑
stimmen   muss.   Wo   die   Aufgaben   auch   so   abge-­‐‑
grenzt   sind,   dass   man   notgedrungen   Schnittstellen  
zu   anderen   hat."ʺ   Ein   weiterer   Befragter   würde   es  
auch  gut  finden,  wenn  den  Studierenden  auch  Pro-­‐‑
jektverantwortung   für   ein   Studienprojekt   überge-­‐‑
ben  würde.    
10.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-11">
      <title>Fazit und Ausblick</title>
      <p>Insgesamt   lässt   sich   festhalten,   dass   ein   Software  
Ingenieur   eine   Vielzahl   fachlicher   und   überfachli-­‐‑
cher   Kompetenzen   benötigt.   Nun   stellt   sich   die  
Frage,   wie   man   diese   benötigten   Kompetenzen   in  
der  Hochschulausbildung  am  besten  fördern  kann.  
Auf   diesem   Weg   ist   die   Beschreibung   der   Soll-­‐‑
Kompetenzen   mittels   eines   Schemas,   das   diese   zu  
verschiedenen   Zeitpunkten   vergleichbar   macht,  
nur  ein  erster  Schritt.  </p>
      <p>Die   Analyse   und   Beschreibung   der   Soll-­‐‑
Kompetenzen  für  Software  Engineering  muss  noch  
ausgebaut   werden.   Dies   ist   für   sowohl   für   Kernin-­‐‑
formatik  als  auch  für  alle  anderen  beteiligten  Berei-­‐‑
che   wie   Mechatronik   oder   Studiengänge   mit   nicht  
primärem   Informatikbezug   notwendig.   Um   die  
Tragfähigkeit   der   erhobenen   Kompetenzprofile  
weiter   zu   erhöhen,   werden   auch   die   Ergebnisse  
anderen   beteiligten   Verbundhochschulen   berück-­‐‑
sichtigt.    Neben  der  Ausweitung  der  Datenbasis  ist  
es   zudem   notwendig,   weitere   Blickwinkel   neben  
der  unternehmerischen  Sicht  einzubinden.  Sinnvoll  
ist   es,   beispielsweise   auch   Absolventen,   Studieren-­‐‑
de   oder   Personalverantwortliche   mit   einzubezie-­‐‑
hen.   Auch   kann   es   sinnvoll   sein,   die   entstandenen  
Kompetenzprofile   für   die   verschiedenen   Bereiche  
wie  Kerninformatik  oder  Mechatronik  miteinander  
zu  vergleichen.    </p>
      <p>Besonders   für   überfachliche   Kompetenzen   gilt  
es,   ein   Beschreibungsschema   zu   entwickeln,   das  
nahezu  die  gleichen  Anforderungen  erfüllt  wie  das  
für  fachliche  Kompetenzen.  Dieses  Modell  entsteht  
parallel  zur  Analyse  der  vorhandenen  Interviewda-­‐‑
ten   mit   Fokus   auf   überfachlichen   Kompetenzen.  
Dabei   sollen   überfachliche   Kompetenzen   sowohl  
strukturiert   als   auch   definiert   werden.   Es   gilt,   die  
Frage   zu   beantworten,   was   im   Kontext   von   Soft-­‐‑
ware  Engineering  etwa  unter  Team-­‐‑  oder  Kommu-­‐‑
nikationsfähigkeit   verstanden   wird.   Eine   weitere  
interessante   Fragestellung   ist,   ob   überhaupt   und  
ggf.  welche  Korrelationen  zwischen  fachlichen  und  
überfachlichen   Kompetenzen   auftreten.   Werden  
einzelne   überfachliche   Kompetenzen   besonders  
häufig  im  Zusammenhang  mit  einer  oder  mehreren  
bestimmten   fachlichen   Kompetenzen   genannt?   Für  
beide  Schemata  und  ihren  Inhalt  gilt  derselbe  itera-­‐‑
tive   Prozess,   in   dem   die   Daten   auch   während   des  
gesamten   Forschungsprojektes   EVELIN   immer  
wieder   überprüft   und   weiterentwickelt   werden.  
Gemäß   Grounded   Theory   fließen   ständig   neue  
Erkenntnisse   und   Aspekte   ein,   so   dass   ein   mög-­‐‑
lichst   umfassendes   Bild   zum   Lehren   und   Lernen  
von  Software  Engineering  entstehen  kann.    </p>
      <p>Parallel   dazu   findet   eine   weitere   didaktische  
und   inhaltliche   Analyse   der   aktuellen   Lehr-­‐‑Lern-­‐‑
Konzepte   für   Software   Engineering   und   der   Ein-­‐‑
flussvariablen   auf   die   Lernprozesse   statt.   Die   fach-­‐‑
lichen   Inhalte   von   Lehrveranstaltungen   werden  
wiederum  in  die  Weiterentwicklung  von  Soll-­‐‑Kom-­‐‑
petenzprofilen   einfließen.   Zudem   ist   bei   der   Ent-­‐‑
wicklung   didaktischer   Konzepte   eine   detaillierte  
Berücksichtigung   der   zu   vermittelnden   Inhalte   un-­‐‑
umgänglich.    </p>
      <p>
        Sobald   konkretere   Soll-­‐‑Kompetenzprofile   vor-­‐‑
liegen,  ist  die  Sichtweise  der  Lehrenden  stärker  ein-­‐‑
zubinden.   Die   Lehrenden   nehmen   im   Lernprozess  
der   Studierenden   eine   Schlüsselposition   ein   und  
prägen   besonders   auch   durch   ihre   Vorstellungen  
und   "ʺDefinitionen   gelungenen   Lernens"ʺ  
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(Bender  
2009)</xref>
         das  Lehren  und  Lernen  maßgeblich.  Daher  ist  
es  sinnvoll,  diese  Sichtweisen  zunächst  separat  mit  
der   erforderlichen   Sorgfalt   zu   berücksichtigen.   So  
sollen  nicht  nur  inhaltlich-­‐‑fachliche  Lehrinhalte  mit  
in   die   Bildung   von   Soll-­‐‑Kompetenzprofilen   einflie-­‐‑
ßen,   sondern   auch   Erwartungen,   Motive,   Werthal-­‐‑
tungen,   Menschenbild   und   personenbezogene  
Merkmale   etc.   Welche   Vorstellungen,   Ideale,   Ziele  
und   Wertvorstellungen   haben   die   Lehrenden?   Da-­‐‑
rauf   aufbauend   werden   zusammen   mit   den   Leh-­‐‑
renden   aus   den   Soll-­‐‑Kompetenzprofilen   konkrete  
kompetenzorientierte   Lehrziele   abgeleitet   und  
Messkriterien  für  deren  Erreichung  definiert.  Auch  
dieses   Vorgehen   ist   wiederum   ausgerichtet   auf   die  
jeweiligen   Lehrenden   und   die   Lehrveranstaltun-­‐‑
gen,   denn   Lehrziele   können   nicht   allgemeingültig  
formuliert  sein.  
      </p>
      <p>Weitere   zu   erhebende   Daten   sind   die   Erwar-­‐‑
tungen,   Motivationen   und   Vorkenntnisse   der   Stu-­‐‑
dierenden.  In  diesem  Kontext  stellt  sich  unter  ande-­‐‑
rem   die   Frage,   ob   Studierende,   die   sich   für   ein   be-­‐‑
stimmtes   Fach   entscheiden,   signifikante   Eigen-­‐‑
schaften   aufweisen.   Auch   das   sind   Faktoren,   auf  
die   Lehr-­‐‑Lern-­‐‑Konzepte   zugeschnitten   werden  
müssen.   Können   sowohl   bei   den   Lehrenden   als  
auch   bei   den   Studierenden   gewisse   Systematiken  
oder   Muster   erkannt   werden,   die   bei   der   Entwick-­‐‑
lung   didaktischer   Konzepte   berücksichtigt   werden  
müssen   und   zumindest   für   Software   Engineering  
oder  Teilbereiche  davon  signifikant  auftreten?  </p>
      <p>So   soll   versucht   werden,   die   Lücke   zwischen  
den   Soll-­‐‑   und   Ist-­‐‑Kompetenzen   der   Studierenden  
Schritt   für   Schritt   zu   verringern   und   die   Hoch-­‐‑
schulausbildung   im   Software   Engineering   noch  
weiter  zu  verbessern.  </p>
    </sec>
    <sec id="sec-12">
      <title>Danksagung</title>
      <p>Wir   danken   den   Gutachtern   für   hilfreiche   Anmer-­‐‑
kungen  zu  einer  früheren  Version  dieses  Beitrags.  </p>
      <p>Das   Projekt   EVELIN   wird   gefördert   durch   das  
Bundesministerium   für   Bildung   und   Forschung  
unter  der  Fördernummer  01PL12022A.  </p>
    </sec>
    <sec id="sec-13">
      <title>Literatur</title>
    </sec>
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